Ein leichter Rucksack für Langstreckenwanderungen...
Bewertung Ø: 5 Sterne
VORTEILE
Sehr bequem
Überragender Kundenservice des Herstellers
Sehr individuell Konfigurierbar
Hohe Tragekapazität und dafür leicht
Einfach zu modifizieren und einzustellen
Sehr gut durchdachtes Design
NACHTEILE
Schlechte Luftzirkulation am Rücken
Nicht wasserdicht
Etwas zu schwer für "Ultraleicht"
BEWERTUNG
Meine Erfahrungsgrundlage: Langzeit-Test
Der ÜLA Circuit Rucksack wird von mir seit 2017 verwendet. Ich habe ihn seit dem hauptsächlich bei Fernwanderungen eingesetzt und ihn insgesamt über 1.500km auf dem Rücken getragen. Dadurch, dass ich ihn bei sehr verschieden Witterungen, von 40°C im Schatten auf dem GR20 in Korsika bis auf Schnee innerhalb des Polarkreises, getragen habe möchte ich mit dieser Bewertung meine Erfahrungen weitergeben.
Der Circuit ist Hergestellt von der amerikanischen Firma ÜLA und wurde für das Fernwandern/Weitwandern entwickelt. Er kann bei der Bestellung sehr individuell Zusammengestellt werden. Er ist sowohl in fünf verschiedenen Rückenlängen als auch mit 5 verschieden großen Hüftgurten erhältlich, wodurch er eigentlich jedem passt; auch Kindern. Bei den Schultergurten kann man sich zwischen zwei verschiedenen Arten entscheiden. Der "J-Schultergurt" wird hauptsächlich für Männer mit durchschnittlicher Statur getragen. Der "S- Schultergurt" wird hauptsächlich von sehr athletischen Männern und Frauen benutzt. Farblich kann man sich entweder zwischen 9 Farben entscheiden oder auch komplett frei nach Schnauze den Rucksack farblich gestalten lassen (kostet 35 USD mehr). Für 15USD kann man zusätzlich seinen Namen auf der Rückseite einsticken lassen.
Man hat also sehr viele Möglichkeiten um sich den Rucksack so zusammenzustellen lassen, dass er einem auf alle Fälle passt und auch gefällt! Zusätzlich hat ÜLA einen hervorragenden Kundenservice (auf Englisch) und auch individuelle Sonderwünsche und Änderungen können umgesetzt werden.
Meine Erfahrungen:
Allgemein: Ich habe den Circuit sowohl mit der Torsolänge als auch mit dem Hüftgurt in der Größe M. Ich bin sehr zufrieden Mit dem Rucksack dennoch möchte ich vorweg nehmen, dass ich mittlerweile einige Veränderungen an dem Rucksack vorgenommen habe und Kleinigkeiten entfernt, die aber für den ein oder anderen eventuell nützlich sind.
Entfernt habe ich:
Die Herausnehmbare Tasche für eine Wasserblase: Diese ist 42 cm x 23 cm groß und somit bestens geeignet für Handelsübliche Wasserblasen. Hier auf den Bildern habe ich eine von Decathlon zur Demonstration verwendet. Es wird keine mitgeliefert!!!
Befestigt wird diese Tasche im Inneren des Rucksackes mittels 2 Clips. Diese Clips sind sehr gut Verarbeitet und ein versehentliches lösen ist sehr unwahrscheinlich!
Durch zwei speziell dafür vorgesehene Laschen ( markiert mit H20 - siehe Bild) lässt sich der Trinkschlauch dann nach außen Führen ohne, dass er einem in die quere kommt beim be- und auspacken des Rucksackes.
Danach kann der Schlauch entlang der Schultergurte geführt werden und ggf. befestigt werden.
Eine kleine Tasche, die ebenfalls in die Laschen eingehängt werden kann in der auch die Trinkblasen-Tasche befestigt wird. Sie kann mit einem Reißverschluss verschlossen werden. Da ich meine Wertsachen meist in den Taschen am Hüftgurt aufbewahre und keine weitere kleine Tasche brauche habe nehme ich sie normalerweise nicht mit. Somit ist es für mich perfekt, dass diese ohne großen aufwand entfernt werden kann. Vielleicht ist sie für manche ideal dafür um ihren Pass und Geld versteckt verstauen zu können ?!
Sie ist 29 cm x 15 cm groß.
