Umfangreiches Lehrbuch über Schnee- und Lawinenkunde. Gut strukturiert. Man kann es ganz lesen aber auch zum Nachschlagen verwenden.
VORTEILE
- gut strukturiert
- auch als Nachschlagewerk nutzbar
- für Anfänger und Fortgeschrittene
- viele Praxisbeispiele
- auf Lawinenlagebericht übertragbar
NACHTEILE
- keine Angeben/Details IN den Abbildungen
- teilweise etwas verwirrend
BEWERTUNG
Das Lawinenkunde-Buch vom Tyrolia Verlag ist ein sehr empfehlenswertes Buch für alle Skitourenbegeisterte und jene die es noch werden wollen. Es ist für Anfänge wie auch Fortgeschrittene ein empfehlenswertes Buch um sich mit der Materie vertraut zu machen. Dass ich das Buch von Outside Stories vor der richtigen Skitouren-Saison zur Verfügung gestellt bekommen habe, passt eigentlich ganz gut, um sich vor der ersten Skitour noch einmal einzulesen.

Das Konzept des Buches:
Die Autoren greifen in ihrem Buch die 5 Lawinenprobleme sowie die 10 Gefahrenmuster auf, welche auch im Lawinen-Lagebericht vorkommen. Neben einer kurzen Einführung die sich auf den Lawinenlagebericht bezieht, hilft dieses System, sein erlentes Wissen im Alltag, beim Studieren der aktuellen Lawinenlage, anzuwenden.
Das Buch verweist immer wieder auf die verschiedenen Gefahrenmuster (gm1-gm10). Da es zumindest mir anfangs schwer gefallen ist, mir die Nummerrierung zu merken, ist es wirklich gut, dasss im Buchumschlag hinten, die 5 Lawinenprobleme und die 10 Gefahrenmuster, inklusive Nummerierung, angeführt sind. So kann man auch während dem Lesen schnell nachschauen um welches Gefahrenmuster es sich handelt.

Der Aufbau des Buches gibt das Konzept wieder. Nach ein paar einleitenden Worten folgt eine Beschreibung der 5 Lawinenprobleme, gefolgt von den 10 entscheidenden Gefahrenmustern.

Durch diesen Aufbau kann man das Buch auch gut als Nachschlagewert nutzen. Es regnet gerade auf den Schnee? Höchste Zeit, anstelle einer Regenskitour, das Kapitel „regen“ zu lesen um ein Gefühl für das Wettergeschehen zu bekommen.
Die Einleitung beinhaltet Vorwort, Erfahrung & Entwicklungen, Grundlagen und Statistik & Konsequenzen für die Praxis. Es lohnt sich sehr diese einleitenden Worte zu lesen, v.a. wenn man noch nicht so tief mit der Materie vertraut ist. Für Neulinge erleichtert dieses kapitel das weitere Verständnis des Buches und, umso wichtiger, des Lawinenlageberichts.

Es folgen die 5 Lawinenprobleme. Jedes Lawinenproblem ist mit einem kurzen Text beschrieben. Viel übersichtlicher ist jedoch die Zusammenfassung, welche mit den klassischen W-Fragen erörtert wird: Was? Wo? Warum? Wann? Wie gehe ich damit um? V.a. den letzten Punkt finde ich sehr invormativ. Ganz unten stehen dann noch die Gefahrenmuster angeführt, welche mit diesem Lawinenproblem verknüpft sind.

Anschließend werden die 10 Gefahrenmuster (gm) der Reihe nach behandelt. Jedes Gefahrenmuster beginnt mit einer Art Kompas, der Zeigt in welchen Expositionen und Höhen das gm vorwiegend auftritt. Es folt eine Listung der Monate, in welchen hauptsächlich mit dem gm gerechnet werden kann und ein paar allgemeine Worte.

Dann beginnen schon ein paar Praxisbeispiele. Bei diesen werden Lawinenunfälle, die aufgrund des beschriebenen gm entstanden sind, genauer erläutert. Jedes Fallbeispiel enthält eine Beschreibung des Unfallherganges und eine Analyse sowie ein Übersichtsfoto in dem die Lawinen farblich hervorgehoben sind. Die Stelle der Auslösung sowie die Verschüttungsstelle(n) sind auch eingezeichnet. Unter dem Bild sind die Eckpunkte wie Wo, Wer, Wann, Lawine (Art der Lawine, Breite, Länge, Anrisshöhe, Verschüttungstiefe), Gefahrenstufe (1-5), Schlagzeile LLB und Lawinenproblem beschrieben. Auch wenn im Text die Gipfelhöhe meist herauslesbar ist und die Lawinenlänge- und -breite angegeben sind, wären meiner Meinung nach ein paar Zusätzliche Informationen im Übersichtsbild sehr hilfreich. Die Seehöhe der Gipfel, bzw. des Auslöse- und Verschüttungspunktes sowie einige Distanzangaben würde ich mir hier wünschen. Ein gespür für Distanzen habe, zumindest ich, bei so verschneiten Bilder nicht. Die Analysen der Lawinenunfälle sind sehr sachlich und informativ. Man kann viel aus den Unfällen lernen. Bei manchen Beispielen ist es jedoch so, dass die Tourengeher alles Offensichtliche beachtet haben und eine Verkettung von unglücklichen Zufällen zu dem tragischen Unglück geführt hat. Dies finde ich dann eher etwas verunsichernd (auch wenn mit durchaus bewusst ist, dass bei allen Bergunternehmungen immer ein mehr oder weniger großes Restrisiko besteht).


Nach den Fallbeispielen folgt oft noch Hintergrundwissen zum beschriebenen gm. Was, wie, warum im Schnee passiert und welche Folgen das für den Skitourengeher bzw. der Schneefestigkeit hat.

Ganz zum Schluss folgen noch ein paar Fallbeispiele mit dem Titel „happy end – noch einmal gut gegangen“.
Zusammenfassend hält man mit diesem Buch 227 Seiten voller Wissen über Schneedeckenaufbauch, Lawinen, Gefahren und Verhaltentipps in der Hand. Meiner Meinung nach, kann jeder Tourengeher von diesem Buch nur provitieren!