Ein MUSS für wintersportbegeisterte Pistenverweigerer
VORTEILE
- besseres Verständnis von Lawinenberichten
- Nachschlagewerk oder chronologisch lesbar
- für Profis und Anfänger
- viele Beispiele zum besseren Verständnis
- Übersicht in Coverklappe
- nachhaltig produziert
NACHTEILE
- unglücklich platzierte Textumbrüche (Lesbarkeit leidet)
- Bindung reisst leicht
BEWERTUNG
Als Outside-Stories Produktscout bekam ich das Buch "lawine." zum Testen zur Verfügung gestellt. Dieses Buch ist „Das Standardwerk zur Schnee- und Lawinenkunde“ und erklärt gut gegliedert entscheidende Probleme und Gefahrenmuster und wie es dadurch zu Lawinen kommen kann. Erschienen ist dieses Sachbuch im Tyrolia Verlag unter der ISBN 978-3-7022-3504-8. Ich habe es in der 7. aktualisierten Auflage 2020 erhalten.

Autoren des Buchs sind Rudi Mair und Patrick Nairz. Rudi Mair ist Leiter des Lawinenwarndienstes Tirol und Patrick Nairz stellvertretender Leiter, beide bereits seit 1999. Somit können sie auf viele Lawinenabgänge zurückschauen und konnten Schlüsse daraus ziehen, sowie mittlerweile allgemein gültige und in diesem Buch beschriebene Gefahrenmuster definieren. Sie beschreiben, dass es sich bei Lawinen eben um keine zufälligen, sondern nach bestimmten Mustern ablaufende Vorkommnisse handelt und besonders, wie sie vermieden werden können.
Ziel dieses Buchs ist es, diese Muster kennen- und bewerten zu lernen.
Eine Besonderheit dieses Buchs ist, dass es sich nicht nur an Profis, aber eben auch nicht nur an Einsteiger richtet. Sobald man mit dem Thema Skitouren, Freeskiing oder ähnlichen Sportarten im offenen Gelände zu tun hat, oder sogar bei einer Bergwacht o.ä. arbeitet, ist dieses Buch eine gute Hilfe. So kann es chronologisch von vorne nach hinten durchgelesen werden und ist so ein guter Einstieg für unerfahrene auf diesem Gebiet. Es ist aber gleichzeitig auch ein Nachschlagewerk, welches in konkreten Kapiteln einzelne Probleme behandelt. So kann man auch nochmal einen Blick hinein werfen, nachdem man den Lawinenbericht gelesen hat und die aktuellen Probleme erkannt hat um sich für eine Tour die Details nocheinmal einzuprägen.
Der Einstieg ins Thema Lawinenkunde geht über geschichtliche Hintergründe über die Entwicklung der Lawinenberichte, die sich mittlerweile weltweit etabliert haben, größtenteils ausgehend aus der Alpenregion. Nach einer kurzen Erklärung und Einordnung der Lawinenprobleme und Gefahrenmuster geht es in ebendiese im Detail.
Den ersten Teil übernehmen die 5 Lawinenprobleme zur groben Einordnung des möglichen Problems:
- Neuschnee
- Triebschnee
- Altschnee
- Nassschnee
- Gleitschnee
Neben einer kurzen Texterklärung folgt ein immer wieder folgendes Schema mit folgenden 5 W-Fragen, die als Merkstütze dienen sollen:
- Was? (Merkmale / zu erwartende Lawinenarten)
- Wo? (Räumliche Verbreitung / Position der Schwachschicht in der Schneedecke)
- Warum? (Auslösemechanismen)
- Wann? (Zeitpunkt / Dauer)
- Wie gehe ich damit um? (Problemerkennung im Gelände / Verhaltensempfehlung)
Außerdem eine Übersicht, welche Gefahrenmuster auf das jeweilige Problem häufig folgen.
Zur detaillierteren Bewertung und Betrachtung folgen die 10 entscheidenden Gefahrenmuster:
- gm.1 bodennahe Schwachschicht
- gm.2 Gleitschnee
- gm.3 Regen
- gm.4 kalt auf warm / warm auf kalt
- gm.5 Schnee nach langer Kälteperiode
- gm.6 lockerer Schnee und Wind
- gm.7 schneearm neben schneereich
- gm.8 eingeschneiter Oberflächenreif
- gm.9 eingeschneiter Graupel
- gm.10 Frühjahrssituation
Den Einstieg in die Gefahrenmuster, die eine etwas längere Erklärung, sowie Beispiele enthalten, macht immer eine Übersichtsseite. Diese dient zur Einordnung, in welcher Höhe das Muster meist auftritt und in welchen Monaten es einzuordnen ist. Natürlich ist dies jeweils nur ein Anhaltspunkt und es kann immer Ausreißer geben, da sich das Wetter nicht an feste Monate oder Höhen hält. Es gibt jedoch eine Hilfe bei der groben Einordnung, mit welchem Gefahrenmuster zu rechnen ist.

