Kommt für Skifahrer noch vor der Bibel
VORTEILE
- Absolute Top-Bilder
- Texte sehr amüsant
- Ziemlich geile Rider am Start
- Interessante Outside-Stories
NACHTEILE
BEWERTUNG
- Bildband/Buch "Endless Winter 2.0"
- RED-GUN GmbH
- Redaktionsbüro Glocker und Neumann Gbr
- 2. komplett überarbeitete Auflage (die acht Jahre alte Erstausgabe wurde von Seite 1 bis Seite 246 überarbeitet, darunter die nahezu komplette Neubebilderung einiger Kapitel)
- Format: 21,0 x 29,7 cm (DIN A4)
- Preis: 34,95 Euro
Um was geht’s in „Endless Winter 2.0“?
Einen liebenswerten Ski-Dachschaden muss man schon haben, um so ein Buch zu machen. Der Fotograf und Autor Michael "Michi" Neumann von „Endless Winter 2.0“ hat so einen. Wer kommt schon auf die Idee den Winter auch im Sommer nicht enden zu lassen und zwölf Monate dem besten Schnee hinterherzufahren? Eben, Michi Neumann.
Was taugen die Rider?
Aber der Augsburger Fotograf macht die Trips natürlich nicht alleine. Nein, er nimmt auch noch seine Ski-Buddies mit auf Tour. Und die können ganz gut mit den Brettern umgehen, wie die Shots beweisen. Oder anderes ausgedrückt: Man muss ganz schön gut drauf sein, um diese Runs zu realisieren. Ok, von dem einen oder anderen Profi-Rider habt ihr vielleicht schon gehört: Lukas Ebenbichler, Gri Reichenberger Roman Rohrmoser, Felix Wiemers oder Pia Widmesser sind nur einige davon. Aber die gehören halt zur absoluten Ski-Oberklasse. Alles Fahrfotos im Buch sind daher erste Sahne!
Persönliche Note und viel Infos in den Reportagen
Folgt man Michi Neumanns Facebook- oder Instagram-Account wird man das ganze Jahr über von seinen Schandtaten optisch provoziert. Und die permanenten Bitten er möge doch weiter Skibilder posten anstatt anderer Sportarten erhört er hin und wieder sogar. Das spricht für seine sozialen Fähigkeiten, wenn er uns schon dauerhaft mit seinen Powderbeiträgen quält.
Aber was heißt schon sozial? An dieser Stelle sei verraten, dass Michi bei den Ski-Fotoshooting selbst und ausschließlich mit dem Snowboard unterwegs ist. Was ja eigentlich ein Affront in der Welt der Skifahrer ist, gell, Herr Neumann! Aber hat es wieder gut gemacht. Es sei ihm verziehen.
Boah, zwölf Skigebiete abvespern. Ist das nicht langweilig? Oder: Was macht das Buch „Endless Winter 2.0“ aus?
Kommen wir zum Buch. Das Motto: „Irgendwo auf der Welt liegt immer Schnee. Aber wo? Und wieviel?“
Wer jetzt glaubt, es kommt nur eine Orgie von austauschbaren bunten Punkten auf weißem Hintergrund – wie ich das von vielen Winterreiseberichten kenne – täuscht sich gewaltig. Jede der zwölf Locations ist ehrlich ausgewählt, persönlich teils unter großen Opfern bereist und liebevoll im Detail beschrieben. Die Texte sind erfrischend, die Actionbilder atemberaubend, die Storybilder amüsant und doch informativ. Über 230 Seiten wirklich nice Stories.
Kapitel 1, Januar: Arlberg
Der Alpenklassiker. Aber Michi und seine Spezls sind direkt nach dem schneetriefenden Tief „Andrea“ losgezogen. Die einen eingeschneit, die anderen machen fette Powderbilder und du weinst vor Neid.
Kapitel 2, Februar: Japan
Das nächst liegende Skigebiet auf der anderen Seite der Weltkugel, der Nordhalbinsel Hokkaido, bringt logistische und sprachliche Herausforderungen, aber auch kulinarische Höheunkte wie Kobe-Rindersteaks und Sushi satt mit sich. Muss ich noch dazusagen, dass unser japanischen Freunde gar nicht wissen wohin mit so viel Schnee aus dem sibirischen Hinterland.
Kapitel 3, März: Südalpen
Michi und sein Gang lauern seit Tagen darauf, dass der Südstau doch komme möge und die italienischen und schweizer Berge in weißes Gold hüllt. Damit man auf jeden Fall einer der ersten ist, reist die Truppe der Wolke auf einem Roadtrip im Wohnmobil hinterher.
Kapitel 4, April: Alaska
Jetzt aber gleich richtig. Dahin wo der Powder wohnt. Keine halbe Sachen machen und mit dem Heli rund um das Skiresort Aleyska die Steilwände runterballern, die man sonst im Traum nicht mal runterschauen würde. Aber der Schnee hier pappt drei Nummern mehr als bei uns, also gib ihm Saures.
