Midlayer

Von c.w.
Midlayer, Funktionsbekleidung, Outdoorbekleidung, Atmungsaktivität, Outdoor, Ausrüstung, Ratgeber

Unterhemd, Pulli, Jacke – so haben wir es zu Hause gelernt, so gehen wir nach draußen. Doch wer aktiv nach draußen geht, dort Sport macht oder sich anderweitig aktiv und hochenergetisch bewegt, der setzt unter Umständen mit dieser konventionellen Bekleidung auf das falsche Pferd. Klar, je nach Jahreszeit macht ein Baselayer viel Sinn, da er am meisten Kontakt mit der Haut hat und somit die Körperflüssigkeiten vom Körper ableitet. Die äußerste Schicht schützt vor Wind und Wetter. Doch was hält uns warm? Und wie viel Wärme macht tatsächlich Sinn bzw. welche Materialien sind für einen Midlayer besonders geeignet?

Midlayer – der Name als solches besagt es eigentlich schon – ist die mittlere Schicht zwischen Unterwäsche (Baselayer) und äußerer Bekleidungsschicht (Hard- oder Softshell). Sie soll uns gegen die Kälte isolieren. Dem gesamten Schichtensystem liegt das sogenannte „Zwiebelprinzip“ zu Grunde, d.h. viele Schichten ergeben je nach Wärme-/Kälteempfinden und Materialmix ein trockenes und warmes Körpergefühl. Der Midlayer spielt hier eine wichtige Rolle. Ist er zu dünn, können wir frieren. Ist er zu dick, beginnen wir sehr schnell zu schwitzen. Durch das Zwiebelprinzip kann man hier je nachdem eine Schicht hinzufügen oder ausziehen, um den Körper stets warm und trocken zu halten.

Sommers wie Winters können Midlayer von total unterschiedlicher Natur sein. Während im Sommer gerne leichte, kühlende Longsleeves getragen werden, kommen im Winter gerne Flecce-Pullis und –jacken sowie Daunen- und Kunstdaunenjacken zum Einsatz. Je nach Einsatzzweck haben alle Formen ihre Berechtigung. Ganz entscheidend für den richtigen Midlayer ist aber die richtige Stoffwahl. Zwar bestehen die meisten Pullis und Jacken aus diversen Materialmixen, dennoch geben sie einen sehr guten Aufschluss über ihre spezifischen Eigenschaften. Im Nachfolgenden könnt ihr sehen, welches Material bzw. welcher Mix sich besonders gut für warme bzw. kalte Temperaturen eignet.

Baumwolle

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Baumwolle ist ein echter Klassiker unter den Textilien. Für Funktionstextilien eignet sich Baumwolle jedoch so gut wie überhaupt nicht. Der natürliche Rohstoff – aus der Frucht des Baumwollbaums – absorbiert bis zu 65 Prozent des Eigengewichts an Wasser und trocknet dabei nur sehr langsam. Um die Feuchtigkeit vom Körper weg zu transportieren sind diese Eigenschaften eher mangelhaft. Der große Vorteil jedoch von Baumwolle ist sein angenehmes, kratzfreies Tragegefühl sowie die einfache Pflege.

Polyester

Polyester ist die Wunderfaser der Outdoor-Industrie. Die Kunstfaser verbindet die wichtigsten Eigenschaften, die für (Hochleistungs-)Sportler enorm wichtig sind: Polyester nimmt kein Wasser und keine Feuchtigkeit auf, ist sehr leicht, extrem stabil, pflegeleicht und sehr knitterarm. Polyester lässt sich leicht verarbeiten und kann für die verschiedensten Anwendungen (Longsleeve, Fleece-Pulli, etc.) produziert werden. Ob pur oder als Mischstoff, Polyester ist in der Sportszene ein sehr weit verbreiteter Ausgangsstoff, da er Feuchtigkeit schnell und effizient vom Körper ableitet. Sein größter Nachteil liegt jedoch in der meist störenden Geruchsbildung. Bereits nach einmaligem Tragen setzen sich Bakterien zwischen den Fasern fest, die für unangenehme Gerüchen sorgen.