Handloops: Sie werden von Üla beigefügt um sie an den Schultergurten anzubringen um dann mit den Händen hineinzugreifen um das Gewicht des Rucksackes besser zwischen Schulter und Rücken verteilen zu können. Da ich mit Wanderstöcken laufe und dadurch keine Hände frei habe, habe ich mich damit nicht weiter auseinandergesetzt und eigentlich direkt zu Seite gelegt.
Diverse gelbe Gummizüge zur Befestigung von Kleinigkeiten oder Wanderstöcken. Da ich kein Fan davon bin viele Sachen außen am Rucksack herumbaumeln zu lassen und eventuell zu verlieren habe ich sie abgenommen.
Das Tragesystem:
Der Cirquit ist dafür ausgelegt auch einfach mal mehr mitzutragen. Laut Herstellerangaben ist der er bis zu 16kg Zuladung ausgelegt. Maximal habe ich ihn mal mit 21 kg auf einem 400km langem Abschnitt ohne Möglichkeiten Essen aufzustocken beladen. Das würde ich aber sowohl von dem schieren Volumen als auch dem Gewicht als Maximalbelastung für den Rucksack beschreiben. Mit über 20 kg Gepäck in diesem Rucksack ist das Tragegefühl nicht mehr angenehm aber durchaus kurzfristig machbar.
Der Rucksack verfügt über zwei Carbonstangen die mit einem Kunststofbogen verbunden sind. Zusätzlich ist das Tragegestell mit einer Aluminiumstange verstärkt. Beide können entnommen werden! Das veringert zwar die Traglast die man als angenehm empfinden wird, aber eben auch das Eigengeweicht des Rucksacks und ist dadurch vor allem für kürzere Touren zu empfehlen.
Die Aluminiumstange ist 47 cm lang und gebogen, um sich damit der Wirbelsäule anfügen zu können. Ich habe die Stange an der Vorderseite mit einem Wasserfesten Marker markiert um nach dem Herausnehmen auch nach längerer Zeit noch zu wissen wie herum sie gehört!
Die gebogenen Carbonstangen werden seitlich durch Laschen geführt und sind am Kopfteil des Rucksackes hinter einer Stofflasche mit einem elastischen Hartplastik verbunden. Am "Fuß"-Ende des Rucksackes sind die Carbonstangen dann unter Druck in eine weitere Lasche eingehängt. Sie geben dem Rucksack die Hauptstabilität und Form. Können aber auch entfernt werden um dann den Rucksack als "Frameless pack" zu benutzen. Auch hier habe ich den mit einem Marker die Vorderseite markiert.
Mit dem Tragesystem vollständig entfernt lässt sich der Rucksack auch waschen. Er ist vollständig zusammen faltbar und keine weiteren stabilitätsgebenden Teile sind eingenäht! Das ist vor allem nützlich wenn er mal nicht fürs wandern als Tasche genutzt wird und man nicht riskieren möchte, dass das Tragesystem bricht oder anderswie zu Schaden kommt.
Der Rucksack von Außen:
In der Übersicht von außen lässt sich schnell erkennen, dass der Rucksack über diverse Verstellmöglichkeiten und Nettigkeiten verfügt. Er hat unter anderem: zwei große offene Seitentaschen für zum Beispiel Wasserflaschen, einen Brustgurt, einen Hüftgurt mit zwei großen Taschen, ein verstellbares Schultergurt-System, einen Rolltop-Verschluss für das Hauptfach, eine Zickzack geführte elastischen Kordelzug, eine große elastische Außentasche über die gesamte Länge des Hauptfaches und Eisaxt- oder Wanderstock- Schlaufen.
Im Folgenden gehe ich genauer auf die einzelnen Eigenschaften des Rucksackes ein:
Zickzack Kordelzug: Dieser eignet sich Hervorragend um z.B. nasse Klamotten zum trocknen außen am Rucksack befestigen zu können.
Große elastische Außentasche: Diese zieht sich über die gesamte Länge des Rucksack Hauptfaches und sorgt für unfassbar viel flexiblen Stauraum. Leer ist sie schön eng anliegend, lässt sich aber vollgestopft sehr weit ausdehnen. Beim wandern nutze ich das Hauptsächlich aus um an bewölkten Tagen mit einer hohen Regenwahrscheinlichkeit meine Regenjacke und evtl. Fließpullover verstauen zu können um sie schnell griffbereit zu haben. Zur Veranschaulichung habe ich in den folgenden Bildern mal gezeigt, dass selbst ein handelsüblicher Beach-Volleyball darin verschwinden kann!!