Kapitel 5, Mai: Island
Michi behauptet: Von März bis Mai gehört Island zum Besten, was man sich skifahrerisch antun kann. Ok, die Vulkane speien Asche, das arktische Wetter vereist dir deine Ohren, gelegentlich musst du mit dem Schlauchboot zum Spot, man hockt in warmen Quellen und hin und wieder reicht die Piste bis ans Meer. Dafür bist du mehr oder weniger allein unterwegs und hast die wilde Insel für dich.
Kapitel 6, Juni: Lyngen, Norwegen
Skifahren bis der Sandmann kommt und keiner macht das Licht aus. Geht nur bei Mitternachtssonne. Und die gehört in Nord-Norwegen, in den Lyngen-Alps, im Juni eben zum Standard-Programm. Skitouren in den Bergen rund um Tromsö bei endlosen Sonnenuntergängen gehören mit Sicherheit zu den romantischsten Erlebnissen eines Skifahrers. Neumann hält drauf und macht ein Sonnenuntergangsbild nach dem anderen. Aber so ist er halt, der Polarkreis im Sommer.
Kapitel 7, Juli: Argentinien
„Die Südseiten sind auf der Südhalbkugel in Sachen Schneehöhe die wahren Nordseiten.“ Kapiert? Alles ist andersrum. Wenn hier die Freibadsaison in Fahrt kommt, schnallt man sich in Südamerika die Tourenski an. Die Anden sind groß genug, um dort ein halbes Leben lang auf Tour zu gehen.
Kapitel 8, August: Chile
Nicht umsonst trainieren viele Nationalmannschaften im August in dem langen wie schmalen Land an der Pazifikküste. Die Schneebedingungen? Ziemlich geil. Die Berge sind extrem hoch, die Luft trocken, der Powder daher pulvrig. Doch hier nur zum Skifahren zu gehen ist fast zu schade. Michi und seine Gang bauen noch einen Roadtrip drum herum, man will ja neben Turns und Runs auch was vom Land erleben.
Ein Special noch an dieser Stelle: Die Story von Toni Sponar, einem gebürtiger Österreicher, der sich im Valle del Arpa den Traum eines privaten Skigebiets verwirklicht hat und sage und schreibe 109 Wintersaisons auf dem Buckel hat.
Kapitel 9, September: Chile
Die Puma-Lodge dürfte so die geilste Location in den Anden sein. Ein Luxusresort von dem sich hervorragende Heli-Ausflüge machen lassen. Fett Schnee und hin und wieder Blicke nach Argentinien garantiert. Zusammen mit Roman Rohrmoser, Felix Wiesmer und Lukas Ebenbichler zeigt Michi nict nur den Gauchos wo der Skihammer hängt.
Kapitel 10, Oktober: Hintertux
Wieder mal geierten Michi und seine Gang vor der Wettervorhersage, um den idealen Moment abzupassen. Ein Genua-Tief brachte das ersehnte Weiß und ließ Häuser und Autos unter Schneebergen versinken. Die Locals und Powderspezialisten ließen es krachen und Michi ließ es sich nicht nehmen feinste Faceshots einzufahren.
Kapitel 11, November: Whistler
Nicht immer liegt in Kanada tatsächlich so viel Schnee, wie wir es uns in unseren kühnsten Träumen erwünschen. Doch „Ullr“, der nordamerikanische Gott des Winters, hatte ein Einsehen und machte aus Whistler das, was man davon erwartete: Ein Powderparadies. Mit netten Treeruns, sanften Snow-Pillows und feinen Jumps ein paar gute Gründe mehr für einen Ausflug in die Rockies nach Kanada.
Kapitel 12, Dezember: Zillertal
Es mag ja nicht den exotischen Geheimtipp-Charakter haben wie eine Puma-Lodge in Chile, aber wer sich im Zillertal auskennt, ist klar im Vorteil. Das sind in der Regel die Locals wie Roman Rohrmoser, aber auch wenn man nicht die DNA eines Zillertalers in sich trägt, lassen sich spektakuläre Runs entdecken, wie Michi Neumann mal wieder festgestellt hat. Das beweisen hier etwa die Rider Matze Brustmann, Jobst Hahn oder Max Kroneck.
Mein Fazit:
Wie heißt es so schön: „No friends on powderdays“. Dieser "Bildband" ist weitaus mehr als nur dies: Er ist Inspiration und Information in einem. Das unterscheidet ihn ganz klar von anderen Projekten dieser Art. Abschließend kann ich nur sagen: Du brauchst gleich zwei Bücher von „Endless Winter 2.0“. Denn eines brauchst du zu selbst, um vorm Kaminfeuer ins Träumen zu kommen, das andere kannst du dann vielleicht verschenken …