Kletterseile

Von c.w.
Ratgeber: Kletterseil

Während der Freikletterpionier Paul Preuß (1886 – 1913) Seile und Seilsicherungen jeglicher Art beim Klettern strikt ablehnte, sind Kletterseile aus der modernen Bergwelt nicht mehr wegzudenken! Kletterseile sind die Lebensversicherung eines jeden Sportkletterers, Alpinisten und Bergsteigers. Ob Sport- oder Alpinklettern, Hochtour, Eisklettern oder modernes Top-Rope-Hallenklettern, das richtige Seil ist einfach unverzichtbar!

Lass dich von unserem Ratgeber inspirieren und vielleicht hast du ja auch schon ein bestimmtes Kletterseil im Sinn, das du demnächst ganz bequem online kaufen möchtest. Wir liefern dir alle wichtigen Argumente rund um das perfekte Kletterseil. Und wenn du noch mehr darüber wissen möchtest: auf OUTSIDEstories findest du eine Menge authentischer Erfahrungen aus unserer Community – zu verschiedenen Modellen, von allen gängigen Herstellern und inklusive Preisvergleich.

Beim Klettern hängt das Leben manchmal sprichwörtlich an einem dünnen Faden. Ohne Kletterseil geht beim Klettern nichts!

Wie ist ein Seil überhaupt aufgebaut?

Das was wir häufig in der Hand halten und landläufig als „Seil“ bezeichnen, ist in der Tat doch nur der sichtbare Teil – der Mantel. Das eigentliche Seil befindet sich unter dem Mantel, der bis zu 40 Prozent des Gesamtseils ausmachen kann. Je dicker der Mantel, desto abriebsicherer ist das Seil. Allerdings steigt damit natürlich auch das Seilgewicht. Der eigentliche Kern besteht in der Regel aus mehreren mit einander verzwirnten einzelnen Polyamidfasern, die durch ein spezielles Anlassverfahren elastisch gemacht werden. Diese Elastizität ist das A und O eines jeden Seils, da durch sie der Fangstoß bei einem Sturz drastisch reduziert wird. (Man spricht hier auch von dynamischen Kletterseilen, während statische oder gar hyper-statische Seile nicht für das Klettern als Sicherung gemacht sind! Statische Seile geben die Sturzenergie ungebremst an den Körper weiter. Die dabei auftretenden Körper sind so enorm, dass sie sogar zum Tod führen können!) Der eigentliche Seilkern wird dann, wie bereits angedeutet, von einem stabilen Mantel umwickelt. Dieser schützt den Polyamidkern vor Abrieb, scharfen Kanten und Schmutz – allerdings nicht bedingungslos! Zusammen bilden der Seilkern und der Seilmantel das Kletterseil.

Welche Seile gibt es?

Die Farbe spielt absoult keine Rolle - die inneren Werte zählen!

Bei Kletterseilen gibt es drei unterschiedliche Varianten:

 

Einfachseil

Zwillingsseil

Halbseil

Durchmesser

ca. 11 – ca. 9mm

ca. 8 – ca. 6,5mm

ca. 9 – ca. 7,5mm

Gewicht pro Meter

ca. 50 – 70g/m

ca. 40g/m

ca. 40 – 50g/m

Sturzzahl*

min. 5

min. 5

min. 12

Fangstoß*

max. 12kn

max. 8kn

max. 12kn

Anwendungsbereich

  • Big Wall Klettern
  • Top-Rope-Klettern
  • Sportklettern
  • Eis- / Mixedklettern
  • Hochtouren
  • Alpinklettern
  • Alpinklettern
  • Eis- / Mixedklettern
  • Sportklettern
  • Hochtouren
  • Alpinklettern
  • Eis- / Mixedklettern
  • Sportklettern
  • Hochtouren

 

*Normgröße – wird im Labor nach standardisierten Tests ermittelt. Die hier angegebenen Werte dürfen nicht unter- (Sturzzahl) bzw. überschritten (Fangstoß) werden!

Die Angabe um welches Seil es sich handelt, ist jeweils am Seilende aufgedruckt. Somit kann man ganz schnell feststellen, welche Standardisierung das vorliegende Seil hat: ① = Einfachseil, (1/2) = Halbseil, (◌◌) = Zwillingsseil. Einige neuere Seile weisen mittlerweile bereits eine dreifache Zertifizierung für alle drei Seilarten gleichzeitig auf. Vorteil: man benötigt nur noch ein Seil für jegliche Anwendungsbereiche. Nachteil: evtl. ist es zu schwer und zu lang bzw. für Mehrseilrouten sogar zu kurz (je nach Hersteller und Seiltyp).

Hält Nässe und Schmutz ab – die Imprägnierung!

Nur wenn das Wasser ordentlich abperlt, kann man das Seil auch in unwirtlichen Situationen guten Gewissens nutzen.

