Daunenjacke versus Kunstfaserjacke

Von Philip
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Eine warme Daunenjacke oder eine mit Kunstfaserfüllung gehört zu den Must-haves eines aktiven Outdoorsportlers. Überall, wo es gilt während oder nach einer anstrengenden und schweißtreibenden Unternehmung nicht auszukühlen, kommt sie zum Einsatz. Beim Wintersport sind sie ohnehin gesetzt. Bislang galt eine Daunenjacke als das Nonplusultra. Aber stimmt das auch? Moderne Kunstfaserjacken können längst genausoviel, wenn nicht sogar mehr, als die Klassiker. Für wen macht also Daune oder Kunstfaser wirklich Sinn?

Der Klassiker: Die Daunenjacke

Daunen haben eine sehr lange Tradition in der Wärmeisolation. Bereits im alten Rom kamen sie als wärmende Füllung in die Bettwäsche. Ihre Verwendung in modernen Daunenjacken schließlich geht auf das Jahr 1936 zurück. Die erste Jacke dieser Art wurde von Eddie Bauer aus Seattle entwickelt, nachdem er bei einem winterlichen Angelausflug von einem Schneesturm überrascht wurde und beinahe erfroren wäre.

Womöglich die erste Daunenjacke aller Zeiten: Die Skyliner Jacke von Eddie Bauer von 1936

Woraus besteht eine Daunenjacke und welche Eigenschaften weist sie auf?

Daunenfedern stammen ausschließlich von Wasservögeln – in der Regel sind das Enten, Eiderenten oder Gänse. Ihre hervorragenden Wärmeeigenschaften lassen sich in erster Linie auf ihren strukturellen Aufbau und ihre Bauschkraft zurückführen. Unter dem Mikroskop betrachtet, weisen Daunen eine Vielzahl winziger Verästelungen auf (bis zu 2 Millionen), die ihr eine schneeflockenähnliche Struktur verleihen. Durch Verzahnungen mit weiteren Daunen entsteht ein vorzügliches Speichermedium für durch Körperwärme aufgewärmte Luft.

Die Bauschkraft wiederum, in der Einheit „cuin“ bzw. Loft oder Fill Power angegeben, definiert wie weit sich die Daunenfedern ausdehnen, wenn sie vorher über einen Zeitraum von 24 Stunden zusammengepresst wurden. Je höher die Bauschkraft, desto höher das Volumen, desto besser die Wärmeleistung. Ebenso von Bedeutung ist natürlich auch die Größe der einzelnen Daune. Auch hier gilt: Je größer desto besser. Ein weitere Vorteil ist ihr minimales Gewicht: eine Daune wiegt nur 0,001 - 0,002 Gramm.

Mehr zur Daune: Die 6 wichtigsten Kriterien einer hochwertigen Daunenjacke findet Sie hier

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Daune hat gravierende Nachteile, aber auch unschlagbare Vorteile

Daune, Foto: Pixabay Monika1607Die Qualität einer Daunenjacke hängt immer auch von der Füllung ab. Da Daune ein Naturprodukt ist, kann die Füllung also auch sehr stark schwanken, zudem kommt es auf die Menge der beigemischten Federn an. Billiganbieter nutzen das ganz gerne mal aus und nicht alles was dick aussieht taugt auch was. Doch das größte Manko der Daune ist nach wie vor, dass sie bei Nässe und Feuchtigkeit in sich zusammenfällt. Die Bauschkraft nimmt ab, denn die isolierende Luftschicht zwischen den feinen Daunenästchen wird durch die Wassermoleküle verdrängt. Die Folge: Die Wärmeisolierung geht verloren. Zudem trocknet Daune nur äußerst schwer und verklumpt gern. In Extremsituationen kann das entscheidend sein.

Eine weitere Herausforderung ist der Tierschutz. Daunen sind ein tierisches Produkt und nur bei Eiderdaunen wird die Daunengewinnung in möglichst schonender Gewinnung betrieben – hier stiehlt man die Daunen sozusagen aus dem Nest. Die wesentlich weiter verbreiteten Alternativen sind der Lebend- und der heute übliche Totrupf, bei dem die Daunen als Nebenprodukt der Fleischproduktion nach der Schlachtung gewonnen werden.

Zu guter Letzt ist eine hochwertige Daunenjacke nicht gerade günstig und bedarf auch eines gewissen Maßes an Pflege.

Moderne Kunstfaser-Isolationsjacken: ein adäquater Ersatz?

Featherless: Daunenähnliche synthetische Isolation von 3M ThinsulateDie Geschichte der synthetischen Wärmeisolierung ist verständlicherweise bedeutend kürzer als die der Daune, aber auch sie kann bereits auf rund 50 Jahre in der Outdoorbranche zurückblicken. Die ersten Marken begannen in den 60ern und 70ern mit Kunststoffen zu experimentieren. Ein erster Meilenstein war der Mountain Parka, 1973 im Auftrag des US-Militärs entwickelt von der Pacific-Northwest-Legende Larry Penberthy. Doch in der Entwicklung der Kunstdaune, die der Daune in nichts nachsteht und zugleich ihre Nachteile vermeidet, hat sich bis heute extrem viel getan.

