Außergewöhnliches Buch über einen außergewöhnlichen Menschen
VORTEILE
- gut zu lesen
- unterhaltsam
- viele Bilder mit Kommentaren
- Pflichtlektüre für Kletterbegeisterte
- viele Erklärungen
- Kennenlernen der Person Kurt Albert
NACHTEILE
- subjektive Erzählweise
BEWERTUNG
Ich bin Produkt-Scout von OUTSIDEstories und habe das Produkt vom Hersteller zum Testen bekommen. Ich werde für den Test nicht bezahlt, aber darf das Buch nach dem Testzeitraum behalten. Weiter darf ich mich frei zu dem Produkt äußern und somit sowohl positive als auch negative Dinge anführen. Die Bewertung basiert daher allein auf meinen persönlichen Einschätzungen und Erfahrungen.



Über das Buch und den Autor:
Kurt Albert (1954-2010) war einer der größten und geistreichsten Kletterer und Bergsteiger aller Zeiten. Geboren in Nürnberg, zählte er zu den Pionieren der internationalen Freikletterbewegung, die im Frankenjura eines ihrer Zentren hatte. Mit der Erfindung des Rotpunkts schrieb Kurt Albert Klettergeschichte. Sein scharfer Verstand, seine Offenheit gegenüber Menschen und Ideen, seine Abenteuerlust und sein Witz machten ihn zum Mittelpunkt einer sportlich-gesellschaftlichen Subkultur, deren Einflüsse weit über das Klettern und Bergsteigen selbst hinausgingen. Mit ihr veränderten sich auch Traditionen, Werte und Denkmuster, Klettern wurde zum Breitensport, dessen ökonomische und ästhetische Bedeutung heute in vielen Teilen der Gesellschaft deutlich sichtbar ist.
Mit zahlreichen Erstbegehungen hinterließ Kurt Albert seine Spuren in den Bergen der Welt. Noch bemerkenswerter als seine alpinistischen Leistungen ist aber die Konsequenz, mit der er seinen Lebensstil über Jahrzehnten hinweg beibehielt. Kurt Albert war nicht nur Freikletterer - er führte vor allem und zuvorderst ein freies, unabhängiges Leben.
Mit seiner Biografie füllt der mehrfach ausgezeichnete Autor und Filmemacher Tom Dauer eine Erinnerungslücke, die Kurt Alberts plötzlicher Unfalltod im September 2010 gerissen hat. Sein Buch wird all jene ansprechen, die Klettern und Bergsteigen nicht nur als Sport, sondern als Lebensgefühl begreifen.
Tom Dauer, geboren 1969, fühlt sich Kurt Albert mannigfaltig verbunden. Der Literatur- und Politikwissenschaftler und Absolvent der Deutschen Journalistenschule schrieb u. a. ein Buch über Reinhard Karl, dessen Texte auch Kurt Albert bewunderte. Für sein Standardwerk "Cerro Torre - Mythos Patagonien" lebte er über ein Jahr ebendort und teilte mit Kurt Albert wochenlang eine Holzhütte im Basislager des Fitz Roy. Als Alpinist, Autor und Filmemacher ist und bleibt er unabhängig - ein Ideal, das er mit Kurt Albert teilt.
Informationen von Tyrolia Verlag, dort gibt es auch eine kleine Leseprobe ;)


