Kletterhardware

Von FGunti
Ratgeber: Kletterhardware

Was klimpert so schön über Fels und Stein, kann das Hardware am Klettergurt sein? Ja, das kann sein: Das melodische Aneinanderschlagen von Karabinern hört man des Öfteren in Klettergärten. Was genau an den Gurt gehört, wo die Unterschiede sowie die Vor- und Nachteile liegen, erfahrt ihr in unserem Ratgeber: Kletterhardware.

Dank unserer Kaufberatung bindest du dir keine Stofftiere an den Gurt: Wir liefern dir alle wichtigen Tipps und Infos rund um Karabiner, Express-Set & Co. Und wenn du noch mehr darüber wissen möchtest: auf OUTSIDEstories findest du eine Menge authentischer Erfahrungen aus unserer Community – zu verschiedenen Modellen, von allen gängigen Herstellern und inklusive Preisvergleich.

Mehrseillängen-Routen erfordern viel Material.

(K)ein Blick ins Lexikon: Was ist Kletterhardware?

Grob gesagt umfasst Kletterhardware alle nicht textilen Teile der Kletterausrüstung, dazu gehören: Sicherungsgeräte, Karabiner, Express-Sets (auch wenn die beiden Karabiner durch eine Bandschlinge verbunden sind), mobile Sicherungen wie Friends, Haken, Rollen, Seilklemmen, usw. In diesem Ratgeber kümmern wir uns allerdings ausschließlich um Karabiner und Express-Sets (kurz: „Exen“). Warum? Weil wir zu Sicherungsgeräten einen eigenen Ratgeber haben und die mobilen Sicherungen gesondert behandeln.

 

Auf die Form kommt es an: Karabiner

Karabiner gibt es mittlerweile in allen erdenklichen Formen und Farben sowie mit verschiedenen Verschlusssystemen  – vom ganz leichten Schlüsselanhänger in Herzchenform (bitte nicht zum Klettern verwenden), bis hin zum dicken Stahlkarabiner (ebenfalls wenig zum Klettern geeignet). 

Allen Karabinern ist gemein, dass sie eine gewisse Bruchlast, ausgedrückt in Kilo-Newton (kN), aushalten müssen, um von der UIAA zertifiziert zu werden. Die Bruchlast steht bei jedem Karabiner auf dem langen Schenkel und teilt sich in drei Werte auf: Bruchlast in Längsrichtung, Bruchlast bei Querbelastung sowie die Schnapper-offen-Bruchlast (die maximalen Kräfte, die auf den Karabiner mit offenem Schnapper wirken dürfen). Hier sieht man gleich: sobald der Karabiner nicht mehr nur in Längsrichtung belastet wird, sinken die Werte rapide. Aus diesem Grund gilt: Karabiner immer der Länge nach belasten! Die gute Nachricht: Auf die konkreten Kilo-Newton-Werte bei den Karabinern braucht man in der Regel nicht zu achten: Unter normalen Bedingungen bringt man den Karabiner nicht an seine Grenzen – Hauptsache, das Modell wurde von der UIAA zertifiziert, der Schnapper ist geschlossen und der Karabiner wird in Längsrichtung belastet.

Zwei HMS-Karabiner; links: Screw-Lock-Verschluss, rechts: Ball-Lock-Verschluss und geeignete Größe für Sicherungsgeräte.

Anfänger sollten zu den sogenannten HMS-Karabinern greifen. Sie haben eine charakteristische Birnenform und gehören zu den variabelsten Karabiner-Typen. Namenspatron des HMS-Karabiners ist die Sicherungstechnik, für die er konzipiert wurde, die Halbmastwurfsicherung. Selbst in der heutigen Zeit, in der die Halbmastwurfsicherung dank neuer Sicherungstechniken keine große Rolle mehr spielt, gehört der HMS noch zu den wichtigsten Karbabinertypen und wird universell verwendet: Als Umlenker für die Topropesicherung, als Karabiner für den Standplatzbau oder um das Sicherungsgerät einzuhängen. Kleinere Versionen des HMS werden gerne auch als Materialkarabiner oder zur Selbstsicherung eingesetzt.

