Schutz der Alpen: Ein Weckruf für uns alle
VORTEILE
- Kurze Kapitel
- Gut / flüssig zu lesen
- Kein erhobener Zeigefinger, sondern Anregung zum Nachdenken
NACHTEILE
BEWERTUNG
Als die Anfrage von Outside-Stories kam, wer das Buch "DER ALPEN APPELL – Warum die Berge nicht zum Funpark werden dürfen" von Georg Bayerle testen möchte, war ich nicht ganz sicher, was mich erwartet. Innerlich sah ich schon all meine Hobbys wie Mountainbiken, Skifahren oder Klettersteiggehen auf der Verbotsliste eines Autors. Trotz meiner Bedenken habe ich die Chance ergriffen und das Buch zum Testen erhalten.


Zum Autor: Ein Bergmensch mit Expertise
Dr. Georg Bayerle ist Journalist, Autor, Moderator und Bergexperte. Seit 1999 arbeitet er beim Bayerischen Rundfunk, wo er als Spezialist für Berge und Umwelt in Hörfunk-, TV- und Online-Formaten sein Wissen weitergibt. Als ich sein Foto auf dem Umschlag sah, dachte ich sofort: "Den habe ich doch schon mindestens einmal bei 'Bergauf Bergab' gesehen!" Die Tatsache, dass er selbst ein "Bergmensch" ist, macht ihn und seine Argumentation sofort nahbarer. Man ist geneigter, ihm zuzuhören, als wenn ein "Bergfremder" mit einer Verbotsliste käme. Auch sein journalistischer Hintergrund ist beim Verfassen eines Buches natürlich von unschätzbarem Wert.
Aufbau des Buches: Kurzweilig und zugänglich
Was mir zuerst auffiel: Die kurzen Kapitel sind ideal, um zum Beispiel in der S-Bahn schnell ein paar Seiten zu lesen. Der Schreibstil ist angenehm und leicht verständlich. Die Texte werden durch regelmäßige Schwarz-Weiß-Bilder aufgelockert, was zum ernsten "Appell-Charakter" des Buches passt. Insgesamt umfasst das Buch 157 Seiten.
Inhalt: Ein Weckruf statt einer Verbotsliste
Wie erwähnt, hatte ich die Befürchtung, es handle sich um eine reine Verbotsliste: kein Skifahren, kein Mountainbiken, am besten gar keine Reisen mehr. Ich war schon ab dem ersten Kapitel angenehm überrascht, wie viele Fragen der Autor stellt, die ich sofort nachvollziehen konnte und die mich zum Nachdenken anregten.
Ein Beispiel: Warum müssen Skigebiete immer noch größer werden und künstlich beschneit werden, obwohl doch klar ist, dass in manchen Regionen aufgrund der geringen Höhenlage immer seltener Schnee fallen wird? Doch der Autor trauert nicht nur kürzeren Wintern nach, sondern zeigt auch positive Beispiele auf. Zum Beispiel einen Ort, der sich bewusst gegen künstliche Beschneiung entschieden hat und stattdessen auf Winterwanderwege setzt – mit Erfolg. Oder die über den Alpenbogen verteilten "Bergsteigerdörfer", die auf Nachhaltigkeit statt auf Massentourismus setzen.
Spätestens hier hat mich der Autor überzeugt. Er stellt die Frage, ob man in den Bergen immer Event und Rummel braucht. Erst kürzlich war ich auf der Badener Hütte in Osttirol. Die Pächter hatten zwei kleine Kinder, die vor der Hütte herumtollten, mit den Schafen spielten und immer etwas Neues zu entdecken hatten. Sie hatten dort die Zeit ihres Lebens, an die sie sich sicher später mit Freude erinnern werden.
Genau für solche Momente möchte Georg Bayerle unseren Blick schärfen. Im Wörterbuch findet man unter dem Wort „Appell“ unter anderem die Bedeutung: „Ein Appell richtet sich in der Regel an bestimmte Personen oder Gruppen, die die Macht oder die Möglichkeit haben, etwas zu bewirken. Das kann die Regierung sein, die breite Öffentlichkeit, bestimmte Organisationen oder auch Einzelpersonen.“
Und genau das ist der Kern des Buches: Der Leser soll sich selbst Gedanken machen und zur eigenen Lösung finden. Es gibt keine Vorgaben, keine Verbotsliste. Bei mir hat das sehr gut funktioniert. Ich hinterfrage jetzt öfter, ob manche Dinge so sein müssen, wie sie sind, oder ob es nicht eine bessere Lösung gibt.
Zusammenfassung: Absolut lesenswert
Dieses Buch ist absolut lesenswert. Es ist gut und verständlich geschrieben und regt zum Nachdenken an, um hoffentlich auch Veränderungen herbeizuführen. Es muss nicht immer der laute Rummel sein, es kann auch mal die Stille sein.