Top durchdachter Protektorrucksack mit viel Stauraum.
VORTEILE
- Guter Schutz
- Durchdachter Fächeraufteilung
- Robust
- Guter Halt am Rücken
- Große Taschen an stabilen Hüftflossen
- Smarte Details (werden im Bericht genauer erläutert)
NACHTEILE
- Eher schwer
- Nur in einer Größe/ Rückenlänge verfügbar
- Platte für Penetrationsschutz schwer
- Riemen zur Befestigung der Schoner (zu) kurz
BEWERTUNG
Dieses Mal hatte ich die Gelegenheit, einen Protektorrucksack von Canyon für euch unter die Lupe zu nehmen. Es handelt sich um den „Canyon MTB Rucksack mit D3O-Protektor“, der in drei verschiedenen Größen (7l, 12l und 16l) angeboten wird. Ich habe mir die kleinste Variante mit 7 Litern Volumen für euch genauer angeschaut.
Der grundlegende Aufbau ist jedoch bei allen drei Modellen gleich, allerdings ist nur bei den beiden größeren Rucksäcken zusätzlich eine Regenhülle im Boden integriert, dafür hat der 7-Liter-Rucksack noch eine ausklappbare Gesäßlasche (mehr dazu später). Der Rucksack wird ausschließlich in Schwarz und in einer universellen Rückenlänge angeboten. Die UVPs liegen bei 99,99 € für die 7-Liter-Version, 109,99 € für 12 Liter und 119,99 € für 16 Liter.
Mit einem Gewicht von rund 950 Gramm und der Fertigung aus 100 % Polyester richtet sich der Rucksack klar an Trail- und Endurofahrer, die möglichst kompakt unterwegs sein wollen, aber trotzdem nicht auf Stauraum und Schutz verzichten möchten und dafür auch auf ein Ultra-Light Produkt verzichten können.
Erster Eindruck & Aufbau
Schon beim Auspacken wirkt der Rucksack deutlich sportlicher und flacher als klassische MTB-Daypacks. Canyon hat beim Layout wirklich mitgedacht. Das sehr flache und kompakte Design ist nicht nur optisch sehr ansprechend, sondern glänzt auch von innen mit vielen Fächern und Taschen!
Hauptfach und Vorderfach: Dank des umlaufenden Reißverschlusses lässt sich das Hauptfach komplett aufklappen, sodass man sofort Zugriff auf den gesamten Inhalt hat.
Das Innenmaterial ist in einer hellen Kontrastfarbe gehalten. Das hilft sehr, wenn man auf dem Trail nach einem winzigen, schwarzen Werkzeug suchen muss. Durch die Kontrastfarbe orange findet man Dinge deutlich besser! Drei separate Netzfächer sorgen im Inneren für zusätzliche Struktur.
Reißverschlüsse: Alle äußeren Reißverschlüsse sind wasserdicht ausgeführt, was den Inhalt bei unbeständigem Wetter schützt.
Material: Wasserdichte Reißverschlüsse helfen natürlich nur bei entsprechendem Material... Der Rucksack ist aus 100 % Polyester und stark wasserabweisend (nicht so von Canyon formuliert, aber das sind die Erkenntnisse von meinem Test.
Trinksystem: Im Hauptfach befindet sich ein integriertes Fach für eine handelsübliche 2-Liter-Trinkblase, die an der Oberseite mit einer Klettschlaufe fixiert wird, damit sie nicht zusammenschrumpft/ einsackt. Eine Trinkblase ist nicht dabei (steht aber auch so in der Produktbeschreibung). Die Schlauchführung ist beidseitig gelöst: Der Schlauch kann flexibel nach Wunsch durch den rechten oder linken Mesh-Schultergurt nach vorne geführt und dort fixiert werden.
Gurte und Ergonomie: Die Schultergurte bestehen aus einem leichten, grobmaschigen Mesh-Material, das für eine gute Belüftung sorgt.
An den Trägern befinden sich clevere Details wie eine elastische Gummischlaufe für die Brille sowie ein verstecktes Steckfach auf der Innenseite, das sich optimal für Karten oder eine Emergency Card (mitgelieferte Karte für Notfallinformationen) eignet.
Die Hüftgurte sind angenehm breit konzipiert. Das sorgt für einen optimalen Halt ohne Einschneide und hilft natürlich, um das Gewicht gut zu verteilen. Sie bieten beidseitig große Reißverschluss-Netztaschen (siehe vorletztes Bild) für Schlüssel oder Kleingeld sowie am Übergangsbereich zum Rucksack spezielle Steckplätze für Reifenheber, Multitools oder CO₂-Kartuschen.
