Du möchtest deinen ersten Klettersteig, einen „Eisenweg“, gehen und fragst dich, welche Ausrüstung wirklich notwendig ist? Keine Sorge: Für die meisten Einsteiger-Klettersteige brauchst du keine umfangreiche Materialsammlung. Einige Ausrüstungsgegenstände sind allerdings unverzichtbar und sorgen für die nötige Sicherheit im steilen Fels. Wir listen hier nur Preisspannen für Basicteile auf. Nach oben sind wie immer kaum Grenzen gesetzt.
► In unserem Ratgeber zeigen wir dir, welche Ausrüstung auf keinem Klettersteig fehlen darf und welche zusätzlichen Extras je nach Tour sinnvoll sein können. Damit gelingt der Einstieg ins Klettersteiggehen sicher und entspannt. Wir haben die Tipps in zwei Bereiche aufgeteilt.
A. Die unverhandelbare Sicherheitsausrüstung
B. Von unseren Kletterexperten empfohlene Bekleidung
Deine benötigte Grundausstattung:
- Kletterhelm
- Klettergurt
- Klettersteigset
- Kletterhandschuhe
- Klettersteigtaugliche Schuhe
- Bekleidung im Zwiebelprinzip
- Kletterrucksack
Überschätze dich nicht. So kannst du die Schwierigkeitsgrade bei Klettersteigen einstufen.
Klettersteige sind in der Regel nach der sechsstufigen Schall-Skala von A bis F klassifiziert, wobei die Anforderungen mit jedem Grad steigen. Orientiere dich bei der Auswahl an deiner tatsächlichen Erfahrung und Leistungsfähigkeit, denn eine einzige Passage über dem eigenen Niveau (oder dem des Begleiters) kann bereits zur Umkehr zwingen. Diese muss technisch gar nicht so schwierig sein, aber wenn sie etwa ausgesetzt ist und es in einen tiefen Abgrund geht, haben schon manche Kletterer wackelige Beine bekommen.
Schall-Skala (A - F):
- A (entspricht K1): wenig schwierig, ähnlich wie K1.
- B (entspricht K2): mäßig schwierig, mit steilerem Felsgelände und ausgesetzten Stellen.
- C (entspricht K3): Schwieriger, mit längeren Leitern und Trittstiften.
- D (entspricht K4): sehr schwierig, oft senkrechte Passagen.
- E (entspricht K5): extrem schwierig, anspruchsvolle Kletterstellen.
- F (entspricht K6): Noch anspruchsvoller, selten anzutreffen.
* Die Schall-Skala ist in Deutschland und Österreich allgemein bekannt, eine weitere Einstufungsmethode, die Hüsler-Skala (K), findest du mehr in der Schweiz und Liechtenstein.
Hier einige Unterwegstipps zu Klettersteigen, die du bei OUTSIDEstories findest:
- 5 Klettersteige in Bayern
- Der Hausbachfall-Klettersteig in Reit im Winkl, Bayern
- 3 Klettersteige für jeden Geschmack im Kleinwalsertal, Österreich
- 3 rockige Klettersteige in den Sextner Dolomiten, Südtirol, Italien
- Wandern und ein Klettersteig in Schenna, Südtirol
- Calmont Klettersteig bei Bernkastel-Kues, Rheinland-Pfalz
A. Deine unverhandelbare Sicherheitsausrüstung
Kraxeln mit Hirn: der Kletterhelm
Ein Helm gehört auf jedem Klettersteig zur absoluten Pflichtausrüstung. Anders als beim Wandern besteht hier die Gefahr von Steinschlag, herabfallender Ausrüstung oder Anstößen an Felsvorsprüngen. Ein gut sitzender Helm schützt den Kopf und kann im Ernstfall schwere Verletzungen verhindern.
Wichtig sind:
- CE- oder UIAA-zertifizierte Modelle
- guter Sitz ohne Verrutschen
- ausreichende Belüftung
- geringes Gewicht für hohen Tragekomfort
Tipp: Der Helm sollte bereits beim Zustieg getragen werden, denn Steinschlag passiert nicht nur im eigentlichen Klettersteig.
► Preisspanne für Einsteiger: etwa 30 bis 50 Euro.
► Eine gute Quelle für Kletterhelme ist z. B. Decathlon.
► Mehr dazu im OUTSIDEstories-„Ratgeber Kletterhelm“.
Fest im Sitz: der Klettergurt
Der Klettergurt verbindet den Bergsportler mit dem Klettersteigset und bildet das zentrale Element der persönlichen Sicherung.
Für die meisten Klettersteige eignet sich ein klassischer Sitzgurt. Bei Kindern, schwerem Rucksack oder speziellen Anforderungen kann ein Kombigurt aus Sitz- und Brustgurt sinnvoll sein.
