Etwas zu groß geratenes Leichtgewicht für Eintagestouren
VORTEILE
- relativ leicht
- RECCO Reflektor integriert
- umgelenkte Hüft-Zurrgurte
- innovatives Rückensystem
- Trinksystemvorbereitung
- kleine Materialschlaufen auf Rückseite und Deckel
NACHTEILE
- nur ein Fach
- Volumen/Traglast passen nicht zusammen
- wasserdurchlässig
BEWERTUNG

Als OUTSIDEstories Produktscout bekam ich den Tatonka Skill 30 RECCO Wanderrucksack zum Testen zur Verfügung gestellt. Seinen ersten Einsatz hatte der Rucksack beim Testival im italienischen San Tomaso, bei dem er als Ausflugsrucksack mit verhältnismäßig leichtem Gepäck bestückt wurde. Für den etwas extremeren Test musste er bei einer zweitägigen Wanderung im Ahrtal mit etwas schwererem Gepäck sein Können unter Beweis stellen.

Technische Daten:
Volumen: 30 Liter (Herstellerangabe)
Abmessungen (H x B x T): 55 cm x 30 cm 28 cm (beladen nachgemessen)
Gewicht: 800 g (Herstellerangabe)
Fachaufteilungen:
Der Skill 30 RECCO ist ein Toploader, welcher im Grunde nur ein großes Fach besitzt. Außer einer Einschubtasche für die Trinkblase besitzt dieses große Fach keine weiteren Einteilungen. Der Deckel des Rucksacks ist über einen Reisverschluss zu öffnen. In diesem Deckel befindet sich ein kleines Reisverschlussfach.

Ansonsten gibt es noch beidseitige offene Einschubtaschen. Diese simple Konstruktion trägt mit Sicherheit zum leichten Gewicht des Rucksacks bei.

Zusätzliche Aufteilungen oder Fächer benötigen zusätzlichen Stoff, der mehr wiegt. Generell komme ich mit einem großen Fach klar, sofern ich es strukturiert einpacke und ggfs. in kleinere Packtaschen aufteile. Mir gefällt jedoch ein etwas strukturierteres Ordnungssystem mit mehreren Zugriffsmöglichkeiten besser. Gerade die doch recht enge Form durch die Vorspannung macht aus jedem „mal eben einen Müsliriegel rausholen“ eine kleine Packaktion, sofern man diesen nicht strategisch optimal obenauf eingepackt hat. Aus Gewichtsgründen kann ich diese „ein-Fach-Politik“ verstehen. Mir wären aber ein paar Gramm mehr und etwas mehr Ordnung lieber.
Rückentragesystem:
Mit Sicherheit eines der wichtigsten, wenn nicht sogar das wichtigste Feature eines Rucksacks ist das Rückentragesystem. Dieses entscheidet im Endeffekt über den Tragekomfort und dieser wiederum über den Spass am Wandern.

Dieser Rucksack ist mit dem Tatonka „X Vent Zero“-Tragesystem ausgestattet. Beim ersten Betrachten fällt direkt die sehr schmale Auflagefläche am Rücken auf. Im Prinzip sind dies nur zwei Riemen. Dahinter lässt sich die Vorspannung des Rucksacks einstellen. Dies habe ich hier zum ersten Mal gesehen. Somit lässt sich individuell einstellen, wie dicht der Rucksack am Rücken anliegt bzw. wie gut der Rücken belüftet wird. Die Vorspannung wird auf zwei gekreuzte Fiberglasstäbe übertragen und so gehalten. Dieses System funktioniert im Grunde sehr gut. Es lässt sich von völlig Flach und somit am Rücken anliegend, bis extrem gekrümmt stufenlos einstellen. Zu bedenken ist bei dieser Einstellung, dass man damit auch die Rückenlänge des Rucksacks verändert. Die Grundlegende Idee finde ich super.

Für den weiteren Körperkontakt sorgen ein Hüftgurt und ein Brustgurt. Der Brustgurt ist, wie von vielen Rucksäcken bekannt in der Höhe und länge verstellbar, also nichts außergewöhnliches. Bei dem Hüftgurt sieht es dagegen etwas anders aus. Dieser hat zwei dünn gepolsterte Hüftflossen, bei denen ebenfalls auf jedes unnötige Gramm verzichtet wurde. Die Einstellung geschieht über umgelenkte, nach vorne geführte Bänder, sodass man mit einfachem Zug von der Hüfte weg nach Vorne diese einstellen kann. Die Gewichtsübertragung des Rucksacks bei etwas höherem Gewicht, geschieht leider nicht ausschließlich auf den Hüftgurt, wie es sein sollte.