Helm- und Schonerbefestigung: An der Außenseite sind robuste Aluminiumhaken angebracht. Mit ihnen lassen sich ein Fullface- oder Halbschalenhelm sowie zusätzliche Protektoren außen am Rucksack transportieren.
Im Abschnitt „Praxistest“ werde ich genauer auf die einzelnen Elemente eingehen und euch berichten, wie sie funktioniert und sich bewährt haben.
Der Protektor im Detail
Das zentrale Element des Rucksacks ist neben dem schicken Design und der vielen Fächern auf jeden Fall der integrierte D3O-Rückenprotektor (Modell D3O BP4 L1), der offiziell nach der europäischen Norm EN 1621-2 als Level 1 Protektor zertifiziert ist.
Diese Zertifizierung unterscheidet zwischen Level 1 (guter Schutz) und Level 2 (höchster Schutz, meist dicker und schwerer). Für das kompakte, flache Konzept und den Einsatzbereich dieses 7-Liter-Rucksacks ist der leichtere Level 1 Schutz absolut passend gewählt.
Funktionsweise: Im Normalzustand ist das D3O-Material vollkommen flexibel und passt sich den Bewegungen beim Fahren geschmeidig an. Bei einem Aufprall verhärten sich die Moleküle jedoch blitzschnell, absorbieren die Energie und verteilen die Kräfte großflächig, bevor das Material direkt danach wieder flexibel wird. Wichtig für die Schutzwirkung ist, dass die tiefen Rillen des Protektors immer zum Körper hinzeigen.
Meine Knieschoner funktionieren mit dem selben Prinzip und es funktioniert wunderbar. Glücklicherweise kann ich keinen Sturz auf den Rücken mit dem Rucksack verzeichnen, habe mich aber aus dem Sitzen nach hinten auf Steine kippen lassen und kann die Schutzwirkung auch hier bestätigen.
Der Penetrationsschutz: Zusätzlich zum D3O-Element hat Canyon eine dünne Kunststoffplatte integriert. Während das D3O-Material den Stoß dämpft, verhindert diese Plastikplatte, dass sich spitze Gegenstände aus dem Rucksack (wie Werkzeug, Pumpen oder CO₂-Kartuschen) bei einem Sturz durch den Protektor hindurch in den Rücken bohren. Auf jeden Fall wichtig, aber leider ist die Platte sehr schwer.
Die ausklappbare Gesäßlasche: Exklusiv bei der 7-Liter-Version besitzt der Rucksack im unteren Bereich eine ca. 1,5 cm dicke, gepolsterte Lasche. Diese lässt sich nach unten ausklappen und erfüllt eine Doppelfunktion: Sie schützt das Steißbein bei Stürzen und bedeckt gleichzeitig den Übergang zwischen Rucksack und Hose, sodass bei schlammigen Bedingungen kein Dreck von oben in die Hose gelangt.
Zusammenfassend erfüllt der Protektor auf jeden Fall seinen Zweck, ist groß und deckt sehr viel Rückenbereich ab und die Gesäßlasche sorgt für zusätzlichen Schutz.
Passform und Sitz
Da der Rucksack nur in einer einzigen Rückenlänge verfügbar ist, muss man etwas Glück mit der eigenen Anatomie haben. Mir als schlanker Frau mit einer Körpergröße von 173 cm ist er eigentlich etwas zu groß – er steht oben an den Schultern deutlich ab. Bei einer Freundin mit ca. 160 cm Körpergröße zeigte sich dieses Problem noch deutlicher.
Einem Freund mit ca. 168 cm Körpergröße passte er aufgrund einer breiteren Statur und eines anderen Oberkörperbaus dagegen deutlich besser, obwohl er nicht größer ist als ich.
Der breite Hüftgurt ist in der Weite verstellbar, allerdings musste ich ihn bereits ziemlich eng einstellen; viel dünner dürfte man am Bauch nicht sein, damit er noch fest sitzt.
Da sich der Brustgurt flexibel in der Höhe verschieben lässt, konnte ich mit engem Hüftgurt, komplett gekürzten Schulterträgern und einer optimalen Positionierung des Brustgurtes letztendlich einen akzeptablen bis guten Sitz erzielen und bin auf meine erste Ausfahrt mit dem Rucksack gestartet.
