BOA EYYY! :-) Wandern mit BOA
VORTEILE
- BOA-Verschluss
- Viel Grip
- Stabiler Schuh
- Wasserdicht
NACHTEILE
- BOA-Verschluss
- Halt im Schuh
BEWERTUNG
Für OUTSIDEstories durfte ich dieses Mal einen neuen Schuh für „schnelles Wandern“ testen, und zwar den Furiosa BOA GTX von AKU. Empfohlen wird er von AKU wie folgt: “Furiosa BOA ist ein bequemer, wendiger und präziser Schuh, der für dynamisches Wandern konzipiert wurde, bei dem Geschwindigkeit, Kontrolle und Leichtigkeit den Unterschied machen.“
Ob das auch so stimmt, habe ich über die letzten Wochen ausprobieren dürfen. Wer AKU bisher nicht kennt, hier eine kleine Firmengeschichte:
AKU entstand in den 1980er‑Jahren in Montebelluna, einem italienischen Zentrum der Schuh- und Outdoorindustrie. Das Unternehmen wurde mit dem Anspruch gegründet, hochwertige Berg- und Trekkingschuhe zu entwickeln, die traditionelle Handwerkskunst mit moderner Technologie verbinden. Von Beginn an setzte AKU auf präzise Verarbeitung, langlebige Materialien und eine Passform, die sich an den Bedürfnissen von Bergsportlern orientiert.
Im Laufe der Jahre entwickelte sich AKU zu einer international bekannten Marke, die sowohl professionelle Alpinisten als auch Freizeitwanderer ausstattet. Ein zentraler Bestandteil der Firmenphilosophie ist die Verantwortung gegenüber Umwelt und Gesellschaft: AKU integriert nachhaltige Produktionsprozesse, reduziert Emissionen und arbeitet mit zertifizierten Materialien.
Heute steht AKU für Innovation, Komfort und Sicherheit im Outdoorbereich und bleibt seiner Herkunft treu – einem Zusammenspiel aus italienischer Tradition, technischer Weiterentwicklung und ökologischer Verantwortung.
Doch nun zum Produkt an sich. Mit über 900 Gramm pro Paar ist der Schuh nur etwa 50 Gramm leichter als meine momentanen mittelhohen Wanderschuhe einer anderen Marke. Für unter-Knöchel-hohe Schuhe ist der erste Eindruck also erst mal relativ schwer. Angezogen stört das Gewicht dann weniger.
Getestet habe ich die Schuhe im Alltag, beim Seilklettern und Wandern in Österreich und Deutschland, meist bei weit über 30 °C, aber auch einmal bei 9 °C am Berg. Bei kühlen Temperaturen hält der Schuh schön warm, und bei über 30 °C geht es auch. Hier ist aber eigentlich fast jeder Schuh zu warm, vor allem mit Membran.
Vielleicht noch ein Hinweis zur Größentabelle: Laut AKU bräuchte ich bei einer Fußlänge von 27,5–28 cm die Größe 42,5-43. Bestellt habe ich Gr. 45, da ich schon Gr. 44 zuhause hatte, meine Füße aber etwas platter geworden sind, sodass die 44 bereits zu klein ist … Die Schuhe sind recht schmal und lang geschnitten, finde ich. Evtl. passt mein Fuß nicht ideal zum Schuh. Wie ihr seht, ist für die kleine Zehe kaum Platz und vorne eher zu viel Freiraum:

Interessant ist vor allem bei diesem Modell der BOA‑Verschluss. Ich kannte ihn bisher hauptsächlich von MTB-, Ski- und Snowboardschuhen, aber nicht von regulären Schuhen. Der Drehverschluss wirkt wie eine Ratsche und zieht ein kleines Seil immer enger, je länger man dreht, bis der Schuh fest sitzt. Zum Öffnen zieht man am Drehknopf, bis es klackt und die Spannung komplett verschwindet, sodass man aussteigen kann. Vor dem nächsten Festziehen muss der Drehknopf dann wieder gedrückt werden, bis es klackt, und es kann wieder von vorne losgehen.
Der Hauptvorteil für mich ist: Es geht super schnell! Außerdem kann sich kein Schnürsenkel lockern, eine Sorge weniger!
Genial war das Ganze z.B. beim Seilklettern in Österreich: Einfach aus den Kletterschuhen raus und hier schnell reingeschlüpft, kurz drehen und fertig, umgekehrt genauso schnell, während die Kollegen an ihren Schnürsenkeln gefummelt haben…


