Ein wirklich gelungener Kletterführer
VORTEILE
- Übersichtlich gestaltet
- Abwechslungsreiche Auswahl aus über 1300 Routen
- Routenübersicht
- Nützliche Tipps und Hinweise
- Detailierte Beschreibung von Anreise, Aufstieg, Route und Abstieg
- Gebietseinteilung in unterschiedlichen Farben
NACHTEILE
BEWERTUNG
Schon seit einigen Jahren bin ich/sind wir immer wieder im Grazer Bergland unterwegs, für die ein oder andere Mehrseillängentour. Mit der 1. Auflage (April 2007) vom Kletterführer des Grazer Berglandes, planten wir bisher unsere Touren. Schon seit einiger Zeit fiel uns auf, dass der "alte" Kletterführer sich nicht mehr auf dem aktuellen Stand befand. Deshalb freute ich mich ganz besonders als ich die 3. Auflage (Mai 2021) vom Schall Verlag in den Händen hielt.
Kurzübersicht:
Im Kletterführer für das Grazer Bergland erwarten euch 1.300 Kletterrouten. Mit 1.134g ist die Neuauflage doch etwas schwerer als die 1. Auflage mit 710g, beinhaltet aber um 300 Touren mehr. Vom Anfänger bis zum Fortgeschrittenen. Vom Klettergarten bis hin zu Anspruchsvollen Mehrseillängen. Es ist für jeden was dabei!
Inhalt und Routenübersicht!
Bei über 1.300 Routen sucht man schon relativ lange nach der Richtigen, wenn man sich jedes Topo einzeln ansehen muss. Dafür haben die Autoren eine sehr detaillierte Routenübersicht erstellt. Sie erstreckt sich über 8 Seiten und beinhaltet die wichtigsten Informationen der Tour. Besonders die Angabe von Schwierigkeitsgrad, Zustiegszeit und Absicherung sind für die Vorauswahl relevant.
Die Gebiete sind von A-Z sortiert und farbig gekennzeichnet. Die jeweilige Farbkennzeichnung ist auch am oberen Rand der Topos zu finden.


Planung:
Anreise-Zu-Abstieg
Sind laut Übersicht 2-3 Routen favorisiert, geht es weiter zur Detailplanung. Gleich am Anfang vom Ausgewähltem Gebiet befindet sich eine Übersicht mit Parkmöglichkeiten und Zu-/Abstiegspfaden. Zusätzlich wird die Anreise, der Zu- und Abstieg mit markanten Anhaltspunkten beschrieben, damit man im großen Gebiet des Grazer Berglandes nicht die Orientierung verliert. Insider Info: Besonders an schönen Spätsommertagen sind die Parkplätze/Parkmöglichkeiten sehr überfüllt. Also lieber etwas früher Anreisen!

Gebietsübersicht
Zu jedem Gebiet gibt es mindestens eine komplette Übersicht der Wand. In dieser sind alle Routen eingezeichnet und mit Nummern versehen. Aus dem Index wird die Routennummer entnommen welche am linken Rand der Seiten zu finden ist. Die Seitennummer am rechten unteren Rand findet man nur in der Inhalt- und Routenübersicht.

Routen
Zu jeder Kletterroute findet man eine "Kurzbeschreibung" mit Materialbedarf, Felsqualität, Absicherung usw. Die Detailbeschreibung liefert wichtige Informationen zur Felsbeschaffenheit, Schlüsselstellen, Anhaltspunkten usw.!
Tipp: Besonders an Wochenenden ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass die geplante Route schon besetzt ist! Deshalb immer mindestens eine zweite Route als Plan B vorbereiten!

Topo
Das Topo gehört genauso ins Equipment wie Seil und Sicherungsgerät. Jede Seillänge ist mit Symbolen gekennzeichnet. Für alle die nicht jedes Symbol auswendig kennen, gibt es auf Seite 22-23 eine Übersicht/Beschreibung.
Tipp: Das Topo hat der Vorsteiger immer griffbereit. Dafür eignet sich am besten ein Kletterrucksack mit äußerem Zugrifffach. Eine weitere Möglichkeit wäre das Topo kopieren und in der Kletterhose zu verstauen!