Polyamid

Textilien aus Polyamid bzw. Mischstoffen mit Polyamidanteil absorbieren besonders wenig Feuchtigkeit. Damit bleibt die Kleidung angenehm leicht und trocken. Gleichzeitig ist Polyamid resistent gegen Bakterien und Milben wodurch Schweißgeruch, wie er vor allem von Polyester bekannt ist, weitestgehend vermieden werden kann. Zudem ist Polyamid sehr widerstandsfähig und knitterarm. Allerdings lädt sich Polyamid sehr leicht elektrostatisch auf.

Fleece

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Fleece-Pullover und –jacken sind die am meisten verbreiteten Midlayer derzeit auf dem Markt. Man bekommt sie in den verschiedensten Stärken und Ausführungen, so dass sie zu allen Jahreszeiten genutzt werden können. Das Ausgangsmaterial von Fleece-Produkten ist in der Regel Polyester, das mittlerweile zu einem sehr hohen Anteil aus recycelten PET-Flaschen gewonnen wird. Fleece-Materialien nehmen Feuchtigkeit sehr gut auf. Durch die Webart des Fleece speichert es Wärme sehr gut und ist so vor allem in Übergangsjahreszeiten sehr beliebt.

Je nach Außentemperatur und Fleecedicke können diese Midlayer auch als Third-Layer, also als äußerste Schicht, genutzt werden. Da sie allerdings nicht winddicht sind, kann man sie perfekt mit einer Softshelljacke kombinieren. Auch unter Hardshelljacken leisten sie einen super Job. Besonders technische Fleece, erkennbar am aufgerauten, mosaikartigen Innenmaterial, nehmen Feuchtigkeit hervorragend schnell auf und leiten sie ins Innere weiter. Somit ist der Körper vor der Verdunstungskälte geschützt. Half-Zips oder durchgängige Reißverschlüsse dienen der individuellen Belüftung.

Merinowolle

 000064 Foto: Rewoolution 

Merinowolle, wie auch der klassische Wollstoff, erlebt seit einigen Jahren einen enormen Boom. Und das zu Recht, ist doch die Wolle von seinen Eigenschaften her betrachtet ein wahrer Alleskönner. Der größte Vorteil der Merinowolle gegenüber normaler Wolle ist, sie kratzt nicht bzw. erheblich weniger. Merinowolle ist ein natürliches Produkt. Durch die vermehrte Wollfettbildung ist Merino wasserabweisender als normale Wolle. Gleichzeitig ist sie wesentlich feiner und verleiht daher ein angenehmes Hautgefühl. Merinowolle wärmt auch wenn sie nass ist – zumindest zu einem wesentlich höherem Grad als dies ihre synthetischen Mitkonkurrenten tun. Zudem ist Merino antibakteriell, so dass gerucherzeugende Bakterien keine Chance haben. Merinowolle bleibt daher länger frisch.

Daune

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Daunenjacken und –westen sind hervorragende Midlayer bei kalten Temperaturen. Genau wie Merinowolle ist auch die Daune ein reines Naturprodukt. In Daunenjacken finden wir zumeist Mischungen aus Gänse- und Entendaunen. Die Bauschkraft (engl. Loft) ergibt sich aus der natürlichen Spannung im Federaufbau aber vor allem durch die dreidimensionale Struktur. Durch sie entsteht ein einmaliges Luftpolster, das die Wärme isoliert. Je nach Mischungsverhältnis von Gänsedaune zu Entenfeder (50/50 bis 93/7) ergeben sich unterschiedlich gute Isolierungsverhältnisse. Je höher der Daunenanteil, umso höher der Loft, desto besser die Isolierfähigkeit. Gemessen wird der Loft in Cubic Inch (cuin). Er gibt das Rückstellvolumen an, das die Daune erreicht, wenn sie zusammengedrückt wird und die isolierende Luftmasse entweicht und dann wieder losgelassen wird.

Größtes Manko der Daune ist, dass sie bei Feuchtigkeit in sich zusammenfällt. Die Bauschkraft kann nicht aufrechterhalten werden, denn die isolierende Luftschicht zwischen den feinen Daunenästchen wird durch die Wassermoleküle verdrängt. Die Wärmeisolierung nimmt rapide ab. Zudem trocknet Daune nur äußerst schwer. Moderne Daunenprodukte sind mittlerweile so behandelt, dass sich Feuchtigkeit nicht anhaften kann. Man spricht dann von imprägnierter Daune. Daunenprodukte lassen sich dafür im trockenen Zustand wunderbar klein verpacken. Viele Jacken und Westen finden dann ihrer eigenen Jackentasche Platz. Und das bei nur rund 100 bis 200g Gesamtgewicht.

