Ein Schinken- mit spannenden Geschichten, Bildern und Fakten
VORTEILE
- hervorragend Editiert
- Autobiographische Texte eingearbeitet
- Quellenangaben
- Viele Abbildungen
- Kartenmaterial im Schutzeinband
- trotzdem keine Scheu vor blumigen Erzählungen
NACHTEILE
- das hochwertige Papier hat sein Gewicht
BEWERTUNG

Viele kennen die Geschichte. "Sieben Jahre in Tibet" war immerhin ein Blockbuster. Nicht nur, dass Brad Pitt damals gerade unglaublich berühmt war, es war auch die Zeit in der tibetische Glaubensvorstellungen einen riesigen Zuspruch fanden.
Viele werden die Geschichte auch mit Heinrich Harrer verbinden. Jener österreichische Bergsteiger (von eben jenem Brad Pitt verkörpert) der seine Geschichte über die Flucht aus einem britischen Internierungslager nach Tibet medienwirksam zu verbreiten wusste.
Dass Harrer aber gemeinsam mit Peter Aufschnaiter unterwegs war, fällt dabei häufig unter den Tisch. Ebenso wie oft übersehen wird, dass Aufschnaiter vom genialen David Thewlis (Remus Lupin in Harry Potter) gespielt wird.

Dass nun eine umfassende Biographie Aufschnaiters existiert, die stolz "Er ging voraus nach Lhasa" titelt, ist für manche daher eine Überraschung, für andere eine langersehnte Ergänzung zu einer großen Geschichte.
Das 400 Seiten starke Buch ist nicht nur detailreich und lang. Es geht auch eine interessante Gratwanderung:
Es versucht sowohl der Recherchearbeit von Nicholas Mailänder und Otto Kompatscher, wie auch Autobiographischen Texten von Peter Aufschnaiter Platz zu geben. Das wird sehr schön gelöst, indem Primärtexte von Aufschnaiter nicht Schwarz, sondern in einem braunen Sepiation abgedruckt wurden.
Darüber hinaus sind die Recherchen gut durch Fußnoten dokumentiert. Eine breite Palette an Literatur wurde hier herangezogen! Das hindert den Autor aber nicht daran, diverse Begebenheiten in prosaischer und blumiger Sprache auszuschmücken und den Leserinnen und Lesern ein Bild zu zeichnen, dass die Fußnoten nicht transportieren könnten.
Man hat aber nie das Gefühl hier würde Geschichtsglättung betrieben. Im Gegenteil: Auf die nationalsozialistischen Verstrickungen Harrers und Aufschnaiters wird genau und unaufgeregt eingegangen. Auf die Hierarchien im Internierunslager und auf die Rollenverteilung auf der Flucht.

Wer sich für ein spannendes Kapitel Alpingeschichte interessiert und gleichzeitig eine Faszination für Tibet hat, der ist mit diesem Buch gut beraten. Denn ein großteil des Buches dreht sich nicht um die bergsteigerische Tätigkeit Aufschnaiters, sondern um sein Wirken und Werken in Tibet.
Man braucht eine Faszination für das Thema um durch das Buch zu fliegen, denn der Detailreichtum verleitet dazu in einzelnen Kapiteln hängen zu bleiben. Aber eine gut editierte und geschriebene Biographie die die Geschichte der Flucht nach Tibet endlich umfassend und von einer zweiten Perspektive beläuchtet.

Wunderschön im Ganzen und auch im kleinen: Die Innenseite des Schutzeinbands zeigt eine Karte der Fluchtroute und Tibets. Auch im inneren finden siche viele schöne Aufnahmen - die darf die künfitge Leserin und der künftige Leser aber selbst entdecken! Viel Spaß.
