Ein besonders wichtiger Punkt bei Karabinern ist der Verschluss: die häufigste Unfallursache in diesem Zusammenhang ist, dass sich der Verschluss selbständig öffnet und das Seil aus dem Karabiner rutscht. Dagegen ist der Karabiner natürlich gesichert. Die beiden heute gängigsten Arten sind der sogenannte „Screw-Lock“-Verschluss, bei dem eine kleine Hülse auf einem Gewinde läuft, und über den Schnapper gedreht wird. Einziges Manko: Wer vergisst, den Verschluss zuzudrehen, hat eine tickende Zeitbombe in seiner Sicherungskette verbaut.

Das zweite, heute übliche Verschlusssystem heißt „Triple-Lock“. Dieser Namen stammt von den drei Arbeitsschritten, die notwendig sind, um den Schenkel zu öffnen. Üblicherweise ist hier um den beweglichen Schenkel eine Hülse fixiert, die automatisch den Schnappmechanismus verriegelt, sobald der Schenkel im Karabiner einrastet (Autolock). Vorteil gegenüber Screw-Lock: Man kann nicht vergessen, den Karabiner zu schließen, denn das System verriegelt sich selbständig. Nachteil: Die einzelnen Schritte kann man sehr schwer mit einer Hand ausführen und schon gar nicht mit Handschuhen.

Bei Triple-Lock-Verschlüssen gibt es immer eine Anfangshandlung, gefolgt von einer Drehung der Hülse um den Schnapper. Schritt drei ist das Öffnen des Schnappers. Bei der ersten Handbewegung unterscheiden sich zwei gängige Verschlüsse

  1. Ball-Lock: Ein kleiner Knopf (praktisch unmöglich mit Handschuhen zu bedienen) muss gedrückt werden, erst danach kann man die Hülse rotieren und den Schnapper öffnen
  2. Push-Lock: Die Hülse wird nach unten gezogen, erst dann kann sie rotieren.

Vereinzelt findet man auch noch HMS-Karabiner mit Twist-Lock-Funktion. Hier entfällt die erste Handbewegung, die Hülle muss lediglich rotiert und der Schnapp geöffnet werden. Allerdings hat sich nach diversen Kletterunfällen herausgestellt, dass Twist-Lock-Karabiner zu unsicher sind. Besser, man lässt die Finger von ihnen und mustert sie aus.

Der HMS als Sicherungskarabiner: Moderne Auto-Tubes (also Tube-Sicherungen mit Blockierfunktion) lassen sich zwar grundsätzlich mit allen Karabinern bedienen, verlangen aber oft nach einer besonderen Schenkelbreite oder Größe. In diesem Fall solltet ihr die vom Hersteller empfohlenen Karabiner verwenden und nicht irgendwelche, die ihr gerade am Gurt habt.

 

Express-Set (oder kurz „Exe“)

Express-Set: Links (mit gebogenem Schnapper und farblich abgesetzt) der Karabiner für das Seil, rechts der für die Bohrhakenlasche.

Die Exe besteht aus zwei Karabinern mit einfachem Schnappverschluss, die mit einem textilen Band miteinander verbunden sind. Ein Karabiner des Sets wird immer in die metallische Hakenlasche am Fels geklippt, durch den anderen läuft immer das Seil. Wenn möglich, sollte man für das Seil immer den gleichen Karabiner verwenden. Warum? Wenn in der Hakenlasche Metall auf Metall trifft, bilden sich winzig kleine Alu-Späne und Grate. Verwendet man den auf mikroebene aufgerauten Karabiner nun abwechselnd mit Seil und Haken, beschädigt man auf lange Sicht das Seil.