Kunstdaune

 PrimaLoft_Gold Insulation_02_300 dpi Foto: Primaloft

Mittlerweile steht die Kunstdaune der echten in fast keinen Punkten mehr nach. Gewicht und Packmaß nähern sich beinahe auf ein identisches Niveau an. Kunstdaune besteht aus synthetischer Mikrofaser, die genau wie Daune auch dreidimensional aufgebaut ist. Je nach Produktionsart und –güte gibt es kleine Unterschiede bei der Kunstdaune, wobei die beste Qualität die Eigenschaften von echter Daune mittlerweile sogar quasi überflügelt. Während Kunstdaune sehr leicht ist, einen sehr hohen Loft aufweist und sich auf ein sehr kleines Packmaß verstauen lässt, hat sie den Vorteil, dass sie auch bei großer Feuchtigkeitsaufnahme bis zu 95 Prozent ihrer Wärmeisolierung behält. Dabei gilt auch wie bei allen Isolationsmaterialien: auf die Menge kommt es an! Je mehr Füllung der Midlayer aufweist, desto besser ist natürlich auch die Isolierung. Um Gänse-/Entendaune robuster und widerstandsfähiger zu machen, werden sie mittlerweile auch häufig mit Kunstdaunen durchmischt. Eine Win-Win-Situation für beide Isolationsmaterialien in Gewicht, Packmaß und Feuchtigkeitsverträglichkeit.

Tencel

Zellstoff Foto: Lenzing AG 

Tencel – nie gehört? – Dann wird’s Zeit! Tencel bzw. Lyocell ist ein absoult natürlicher Stoff, der aus der Zellulose, also dem Zellstoff, von Eukalyptusbäumen gewonnen wird. Der Herstellungsprozess ist komplett ungiftig und verbraucht im Vergleich zur Herstellung von Baumwolle nur rund ein Prozent des Wassers, das Baumwolle bereits während des Anbaus verbraucht. Die benötigten Stoffe zur Zellstoffgewinnung werden zudem im steten Kreislauf wiederverwendet. Tencel nimmt Köperfeuchtigkeit kompromisslos auf und gibt diese schnell wieder nach außen ab. Somit kann sich keine Feuchtigkeitsschicht auf der Haut bilden. Die Bakterienbildung ist damit um bis zu 2.000 Mal geringer als bei vergleichbaren Stoff. Unangenehme Schweißgerüche werden damit schon im Keim erstickt. Ein weiterer großer Vorteil von Tencel ist seine Haptik: Tencel fühlt sich äußerst weich und geschmeidig an, hat einen seidenähnlichen Griff und es erzielt einen kühlenden Effekt. Speziell für warme bis heiße Temperaturen oder auch bei hochenergetischen Sportarten erzielt man hiermit optimale Ergebnisse. Im Mix mit weiteren Funktionsfasern kann man diesen zu textilen Höchstleistungen optimieren. Ebenfalls äußerst positiv für Sportler: Tencel kann durch ein spezielles Verfahren „seamless“, also komplett ohne Nähte, verarbeitet werden. Scheuerstellen und wunde Punkte sind damit passé.

Die Qual der Wahl

Eben schnell einen Midlayer zu finden, gestaltet sich auf Grund der vielen einzelnen Argumente für die verarbeiteten Materialien doch nicht so einfach wie gedacht. Wenn man sich jedoch bereits vorab ein paar Gedanken über den möglichen Einsatz und die individuellen Materialvorlieben macht, kann man die Auswahl schon deutlich einschränken und gezielt nach dem passenden Midlayer suchen. Dann entscheiden zum Schluss wie immer die persönlichen Vorlieben: Passform, Farbe, Preis.

Welche Midlayer Mixturen unsere Community bevorzugt und wie sie diese selbst beurteilt, das könnt ihr direkt in den Produktbewertungen erfahren. 

Wenn  ihr euch bereits für einen oder auch zwei, drei neue(n) Midlayer entschieden habt, dann bekommt ihr hier den besten Preis:

Bergzeit   Bergfreunde   Sport Schuster   Globetrotter

 

Titelbild: Outdoor Research

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