Mobile Sicherungen

Ratgeber: Mobile Sicherungen

Ob Friends, Stopper, Hexentrics, Sanduhrenschlingen oder Schlaghaken – der Markt für mobile Sicherungsgeräte ist groß und vielfältig. Damit ihr bei eurem erstes Kletterabenteuer in weniger gut gesicherten Routen souverän unterwegs seid, hilft euch unser Ratgeber: mobile Sicherungsgeräte.

Dank unserem Ratgeber hängst du nicht blindlings am Haken: Wir liefern dir alle wichtigen Tipps und Infos rund um mobile Sicherungen. Und wenn du noch mehr darüber wissen möchtest: auf OUTSIDEstories findest du eine Menge authentischer Erfahrungen aus unserer Community – zu verschiedenen Modellen, von allen gängigen Herstellern und inklusive Preisvergleich. Und falls du noch mehr Infos zu Kletterausrüstung suchst - hol die unseren Gratis-Ausrüstungsratgeber #2 zum Download - mehr dazu am Ende dieses Posts.

 

Eine Frage des Stils – was sind mobile Sicherungen?

In Trad-Routen braucht man viele Friends.

Welcher Kletterer stand nicht schon einmal vor einer einsamen Wand und dachte sich: „Die will ich durchsteigen!“ Doch leider findet sich weit und breit kein (Bohr)Haken, der einem die Kletterei ermöglichen würde. Für Wände mit sehr weiten Hakenabständen oder gar keinen Haken, gibt es mobile Sicherungsmittel wie Friends, Keile, Schlingen und Schlaghaken. Mit ihnen werden sowohl Standplätze als auch Zwischensicherungen gebaut, sie ersetzen in diesem Fall Bohrhaken. So unterschiedlich ihre Anwendung ist, eines haben sie alle gemeinsam: Sie brauchen Strukturen im Fels, um positioniert zu werden. Eine extrem glatte Platte ohne Felsstrukturen bietet auch den kleinsten Sicherungsmitteln keinen Halt.

Der Einsatz von mobilen Sicherungen beschränkt sich für viele Kletterer nicht auf die Abwesenheit von Bohrhaken. Trad- oder Clean-Climbing (Trad kommt von Traditional), also das Klettern nur mit mobilen Sicherungsmitteln ist ein eigener Stil, der sich zum einen auf die Zeit der Kletterpioniere zurückbesinnt (damals gab es nur geschlagene Haken und Schlingen) und zum anderen eine größere Freiheit erlaubt, da man seine Route nicht von einer Reihe von Bohrhaken abhängig machen muss.

Daneben gibt es aber auch viele Kletterer, die weite Hakenabstände in alpinen Routen mit Friends, Keilen & Co. überbrücken wollen.

 

Die neue Freiheit: Vor- und Nachteile

Wer sich dafür entscheidet, sich nicht mehr nur auf Bohrhaken zu verlassen, braucht zunächst mal einen dicken Geldbeutel: Ein Friend kostet rund 30-60 Euro, ein Satz kostet damit schnell mal ein paar Hundert Euro, ein Sortiment Keile zudem schlägt mit 50-100 Euro zu Buche. Mit diesem Equipment am Gurt zieht man los und stopft die Friends und Keile in Felslöcher und Risse. Das Prinzip kennt man aus der Zeit als Baby: Kleines Spielzeug für kleine Löcher, großes Spielzeug für größere Löcher.

Etwas komplexer ist die Materie dann allerdings schon: Man braucht Übung und Fachwissen – das lernt man nicht in der Kletterhalle, sondern nur draußen beim Trial & Error oder – besser – in einem Kurs. Fähigkeiten, die man sich beispielsweise antrainieren muss: Augenmaß – welches mobile Sicherungsmittel welcher Größe passt zur jeweiligen Felsstruktur? Wie sichere ich eine Route richtig ab? Und natürlich: Welche Linie ist die Richtige? Wenn keine Bohrhaken mehr den Weg vorgeben und man quasi frei entscheiden muss/kann, welche Linie man wählt, sollte man einen guten Blick dafür entwickeln.

Die Vorteile: Die Möglichkeit, einer neuen, ungeahnten Freiheit im Klettern. Und wer die mobilen Sicherungsmittel zur Unterstützung in „gebolteten“ Touren (engl. Bolts für Bohrhaken) verwendet: Ein Plus an Sicherheit.

 

Was gibt es für mobile Sicherungsmittel?

 

Auf den Spuren der Pioniere: Schlaghaken

Schlaghaken besitzen keilförmige Spitzen und werden in Risse oder Löcher geschlagen. Durch das Hineinschlagen verklemmen sie sich im Riss. Sie waren die ersten und einzigen Sicherungen vor der Erfindung der Stopper durch den Patagonia-Gründer Yvon Chuinard in den 80ern. Die Haken gibt es in unterschiedlichen Längen und Materialsorten. Wichtig: Schlaghaken verursachen immer Schäden am Fels, zudem braucht das Anbringen und Herausziehen länger, als bei anderen Sicherungen. Wo möglich, kommen stattdessen Keile und Friends zum Einsatz.

