Spannende Reise in den unbekannten "östlichen" Alpinismus
VORTEILE
- Reise in eine eher unbekannte Zeit
- Einblick in den "östlichen" Alpinismus
- Politische Zusammenhänge des frühen 20 Jh. werden vergegenwärtigt
- sehr genau recherchiert
- hochwertiges Hardcover
- Leseband
NACHTEILE
BEWERTUNG
Stalins Alpinisten „Der Fall Abalakov“ von Cedric Gras

Das Werk „Der Fall Abalakov“ von Cedric Gras und von Manon Hopf aus dem Französischen ins Deutsche übersetzt befasst sich mit dem spannenden Fall der Gebrüder Abalakov, Vitali und Jewgeni, die im frühen 20. Jahrhundert die gefeierten Alpinisten der UDSSR waren, sich aber immer auch im System und den Fängen der Politik waren, die wahrscheinlich später dann auch zu dem noch nicht geklärten Tod des Jewgeni führte.

Gras gelingt es dabei ein Verständnis für die politischen und privaten Verhältnisse des frühen 20. Jahrhunderst zu erhalten, indem er immer wieder Hintergrundinformationen geschickt einfließen lässt, so dass selbst für Politikmuffel dieses Werk zu empfehlen ist.

Gleichzeitig habe ich selbst gemerkt, dass mir vieles aus dieser vergangenen Zeit so nicht bewusst war,so dass ich noch eine Art Geschichtsunterrichtauffrischung zu Lenins und Stalins Vorstellungen eines perfekten Staates erhalten habe.


Gras beginnt in seinem Werk damit, zunächst die Jugendzeit und die Familie der Abalakovs zu skizzieren, um dann relativ schnell auf ihre alpinen Leistungen, ihre überragenden Fähigkeiten zu sprechen zu kommen. Dabei wird relativ schnell deutlich, dass eben jedwede Besteigung nicht nur eine eigene Besteigung des Berges ist, sondern immer in Namen des sowjetischen Staates stattfindet. Dies wird bereits bei der Besteigung des Pik Stalins deutlich, wenn infolge dessen ein Telegramm ins Politbüro nach Moskau geschickt wird mit den Worten :
„An den Genossen Stalin, Kreml, Moskau. Wir freuen uns, Sie zu informieren, dass der höchste Punkt der Sowjetunuion, den wir letztes Jahr entdeckt und nach Ihnen, dem geliebten Führer des Weltproletariats, benannt hatten, am 3.September von unserer Sturmgruppe erreicht wurde. Am Gipfel wurden zwei Wetterstationen aufgestellt. Die Expedition sendet Ihnen herzliche Grüße.“
Der Khan Tengri wird 1936 gewissermaßen zu einem Schicksalsberg für Vitali Abalakov, der von der Besteigung schwere körperliche Schäden mitnimmt, dennoch aber sich weiterhin dem Alpinismus verschreibt.

Aber es bleibt nicht bei dieser „rosigen“ Zeit des Alpinismus, denn bald holen die politischen Entwicklungen auch den russischen Alpinismus und eben die Gebrüder Abalakobv ein. So wird Vitali 1938 zum Gulag, zum Strafgefangenenlager verurteilt. Gras geht den entscheidenen Fragen nach: Warum wurde Vitali verurteilt, wer hat ihn verraten und wie hat er es geschafft den Gukag zu überstehen? Hierbei stößt Gras auf viele Unwägbarkeiten in seiner Recherche. Vieles wurde verschleiert, die Wahrheit interessierte nicht vorrangig.

Gras belegt seine Ergebnisse immer wieder mit Fußnoten seiner Recherche. In diesen oben genannten Jahren kommt es schließlich auch zum Zerwürfnis zwischen Jewgeni und Vitali.
Höhepunkt der ungeklärten Vorfälle ist schließlich der Tod Jevgenis 1948, der bis heute Fragen aufwirft.
Nachdem mich in diesem Jahr bereits die Netflix Dokumentations- Serie über den Tod am Djatlow Pass (1959) packte, so vermochte auch dieses Buch mich zu fesseln, insbesondere indem es die in der Serie nur oberflächlich behandelten politischen Aspekte der damaligen Zeit intensiv und informativ veranschaulicht. Daher ist es für mich ein absolutes Werk, welches sich gut unter dem Weihnachtsbaum macht, um dann schnell in den Weihnachtsferien verschlungen zu werden. Ich hoffe, dass ich in der Rezension Lust und Interesse auf dieses Werk machen konnte, ohne zu viel verraten zu haben 😊