Ein zentraler Punkt eines Seils – gerade für Hoch-, Eiskletter- und Mixedtouren – ist seine Imprägnierung. Nimmt das Seil zu viel Wasser auf wird es schwer und mitunter auch sehr schmierig. Eine optimale Sicherung wird hierdurch stark erschwert. Auf Hoch- und Eisklettertouren besteht auch die Gefahr, dass das Seil einfriert. Das Nachziehen wird somit erheblich erschwert und auch die Sicherung leidet in besonderem Maß. Nur Seile mit einer effizienten Imprägnierung können dieser Problematik vorbeugen. Gute Imprägnierungen lassen höchstens eine Wasseraufnahme von maximal  zwei Prozent des Eigengewichts des Seils zu. Damit sind dies absolute Spitzenseile für den entsprechend harten Einsatz. „Leichtere“ Imprägnierungen lassen immerhin maximal eine Wasseraufnahme von bis zu fünf Prozent zu. Wenn die Tour dennoch mal ins Wasser fällt, rentiert es sich in jedem Fall ein gut imprägniertes Seil dabei zu haben. Gleichzeitig schützt die Imprägnierung ebenso vor Schmutz und Abrieb.

Sicherungsgerät: Kompatibilität?

Eine heikle Frage: ist mein Seil mit dem Sicherungsgerät kompatibel? Häufig stoßen Sicherungsgeräte bei Seilen unter neun Millimeter Durchmesser an ihre Grenzen. Es besteht die Gefahr, dass sie zu wenig Reibung erzeugen und evtl. durchrutschen können. Ähnlich verhält es sich auch bei sehr glatten Mänteln. Sie müssen unter Umständen erst ein wenig „eingeschliffen“ werden, um den nötigen Grip herzustellen. Ein Blick auf das Sicherungsgerät vor dem Seilkauf lohnt sich also.   

Size matters – auf die Länge kommt es an!

Während bei einer Hochtour 30 Meter Seil durchaus ausreichend sein können, benötigt ein Kletterer – vor allem in Mehrseillängen – mitunter bis zu 80 Meter Kletterseil. Je nach Anwendungsbereich sollte man daher stets abwägen wie viel Meter tatsächlich Sinn machen. Es ist zum einen eine Frage des Gewichts, zum anderen geht es auch um die Sicherheit (ist das Seil in der Kletterwand oder an der Steilstufe zu kurz, bekommt man evtl. große Schwierigkeiten beim Abseilen!).

Frisch aus der Verpackung und schon gibt’s Krangel…

Ungut wenn Krangel im Seil das Nachziehen behindern oder gar gänzlich blockieren!

…das muss nicht sein! Fabrikneue Seile werden in der Regel direkt von der Rolle als Meterware aufgeschossen. Dabei entwickelt das Seil mehr oder weniger eine Eigendynamik, die es unmöglich macht, das Seil direkt nach dem Kauf zu nutzen. Es muss zuerst einmal per Hand abgerollt werden, um mögliche Krangel zu vermeiden.

Seiltasche – wichtiges und nützliches Accessoire

Damit das Seil während des Zustiegs und dann auch am Stand nicht Schmutz und Regen ausgesetzt ist, empfiehlt es sich das Seil stets in einer Seiltasche zu transportieren bzw. dieses am Stand aus der offenen Tasche heraus auszugeben.

Waschmaschine vs. Badewanne

Schmutzpartikel erzeugen Reibung und Reibung ist der natürliche Feind des Seilmantels. Auch wenn der Seilmantel sehr robust ist, sollte er immer schmutzfrei sein. Ist das Seil nach einer Tour stark in Mitleidenschaft gezogen sollte es anschließend ausgiebig gesäubert werden – nur ein sauberes Seil funktioniert zuverlässig! Kletterseile kann man problemlos mit Wasser und milder Seife waschen. Hierzu kann man das Seil per Hand in der Badewanne waschen oder im Schonwaschgang bei 30 Grad ohne Schleudern in die Waschmaschine stecken. Heikel wird es dann nur beim Trocknen. Das Seil darf in keinem Fall aufgehängt werden, außer es ist in losen Schlaufen gelegt. Im Optimalfall wird das Seil in Bahnen auf dem Boden bei Zimmertemperatur ausgelegt. Große Hitze (Föhn, direkte Sonne, Heizung) schadet dem Mantel – und dieser schützt ja bekanntlich den Seilkern!

Du brauchst ein neues Kletterseil und noch ein weitere Meinungen darüber, dann informier dich auf unserer Bewertungsplattform direkt über die Praxiserfahrungen unserer Community und der Produktscouts: outside-stories.de.

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Titelbild: Edelrid 

Bilder: Edelrid, visualimpact.ch | Rainer Eder ( für Mammut), Mammut

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