Westenartiker Rucksack für sportliche Ultraleichttouren
VORTEILE
- ziemlich wasserdichtes Material, ohne PFC
- sitzt fast so gut wie ein Kleidungsstück
- Trinksystemkompatibel
- viele Taschen für Soft-Flaschen, Snacks und Co
- Taschen im aufgesetzten Zustand gut zu erreichen
- sehr gute Wanderstockhalterungen
NACHTEILE
- nicht in der Größe verstellbar
- geringe Belastbarkeit (2 - 4 statt 3 - 8 kg)
- zu viel Volumen, für die geringe Belastbarkeit
- das Gewicht am Rücken sitzt mir zu weit unten
- sitzt etwas zu locker
- nicht allzu robuste Kunststoffteile
BEWERTUNG
Ist geplant sich beim Laufen, Radfahren oder Klettern schnell und sportlich zu bewegen und dennoch zusätzliche Ausrüstung auf dem Rücken mitzuführen, so stellt dies hohe Anforderungen an einen Rucksack. Die Königsdisziplin besteht dabei darin, einen Rucksack so zu gestalten, dass er sich mehr wie ein angezogenes Kleidungsstück als wie ein aufgesetzter Rucksack anfühlt. Das wenn auch geringe Gewicht muss möglichst nah an den Körper und optimal auf die Schultergurte verteilt werden, ohne dass einen das Tragesystem auch nur in irgendeiner Weise einschränkt. Rucksäcke wie dieser seit der ISPO 2019 erhältliche Trail Spacer 18 von Vaude gleichen daher einer Weste mit vielen gut zugänglichen Taschen und nützlichen Features.
Einsatzbereich
Immer wenn es schnell und sportlich zugeht und nur wenig Gepäck im Spiel ist, bietet sich dieser Rucksack an. Er versucht das Gewicht über das den Oberkörper wie eine Weste umschlingende Tragesystem sicher zu immobilisieren, wobei er mit dem komplett flexiblen Tragesystem absolute Bewegungsfreiheit zu bietet und zugleich die Bewegungen des Gepäcks abfedert.
Beim Trailrunning nehme ich nicht viel mit. Neben Trinken und Snacks kommt allerhöchstens noch Regenbekleidung und eine Kopflampe in den Rucksack. Stöcke können aber auch praktisch sein. Damit wiegt der Rucksack dann schon seine 4 kg. Schwerer darf er für mich beim Laufen auf keinen Fall sein.
Beim Rennradfahren verstaue ich meine für auch mal längere Touren benötigte Ausrüstung in Bikepackingtaschen. Trinken und Snacks kommen aber in den Rucksack. Muss eine leichte aber voluminöse Jacke schnell irgendwo Platz finden, so bietet sich auch dafür der Rucksack an. Mit einem Gesamtgewicht von 3 bis 3.5 kg ist er dann auch schon ausreichend beladen.
In jedem Fall würde deutlich mehr in den Rucksack passen und der Einsatz bei Tagestouren egal ob Wandern, Tourenskifahren oder Klettern würd durchaus hinhauen. Jedoch können die elastischen Schultergurte nicht allzu viel Gewicht handeln und das Gewicht sitzt für meinen Geschmack zu tief und nicht fixiert genug am Rücken. Daher greife ich hier lieber auf andere Rucksäcke zurück.
Tragesystem
Das Tragesystem ist ein wenig gewöhnungsbedürftig. Die elastischen Schultergurte fühlen sich anfangs komisch an, umschließen den Oberkörper aber sehr passgenau und absolut bequem. Es fühlt sich lediglich etwas ungemütlich an, wenn der Rucksack überladen ist und durch die abfedernden elastischen Gurte zu sehr auf und ab schwingt.
Die beiden Brustgurte lassen sich über einen Bereich von 25 cm stufenlos in der Höhe verstellen, was einen optimalen Sitz der Schultergurte ermöglicht.