Woraus besteht eine Kunstfaser-Isolationsjacke und welche Eigenschaften weist sie auf?

Das am besten geeignete Material für Kunstdaune ist Polyester. Es verbindet die wichtigsten Eigenschaften, die für (Hochleistungs-)Sportler von enormer Bedeutung sind: keine Wasser- und Feuchtigkeitsaufnahme, geringes Gewicht, extreme Stabilität, leichte Pflege und Knitterfestigkeit. Darüber hinaus sind Kunstfasern hypoallergen, rufen also keine allergischen Reaktionen hervor. Zudem lässt sich Polyester leicht verarbeiten und kann für die verschiedensten Anwendungen eingesetzt werden.

Die daraus entwickelte Kunstdaune steht der echten mittlerweile in fast keinem Punkt mehr nach. Gewicht und Packmaß nähern sich beinahe auf ein identisches Niveau an. Kunstdaune besteht aus synthetischer Mikrofaser, die genau wie Daune auch dreidimensional aufgebaut ist. Je nach Produktionsart und -güte gibt es kleine Unterschiede bei der Kunstdaune, wobei die beste Qualität die Eigenschaften von echter Daune mittlerweile sogar quasi überflügelt. 

   Daunenjacken müssen nicht "fett" sein. Wenn Wärme wichtig ist, kann Daune die bessere Entscheidung sein. Fotos: Rab Microlight Alpine.

 

 

 

 

 

 

Beispielsweise kommt die Featherless-Isolierung (federlose islolierung) der US-Marke Marmot und 3M™ Thinsulate™ auf eine Bauschkraft von 700 cuin – kann also ohne Probleme mit einer hochklassigen Daunenfüllung mithalten. Sie hat alle gewünschten Eigenschaften (warm, leicht, kleines Packmaß) und behält auch bei großer Feuchtigkeitsaufnahme bis zu 95 Prozent ihrer Wärmeisolierung. Das prädestiniert sie für ein breites Einsatzspektrum im Alltag.

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Was bei Daune der Tierschutz, sind bei Kunstfasern die ökologischen Gesichtspunkte. Bei der Anschaffung einer neuen Kunstfaserjacke sollte man daher auch auf die Nachhaltigkeits- und Umweltsiegel achten. Das bluesign® Label etwa schließt umweltbelastende Substanzen von Anfang an aus dem Fertigungsprozess aus, legt Richtlinien fest und kontrolliert deren Einhaltung für eine umweltfreundliche und sichere Produktion.

Prioritäten setzen: Wann setze ich welche Art der Jacke ein? Wieviel Geld soll ich ausgeben?

Beide Arten der Jacken, sowohl die Daunenjacke wie auch die Synthetikjacke, haben ihre volle Daseinsberechtigung. Es gibt Einsatzbereiche, in denen sich die Daunenjacke klar empfiehlt, wohingegen für andere Aktivitäten eine Kunstfaserjacke besser geeignet ist.

Sinnvolle Einsatzgebiete der Daune sind etwa Expeditionen und alpine Unternehmungen in großer Höhe und bei großer Kälte, sowie der gesamte Ultraleichtbereich. Eine qualitativ hochwertige Daunenjacke wartet nach wie vor mit einer höheren absoluten Wärmeleistung auf, hat ein geringeres Gewicht und ist auch kleiner verstaubar. Allerdings kostet ein hoch spezialisiertes Highend-Daunenmodell auch einen stolzen Preis.

Kunstfaserjacken erhalten ihre Isolationsfähigkeit auch bei Nässe.Oft günstiger als Daune, aber genauso tauglich: Kunstfaser. Wärmen, ohne das Tiere dafür Federn lassen müssen. Alle Fotos: Marmot Featherless.

Eine Kunstfaser-Isolationsjacke spielt ihre Vorteile überall dort aus, wo es kalt und feucht bzw. nass sein kann. Außerdem sind sie eine gute Alternative für alle, die nicht jedes Gramm zählen müssen, sei es beim Bouldern, Eisklettern, der Herbstwanderung oder beim Spaziergang im Wald. Das heißt vom Weekend Warrior, der am Wochenende ins Micro Adventure vor den Toren der Stadt loszieht und dem neben Funktion auch der Style wichtig ist, bis hin zum puristischen Abenteurer, der sich mehrere Wochen durch die Wildnis schlägt und eine zuverlässig wärmende Jacke braucht, ist nahezu jeder Outdoorsportler mit einer Kunstfaserjacke gut eingepackt. Wieder zuhause angekommen lässt sich die Kunstfaserjacke übrigens ganz unkompliziert in der Maschine waschen. Es muss also nicht immer Daune sein. Und zu guter Letzt spricht bestimmt auch der geringere Preis ein Wörtchen bei der Entscheidungsfindung mit. 

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© Alle Imagebilder Marmot - Adam McKibben

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