AIRDING Compact: Unsichtbarer Schutz, maximale Sicherheit!
VORTEILE
- Wenig Einschränkung der Bewegungsfreiheit
- Made in Germany / Engineered in Germany
- Kompakte Bauform
- Reflektorstreifen am Rücken
- Trikottaschen weiterhin zugänglich
NACHTEILE
BEWERTUNG
Auf einer Skala von Eins („bäh“) bis Zehn („juhu“) bewerte ich einen Fahrradsturz mit einer klaren Eins. Ihn will niemand, ihn braucht niemand. Egal, wie vorsichtig man fährt, einen Sturz hat man letztlich nie vollständig unter Kontrolle. Er kann durch eigene Fehler, durch das Fehlverhalten anderer Verkehrsteilnehmer oder einfach durch Pech ausgelöst werden. Wenn es dann doch einmal passiert, ist man froh, wenn man danach ohne bleibende Einschränkungen wieder aufs Rad steigen und die Fahrt fortsetzen kann.
Leider gibt es genügend Fälle, in denen ein Sturz nicht so glimpflich verläuft und schwerwiegende Verletzungen die Folge sind. Besonders häufig betroffen ist bei Radfahrern das Schlüsselbein, da der unfreiwillige Abstieg oft kopfüber beginnt. Der Helm schützt zwar den Kopf vor Schlimmerem, doch die übrigen Körperpartien sind den Aufprallkräften schutzlos ausgeliefert.
Genau hier setzt der Fahrradairbag an: Er soll ergänzend zum Helm für zusätzliche Sicherheit sorgen, insbesondere im sensiblen Hals-, Nacken- und oberen Thorax-Bereich. Diese Überlegung beschäftigte die Gründer der Firma MINERVA bereits im Jahr 2017. Obwohl sie ursprünglich aus dem Bereich der Arbeitsschutzausrüstung kamen, führte ihre eigene Leidenschaft fürs Radfahren schnell zur Idee eines Airbags für Radfahrer.
Die Idee allein genügt jedoch nicht. Sie erfordert auch die Umsetzung. Und auch diese meisterten die drei Bayern: Es entstand der weltweit erste sensorgesteuerte Fahrrad-Airbag-Rucksack unter der Marke MASE (Minerva Airbag Systems Erding). Getestet habe ich in den letzten Wochen das brandneue Modell „AIRDING Compact“ – ein minimalistischer Airbag-Rucksack, ideal für schnelle Ausfahrten ohne viel Gepäck.

Einordnung des MASE AIRDING Compact:
Der MASE AIRDING Compact ist, wie der Name schon sagt, die minimalistische Variante im MASE Produktportfolio. Der empfohlene Einsatzzweck ist erfreulich breit gefächert und umfasst:
- Rennrad, Gravel
- Marathon / Triathlon
- Touring / Hobby, Trekking
- E-Bike, Pedelec, Cargo
- Mountainbike-Sparten: Cross-Country und All-Mountain
- Urbaner Bereich
Man erkennt klar, dass der Einsatzzweck sehr umfangreich ist. Dass extreme Bereiche wie Mountainbike-Downhill oder Bike-Park nicht aufgeführt sind, liegt vermutlich an den zu starken Erschütterungen, die dort Fehlauslösungen begünstigen könnten. Ich wage jedoch zu behaupten, dass sich der Großteil aller Radsportler in dem angebotenen Spektrum wiederfindet.
Vorbereitung:
Obwohl ich neue Produkte meist instinktiv ohne Anleitung auspacke und erkunde, habe ich bei diesem Airbag-System darauf verzichtet. Der Respekt davor, dass der Airbag versehentlich auslösen könnte, war zu groß. Der erste Schritt war daher das ausgiebige Studium der beigelegten Bedienungsanleitung. Ich erinnerte mich noch an meine Anmerkung aus einem früheren Test eines MASE-Modells, dass die Bebilderung ungünstig war, da das Model gestreifte Kleidung trug und so die Rucksackriemen schwer zu erkennen waren.

Bei der vorliegenden Anleitung des AIRDING Compact ist dies vorbildlich gelöst: Die dargestellte Person trägt ein weißes T-Shirt, was die Unterscheidung zwischen Kleidung und Rucksack erleichtert. Auch die Beschreibung der Inbetriebnahme ist lückenlos. Jeder Schritt ist eindeutig dokumentiert, sodass man eigentlich nichts falsch machen kann.
Bei Zweifeln stehen zusätzlich Videoanleitungen zur Verfügung. Man beachte: Die Qualität einer Bedienungsanleitung ist oft ein Aushängeschild für das Qualitätsverständnis des Herstellers. Eine Anleitung, die von „Zahnreihen“ statt eines „Reißverschlusses“ spricht, vermittelt kein Sorgfaltsgefühl. Die Anleitung des Airding Compact ist hingegen perfekt und spiegelt das hohe Qualitätsbewusstsein des Unternehmens wider.
Einer der ersten Schritte war das Aufladen des Akkus über einen USB-C-Anschluss. Das passende Kabel liegt bei, ein USB-Netzstecker ist nicht Teil des Lieferumfangs. Die Ladebuchse ist nach Öffnen des Inflatorfachs gut zugänglich. Hier hätte ich mir allerdings eine kleine LED zur Anzeige des Ladezustands gewünscht.
