Wanderstiefel

Von c.w.
Ratgeber: Wanderstiefel

Vorne drückt’s und hinten zwickt’s – der neue, tolle Wanderstiefel, der im Laden noch so perfekt ausgesehen hatte, erweist sich in der Praxis als totaler Flop. Warum? Die Gründe hierfür können mannigfaltig sein: Falscher Schuh für das falsche Terrain (häufigster Grund), falscher Leisten, falsche Socken oder einfach mangelnde Kondition. Gegen den letzten Punkt können wir euch in diesem Ratgeber leider keine Tipps geben, damit ihr aber in Zukunft den richtigen Wanderstiefel findet, haben wir hier eine ausführliche Beratung.

Lass dich von unserem Ratgeber inspirieren und vielleicht hast du ja auch schon einen bestimmtes Paar Wanderstiefel im Sinn, die du demnächst ganz bequem online kaufen möchtest. Wir liefern dir alle wichtigen Argumente rund um den perfekten Wanderstiefel. Und wenn du noch mehr darüber wissen möchtest: auf OUTSIDEstories findest du eine Menge authentischer Erfahrungen aus unserer Community – zu verschiedenen Modellen, von allen gängigen Herstellern und inklusive Preisvergleich.​

Auf einsamen Trekkingtouren spielt eine gute Ausrüstung eine enorm wichtige Rolle!

 

Welche Kategorie wofür?

Kaum ein Outdoorsegment ist wohl unübersichtlicher als der Schuhbereich. Der bayerische Schuhhersteller „Meindl“ hat daher vor mehr als 20 Jahren seine Schuhe kategorisiert von A bis D.

Kategorie „A“:

Leichtwanderschuhe – ideal für kleine Tagesausflüge und ausgedehnte Spaziergänge.

 

Kategorie „A/B“:

Leichte Wanderschuhe – ideal für kleine Wanderungen in Mittelgebirgen, Voralpen und niedrigen Höhenlagen.

 

Kategorie „B“:

Wanderschuhe – ideal für alle Wanderungen in niedrigen und mittleren Höhenlagen auf Wanderwegen und einfachem Terrain abseits befestigter Wege.

 

Kategorie „B/C“:

(technische) Wanderstiefel – ideal für langes Trekking, grobes Terrain und technische Wanderwege u.a. Klettersteige.

 

Kategorie „C“:

Technische Wanderstiefel – ideal für lange Trekking- und Bergtouren in mittleren und hohen Lagen sowie für technische Routen in Fels und Eis

 

Kategorie „D“:

Alpinstiefel – für Hochtouren, Mixed- und Eisklettertouren in hohen Lagen, komplett steigeisenfest und warm isoliert.

 

In diesem Ratgeber wird es ausschließlich um Wanderstiefel, also um Outdoorschuhe nach der Meindl Kategorisierung zwischen „B/C“ und „C“ gehen.

 

Raus aus dem Schubladendenken, rein in die Praxis!

Ob ihr eure Schuhe wirklich kategorisieren wollt, oder sie kauft, weil sie einfach perfekt passen, das überlassen wir euch. Wichtig ist jedoch, dass ihr mit euren Wanderstiefeln immer bequem, trittsicher und vor allem mit perfektem Grip unterwegs seid!

 

 

Wanderstiefel – klassisch hart oder modern soft?

Gerade in der Klasse der halbsteigeisenfesten Wanderstiefel stellt sich oft die Frage nach der Härte und dem Dämpfungsgrad der Sohleneinheit. Je härter eine Sohle ist, umso günstiger ist dies für die Verbindung mit Steigeisen. Auch die Klettereigenschaften werden durch eine eher harte Sohle begünstigt. Die Kantenstabilität ist bei Wanderstiefeln mit harter Sohleneinheit wesentlich höher als bei weicheren Sohlen. Zudem ist der Bodenkontakt wesentlich direkter, was zu einer präziseren Bewegung führt – gerade auf technischen Routen ein enormer (Sicherheits-)Vorteil. Wer vorhat seinen Wanderstiefel auf Steigeisen umzurüsten benötigt eine feste, verwindungssteife Sohle. Durch zu viel Bewegung im Fuß können die Stege der Steigeisen sonst leicht unter der Dauerbelastung brechen. Ein Fersenkeil (meist aus PU) wie ihn mittlerweile viele Wanderstiefel haben, ist bei einer reinen Körbchenbindung nicht zwingend notwendig.