Der Hüftgurt: Dieser hat beidseitig zwei große Taschen die für Snacks und Elektrokram wirklich nützlich sind. Halt für alles was man schnell mal zugänglich braucht ohne den Rucksack absetzen zu wollen. Kamera, Müsliriegel, GPS .... Die Taschen lassen sich über einen Reißverschluss öffnen sind aber leider nicht Wasserdicht und somit sollte man alles was nicht wasserfest ist in Zip-Beuteln zusätzlich schützen.
Mittig wird er mittels eines standard Clips verschlossen und über vier Strippen eingestellt. Die Einstellmöglichkeiten sind wirklich ausreichend um auch mal schwerere Lasten gut auf die Hüfte zu verlagern! An der anliegenden Seite besteht der Hüftgurt aus dem selben Meshmaterial wie die Rückenpolsterung und soll somit möglichst gut als Polsterung dienen. An heißen Tagen kann er auch mal zum nassgetränkter Schweiß-Schwamm werden :D
Der Schultergurt: Er bietet genügend Verstell-Möglichkeiten um auch während des Laufens entspannt das Gewicht zwischen Schultern und Hüfte verlagern kann. Der Brustgurt ist Höhenverstellbar. Ich habe an meinem Circuit den Standard J-Curve Schultergurt und komme damit gut zurecht.
Die Seitentaschen (beidseitig): Sie sind groß und es passt bei weitem mehr als nur eine Wasserflasche hinein. In den Bildern habe ich zur Veranschaulichung einmal einen Titan-Topf und zum anderen mal ein Tarptent ProTrail Zelt dort verstaut.
Dadurch, dass die Taschenöffnung leicht schräg angebracht ist, kann man auch ohne den Rucksack absetzten zu müssen eine Flasche entnehmen und verstauen. Der Kordelzug sorgt für einen festen sitz der verstauten Gegenstände so dass nichts herausfallen kann.
Die Trageschlaufe: Einen vollbepackten rucksack sollte man nicht an den Schultergurten hoch heben, da diese sonst, dort wo sie eingenäht sind, einreißen könnten. Um dem ganzen vorzubeugen und um den vollbepackten Rucksack entspannt von A nach B tragen oder in einer Hütte an einem Haken aufhängen zu können gibt es eine Trageschlaufe.
Rolltop: Diese Art des Verschlusses des Hauptfaches hat den Vorteil im Vergleich zur traditionellen Rucksacköffnung, dass der Stauraum im Hauptfach variabel groß ist. Wie man auch einen Dry-bag verschließt, schließt man den Circuit. Bei hohem Platzbedarf rollt man ihn eben nur ein bisschen zu und bei wenig Platzbedarf am Ende einer Mehrtagestour wenn man nunmal alles gegessen hat rollt man ihn sich ganz klein zusammen. Fixiert wird der Rolltop dann Seitlich mit jeweils einem Clip und dann wird von oben noch mit einem Gurt gesichert.
Stockschlaufen: An der dem Körper abgewandten Seite des Rucksackes gibt es insgesamt 4 Schlaufen die angenäht sind. Sie sind selbstverständlich vielfältig nutzbar. Ich nutze sie aber zu 99% dazu um meine Stöcke zu verstauen wenn ich meine Hände für Klettereien oder ähnliches frei haben möchte.
Seitlicher Gurt um den Rucksack kompakter zu machen: Seitlich oben befindet sich jeweils ein Gurt mit dem man den Rucksack bei wenig Beladung "zusammen zurren" kann um das Gewicht möglichst nah an den Körper zu bringen.
Vor allem bei kurzen Touren kann man so den sonst doch recht großen Rucksack vernünftig packen!
Der Rucksack getragen:
Der Cirquit sitzt mir persönlich wirklich gut. Dadurch, dass man schon beim bestellen des Rucksacks fast Alles perfekt auf sich abstimmen kann und einem der Kundenservice dabei sehr hilfreich zur Seite steht war das aber auch wirklich keine Überraschung. Dass der Rucksack mich dann aber so treu und ohne wirklich Gebrauchspuren erleiden zu müssen seit über 1.500km begleitet zeigt aber einfach seine gute Verarbeitung für einen dann doch ganz guten Preis!
Mir gefällt vor allem der große und sehr flexibel gestaltbare Stauraum mit dem sehr angenehmen Tragesystem.
Ich denke, dass mich der Rucksack noch lange begleiten wird!
Der Circuit im Einsatz in Skandinavien
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