Es folgen Analysen zu Lawinenabgängen, die dem entsprechenden Gefahrenmuster zugeordnet werden. Mithilfe von Grafiken und Fotos des Geschehens, sowie Luftbildern lassen sich die Hergänge gut nachvollziehen und die Muster erkennen. Außerdem gibt es zu den entsprechenden Themen etwas meteorologisches Hintergrundwissen, welches die Vorgänge weiter nachvollziehen lässt. Kurze Definitionen oder Praxistipps sind hervorgehoben und prägen sich beim schnellen überfliegen ein.

Das Buchcover ist sowohl auf der Vorder-, wie auch auf der Rückseite ausklappbar. Dabei enthält die vordere Klappe eine kurze Vita der Autoren, sowie ein Bild. Die hintere Klappe enthält nochmals das Inhaltsverzeichnis, um schnell zu den Lawinenproblemen oder den einzelnen Gefahrenmustern navigieren zu können, auf der anderen Seite ist Werbung aufgedruckt. Diese beiden Klappen finde ich super, um sie irgendwo als Lesezeichen einzustecken, das Inhaltsverzeichnis ist ebenfalls zum schnellen Nachschlagen sehr nützlich. Ich denke statt der Werbung und dem Bild hätten sich kurz und bündig einige Informationen auf beiden Klappen sehr gut gemacht.

Außerdem fällt auf, dass der Einband bei stärkerem Knicken, wie im Foto erkennbar, sehr schnell zu Rissen neigt. Gerade bei einem solchen Nachschlagewerk ist das etwas ungünstig. Wiederum vorteilhaft ist der weiche Einband zum Reisen, man kann das Buch mal eben in die Reisetasche oder den Rucksack schieben, etwas Biegung kann es sehr gut ab.

Viele Fotos und Grafiken lassen teilweise komplexere Zusammenhänge leichter verstehen, trotzdem ist dieses Buch keine leichte Kost, die man mal eben bei einem Kaffee zu sich nimmt. Etwas Eindenken in die Materie ist gefragt, um die Zusammenhänge zu verstehen und sich einprägen zu können. Hin und wieder störend fand ich die Textumbrüche eingefügt, die das Lesen und gleichzeitige Nachvollziehen von Grafiken erschwerten, da diese auf die nächste Seite sprangen, obwohl in der Nähe der Grafiken noch genügend Platz vorhanden gewesen wäre. Manch einem mag das nicht auffallen, mir leider schon und es hat den „Lese-Verstehens-Fluss“ zeitweise etwas gebremst.

Nichts desto trotz erkennt man schnell, warum es sich zu DEM Standardwerk zum Thema Lawinen etabliert hat. Jeder kann sich aus diesem Buch neue Erkenntnisse mitnehmen und aus der über 25 jährigen Erfahrung der beiden Autoren in diesem Sektor lernen.
Es sei noch zu erwähnen, dass bei der Produktion auf eine möglichst nachhaltige Herstellung geachtet wurde. So wurde auf „Farben auf Pflanzenölbasis, Klebestoffe ohne Lösungsmittel und Drucklacke auf Wasserbasis auf FSC-zertifiziertem Papier“ zurückgegriffen.
Fazit:
Empfehlen möchte ich das Buch "lawine." jedem Wintersportler, der sich auch einmal abseits der Piste bewegt. Es lenkt die Blicke noch einmal völlig neu auf das Element Schnee und lässt Gefahren und Probleme frühzeitig erkennen, sodass sie nicht zu ernsthaften Folgeproblemen werden müssen. Der sonst mal schnell überflogene Lawinenbericht enthält plötzlich viel mehr Information, die man sonst vielleicht nie zuordnen konnte oder als Randnotiz empfunden hat.
Klare Kaufempfehlung!