Klettersteigset

Von Philip
Ratgeber: Klettersteigset

Als der Wiener Friedrich Simony 1843 erstmals einen „Klettersteig“ auf den Dachstein anlegte, diente dieser nicht dem Sport und dem Freizeitvergnügen. Der erste Klettersteig der Welt – abgesehen von den primitiven Aufstiegshilfen früherer Generationen – diente in erster Linie der Besteigung des Berges als solches. Heute sind Klettersteige eine beliebte, wenngleich nicht ungefährliche Variante, um die Alpenwelt zu erklimmen. Stahlseile, Eisenstifte, Leitern und Sprossen  führen hinauf in die Gipfelregion. Zur Eigensicherung kommt dabei das Klettersteigset zum Einsatz. Es dient im Falle eines Falles zur Lebensrettung, in dem der Kletterstgeiggeher, gesichert durch zwei Karabiner, „nur“ bis zur nächsten Zwischensicherung abstürzt und die Sturzenergie aufnimmt. Das rettet Leben – aber nur wenn man das richtige Klettersteigset nutzt.

Wozu dient das Klettersteigset?

Ein Klettersteigset ist in allererster Linie eine „Lebensversicherung“ (wenn es ordnungsgemäß funktioniert und angewendet wird!) und in keinem Fall eine Aufstiegshilfe oder -erleichtung. Es ist ein Sicherungsgerät und möchte daher auch so behandelt werden. Moderne Klettersteigsets weisen eine  „Y“-Form auf, d.h. die beiden Arme bilden zusammen mit dem Bandfalldämpfer ein „Y“. Damit haben wir bereits die Hauptbestandteile des Klettersteigsets – Sicherungsarme mit Karabiner und Bandfalldämpfer. Von veralteten Modellen mit Reibungsdämpfer ist komplett abzusehen! Einige Sonderformen verfügen zusätzlich über einen dritten Ast, der meist nicht elastisch, dennoch aber direkt mit dem Bandfalldämpfer verbunden ist. Durch einen speziellen Verschluss blockiert er bei einem Absturz und reduziert die Fallhöhe, so dass der Klettersteiggeher nicht erst bei der nächsten Zwischensicherung hängen bleibt und den Bandfalldämpfer auslöst. Das Klettersteigset übernimmt die Funktion der Energieabsorption, die während eines Sturzes auftritt – und diese kann enorm sein.

Die Sache hat zwei Haken – zwei Karabinerhaken!

Gute Klettersteigsets liegen gut in der Hand. Das gilt vor allem für die Karabiner. Schließlich muss man diese mehrere hundert Male pro Steig umklippen. Es gibt dabei die verschiedensten Varianten wie diese Karabiner verriegeln bzw. viel wichtiger entriegeln. Mittlerweile sehr geläufig sind Handballenverschlüssen, d.h. Verschlüsse, die von hinten mit der Handfläche entriegelt werden und sich erst dann komplett öffnen lassen. Die Karabiner dürfen sich nicht von alleine öffnen, damit sie im Sturzfall nicht aufgehen und somit die komplett Nennlast (ca. +-27kn) aufnehmen können. Sind die Karabiner nicht ordnungsgemäß geschlossen, können sie nur einen Bruchteil (< 10kn) der Last aufnehmen und brechen. Wichtig ist aber vor allem, dass man auch auf längeren Touren die Karabiner einwandfrei bedienen kann. Zudem sollten die Karabiner auch so konstruiert sein, dass man sich nicht ständig die Finger einklemmt.

Liegt gut in der Hand

Von starken Armen getragen

Direkt im Anschluss an die Karabiner folgen die Arme (vorhin auch als Äste bezeichnet), die direkt mit den Karabinern vernäht sind. Geknotete Modelle darf man getrost im Laden hängen lassen, auch wenn diese evtl. rustikaler aussehen. Elastische Arme haben den Vorteil, dass sie weniger tief von der Materialschlaufe in Richtung Boden hängen. Während eines Sturzes verhalten sie sich aber auch nicht elastisch, sondern exakt gleich wie starre Seile – auch diese Variante ist nach wie vor erhältlich. Als durchaus sinnvoll hat sich ein Drehgelenk zwischen den Armen und dem Bandfalldämpfer bzw. zwischen und Bandfalldämpfer und Befestigungsschlaufe erwiesen. Somit verhaspeln sich die Äste des Klettersteigsets nicht so leicht und man bekommt sie schnell wieder entwirrt.