Der obere Bereich der Schultergurte und der gesamte Rückenbereich sind gepolstert und sehr atmungsaktiv. Zudem ist dieser Bereich in einem Stück gewebt und weist dadurch keine störenden Nähte auf. Der untere Bereich ist aus sehr breitem Netzgewebe, was eine gute Belüftung ermöglicht und zudem elastische Taschen formt.
Die Schultergurte lassen sich nicht in ihrer Länge verstellen. Jedoch gibt es kleine Verstellmöglichkeiten über zwei Lastkontrollriemen und zwei seitlich angebrachte Riemen, die die Seitentaschen fixieren und darüber im unteren Bereich etwas Spannung auf die Schultergurte aufbauen können.
Der Rucksack scheint mir etwas zu groß zu sein. Meine Maße sind folgende: Brustumfang 95 cm, Bauchumfang 82 cm, Rückenlänge 50 cm
Dem Rucksack kann sicher etwas zusätzliche Stabilität verliehen werden, indem eine Kunststoff- oder Schaumstoffplatte im Rucksack an der Rückenseite eingesetzt wird. Vielleicht ein Stück Isomatte aus geschlossenzelligem Schaumstoff. Diese kann zudem unterwegs noch als Sitzunterlage dienen.
Das Gewicht sitzt durch die langen Schultergurte eher tief am Rücken, was eine übermäßige Zusatzbelastung durch Mitschwingen des Gepäcks bei der Hin- und Herbewegung des Oberkörpers vermeiden soll. Mir persönlich wäre aber ein höherer und festerer Sitz lieber.

Taschen, die bei aufgesetztem Rucksack erreichbar sind
Während des Tragens sind einige Taschen erreichbar. Angefangen bei den Schultergurten. Hier sind es vier Einschubtaschen, die sich für Weichflaschen und Snacks anbieten. Aber auch ein Handy und ähnliche Kleingeräte finden hier stets griffbereit ihren Platz.
Der breite Hüftgurt besteht an beiden Seiten aus je einer einzigen großen Reisverschlusstasche. Hier lässt sich sogar eine Regenjacke verstauen. Das öffnen ist einhändig sehr einfach machbar, wobei das leider nicht für das Verschließen gilt.
Die seitlich an Rucksack befindlichen Einschubtaschen lassen bei geöffneten Kompressionsbändern gut erreichen. Jedoch ist das bedienen dieser Bänder bei aufgesetzten Rucksack nicht ganz so einfach. Bei dem Versuch eines der Bänder einhändig zu schließen ist mir der kleine Gummigriff vom Band angerissen. Umso besser schließen die Seitentaschen, wenn der untere Teil der Kompressionsbänder zugezogen ist. Hier lockert sich von selbst absolut gar nichts.
Im Rucksack - das Hauptfach
Das Hauptfach lässt sich über einen Zwei-Wege-Reißverschluss sehr weit öffnen und aufklappen. Darin befinden sich die Klettbandaufhängung und der Schlauchdurchlass für ein Trinksystem, sowie ein halbhohes Einschubfach direkt darunter. Die Wand des Einschubachs, die im Rucksack ein wenig als Trennwand fungiert, beinhaltet zudem ein kleines Reisverschlussfach mit Schlüsselring, indem wichtige Utensilien, die während des Sports nicht benötigt werden, ihren Platz finden dürften.
Oben auf dem Hauptfach ist noch eine weitere kleine Reißverschlusstasche für Kleinkram, die jedoch sehr gut zugänglich ist.
Vorn auf dem Hauptfach befindet sich eine große Einschubtasche, die zusätzlich durch eine elastische Bandschlaufe gesichert ist.
Am Rucksack - weitere Befestigungsmöglichkeiten
Die Kunststoffschnallen der Brustgurte formen zugleich Haken hinter die der Schlauch vom Trinksystem geklemmt werden kann. Das funktioniert sehr gut und fixiert diesen zuverlässig.