Die Schulterträger lassen sich allerdings nicht unter Spannung verstellen. Also sobald ich den Hüftgurt zu hatte, konnte ich die Schulterträger nicht mehr kürzen, sondern nur, wenn diese entlastet waren.
Der Praxistest auf den Trails
Aufgrund der optischen Lücke am oberen Rücken war ich anfangs skeptisch, was sich in der Praxis jedoch schnell gelegt hat. Trotz des Abstands sitzt der Rucksack im Einsatz angenehm fest und ruhig. Er hat sich beim Fahren weder auf den Trails noch im Uphill störend bewegt, sodass keinerlei Scheuerstellen entstanden sind. Auch um die Schutzwirkung musste ich mir keine Sorgen machen: Der Rucksack sitzt so stramm, dass er auch bei einem Sturz nicht verrutschen würde, und der Protektor bleibt genau dort, wo er schützen soll.
Die ausklappbare Gesäßlasche hat sich im Schlamm absolut bewährt und hält den unteren Rücken effektiv sauber und geschützt. Ein gutes Sicherheitsfeature ist zudem die Schnalle des Brustgurts, in die eine unauffällige, aber laute Notsignalpfeife integriert ist.
Trotz des kompakten Volumens von 7 Litern lässt sich erstaunlich viel im Rucksack verstauen. Durch die vielen Fächer bleibt alles wunderbar sortiert und man erspart sich das lange Suchen nach Kleinteilen. Im Vergleich zu meiner normalen Protektorenweste (Evoc Protector Vest Pro Women), die ich direkt über einem Top und unter dem Trikot trage, ist die Wärmeentwicklung durch das aufliegende Rucksackmaterial allerdings spürbar höher.
Die Helm- und Schonerbefestigung hält alles stabil an Ort und Stelle.
Im Test zeigte sich jedoch, dass man dicke Knieschoner und Ellbogenschoner (getestet mit Modellen von Ion) nicht gleichzeitig außen befestigen kann – es sei denn, man nutzt sehr dünne bzw. Ultralight-Varianten.
Ich habe das Problem gelöst, indem ich die Ellbogenschoner in den Helm gesteckt und diesen dann festgeclipst habe.
Wie eingangs schon erwähnt, sind die Reißverschlüsse wasserdicht und der Rucksack selbst stark wasserabweisend – bei Canyon in der Produktbeschreibung steht nichts dazu, aber das sind die Ergebnisse meines Tests in der Dusche. Die 7l-Variante hat keine integrierte Regenhülle, und bevor ich den Duschtest gemacht hatte, musste ich bei schlechtem Wetter improvisieren. Da der Rucksack extrem flach und kompakt ist, konnte ich meine Regenjacke im Test einfach komplett über den Rucksack ziehen – das hat prima funktioniert und macht eine zusätzliche Hülle fast überflüssig.
Ein kleiner Kritikpunkt ist die Reinigung: Wenn der Schlamm erst einmal getrocknet ist, lässt er sich nicht einfach abklopfen oder reiben, sondern man muss schon mit einem nassen Tuch nur vernünftig wischen.
Für Fahrten in der Dämmerung oder auf dem Heimweg nach den Trailer ist der Rucksack mit reflektierenden Elementen sowie einem reflektierenden Canyon-Logo ausgestattet, was die Sichtbarkeit erhöht (siehe letztes Bild).
Fazit
Der Canyon MTB Rucksack 7L mit D3O Protektor ist ein solider, sehr kompakter Begleiter für die schnelle Feierabendrunde oder knackige Trail-Sessions, bei denen man nicht viel Stauraum benötigt. Er glänzt mit einer cleveren Fächeraufteilung, durch die selbst Kleinteile schnell erreichbar sind. Der hochwertige Level 1 Protektor musste im Test zum Glück nicht eingreifen, vermittelt dank der strengen Schutzvorgaben aber viel Sicherheit auf dem Trail.
Die Passform ist für Frauen oder sehr schlanke Personen aufgrund der Einheitsgröße nicht ganz optimal – hier wären zwei verschiedene Rückenlängen ein großer Pluspunkt und eine starke Bitte an Canyon 🙏🏽... Wer mit den Maßen harmoniert, bekommt jedoch einen extrem durchdachten, stylischen und funktionalen Rucksack, der mich trotz der etwas zu großen Größe definitiv auf weiteren Touren begleiten wird.
Toll wäre, wenn die Riemen der Schönerbefestigung länger wären. Außerdem ist ein Fehler auf dem Aufdruck auf dem Rucksack. Er hat KEINE Regenhülle.