Der Fersenkeil dient um den Schnellverschluss von Steigeisen sicher einzuhängen.

Weiche Sohlen hingegen haben den klaren Vorteil, dass sie vor allem im Abstieg und auf langen Strecken angenehm weich dämpfen. Sie rollen zudem meist runder und flüssiger ab und führen so zu einer agileren und effizienteren Bewegung.

Neben der Sohlenhärte spielt vor allem die Sprengung, also die Distanz von Sohlenspitze zum Boden in der Ebene, eine entscheidende Rolle. Je größer die Sprengung, umso besser ist ein rundes Abrollverhalten möglich. Ist die Sprengung hingegen nur sehr gering ausgeprägt, wird ein anatomisch rundes Laufen erschwert, die Standfestigkeit ist jedoch erhöht.

Je stärker die Sprengung, desto runder rollt der Wanderstiefel ab.

 

Innere Werte vs. äußerer Schein

Strahlendes Pink, sattes Velourslederbraun oder freakiger Farbenmix – welche Farbkombi du bevorzugst, ist letzten Endes total egal. Das Innenleben eines Wanderstiefels ist ausschlaggebend für die weitere Verwendung. Im Mittelpunkt einer jeden Schuhherstellung steht der Leisten! Er ist das zentrale Herzstück und gibt dem Schuh seine charakteristische, unverwechselbare Form. Jeder Hersteller verwendet seinen eigenen, ganz individuellen Leisten, weshalb es von Hersteller zu Hersteller bisweilen enorme Unterschiede in der Passform gibt. Italienische Leisten zum Beispiel sind der Regel relativ schmal am Vorfuß und an der Ferse, während Hersteller aus Deutschland zum Beispiel eher breitere Leisten verwenden. Je nach eigener Fußform wird man recht schnell beim ersten Testen merken, welche Leistenform die evtl. passendere ist.

Auf den richtigen Leisten kommt es. Je mehr Auswahl an anatomisch perfekt ausgerichteten Leisten ein Hersteller hat, desto besser sind die individuellen Passformen.

Auch enorme Unterschiede bei der Innenausstattung gibt es bei der Materialwahl: Volllederschuhe oder Schuhe mit wasserdichter, atmungsaktiver Membran. Volllederschuhe haben den großen Vorteil, dass sie ein sehr angenehmes Schuhinnenklima erzeugen. Allerdings bedürfen sie auf Grund der fehlenden Membran viel Pflege, um dauerhaft wasserdicht zu bleiben. Wanderstiefel mit einer Membran sind zwar dauerhaft wasserdicht, jedoch kann sich Wasser im Außenmaterial festsetzen und die Atmungsaktivität nachhaltig blockieren. Es kann zum sogenannten „Wetting Out“ Effekt kommen.

 

Und es kommt sehr wohl auf die Größe an!

Wenn wir schon beim Thema „Innenraum“ sind, dann sollten wir auch gleich einen Blick auf die Innenraumgröße werfen! Kletterschuhe werden bekanntermaßen eine halbe oder sogar bis zu zwei Nummern kleiner gekauft, als man tatsächlich trägt – bei Wanderstiefeln ist dies eher der umgekehrte Fall. Der Wanderstiefel darf ruhig eine halbe bis ganze Nummer größer gewählt werden. Während der Wanderung schwillt der Fuß an und nimmt auf Grund der hohen Durchblutung ein größeres Volumen ein. Gleichzeitig wird man es beim Bergabgehen nie vermeiden können, dass man mit den Zehenspitzen am vorderen Rand der Zehenbox anstößt. Ist der Schuh viel zu klein, kann das mitunter zu blutigen Zehen führen. Auch die Gefahr von Blasen und Druckstellen ist bei zu kleinen oder auch sehr eng anliegenden Schuhen erhöht.