Wie sieht man, welcher Karabiner für das Seil und welcher für den Haken gemacht ist? Das zeigt die Form des Schnappers: Der für das Seil ist meistens etwas runder gebogen, dadurch kann man das Seil besser einlegen. Der Seil-Karabiner hochwertiger Exen besitzt einen Drahtbügelverschluss. Den Grund dafür erklärt die Physik: Beim Klettern bewegt sich der seilführende Karabiner stärker und schlägt – je nach Kletterbewegung – auch mal mit der (geschlossenen) Rückseite gegen die Wand. Bei diesem Schlag greift die Trägheit: Ein schwerer Verschluss öffnet sich dadurch für den Bruchteil einer Sekunde – aber lange genug, damit theoretisch das Seil aus dem Karabiner rutschen kann. Ein Drahtbügel ist leichter. Bei einem Schlag auf der Gegenseite öffnet er sich seltener. Wer mehr darüber wissen möchte: das Phänomen nennt sich Whip-Lash-Effekt.

 

Shopping-Time! Was brauche ich wie oft?

In Mehrseillängen-Routen sollten viele Karabiner den Gurt zieren.

Was für Frauen bei Schuhen gilt, stimmt auch für Kletterer bei der Hardware: Gefühlsmäßig hat man immer zu wenig davon. Damit man im Klettergarten aber nicht vollbeladen wie ein Christbaum aufkreuzt, hier ein paar Orientierungspunkte:

Reine Hallenkletterer können sich die Exen sparen, da die Halle bereits mit Zwischensicherungen ausgestattet ist. Im Grunde reicht ein HMS-Karabiner für das Sicherungsgerät.

Geht es draußen an den Fels, steigt die benötigte Hardware exponentiell an: Pro Seilschaft sollten 12-15 Exen vorhanden sein, dazu pro Person vier HMS-Karabiner (1x für das Sicherungsgerät, 1x für die Selbstsicherungsschlinge (klein), 1x für die Prusik-Schlinge (klein), 1x zum Umbauen oder für den Rückzug).

Bei verbohrten Mehrseillängenrouten benötigt man zusätzlich zu den Exen noch mindestens zwei HMS-Karabiner mehr für den Standplatz.

 

Alles hat ein Ende – Haltbarkeit

Die gute Nachricht zuerst: Anders als Klettergurt oder Seil haben Karabiner grundsätzlich eine längere Lebensdauer. Allerdings sind zwei Punkte am Karabiner anfällig:

  1. Der Verschluss: Sollte sich der Karabiner nicht mehr richtig schließen lassen, kann man den Verschluss mit einem WD40-Spray behandeln. Bringt auch das keinen Erfolg: weg damit.
  2. Seile schleifen sich in Karabiner ein, das Ergebnis sind mehr oder weniger tiefe Einkerbungen. Wenn bereits Grate erkennbar sind, sollte man den Karabiner auswechseln.
  3. Zusätzlich gilt: Bei jeder Verformung, Haarrissen oder ähnlichem gehört der Karabiner auf den Müll

Das Bandmaterial zwischen den Expressen muss häufiger getauscht werden, als die Karabiner. Hier gelten ähnliche Regeln wie beim Klettergurt:

  1. nie benutzt (bedeutet originalverpackt im Keller): Entsorgen nach maximal 10 Jahren
  2. 1-2 Mal pro Jahr unterm Bett hervorgekramt: weg damit nach spätestens 7 Jahren
  3. Ab 1 Mal pro Monat geklippt: sollte nach 5 Jahren das Innere der Mülltonne sehen
  4. Wichtig: Weist die Bandschlinge bereits nach weniger als 5 Jahren deutliche Gebrauchsspuren auf, sollte man sie auch früher entsorgen.

Von der Community getestete Modelle (inkl. Preisvergleich) findet ihr wie bei OUTSIDEstories. Die beste Auswahl für Sicherungsgeräte bekommst du natürlich auch gleich von uns geliefert:

 

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Titelbild: Petzl/Lafouche

Bilder: 1, 4) Christian Bickel; 2, 3) OUTSIDEstories

 

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