Intelligenter Laufschuh für Neutralläufer
VORTEILE
- Luftiges Obermaterial
- Bequeme Passform
- Technologie: Auswertung des Laufstils
NACHTEILE
- Eingenähte Zunge --> Anfällig für Reibestellen
BEWERTUNG
Joggen geht immer und überall. Ob im Urlaub, Zuhause, am Tag, bei Nacht. Man benötigt keine umfangreiche Ausrüstung, lediglich ein bisschen Sportbekleidung und ein ordentliches Paar Laufschuhe. Und da kommt mein heutiger Testartikel ins Spiel: Der Laufschuh "Hovr Machina 2" der US-amerikanischen Marke "Under Armour". Die Marke "Under Armour" war mir schon aus dem Fitness-Bereich geläufig, im Laufsportbereich habe ich diese Marke lediglich als Randmarke wahrgenommen. Umso besser, als Testartikel mal einen Laufschuh dieser Marke unter die Lupe zu nehmen.
Was sagt der Hersteller?
In erster Linie gehen die Produktbeschreibungen auf die Themen "Energierückgabe", "Geschwindigkeit" und die "beratende Funktion" des Laufschuhs ein. Energierückgewinnung ist derzeit ja bei allen Laufschuhmarken ein großes Thema, teilweise schon so ausgeklügelt, dass einzelne Modelle (Prototypen) vom Welt-Leichtathletik-Verband für den Wettkampf-Einsatz verboten wurden. Das zeigt die Bedeutung des Themas Energie-Rückgewinnung im Laufschuhbereich.
Dann zum zweiten wichtigen Marketing-Punkt, der Geschwindigkeit. Beim Under Armour Hovr Machina 2 soll die Geschwindigkeit durch die Pebax®-Sohlenplatte erzeugt werden, welche aus dem Bereich der Sprint-Schuhe übernommen wurde und auf die Langstrecken-Schuhe übertragen wurde. Dadurch sollen kraftvolle Antritte unterstützt werden.
Der dritte, in den Produkteigenschaften erwähnte Punkt, ist die "beratende Funktion". Da bin ich ja mal gespannt, wie mich der Schuh beraten möchte. Muss ich mir Sorgen machen, dass mich der Schuh auf meiner Hausrunde vollquatscht? Lassen wir uns überraschen. Eins ist schon mal sicher: Diese Funktion hat mich beim Durchlesen der Produkteigenschaften am meisten zum Schmunzeln gebracht.
Technische Eigenschaften:
Vor dem Praxistest noch ein paar technische Eigenschaften des Schuhs.
* Einsatzbereich: Neutralläufer
* Gewicht: ca. 600g/Paar (Größe 42,5)
* Kompatibel mit Under Armour "MapMyRun" App
* Hovr Technologie (federt und sorgt für die Energierückgewinnung)
* atmungsaktives, netzartiges Obermaterial
* mineralhaltiges Under Armour RUSH-Futter (nimmt Energie auf und gibt diese zurück)
* Stabile Fersenkappe
* Pebax Sohlenplatte für verbesserte Energierückgewinnung
* Nocken aus Carbongummi
* Reflektierende Elemente im Fersen-, Zehenbereich und am oberen Rand der Zunge (sogar an der Innenseite reflektierende Elemente)
* Sprengung: 8mm (Absatzhöhe: 26mm, Vorfußhöhe: 18mm)
Auch hier wird wieder deutlich: sämtliche Eigenschaften zielen auf die Energierückgewinnung ab.
Praxiseinsatz:
Zuerst mal ein paar Worte zu meinen "Laufkenntnissen". Meine typischen Trainingsrunden sind ca. 8-12 km lang und finden hauptsächlich auf Asphalt oder festen Waldböden statt. Üblicherweise laufe ich im Training einen Kilometerschnitt von ca. 5:00 min/km und 5:30 min/km, bei Intervall-Einheiten geht es auf ca. 4:00 min/km. Also sollten die Schuhe für diesen Einsatzbereich genau richtig sein.
Bevor es allerdings losging, habe ich mir noch die MapMyRun-App auf das Smartphone geladen. Die Installation und Einrichtung sowie die Bluetooth-Verbindung zum Schuh ging ohne Probleme (Android 10). Also dann, raus auf die Strecke. Bei all den Versprechungen zum Thema Energierückgewinnung muss sich der Lauf ja spielend leicht anfühlen. Das erste Tragegefühl ist sehr komfortabel. Die Zunge ist aus eher dünnem Material und ist an beiden Seiten an der Sohle vernäht. Dies führt zu einem "sockenähnlichen" Gefühl an den Füßen.
Hinzu kommen noch die elastischen Schnürbänder, die das gute Tragegefühl vorzüglich unterstützen. Der Halt an den Fersen und überhaupt des gesamten Schuhs ist sehr gut. Auf den ersten Schritten im Lauftempo kommt auch das geringe Gewicht der Schuhe zur Geltung. Von der versprochenen Energierückgewinnung habe ich zu diesem Zeitpunkt noch nichts gespürt, was mich allerdings erstmal nicht weiter verwundert hat, da ich diese Vorteile erst gegen Ende der Trainingseinheit erwartet habe (geringere Ermüdung). Der Laufstil fühlt sich tatsächlich eher federnd an, die Laufgeschwindigkeit war allerdings vergleichbar zu meinen gewöhnlichen Laufschuhen.