Maßnehmen! Jeder Fuß ist anders - selbst Links und Rechts können bei einigen Menschen verschieden groß sein!

 

Die Sache mit der Schnürung

Außer bei ganz wenigen Ausnahmen werden die Wanderstiefel nach wie vor per Hand mit Schnürsenkel geschnürt. Sehr sportliche und technische Modelle weisen dabei eine sehr weit bis auf die Zehen laufende Schnürung auf. Vorteil: der Druck auf den Vorfuß kann individuell reguliert werden. Somit hat man in schwierigem Gelände – etwa Klettersteige, Block-Terrain, oder Kletterstellen – einen sicheren Halt im Schuh, was gleichzeitig zu einem erheblich verbessertem Standgefühl führt. Eher klassischere Modelle haben eine etwas kürzere Schnürung. Zwar kann hier auch der Druck sehr gut angepasst werden, der Fokus liegt jedoch auf dem Komfort.

Die richtige Schnürung trägt entscheidend zum optimalen Komfort bei.

Rollengelagerte Schnürhaken erleichtern die Schnürung. Durch Klemmhaken oberhalb des Rists kann die eingestellte Schnürung über den ganzen Tag ohne nennenswerte Abstriche gehalten werden. Ein bis drei offene Haken am Schaft ermöglichen einen festen Sitz rund um den Knöchel.

 

Leder, Micro-Mesh und Surround-Technologie…

Leder gehört zu den mitunter ältesten Werkstoffen für Schuhe überhaupt. Es ist robust, wasserdicht und gleichzeitig auch atmungsaktiv. Leder als Außenmaterial für Wanderstiefel ist eine optimale Wahl, besonders das hochwertige Nubuckleder. Aber auch Veloursleder ist eine gute und strapazierfähige Alternative. Die meisten Leder in unseren Wanderstiefeln stammt von Rindern – bei europäischen Schuherstellern zumeist sogar von heimischen Rindern.

Micro-Mesh – oft auch mit Kevlar- oder Aramidverstärkungen – eignet sich sehr gut als Einsatz, um einen Lederschuh noch atmungsaktiver zu machen. Gleichzeitig ist es angenehm leicht – leichter als Leder – und doch erstaunlich robust.

Neu und erst seit kurzem erhältlich sind Wanderstiefel mit der sogenannten Gore Surround Technologie. Durch gezielte Micro-Mesh-Öffnungen an der Seite kann Luft um den gesamten Fuß zirkulieren. Herzstück ist ein Polyester Spacer, wodurch sich die Luft auch unter dem Fuß hindurch bewegen kann. Es ist somit ein dreidimensionales, wasserdichtes, atmungsaktives Belüftungssystem. Achtung: Wasser kann durch das Micro-Mesh eindringen und den kompletten Fuß umspülen. Laut Hersteller hält die Membran jedoch auch dann den Fuß trocken!

 

Gib Gummi!

Der umlaufende Gummirand schützt das Leder und das Schuhinnere.

Ein umlaufender Gummirand – je höher desto besser – sollte in dieser Schuhklasse auf jeden Fall Pflicht sein. Er verhindert, dass scharfkantige und spitze Steine das Obermaterial zerkratzen oder gar zerstören. Zudem erhöht er die Festigkeit, die beim Tragen von Steigeisen dringend nötig ist.

Welche Wanderstiefel es unseren Produkttestern in der Praxis angetan haben und welche Erfahrungen die Community damit gemacht hat, das könnt ihr direkt in den Produktbewertungen nachlesen.

Erzähle uns doch gleich mal von deinen Erfahrungen und bewerte deine Ausrüstung

Eine erste Auswahl an top Wanderstiefeln findest du bei unseren Partnern:

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Titelbild: AKU

Bilder im Text: AKU, Hanwag

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