Ich bin es gewohnt, dass sich eine solche LED in der Nähe des Steckers befindet und anzeigt, ob der Ladevorgang läuft oder wie der aktuelle Ladestand ist. Beim Airding Compact ist diese LED jedoch auf der gegenüberliegenden Seite an der Aktivierungsschnalle im Brustbereich angebracht. Ein regelmäßiges Laden ist nötig; eine Akkuladung reicht laut Hersteller für ca. 25 Stunden.
Nach dem Laden des Akkus folgt die Montage des Inflators – ein spannender Moment, da das System ab diesem Zeitpunkt bei falscher Handhabung auslösen könnte. Vorsichtshalber prüft man, ob die Aktivierungsschnalle wirklich im deaktivierten Zustand ist. Bei der Auslieferung wird dies durch ein rotes Hinweisband an der Schnalle zusätzlich hervorgehoben: Hier ist besondere Achtsamkeit geboten.
Die Montage des Inflators selbst ist einfach. Mir fiel es wahrscheinlich auch leichter, da ich bereits ein MASE-Modell getestet hatte. Die Platzverhältnisse sind im Fach etwas beengt. Ein häufiger Fehler könnte darin bestehen, den roten Sicherungsstift nicht ganz bis zum Anschlag herauszuziehen oder dass dieser von selbst wieder ein Stück in die Führung zurückgeschoben wird und somit das Einsetzen des Inflators verhindert. Doch auch dieser wichtige Hinweis ist in der Bedienungsanleitung hervorgehoben. Nun ist das System einsatzbereit.
Vor der ersten Fahrt müssen nur noch die Riemen an die Körpergröße und das persönliche Wohlbefinden angepasst werden.
Passform:
Der Airbag-Rucksack muss eng am Oberkörper anliegen, um optimalen Schutz zu gewährleisten. Er wird wie ein normaler Rucksack aufgesetzt, liegt am Rücken aber nur auf Höhe der Schulterblätter an. Die Trikottaschen sind auch mit Rucksack gut erreichbar.
Die Schulterträger sind aufgrund des integrierten Airbags sehr voluminös und erfordern anfangs etwas Gewöhnung. Die Kopfdrehung wird nicht eingeschränkt; lediglich bei stark geneigtem Kopf kann der seitliche Unterkiefer den Schultergurt berühren. Auch ein Schulterblick ist problemlos möglich, da man dabei in der Regel den Oberkörper mitdreht. Wenn man beim Fahren allerdings mit hochgezogenen Schultern unterwegs ist, berühren die Schultergurte den Unterkiefer – eine entspannte Schulterposition ist also ratsam.
Verschlossen wird der Rucksack im Brustbereich mittels eines ca. 15 cm langen Reißverschlusses, der geschmeidig läuft und in der korrekten Parkposition des Zippers geschlossen bleibt. Insgesamt lässt sich die Passform so zusammenfassen: Man spürt ihn, aber er stört nicht. Bei schweißtreibenden Sommertemperaturen wird man den Rucksack jedoch sicherlich vollschwitzen.
Stauraum:
Der AIRDING Compact ist bewusst kompakt konzipiert und erhebt keinen Anspruch darauf, ein voluminöses Staufach zu bieten.
Test auf Tour:
Ich habe den Airding hauptsächlich bei Rennrad- und Gravel-Touren getestet. Die Strecken reichten von gut asphaltierten Abschnitten bis hin zu geschotterten Waldwegen; extreme Wurzeltrails waren nicht dabei. Die Aktivierung des AIRDING Compact erfolgt durch das Schließen der Aktivierungsschnalle im Brustbereich, deren integrierte grüne LED den Status „Alles in Ordnung“ anzeigt.
Es ist eine Gewöhnungssache, die Aktivierungsschnalle wirklich erst nach dem Aufsteigen zu schließen und sie vor dem Absteigen (z.B. zum Schuhebinden) wieder zu öffnen und in der Parkposition zu sichern. Es ist vergleichbar mit den ersten Fahrten mit Klickpedalen – ein neuer Ablauf, den man sich aneignen muss. Die Aktivierungsschnalle wird magnetisch und mechanisch geführt; das Öffnen und Schließen funktioniert einhändig, auch mit Handschuhen. Nur das Einfummeln in die Parkposition (unter Gummibändern) erfordert etwas Fingerspitzengefühl.
Mit jeder Fahrt wächst das Vertrauen ins System; anfangs war ich sehr vorsichtig, um ungewollte Fehlauslösungen zu vermeiden. Im normalen Gebrauch sind diese jedoch nicht zu befürchten. Die Passform während der Fahrt war in Ordnung, allerdings fanden die Tests bei herbstlichen Temperaturen statt. Bei hochsommerlicher Hitze könnte der Airbag-Rucksack möglicherweise störender wirken. Die Kopfbewegung und auch das Greifen in die Trikottaschen sind durch den Airbag-Rucksack nicht beeinträchtigt.
Fazit:
Airbags sind im Auto seit Jahrzehnten unverzichtbar und retten viele Menschenleben. Auch für Fahrrad-Airbags sehe ich großes Zukunftspotenzial. Besonders positiv ist, dass das Modell kompakt gehalten ist, wodurch es auch bei sportlichen Ausfahrten oder Radmarathons verwendet werden kann. Gerade dort versammeln sich oft übermotivierte Hobbysportler, die auf den ersten zehn Kilometern der 200-km-Strecke mit dem sprichwörtlichen „Messer zwischen den Zähnen“ fahren und Unfälle häufig die Folge sind.