Die Geschichte erstreckt sich über 317 Seiten und ist insgesamt auf zehn Kapitel aufgeteilt. Am Ende des Buches ist das beeindruckende alpine Profil von Kurt Albert dargestellt, in dem die schwierigsten Touren aufgeführt sind.
Das Buch ist allgemein nicht komplett chronologisch aufgebaut, sondern hat einige Zeitsprünge nach vorne und hinten. Trotzdem kann man dem Leben von Kurt sehr gut folgen.
Die Geschichte beginnt mit dem Ende von Kurts Leben. Auf tragische und bis heute nicht ganz aufgeklärte Weise verunglückt Kurt Albert in seiner Heimat, beim Begehen von einem (für seine Ansprüche!) leichten Klettersteig. Als ich gelesen habe, dass es sich hierbei um den Höhenglückssteig handelt, den ich selbst letztes Jahr erst gegangen bin, hatte ich schon etwas Gänsehaut… Die Überschrift des Kapitels „Das Unvorstellbare“ trifft es daher wirklich sehr gut.
Im nächsten Kapitel geht es um Kurts Kindheit und Jugend, in der er von seinen Eltern auf Kur geschickt wurde, da er so schmächtig ist. Zu diesem Zeitpunkt hätte wohl niemand gedacht, dass er es einmal sein wird, der viele bekannte und äußerst schwierige Kletterrouten meistern wird. Auch bei der Berufswahl zeigt sich dann: Kurt tut einfach das, worauf er Lust hat. Kurt bleibt bis an sein Lebensende unabhängig und vor allem Kind.
Als Kurt, sein Bruder und ihre Freunde damals das Klettern für sich entdecken, sind sie alle nicht mehr zu halten. Später geht es sogar so weit, dass sie vor allem wegen der Einführung des „Rotpunktes“ von vielen älteren Kletterern Gegenwind bekommen. Das bringt sie aber nicht von ihrem Weg ab, den Sport zu revolutionieren.
Er finanzierte sich seinen Lebensstil vor allem durch Sponsoren. Ein Sponsor von Kurt war die Marke Salewa, die vor allem heute jedem Sportbegeisterten ein Begriff sein wird. Ansonsten verdiente er Geld, indem er geführte Klettertouren anbot. Trotz seines Erfolgs war Kurt nie abgehoben oder eingebildet.
Der Autor kannte Kurt persönlich und hat die verschiedenen Infos aus unterschiedlichen Quellen zusammengetragen. Ihm dienten daher Notizen, Tagebücher, Routenbücher und andere Texte als Vorlage. Des Weiteren sprach er mit früheren Kletterpartnern, die - so der Autor - ebenfalls ein eigenes Buch verdient hätten. Kleine „Mosaiksteine“ lockern den Text auf. Oft handelt es sich hierbei um Informationen, bei denen der Verfasser nicht so recht wusste, wo er sie hinpacken soll. Erklärt wird das genauer im Vorwort.
Spannend finde ich außerdem, dass zu einigen Routen, Gebieten oder Klettergeschichten Hintergrundwissen aufgeführt wird. Gut finde ich auch, dass bei den vielen Bildern immer genau beschrieben ist, wer und/oder was zu sehen ist.

Alles in allem geht es in dem Buch natürlich um eins: Kurt und klettern. Viel dreht sich um seine Routen, seine Expeditionen und seine Abenteuer. Aber auch Kurt als Mensch wird einem näher gebracht. Man merkt schnell, dass er ein lustiger, humorvoller Mann gewesen sein muss, der aber Probleme dabei hatte, tiefere Bindungen einzugehen. Seine einzige große Liebe war wahrscheinlich der Felsen.
Allgemein ist der Text sehr packend verfasst, sodass direkt ein Bild von Kurt und seinem Leben im eigenen Kopf entsteht. Bei vielen Beschreibungen fühlt es sich so an, als ob man selbst live mit dabei ist und in schwindelerregender Höhe mit am Fels hängt. Der Autor lässt aber auch kritische Stimmen aufkommen. Trotzdem spürt man durchwegs seinen Respekt und die Freundschaft Kurt gegenüber. Das führt natürlich dazu, dass das Buch nicht objektiv geschrieben ist, was ich persönlich allerdings überhaupt nicht schlimm finde. Gerade dadurch werden einem die Emotionen viel nähergebracht und man könnte sogar das Gefühl haben, dass man Kurt ein bisschen kennenlernen durfte.


Zusammenfassend kann man sagen, dass das Buch einen Einblick in das außergewöhnliche Leben eines außergewöhnlichen Sportlers gibt. Kein anderer hat den Klettersport so sehr geprägt wie Kurt Albert. Auch wenn einige Routen heute vermeintlich leichter zu klettern sind, ist es gerade in Anbetracht der damaligen Möglichkeiten umso bewundernswerter, wozu Kurt (und seine Kletterpartner) im Stande waren.
Ich würde das Buch allen empfehlen, die sich für die Anfänge des Klettersports interessieren und wissen wollen, was denn dieser „Rotpunkt“ eigentlich ist. Aber auch für alle anderen Lesebegeisterten, die gerne Biografien lesen, ist dieses Buch ein schönes Schmankerl.
Viel Spaß beim Lesen!
Alternativ ein Video mit dem Autor, in dem er über Kurt Albert spricht:
https://www.youtube.com/watch?v=G458NUrXUM4&t=126s