Auch finden sich an den Schultergurten reflektierende und blaue Flachbandschlaufen, an denen Bänder und Haken befestigt oder hinter die Ausrüstung geklemmt werden können.
Seitlich befinden sich am Rucksack zwei im Zickzack verlaufende Bänder, die der Kompression des recht großen Hauptfaches dienen. Diese lassen sich auch im aufgesetzten Zustand bedienen. Sie eignen sich zudem für das Fixieren von Ausrüstung, die in die seitlichen Einschubtaschen gesteckt wird, diese aber überragt. Aufgrund des sehr großen Hauptfachvolumens sind diese bei mir im Dauereinsatz und komprimieren den Rucksack auf ganzer länge gleichmäßig und zuverlässig.
Für Wanderstöcke gibt es hier extra passende Halterungen. Diese können entweder im aufgesetzten Zustand an einem der Schultergurte und am hinteren Rucksackteil oder senkrecht seitlich am Rucksack befestigt werden. Die Kombination aus kraftvollem Gummiband, Haken und Stopper gefällt mir sehr gut.
Hinten unten am Rucksack ist eine Lasche, an der ein Rücklicht angesteckt werden kann. Beim Radfahren oder Laufen sicher ein hilfreiches Extra.
Optik und Haptik
Der Rucksack fällt direkt ins Auge und ist mit seiner schrillen Farbe und den reflektierenden Elementen sehr gut sichtbar.
Er fühlt sich jedoch nicht so hochwertig an. Das liegt vermutlich an den elastischen und sehr dünnen Materialien. Diese scheinen auf ein geringes Gewicht, eine hohe Flexibilität usw. getrimmt zu sein. Eine robuste und wertige Haptik ist da eher nebensächlich.
Die Bändchen an den Reißverschlüssen sind zwar ausreichend für eine ganz gute Handhabung, sollen aber vor allem Gewicht einsparen. Ein wenig Friemelkram ist der Tradeoff für diesen minimalistischen Stil. Um hier schnell auf seine Ausrüstung zugreifen zu können bietet sich das Nachrüsten von größeren gummierten Griffen an.
Ich schätze es sehr, wenn Funktion und Leistung im Vordergrund stehen und das Aussehen eher zweitrangig ist. Nichts desto trotz macht der Rucksack schon ganz gut was her.
Materialien
Das Material des Hauptfaches ist ein wasserdichtes mit Silikon und Polyurethan beschichtetes 70 D Ripstop Polyamid.
Die wasserabweisende Eco Finish Imprägnierung kommt glücklicherweise ohne PFC aus. Bei gängigen Imprägnierungsmitteln sind es die Per-Fluorcarbone (PFC), die ein Problem darstellen. Diese werden seit über 50 Jahren in schützenden Oberflächenbehandlungen und damit in Produkten, wie Regenbekleidung, Textilien, Schuhen, Möbeln usw. genutzt und haben aufgrund ihrer Langlebigkeit ihren Weg in die Umwelt und über das Essen zurück zu uns gefunden. Nun sieht es so aus, als hätten diese Stoffe einen negativen Einfluss auf unser Immunsystem. PFCs hindern weiße Blutkörperchen daran über Hormone miteinander zu kommunizieren, was einen drastischen Einfluss auf die Antikörperproduktion hat. Aus wissenschaftlichen und vernünftigen Gründen freiwillig auf altbewehrte Chemikalien zu verzichten, kann man einem Unternehmen schon mal ganz gut anrechnen. [C. Schmidt, spektrum.de, Juli 2017]
Die seitlichen und vorderen Taschen sind aus einem elastischen Netz gefertigt. Woraus die gestrickten und gepolsterten Bereiche der Schultergurte und des Rückenbereichs bestehen, konnte ich nicht herausfinden.
