Biografische Aufarbeitung eines Lebens
VORTEILE
- Sehr gut recherchiert
- Aufwändige und liebevolle Gestalltung
- Gute Mischung von Auszügen seinen Tagebuchs und Ergänzungen der Authors
- Viele von Aufschnaiter gemachte Fotos erwecken einen tollen Eindruck seinen Lebens
- Tolle anschauliche Landkarte mit seinen Fluchtrouten
NACHTEILE
- Sehr schwierig zu lesen, weil das Buch vor Fakten, Orts- und Personenname nur so streubt
- Leider ein bisschen wenig Querverweise auf das Buch von Heinrich Harrer "Sieben Jahre in Tibet"
- Recht groß und schwer
BEWERTUNG

Da es hier um ein nicht wirklich typisches Outdoor-Produkt geht, sondern viel mehr um einen Buch-Rezession weiche ich mal von meinen Schema F ab und schreib einfach frei herunter was mir zu diesem Buch einfällt und mir beim Lesen Freude oder auch nicht bereitet hat.

Zunächst einmal muss ich sagen, die Mediengestalter und Schriftsetzer haben sich viel Mühe mit dem äußeren Erscheinungsbild des Wälzers gemacht. Der grafische Umschlag mit einer Karte, in welche seine Fluchtrouten aus dem indischen Internierungslager von 1944 bis 1946 und der Fluchtroute 1951/52 nach der Besatzung Tibets durch die chinesische Armee, detailliert eingearbeitet wurden, finde ich sehr gelungen und ansprechend.


Allein deswegen und weil ich mich sehr viel mit Geschichte vor allem auch Bergsteiger und alpinistischer Geschichte befasse, hätte ich mir das Buch im Laden mitgenommen. Allerdings bin ich eher ein Freund von Taschenbüchern, sie liegen einfach besser in der Hand.

Die mir vorliegende Literatur mit ihren 414 Seiten ist von der Größe her weder für die Tasche noch für Schwächlinge gemacht. Aber das Buch wird sicher noch als Taschenbuch erscheinen, vermute ich mal. Damit kann man es dann auch ohne gleichzeitiges Muskeltraining der Hände und Arme lesen. Soviel zum äußeren Erscheinungsbild.
Als ich Bekannten erzählt habe, dass ich grade die Biographie von Peter Aufschnaiter lese, verlief die folgende Konversation in der Regel etwa so:
„Peter Wer?“ … „Peter Aufschnaiter“ … „Aha, wer ist das?“ … „Das ist der andere von Sieben Jahre in Tibet“ … „Ah, der Film mit Brad Bitt, kenn ich war ein guter Film“
Nicht jeder der gerne in den Bergen unterwegs ist, liest auch etwas über die Personen die unweigerlich genannt werden müssen, wenn es um alpinistische Heldentaten und die großen alpinen Erfolge geht. Messner kennt jedes Kind, Buhl und Hillary sehr viele, mit Harrer verbindet man automatisch den Film, aber Aufschnaiter kennt kaum jemand, der sich nicht wirklich ernsthaft mit der Materie Berggeschichte auseinandersetzt. Dabei hat er mit seiner Arbeit für die tibetische Regierung und später für die

Dabei war es ihm zu verdanken, dass der Film überhaupt existiert. Ohne ihn hätte Harrer nie das Buch schreiben können, und die Geschichte wäre so nicht zustande gekommen.
Sieben Jahre in Tibet basiert vor allem auf der Geschichte Harrers. Sein Fluchtgefährte Aufschnaiter, Kopf des Unternehmens ist nur Protagonist. „Harrer has certainly stolen your thunder“, schrieb ein englischer Freund an Aufschnaiter, als das Buch erschienen war. Dies hat Aufschnaiter tief verletzt. Bis zu seinem Tod 1973 hat er das nie ganz überwunden.
Im April 1944 flohen die zwei deutsche Kriegsgefangene aus einem Lager in Indien und kämpften sich 20 Monate lang durch das Hochland Indiens und Tibets. 2000 Kilometer weit, über gut 50 Pässe, die meisten höher als 5000 Meter. Gezeichnet von Kälte und Hunger, erreichten sie im Januar 1946 Lhasa, die „verbotene Stadt“.
Das jetzt erschienene Buch schließt diese Lücke auf den Millimeter genau, den Peter Aufschnaiter, geboren 1899 in Kitzbühl, Sohn eines Tischlers war Soldat im ersten Weltkrieg, Kriegsgefanger, Bergsteiger, Agrarwissenschaftler, Entwicklungshelfer und Kartograf, war alles andere als eine uninteressante Persönlichkeit. Wer genauso fasziniert ist von Berggeschichte und der tibetischen Kultur wie ich, sollte sich das Buch zu Gemüte führen. Es dürfen aber auch gerne die lesen die einfach nur den Film toll fanden ;-).

Ich möchte jetzt auch nicht so viel vorwegnehmen, was im Buch zu lesen ist. Was ich aber sagen kann. Das Buch ist kein Roman, es ist eine detailverliebte Aufarbeitung eines Lebens. Ich würde es eher als wissenschaftliche Arbeit sehen. Es strotzt nur so vor Details, Orts- und Personennamen. Es wurde durch intensive Recherche und vielerlei verschiedenster Quellen zusammengetragen. Das ist auch durch die langen Auflistungen an Quellnachweisen nach jedem Kapitel ersichtlich.

Der Author Nicholas Mailänder hat mit dem Buch viele Lücken im öffentlichen Bild von Aufschnaiter geschlossen und dabei interessante Kapitel aus Aufschnaiters Leben zu Tage gebracht. Daten, Fakten, Informationen und alles was irgendwo in verstaubten Kellern zwischen Österreich und Tibet zu finden war gesammelt, geordnet und zeitlich einsortiert.

Besonders gelungen ist der Wechsel zwischen Einträgen aus Aufschnaiter Tagebuch und Ergänzungen durch den Autor, so wird eine halb vergessene Person auf diesen 414 Seiten wieder zum Leben erweckt und ihm ein Denkmal und der verdiente Platz in der Geschichte eingeräumt.

Es ist keine einfache Lektüre, aber es lohnt sich auf jeden Fall für alle Geschichtsliebhaber und Bergverrückte dieses Buch zu lesen.

Vielen Dank Herr Mailänder für Ihr tolles Werk.