Darauf solltest du achten:
- gute Passform
- gepolsterte Beinschlaufen
- ausreichend Bewegungsfreiheit
- einfache Verstellbarkeit
► Preisspanne für Einsteiger: etwa 45 bis 55 Euro.
► du bekommst Klettergurte etwa bei Bergzeit.
► Mehr dazu im „Ratgeber Klettergurte“.
Die Connection zum Fels: Klettersteigset mit Bandfalldämpfer
Das Klettersteigset ist die wichtigste Sicherheitskomponente überhaupt. Es verbindet den Gurt mit dem Stahlseil des Klettersteigs.
Ein modernes Set besteht aus:
- zwei elastischen Fangarmen
- zwei Klettersteigkarabinern
- Bandfalldämpfer
Kommt es zu einem Sturz, reißt der Bandfalldämpfer kontrolliert auf und reduziert die auf den Körper wirkenden Kräfte erheblich. Dennoch können Stürze im Klettersteig erhebliche Verletzungen verursachen und man sollte sich auf keinen Fall „zum Spaß“ mal fallen lassen (macht man im Auto mit dem Airbag auch nicht).
Wichtig: Ausschließlich moderne Klettersteigsets verwenden und das Material regelmäßig auf Beschädigungen kontrollieren. Lass dich im Zweifelsfall beraten. Es kommt auch auf dein Gewicht und deine Körpermaße an.
► Preisspanne für Einsteiger: etwa 70 bis 100 Euro.
► Klettersteigsets bekommst du u. a. bei den Bergfreunden.
► Alles Wissenswerte im „Ratgeber Klettersteigset“.
Im Griff: Klettersteighandschuhe
Klettersteighandschuhe sind zwar nicht zwingend vorgeschrieben, gelten aber praktisch als Standard und ergeben wirklich Sinn, denn nach einiger Zeit am Draht und an den Trittbügeln schmerzen die Hände.
Vorteile:
- Schutz vor Drahtlitzen am Stahlseil
- besserer Grip bei Nässe
- weniger Blasenbildung
- mehr Komfort auf längeren Touren
Halbfingerhandschuhe bieten das beste Tastgefühl am Fels, Vollfingerhandschuhe schützen etwas besser.
► Preisspanne für Einsteiger: etwa 15 bis 25 Euro.
► Klettersteighandschuhe bekommst du günstig bei Decathlon.
B. Von unseren Kletterexperten empfohlene Bekleidung
Wander- oder Bergschuhe mit griffiger Sohle
Die besten Sicherungssysteme helfen wenig, wenn die Schuhe keinen Halt finden. Turnschuhe oder Straßenschuhe bieten weder den nötigen Grip noch Sicherheit im Klettersteig.
Für Klettersteige eignen sich:
- leichte Bergschuhe
- Zustiegsschuhe
- stabile Wanderschuhe
Auf diese Eigenschaften solltest du achten:
- griffige Profilsohle
- präziser Tritt
- ausreichender Halt im Geröll und Fels
- guter Sitz am Fuß
► du solltest für Approach- bzw. leichte Wanderschuhe rund 80 bis 120 Euro einplanen.
► Eine große Auswahl an diesen Schuhen bieten die Bergfreunde oder Bergzeit.
► Mehr Informationen gibt es im OUTSIDEstories-Ratgeber zu leichten Wander- und Bergschuhen.
Wenn’s Wetter reinkommt: deine Outdoor-Bekleidung
Auf Klettersteigen bewegt man sich häufig stundenlang in exponiertem Gelände. Wind, Sonne oder Gewitter können die Bedingungen rasch verändern. Und auch nach Erreichen des Ziels musst du wieder zum Ausgangspunkt zurückkommen.
Bewährt hat sich das klassische Zwiebelprinzip:
- Lage: Funktionsunterwäsche
- Lage: Midlayer oder Fleece
- Lage: Wetterschutzschicht
So lässt sich die Bekleidung flexibel anpassen.
► Kosten für alle drei Schichten: etwa 150 bis 250 Euro.
► Lies dazu auch unseren Ratgeber „Grundausstattung Wandern“. Hier findest du alle Informationen zum Zwiebel- bzw. Schichtenprinzip und zu den einzelnen Bekleidungsteilen.
► Kletterbekleidung bekommst du online unter anderem bei den Bergfreunden.
1. Lage: Funktionsunterwäsche/Baselayer
Funktionsunterwäsche transportiert Feuchtigkeit vom Körper weg und sorgt für ein angenehmes Klima. Verzichte auf Baumwoll-T-Shirts, die kleben dir sonst feucht und kalt den ganzen Tag am Körper. Shirt aus Synthetik-Material oder aus Merinowolle sind geeignet.
Vorteile von Funktions-Shirts:
- schneller Feuchtigkeitstransport
- weniger Auskühlung
- höherer Tragekomfort
► Preisspanne für Einsteiger: etwa 30 bis 60 Euro.
► Alle Infos dazu: „Ratgeber Funktionsunterwäsche/Baselayer“.