Daten - Herstellerangaben
Gewicht: 550 g (Herstellerangabe)
Gewicht: 575 g (selbst gemessen, leer)
Maße: 48 x 26 x 20 cm (Herstellerangabe)
Maße: 48 x 26 x 20 cm (selbst gemessen, ohne Schultergurte)
Packmaß: 30 x 10 cm (selbst gemessen, leer, zusammengerollt)
Volumen: 18 L (Herstellerangabe)
Lastbereich 3 bis 8 kg (Herstellerangabe)
Lastbereich 2 bis 4 kg (meine Empfehlung)
Haupt-Material: Polyamid (70 D Ripstop, Silicon und PU beschichtet)
frei von: PFC (per- u polyfluorierte Chemikalien sind persistent und umweltschädlich)
Fächeranzahl: 13
Tests
Nach zwei Stunden auf dem Rad in strömendem Regen hat ein wenig Wasser den Weg ins Rucksackinnere gefunden. Nichts dramatisches, aber unbegrenzt dicht scheint der Rucksack nicht zu sein.
Auf einer vierstündigen Rennradtour über 100 km habe ich mal alles was ich so brauche in den Rucksack getan, wobei er letztlich 4.6 kg wog. Und das war zu viel, störte und führte zu leichten Rückenschmerzen. Als jedoch nach der Hälfte der Tour der Liter Wasser raus war, passte es perfekt. Zudem lassen sich in den während der Fahrt gut erreichbaren Taschen Unmengen an Smoothies, Gelen und Riegeln unterbringen. Großartig!
Auf einer mehrstündigen Trailrunningtour durch den Harz habe ich recht viel im Rucksack transportiert. Das große Volumen lädt einfach dazu ein ihn zu überladen. Doch sitzt das Gewicht auch bei geringerer Beladung sehr tief unten am Rücken. Durch gut verteiltes Bepacken bei weit aufgeklapptem Hauptfach und Fixieren durch die seitlichen Kompressionsschnüre kann man hier aber einiges machen.
Hauptsächlich nutze ich den Rucksack auf langen Bikepackingtouren. Eine Trinkblase mit 2 L Wasser, ein paar Schnacks, Sonnenbrille und Handschuhe und ein Shaker mit ein paar hundert Gramm Plennyshake finden darin Platz ohne dass ich dadurch groß eingeschränkt bin.
Vergleich
Salomon hat seit langem westenartige Rucksäcke auf dem Markt. Und Osprey stellt kleine Tagestourenpacks her, die ebenso über ein sehr gut umfassendes Tragesystem verfügen. Wo lässt sich da der Trail Spacer 18 von Vaude verorten? Ich selbst habe da noch nicht den Überblick, für eine Laufweste ist mir aber das Hauptfach zu groß und für einen Rucksack sind die Schultergurte zu weich. Wem seine Laufweste also zu wenig Volumen oder sein Rucksack zu steif ist, der findet im Trail Space 18 vielleicht genau das passende aus beiden Welten.
Da das wichtigste für unterwegs das Mitführen von Wasser ist, liegt ein Vergleich mit reinen Trinksystemrucksäcken nahe. Von Vaude nutze ich da gern den Aquarius Zoom. Mit 3-4 L Volumen passen neben einem Trinksystem noch das Portemonnaie und ein paar Riegel hinein. Mehr aber auch nicht. Wer also länger unterwegs ist, mehr Snacks, Regenbekleidung und Stöcke mitnehmen möchte, ist mit dem Trail Spacer besser bedient.
Resümee
Bei dem großen Volumen von 18 Litern überlädt man den Trail Spacer 18 schnell. Nimmt man jedoch nur wenig mit, so taugt er durchaus was. Wichtig ist vorab zu überprüfen, ob er einem auch passt und eng genug sitzt, da er sich nicht groß verstellen lässt. Ich werde ihn zukünftig für sportliche Halbtages- und längere Bikepackingtouren vor allem auf dem Rennrad nutzen, bei denen ich mein Trinken, Shakes, Riegel und Smoothies möglichst griffbereit haben möchte.