Steigeisen

Von c.w.
Steigeisen, Klettern, hochalpin, Kletterausrüstung, Ausrüstung, Outdoor, Ratgeber

Heutzutage gibt es ja quasi keine Wand, keinen Gipfel, keine Felsnadel mehr, die nicht bestiegen ist. Die moderne Technik macht’s möglich. Selbst Winterbesteigungen, Gletschertouren, Blankeis und jegliche Couloir-Sonderformen schrecken die Alpin-Touristen nicht mehr. Vor allem die stete Weiterentwicklung von Steigeisen (früher teure Schmiedewerkzeuge, heute erschwingliche Sportgeräte aus Alu, Stahl oder gar Titan) führt Bergsteiger auf der ganzen Welt in die unzugänglichsten Gipfelregionen.

Doch nicht immer und überall machen die hochgezüchteten, teils ultraleichten Eisensohlen Sinn. Es gibt enorme Unterschiede beim Einsatz und bei der Handhabung. Die Bandbreite an Steigeisen ist so mannigfaltig wie ihr Einsatzbereich. Für nur kurze oder gelegentliche Passagen auf Firn oder harten Schneefeldern sind „Schneeketten“ (sog. Gletschersandale) oder auch Grödeln (vier bis sechs Zacken, die unter den Bergschuh geschnallt werden können) durchaus ausreichend. Für alle Touren, bei denen mit einem höheren Gefahrenpotential zu rechnen ist – Gletschertouren, Blankeis, steile Aufstiege, mixed Gelände, etc. – sollte man durchaus auf richtige Steigeisen zurückgreifen. Hier ein Überblick über die gängigsten Varianten.

Ultraleicht- und Leichtsteigeisen

Der Name sagt eigentlich schon alles: (Ultra-)Leichtsteigeisen sind extrem leicht. Sie kommen pro Paar auf nur ca. 500 – 650g. Um dieses Gewicht zu erreichen bestehen sie zumeist aus leichtem Aluminium – in seltenen Fällen auch aus Titan bzw. Titanal. Wegen der speziellen und vergleichsweise weichen Legierungen eignen sie sich sehr gut für Einsätze während Skitouren. Die acht bis zehn Zacken graben sich optimal in die Schnee- und Firnauflage. Dort bieten sie daher einen sehr guten Halt. Für Gletscherblankeis, Passagen im mixed Gelände oder gar Dry-Tooling und Eisklettern ist durch das weiche Alu ungeeignet. Zu schnell verschleißen die  Zacken. Sie werden stumpf und abgerundet und bieten nicht mehr die ursprüngliche Sicherheit. Daher machen sie im Winter bei guter Schneelage einen perfekten Job als sinnvolle Erweiterung eines jeden Skitourensets. Für alle anderen Anwendungsgebiete gibt es geeignetere Modelle.

Universalsteigeisen

Beinahe keine Tour ist mit den Universalsteigeisen unmöglich. Da sie aus hartem Stahl (mind. 70 HRB) bestehen und damit ihre Abriebfestigkeit um ein Vielfaches höher ist als bei (Ultra)Leichtsteigeisen aus Alu, bieten sie auch auf hartem, eisigen Untergrund einen festen Halt. Universalsteigeisen haben acht bis 12 Zacken, wovon die vordersten zwei horizontal nach vorne gerichtet sind, um auch in steilerem Gelände guten Halt zu bieten. Das Gewicht der Universalsteigeisen liegt im Schnitt zwischen 700g und 1.000g pro Paar.

Expeditions- und Eisklettereisen

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Diese Spezialgeräte werden in der Regel auf schwierigen und technischen Hochtouren sowie zum Eisklettern eingesetzt. Sie lassen sich perfekt an den Schuh anpassen und bestehen aus hochfestem Stahl und verfügen über bis zu 14 Zacken. Selbst ein Fersensporn – speziell für Eiskletterer – kann hierbei zum Einsatz kommen. Je nach Modell und Ausführung sind die horizontalen Frontzacken auch per Schraubmechanismus verstellbar. Dies erhöht gerade beim Eisklettern die Flexibilität und Individualität und trägt so zur Sicherheit bei. Um Gewicht zu reduzieren kommen einige Modelle auch mit nur einem Frontzacken. Zudem stehen sie wesentlich steiler als die Frontzacken von Universalsteigeisen und liefern so eine wesentlich bessere Auflage in steilem bis senkrechtem Gelände.

Die Frontzacken von Expeditions- und Eisklettersteigeisen bestehen häufig aus geschmiedetem Stahl und nicht wie bei „normalen“ Steigeisen aus Gussstahl. Der Vorteil von geschmiedetem Stahl: Er ist wesentlich flexibler und kann so höheren Lasten widerstehen. Der hohe Verarbeitungsaufwand hat aber natürlich auch seinen Preis. Vom Gewicht unterscheiden sie sich nur gering von Universalsteigeisen.

Achtung Verschleiß!