► Die Bergfreunde bieten ein großes Sortiment an Kletter-Funktionsunterwäsche.
2. Lage: Midlayer oder Fleece
Die mittlere Bekleidungsschicht dient als Wärmespeicher und schützt vor Kälte sowie wechselnden Wetterbedingungen. Besonders bewährt haben sich Fleecejacken, da sie pflegeleicht, strapazierfähig und für die meisten Wanderungen völlig ausreichend sind. Wer Gewicht und Packmaß sparen möchte, greift zu leichten Daunen- oder Kunstfaserjacken, die sich bei Nichtgebrauch kompakt verstauen lassen.
Die überzeugenden Features eines Fleecepulloves bzw. -jacke:
- Warm
- Atmungsaktiv
- Schnell trocknend
- Bequem
- Robust/pflegeleicht
Kurz gesagt: gehört in jeden Rucksack.
► Preisspanne für Einsteiger: etwa 30 bis 100 Euro.
► Mehr dazu im „Ratgeber Midlayer/Fleecjacken".
► Online kaufen, etwa bei Decathlon.
3. Lage: Regenjacke oder Hardshelljacke (bzw. -hosen)
Selbst bei stabiler Wetterprognose gehört eine leichte Regenjacke in den Rucksack. Vor allem Einsteiger wollen es manchmal nicht wahrhaben, dass es auch bei warmem Wetter im Tal weiter oben zapfig werden kann.
Eine gute Hardshelljacke und -hose schützt dich vor:
- Regen
- Wind
- Auskühlung
Besonders in hochalpinem Gelände kann ein Wetterwechsel schnell kritisch werden.
► Preisspanne für Einsteiger: etwa 70 bis 100 Euro.
► Mehr dazu im „Ratgeber Hardshell- und Regenjacken.“
► Online kaufen, etwa bei Bergfeunde.
Alles dabei: der Kletterrucksack
Der ideale Kletterrucksack ist kompakt, sitzt eng am Rücken und bietet genug Platz für Wasser, Wechselkleidung, Erste-Hilfe-Set und Verpflegung. Für die meisten Einsteiger sind zwanzig bis fünfundzwanzig Liter Volumen die beste Wahl.
Die Features auf einen Blick:
- Passendes Volumen – für die meisten Klettersteige reichen 20 bis 25 Liter Inhalt.
- Körpernaher Sitz – verhindert Verrutschen und sorgt für mehr Stabilität.
- Bewegungsfreiheit – schränkt Armbewegungen und den Helm nicht ein.
- Robustes Material – hält Abrieb und Felskontakt besser stand.
- Helmhalterung – ermöglicht den Transport des Helms außerhalb des Rucksacks.
- Ausstattung – Fächerverteilung, Flaschenfach für Trinksystem
► Preisspanne für Einsteiger: 35 bis 50 Euro.
► Mehr dazu im Ratgeber „Kletterrucksack/Daypack“.
► Kletterrucksäcke findest du z.B. bei Bergzeit oder Decathlon.
Die Grundausstattung für deine Klettersteigausrüstung:
Was du sonst noch dabei haben solltest:
- Erste-Hilfe-Set (Kosten: etwa 10 bis 25 Euro).
- Weitere Infos dazu im Ratgeber Erste-Hilfe-Set.
- Eine Rettungsdecke wiegt nur wenige Gramm und gehört deshalb in jeden Rucksack.
- Online zu bekommen für rund 5 Euro bei Bergzeit.
- Sonnenschutz (Hut, Cap, Schlauchtuch, Sonnenbrille).
- Outdoorbrille
- Zu bekommen zum Bestpreis, etwa bei Decathlon.
- ggf. Stirnlampe (wenn es länger dauern könnte)
- Mehr dazu im Ratgeber Stirnlampen.
- Mobiltelefon (zur Navigation und/oder Notfall).
- Trinken (solltest du nicht unterschätzen, unterwegs gibt es keinen Kiosk).
- Proviant: Energieriegel, Snacks oder Vesperbrote (Nüsse, Trockenfrüchte ...).
Sinnvolle Zusatzausrüstung
Je nach Schwierigkeit und Tour können folgende Ausrüstungsgegenstände sinnvoll sein:
- Klettersteig-Rastschlinge
- zusätzliche Karabiner
- Mit Kindern oder Einsteigern: Kurzseil
- leichte Isolations- oder Daunenjacke
- Chalkbag (eher selten notwendig)
In hochalpinem Gelände kann folgendes Equipment erforderlich sein:
- Biwaksack
- Steigeisen oder Grödel
- Eispickel
- Lawinenausrüstung bei winterlichen Bedingungen
- LVS-Gerät
- zusätzliche Notfallausrüstung
Die konkrete Ausrüstung sollte dabei immer an Jahreszeit, Route und aktuelle Bedingungen angepasst werden.