Zusammengefasst: Erstes Tragegefühl: Note 1
Meine Laufstrecken führten mich über asphaltierte Feldwege und Waldwege mit feinem Kies. Für diese Art von Untergründen sind die Schuhe sehr gut geeignet, sobald es etwas matschiger wird, kommt das geringe Profil schnell an seine Grenzen. Ist aber kein Nachteil, es handelt sich ja schließlich nicht um Trailrunning-Schuhe. Auch bei schnelleren Einheiten kommt man mit dem Schuh gut zurecht, besonders das Gewicht ist hier ein großer Vorteil.
Gegen Ende der Trainingseinheit war ich gespannt auf den großen Vorteil der Energierückgewinnung. Dieser ist nicht eingetreten, bzw. wurde von den Blasen an den Innenseiten beider Füße im Bereich des Fußbetts überlagert. Beim ersten Lauf habe ich noch gedacht, dass es an den verwendeten Socken lag, da diese genau in dem Bereich der Blasen einen gestickten Schriftzug hatten. Allerdings habe ich bei jedem Lauf erneut an denselben Stellen Blasen bekommen, auch mit sehr guten Laufsocken.
Zwischenzeitlich hatte ich 2-3 Schichten Blasen an ein und der selben Stelle. Also habe ich mir den Schuh nochmals genauer angeschaut: Die Blasen entstehen genau an der Stelle, an der die Zunge mit dem Sohlenbereich vernäht ist. An dieser Stelle ist ein leichter Wulst, der (zumindest bei meinen Füßen) dazu führt, dass ich bei jedem Training mit diesen Schuhen gegen Ende mit schmerzhaften Blasen zu kämpfen habe. Da ist er also dahin, der Vorteil der Energiegewinnung. Meine längste gelaufene Strecke mit diesem Schuh waren 11 km, mehr kann ich mir derzeit mit diesem Schuh bzw. ohne Vorkehrungen gegen erneute Blasen, nicht vorstellen. Ein Halbmarathon oder noch längere Strecken würde ich mit diesem Schuh nicht riskieren.
Zusammengefasst: Während des Laufs: Note 2 (bevor die Blasen kommen), Note 4- (sobald die Blasen kommen)

Jetzt fehlt ja noch die beratende Funktion des Schuhs: Während des Laufes kann man die App so einstellen, dass diese Live Rückmeldungen gibt. Diese Funktion habe ich deaktiviert, weil ich während des Laufs nicht von meinem Smartphone vollgequatscht werden möchte. Nach dem Lauf kann man aber den Lauf nochmals im Detail analysieren. Daten wie beispielsweise die "Doppelschrittlänge“, die "Schrittfrequenz", der "Fußauftrittswinkel" und die "Bodenkontaktzeit" werden angezeigt sowie Empfehlungen angezeigt, was man beim nächsten Lauf verändern sollte.
In meinem Fall lautet zum Beispiel die Empfehlung der App: "Versuche bei deinem nächsten Lauf, etwas schnellere und kürzere Schritte zu machen, während du dein normales Tempo beibehältst und schau, wie sich das anfühlt.". Dazu wird auch angezeigt, wie viel Zeit man im Zielbereich (z.B. Schrittfrequenz) unterwegs war. Von dieser App war ich tatsächlich positiv überrascht, es werden eine Menge Daten aufgezeichnet, welche auch plausibel erscheinen.
Das Auslesen der Daten vom Schuh geht auch im Nachhinein, wenn die App während des Trainings nicht aktiviert war. Nachdem die Sensoren bereits den Fußauftrittswinkel (Ferse vs. Vorfuß) unterscheiden können, wäre es auch interessant, den Fußaufsatz um die Längsachse des Fußes (Pronation / Supination) zu erfassen. Anhand dieser Daten könnte man ebenfalls versuchen, seinen Laufstil anzupassen oder hat gute Ausgangswerte beim nächsten Schuhkauf. Ich glaube allerdings, dass Sensoren im Schuh in Zukunft auch immer wichtiger werden. Der Ansatz von Under Armour ist schon sehr gut gelungen.
Zusammengefasst: Die App zur Laufanalyse überzeugt: Note 1.
Zusammenfassung:
Insgesamt hat mich der Under Armour Hovr Machina 2 überzeugt. Nicht so begeistert bin ich von den ausgeprägten Blasen, die ich bei Verwendung dieses Schuhs bekomme. Da dies allerdings auch an der Anatomie meiner Füße liegen kann, ist dieses Problem nicht zwingend auf jeden Läufer übertragbar.

