Wie alle reibungsbasierten Sportgeräte sind auch Steigeisen einem hohen Verschleiß ausgesetzt. Die Zacken können schnell stumpf werden und abrunden. Viel gefährlicher jedoch sind Ermüdungsbrüche am Rahmen oder am Verbindungssteg. Passiert dies auf Blankeis, am gefroren Wasserfall oder in ungünstigem Couloir, kann dies gravierende Folgen für die restliche Tour haben – es sei denn man hat ein Paar Ersatzsteigeisen dabei. Zuweilen verzichten – bis auf einen spezialisierten italienischen Hersteller – alle Steigeisenproduzenten auf den kostenintensiven TÜV Test (erkennbar am GS Siegel) und testen ihre Modelle nur nach den Kriterien der UIAA 153 und EN 893. Da dies nur Einmaltests und keine Dauerbelastungstests sind, ist die Aussagekraft der angegebenen Normen eher zweitrangig. Viele Steigeisen können daher bereits nach kurzen Anwendungszeiten brechen – tun dies aber nicht zwangsläufig! Um diesen Ermüdungsbrüchen vorzubeugen, empfiehlt es sich stets das richtige Schuhwerk für Steigeisen zu tragen!

Auf die richtigen Schuhe kommt es an

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Steigeisen sind flexibel. D.h. Vorder- und Hinterteil sind in der Mitte meist mit einem beweglichen aus Federspannstahlblech gefertigten Steg mit einander verbunden. Durch diese flexible Verbindung sind die Steigeisen optimal an die Sohle der Schuhe anpassbar. Je weicher die Sohle ist, umso mehr verleitet dies jedoch zu einem abrollenden Gang, wie man dies auch in der Ebene tut. Dadurch wird natürlich der Steg jedes Mal mitbewegt, was auf Dauer zu einem Bruch führt – ähnlich wie bei einem Draht, den man durch häufiges Auf- und Abbiegen auseinanderbricht.

Steigeisen halten daher besonders lange, wenn man sie ausschließlich mit dafür vorgesehenen Schuhen trägt, die mindestens bedingt steigeisenfest oder besser noch komplett steigeisenfest sind. Die harten Sohlen dieser Bergstiefel lassen ein natürliches Abrollen kaum zu. Das steigert die Sicherheit auf Steigeisen und auch deren Langlebigkeit. Wer auf anspruchsvolle Hochtouren oder zum Eisklettern geht, kommt um steigeisenfeste Schuhe nicht herum!

„Drum prüfe wer sich ewig bindet“

Drei verschiedene Bindungsarten stehen derzeit den Steigeisenbenutzern zur Auswahl. Die klassischste Bindung ist die Riemenbindung. Dabei wird das Steigeisen mittels meist nur eines festen Kunststoffriemens am Schuh befestigt. Der Vorteil ist, es passt somit auf jeden Schuh. Gleichzeitig ist es die leichteste Art Schuh und Steigeisen mit einander zu verbinden. Allerdings dauert es relativ lange den Riemen ordentlich zu schließen. Zudem kann es passieren, dass der Druck des Riemens zu stark auf die Zehen drückt. Erfrierungen können die Folge sein. Die derzeit gängigste und auch universellste Lösung ist das Körbchen mit Kipphebel. Dabei schlüpft der Schuh in das vordere Körbchen, der Kipphebel am hinteren Steigeisenteil wird mit wohl dosiertem Druck am Fersenkeil des Schuhs fixiert und schon kann es losgehen. Zur Sicherheit hält ein Fangriemen das Körbchen auch unter hoher Belastung fest am Fuß.

Die einfachste Lösung – vorausgesetzt der Bergschuh ist voll steigeisenfähig – ist die „Automatik“. Die Schuhspitze wird dabei, ähnlich wie ein Skistiefel in der Bindung, von einem Metallbügel fixiert. Ein Kipphebel an der Ferse sichert von hinten. Eiskletterer und Hochtourengeher mit häufig wechselndem Gehgelände kommen um diese Verbindung nicht herum, da sie die steifste Variante ist und damit die meiste Sicherheit bietet, gleichzeitig aber auch am schnellsten an- und abgeschnallt werden kann.

Bergschuh vs. Skischuh

Die meisten Steigeisen sind sowohl mit Berg- wie auch Skistiefeln kompatibel. Die perfekte Verbindung gehen dabei Steigeisen mit einer Bügel-Kipphebel-Bindung ein. Da die meisten Steigeisen eine sehr große Größenrange umfassen (meistens Gr. 36 – 50), muss man sie nur vor der Benutzung auf den entsprechenden Stiefel einstellen.

Ohne die geht gar nichts!

Anti-Stollplatten sind ein Muss auf jedem Steigeisen. Mittlerweile werden diese obligatorisch von beinahe jedem Hersteller zum Lieferumfang dazu gepackt bzw. direkt montiert. Diese Kunststoffplatten verhindern, dass Schnee und Eis zwischen den Zacken aufstollt, sich also quasi unter dem Schuh ansammelt. Hieraus kann ein enormes, nicht zu unterschätzendes Gefahrenpotential erwachsen. Daher müssen bei allen neuen Steigeisen Anti-Stollplatten dabei sein. In der Regel sind auch ältere Modelle mit den separaten Kunststoffplatten nachrüstbar.

Vorsicht bei der Hosenwahl!

Wer sich schon häufiger gewundert hat, wieso Hochtourenhosen meist sehr sportlich geschnitten, am Beinabschluss weitenverstellbar sind und in der Regel eine verstärkte Innenseite haben, findet spätestens dann eine passende Erklärung, wenn er/sie das erste Mal Steigeisen trägt. Weite Hosen bergen die Gefahr in sich, dass man aus Versehen mit den Zacken daran hängen bleiben kann. Nicht nur, dass die Hose schnell zerreißt, vor allem die Gefahr des Stolperns ist sehr groß! Daher sollte man in Verbindung mit Steigeisen sowohl bei den Schuhen wie auch bei der Hose auf die richtige Wahl achten!

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Bilder: AKU

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