Nicht so gut fand ich, dass man nicht steuern kann, wo das System greift. Ich hätte gerne weiter vorne am Schuh etwas mehr Druck gehabt als weiter oben, da kann man aber nichts tun. Etwas störend fand ich auch den Rand der Zunge, diesen empfand ich als zu hart und scharfkantig, Druckstellen gab es aber keine. Außerdem verhakt sich das System manchmal beim Festziehen. Hier muss man dann die Schichten sortieren, damit sich die Schichten nicht verzwicken (s. Foto).

Im etwas schwereren Gelände kommt erstmal die Vibram Sohle zum Tragen, sie bietet gewohnt klasse Grip, getestet habe ich von staubtrocken bis nass, von losem Schotter bis felsig und auch auf weichem Waldboden mit Wurzeln.

Auch sehr steiles Gelände ist vom Grip her kein Problem. Hier fand ich aber, dass ich leicht im Schuh nach vorne gerutscht bin, wenn es bergab ging. Gerne hätte ich den BOA‑Verschluss noch fester gedreht, aber der war wohl am Anschlag.
Nach längeren steilen Abstiegen haben mir dann teils die Zehen etwas wehgetan, nicht ideal. Auf spitzen Steinen drückt also nichts durch die Sohle. Die Dämpfung hätte ich mir allerdings etwas weicher erwartet, aufgrund der Optik der massiven Sohle. Der Schuh ist eher sportlich hart, finde ich, vor allem für den empfohlenen Schnellwandereinsatz. Da hat man ja meist nicht so viel Gepäck dabei.



Die Wasserdichtigkeit ist vollkommen ausreichend. Sogar komplett unter Wasser hält der Schuh und Wasser drang dann irgendwann an der Zunge entlang ein, wenn es zu tief wird. Aber für kurz durch tiefe Pfützen und bei konstant nassem Gras oder einer Regenwanderung gibt’s keinerlei Bedenken dank Gore-Tex-Membran.



Hergestellt wird das Modell übrigens in Vietnam mit Material aus Vietnam/China/Taiwan, es kostet UVP 199€ und beinhaltet eine Ortholite‑Innensohle. Neben meiner getesteten Farbe gibt es noch 2 weitere, orange und dunkelgrün, zur Auswahl.

Fazit:
Dass AKU top Schuhe herstellt, war mir ja bereits von anderen Modellen bekannt, und auch dass diese eher robust als superleicht sind, passt für mich ins Konzept. Dafür muss man keine Bedenken haben, auf Tour die Sohle zu verlieren etc.
Mein Fazit bezieht sich also hauptsächlich auf den BOA‑Verschluss. Dieser hat bei mir einen etwas gemischten Eindruck hinterlassen, da er sowohl für die Hauptvorteile als auch für die Nachteile verantwortlich ist.
Die Handhabung ist überragend und extrem schnell (wenn er sich nicht verzwickt, aber dafür ist die Schnürung für mich weniger gut anpassbar als bei einer normalen Schnürung). Der Sitz im Schuh im Steilen bergab war nicht so gut. Ansonsten hat aber alles geklappt mit spitzen Bodenhaftung. Ich denke, dass auch hier der Einsatzzweck wieder entscheidend ist: Wenn der Schuh öfter gewechselt werden muss, wie beim Klettern, oder man Probleme mit dem Knien oder Bücken hat, ist der Verschluss ein Gamechanger. Für alle anderen ist die klassische Schnürung vielleicht doch die bessere Wahl, wenn man den Schuh individuell festmachen möchte.
Ich werde ihn wohl hauptsächlich weiterhin als Zustiegsschuh nutzen , wenn es nicht zu lange steil ist. Evtl. liegt es aber auch an meinen Füßen, who knows.