Praxistest:
Das schöne Herbstwetter der letzten Wochen lud zum Klettern ein und wir haben uns für 2 Routen in unterschiedlichen Gebieten des Grazer Berglandes entschieden. Die erste Route mit dem Namen Rote Rampe befindet sich im Gebiet Ratengrat Hauptwand. Der Ausgangspunkt vom Parkplatz Drachenhöhle am Ende von Mixnitz, war uns schon von vergangenen Touren im Grazer Bergland bekannt. Die Anreise gestaltete sich somit als sehr einfach. Der Aufstieg entlang der Forststraße ist im Kletterführer sehr gut beschrieben. Nach der Abzweigung in den Wald wird die Orientierung etwas schwieriger. Viele kleine Trampelpfade können für etwas Verwirrung sorgen und man sollte den Kletterführer immer griffbereit haben.
Die Aufstiegszeit laut Angabe ca. 50 Minuten, dauerte ca. 1h 10Minuten. Die Kletterzeit selbst ist mit 1,5h durchaus realistisch bemessen. Für die erste Mehrseillängentour seit langem haben wir uns in der 1. Seillänge für die leichtere Variante im oberen Bereich des 5. Grades entschieden. Felsqualität und Absicherung sind ident dem Topo und sehr gut beschrieben. Auch die Bewertung vom Schwierigkeitsgrad ist nach unserem Empfinden richtig bemessen! Mit der angeführten Ausrüstung von 50m-Einfachseil und 11 Expressen hat man in Kombination mit dem "üblichen" Material (HMS-Karabinern, Standplatzschlinge, Helm, Kletterschuhe usw.) alles dabei was man für die Tour benötigt. Eine zusätzliche Bandschlinge oder die ein oder andere Express mehr, kann jedoch nie schaden!


Schon ab dem Anfang der 3. Seillängen bietet die Tour einen unglaublich schönen Ausblick in Richtung Röthelstein.


Der Abstieg ist in moderatem Tempo in ca. 1h "überstanden".

Die 2. Route befindet sich im Gebiet Rote Wand Hauptwand und trägt den Namen Waschrumpel. Ein wahrer Klassiker im Grazer Bergland! Den Parkplatz Rote Wand hatten wir bis dahin noch nie verwendet. Mit den Angaben im Kletterführer oder mit Hilfe von Google Maps ist es ein leichtes ihn zu finden. Zurzeit wird der Parkplatz jedoch ausgebaut und steht nicht zu Verfügung! Parken ist nur seitlich der Forststraße möglich!
Beim Zustieg zur Roten Wand gab es keine Unklarheiten. Der Forststraße folgen bis zur Abzweigung auf den Wanderweg und weiter durch das Waldstück, die untere Forststraße überqueren und nach kurzer Zeit erreicht man das "Rucksackplatzl". Die Angabe von 40 Minuten ist in einem Aufstiegstempo von ca. 20min/km gut umsetzbar.

Wie schon bei der 1. Route ist die Angabe von Absicherung, Felsqualität und benötigter Ausrüstung sehr exakt. Besonders die Angabe im Topo, vom klassischen "Verhauer", in die Kletterroute Chefpartie ist Gold wert! Die Kletterzeit von 2,5-3 Stunden ist gut bemessen. Teilweise mussten wir jedoch in der Wand/am Standplatz das Topo zur Hilfe holen und benötigten für die Tour ca. 3,5 Stunden. In der 3. Seillänge wurde die Absicherung durch einen zusätzlichen Bohrhaken erhöht. Die Schlüsselstelle im unteren 6. Grad, ist am speckigen Fels schon etwas schwieriger zu meistern aber durchaus angemessen bewertet.


Der Klassiker im Grazer Bergland bietet eine genussvolle Kletterei mit schönen Ausblick.

Der Abstieg dauert ca. 1 Stunde.
Fazit:
Der Kletterführer in der 3. Auflage ist definitiv gelungen. Durch die übersichtliche Gestaltung und die Ausführliche Beschreibung der einzelnen Routen, ist schon das Planen ein Genuss. Eine kleine Anregung meinerseits für die eventuelle 4. Auflage... Die Angabe von der geschätzten Kletterzeit in der Tourenübersicht, könnte die Auswahl zusätzlich erleichtern. Ansonsten ein großes Lob an die Autoren: "Ein wirklich gelungener Kletterführer"!