 

Von Kindsköpfen und Sanduhren: Schlingen

Schlingen und Reepschnüre werden weltweit als mobile Sicherungsmittel eingesetzt. Am häufigsten verwendet man diese Art bei Sanduhren sowie Felsköpfen (darüber/herum legen und abbinden). Sie sind einfach anzubringen und bieten je nach Felsstruktur sehr hohe Haltekräfte.

In Gebieten wie dem Elbsandstein darf man Zwischensicherungen nur mit Schlingen und Knoten anlegen, was zu besonders ausgefeilten Knotensystemen führt, die Namen wie „Kindsköpfe“ tragen und faustgroß sind.

 

Stoppen den Fall: „Stopper“

Keile finden den besten Halt in v-förmigen Rissen.

Stopper (oder Keile) gibt es heute in den unterschiedlichsten Formen: Hexagonal aufgebaut oder als Trapez, mit Rundungen oder geraden Kanten. Und es gibt sie in verschiedenen Größen: Von faustgroß bis hin zu der Größe eines Fingernagels. Besonders bei sehr kleinen Keilen muss man aufpassen: Sie vertragen oft nicht die Kräfte, die bei einem Sturz auftreten und sind daher nur zur Fortbewegung (beim technischen Klettern) geeignet.

Allen Keilen ist gemein, dass sie einen eng zulaufenden Spalt benötigen, um zu funktionieren: Sie werden in den weiten Teil des Spaltes eingesetzt und dann so weit nach unten gezogen, bis sie klemmen.

 

Freunde für’s Leben: Friends

Friends eignen sich für parallele Risse.

Auch Friends gibt es in verschiedenen Größen und Formen. Ihr wichtigster Pluspunkt gegenüber Keilen: Sie können auch in parallelen Rissen verwendet werden. Dazu bestehen sie aus mehreren halbkreisförmigen Scheiben am Kopf, die wie ein Regenschirm gespannt sind. Über einen Schnürzug werden die Scheiben zurückgezogen, dann der Friend in den Riss geschoben und aufgespannt. So klemmt er.

 

Gutes am Gurt: nützliches Zubehör

Zwei Werkzeuge sollten nicht am Gurt eines Trad-Kletterers fehlen: Hat man Schlaghaken dabei, braucht man einen Hammer, um die Nägel in den Fels zu bekommen. Am besten hängt man ihn mit einer dünnen Reepschnur an den Gurt. Wer Friends und/oder Keile einsetzen möchte, nimmt einen sogenannten Klemmkeilentfernern mit. Er hilft weiter, falls sich der Keil oder Friend zu tief in einen Riss verzogen hat oder zu fest klemmt.

 

Tipps für deine Karriere als Trad-Kletterer

  1. Üben: Wer das erste Mal Keile oder Friends legt, sollte nicht gleich in die schwerste Tour einsteigen. Besser, man sucht sich eine einfache Route mit Haken und legt dazwischen eigene Friends und Keile.
  2. Lernen: Es reicht nicht, einfach einen Friend oder Keil in einen Riss zu bekommen, die richtige Lage und die Beurteilung der Felsqualität rund um das Sicherungsmittel sollten ebenfalls zum Wissensrepertoire gehören. Kurse oder erfahrene Seilpartner helfen hier weiter.
  3. Mit Maß und Ziel: Eine etwas spärlicher abgesicherte Mehrseillängenroute mit Big Wall-Ausrüstung anzugehen ist genauso kontraproduktiv, wie wenn nur zwei kleine Keile am Gurt hängen. In der Regel hat man einen Satz Keile (Größen 2-11) sowie 3-5 Friends in den mittleren Größen dabei. Dazukommen noch ein paar Schlingen für Sanduhren. Das reicht in der Regel, um schlecht abgesicherte Alpinrouten sicher zu klettern. Übrigens: Tipps zum benötigten Material in einer Route findet man in der Regel im Topo.
  4. Sich Zeit nehmen: Eine Route selber abzusichern dauert lange. Man sollte deshalb genug (= mehr als bei Plaisir-Routen) Zeit einplanen.
  5. Feedback einholen: Ist man sich unsicher, sollte man den Nachsteiger fragen, wie er die Sicherungsmittel vorgefunden hat. Waren sie durch die Seilbewegung bereits locker oder viel zu fest? Gab es Änderungen in der Lage? Als Nachsteiger kann man auch mal seine Kamera zücken und ein Foto davon machen.

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Titelbild: BenMoon JTree/Quelle: Black Diamond Equipment

Bilder: 1) BenMoon JTree/Quelle: Black Diamond Equipment; 2) Black Diamond

 

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