Das Herzstück im freien Fall

Das A und O eines jeden Klettersteigsets ist sein Bandfalldämpfer. Alte Modelle, die noch auf anderen Systemen basieren z.B. Reibungslochplatten sind mittlerweile veraltet und bei schwierigen Bedingungen (z.B. Regen oder Eis) extrem gefährlich, da die Reibung extrem nachlassen und das Seil quasi ungebremst durchrutschen kann. Der Bandfalldämpfer absorbiert während eines Sturzes die Energie, die sonst ungebremst in den Körper geleitet werden würde. Ist der Bandfalldämpfer tatsächlich zum Einsatz gekommen MUSS das Klettersteigset komplett ausgetauscht werden, da es kein zweites Mal verwendet werden kann. Der Bandfalldämpfer ist rund 120cm lang und nimmt durch das Aufbrechen der Nähte die Sturzenergie auf. Der Bandfalldämpfer ist in der Regel in einem kleinen Täschchen mit Reißverschluss verpackt. Es lohnt sich beim Kauf einen Blick darauf zu werfen und sich von der Unversehrtheit persönlich zu überzeugen. Der Kauf von gebrauchten Klettersteigsets ist ein No Go!

Von „A“ wie Ankerstich  bis „Z“ wie Zusatzkarabiner

Ein Klettersteigset wird in der Regel per Ankerstich am Klettergurt befestigt. Dazu wird die Befestigungsschlaufe des Klettersteigsets durch die Anseilschlaufe des Klettergurts geführt, während der Rest des Klettersteigsets (Karabiner, Arme, Bandfalldämpfer) gegenläufig durch die Befestigungsschlaufe gefädelt wird. Karabiner zur Befestigung können unter Querbelastung brechen. Wer sich während des Klettersteigs kurz zurücklehnen möchte, um evtl. ein Foto zu schießen, die Landschaft und die Ruhe zu genießen oder einfach nur zu verschnaufen, für den empfiehlt sich ein zusätzlicher, nicht elastischer Arm mit einem dritten Karabiner, der nicht am Bandfalldämpfer befestigt ist. Lehnt man sich nämlich mit dem Bandfalldämpfer ins Seil, besteht die Gefahr, dass die Nähte der Dämpfereinheit aufreißen, obwohl gar kein Sturz vorliegt. Dieser Zusatzkarabiner darf während des Klettersteigens nicht in Gebrauch sein und muss an der Materialschlaufe des Klettergurts eingehängt sein! Lebensgefahr!

Special: Kinder und „leichte“ Personen

Ein Spezialfall und eine echte Herausforderung für Klettersteigsets sind Kinder und leichte Personen, d.h. Personen unter 50kg. Warum? Klettersteigsets werden mit einem Normgewicht von 80kg getestet. Daraufhin muss der Bandfalldämpfer auslösen und darf dabei keinen größeren Fangstoß als 6kn zulassen. In der Theorie und im Labor funktioniert dies sehr gut, bei variablem Gewicht bzw. zu leichtem Gewicht von unter 50kg ist es nicht mehr gewährleistet, dass der Bandfalldämpfer auslöst und die Sturzenergie absorbiert. Einige Hersteller bieten daher Klettersteigsets an, die vom Gewicht her eingestellt werden können. Dieser Gewichtsspielraum liegt zwischen ca. 30-80kg. Kinder, die leichter sind, müssen in jedem Fall nachgesichert werden.

Mindestens haltbar bis…?

Wie lange ein Klettersteigset tatsächlich haltbar ist bzw. wie lange es verendet werden darf, hängt von vielen Faktoren ab: wie häufig wird es benutzt, wie stark wird es benutzt, wie wird es gelagert, etc. Es gibt daher keine eindeutige Regelung. Sie variiert von Hersteller zu Hersteller und liegt zwischen ca. 3-12 Jahren. In jedem Fall MUSS ein Klettersteigset nach einem Sturz umgehend ausgetauscht werden! Auch bei starken Verschleißerscheinungen sollte man sich besser nach einem neuen Klettersteigset umsehen – immerhin geht es dabei im Zweifelsfall um dein Leben. Und das sollte dir ein paar Euro wert sein!

Alles tutto completti…

Häufig werden für Einsteiger komplette Klettersteigsets inklusive Klettergurt und Helm angeboten. Für Einsteiger ist dies die bequemste und einfachste Art eine gut funktionierende Ausrüstung zu bekommen. Vor allem kann man so nichts vergessen.

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Titelbild: Klaus Kranebitter Bilder: AustriAlpin

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