Weitere Features:
Von Haus aus ist der Skill 30 RECCO mit zwei Packbändern an den Seiten ausgestattet. Diese laufen im Zikzackmuster von unten nach oben durch kleine Schlaufen. Auch hier wurde der Leichtbaugedanke mitgenommen. Die Schnüre sind sehr dünn, lassen aber eine gute Anpassung des Rucksacks auf die Beladung zu. Außerdem lassen sich Gegenstände in den Einschubtaschen damit zusätzlich sichern. Die übergeclipsten Endkappen sind leider nicht sonderlich stabil und man sollte nicht daran ziehen, diese dienen lediglich als Knotenhalter. Das habe ich während einer Wanderung erleben müssen und in fitzeliger Kleinarbeit eine Reparatur in der Wildnis erledigen dürfen. ;)
Auf der Rückseite und dem Deckel sind weitere Laschen für Zurrschnüre integriert. Diese habe ich auch direkt genutzt und auf der Rückseite eine Reepschnur eingezogen, sowie auf dem Deckel einen Schnürriemen mit Stopper. Somit kann ich außen bspw. meine Regenjacke oder ein Handtuch zum Trocknen anhängen.

Wie der Name des Rucksacks bereits vermuten lässt, ist er mit dem RECCO System ausgestattet. Dieses ist besonders aus dem alpinen Skibereich bekannt und dort bereits seit sehr vielen Jahren als Lawinensuchsystem in diversen Kleidungsstücken etabliert. Da auch die Suchgeräte ständig weiterentwickelt werden und in den Bergregionen teilweise vorhanden sind, halte ich die Integration für sehr sinnvoll. Das RECCO-Blättchen wiegt nicht viel und stört absolut nicht. Kann man so für die Personensuche ein weiteres Sicherheitsplus integrieren, finde ich das äußerst sinnvoll. Da dieser RECCO Reflektor passiv arbeitet und die aktive Einheit bei den Rettungskräften liegen, benötigt der Reflektor keinerlei Wartung.

Wer mehr über das RECCO System erfahren möchte, der findet hier einige Infos: https://recco.com
Mittlerweile fast gängig, aber wie ich finde, ein wichtiges Feature - die Trinksystemvorbereitung. Dazu ist im Hauptfach unten eine Einschubtasche integriert. Oben befindet sich ein Klettband, an dem sich bspw. eine Source Trinkblase befestigen lässt und darüber gibt es eine Durchführung für den Trinkschlauch. Am Träger kann dieser zusätzlich durch eine Schlaufe geführt werden.


Wasser(un)dichtigkeit:
Bei unserem Testival im italienischen San Tomaso hatten wir optimale Testbedingungen… zumindest für wasserdichte Kleidung. Da vom Hersteller keine Info über das Nässeverhalten des Rucksacks herausgegeben wird und kein Regencover zum Lieferumfang gehört, dachte ich, sollte ich mal einen Test ohne Regenhülle riskieren. Ergebnis war, dass der Rucksack zwar minimalen Nieselregen aushält, aber bei länger andauernder Nässe nicht mehr standhalten kann. Gerade Kleidungsstücke, die in Kontakt mit dem Außenmaterial sind, ziehen sehr schnell die Nässe.
Meine Lösung für die nächste Tour war dann, alles im Inneren in wasserdichte Packsäcke zu packen, was trocken bleiben musste. Diese Lösung gefiel mir besser, als eine Regenhülle, da dies zusätzliche Ordnung in den Rucksack bringt.

Das Trageproblem:
In San Tomaso trug sich der Rucksack sehr angenehm. Dort musste er aber auch nur eine Regenjacke, eine Weste und etwas zu trinken und zu knabbern beherbergen und war damit sehr leicht beladen. Außerdem war noch reichlich Platz im Rucksack.
Somit dachte ich mir, sollte ich den Rucksack einmal voll beladen Testen. Wie beschrieben war das auf einer 2 Tagestour und ich kam auf ein Gesamtgewicht inkl. Rucksack von ca. 10 kg. Mit dem Volumen von 30 Litern kam ich ziemlich genau hin, meine Packliste im Groben war:
- 3 Liter Wasser (2 x 0,5l Platypus + 2l in Trinkblase)
- Daunenschlafsack
- Schlafsack Inlett
- Isomatte
- Kopfkissen mit Bezug
- Pumpsack
- Biwaksack
- 3L Hardshell Jacke gegen Nässe
- Microfleece Jacke für abends
- Microfaser Weste
- Gaskocher + Gas
- Alu Kochtopf
- Essen für abends und morgens
- Wechselunterhose
- Powerbank mit Ladekabeln

Somit war der Rucksack ziemlich gut gefüllt und ich hielt das Gewicht auch noch für ok. Leider stellte sich auf der Tour heraus, dass das offensichtlich zu viel Gewicht war. Lies ich den Rucksack so vorgespannt, dass er für meine Rückenlänge passte, drückte die Unterkante des Rucksacks stark in die Hüfte, was äußerst unangenehm war. Herausnehmen der Spannung führte dazu, dass der Zug auf die Schulter sehr unangenehm wurde. Ich musste also ein Mittelmaß wählen, bei dem gleichmäßiger Druck und Zug auf Hüfte und Schulter ausgeübt wurden, um beide Bereiche etwas zu entlasten. Klingt falsch, aber mir fiel keine andere Lösungsmöglichkeit ein. Letztendlich beendete ich den ersten Tag mit starken Schulterverspannungen, die besonders nach dem Ablegen des Rucksacks spürbar wurden. Der Blick vom Kaiser Wilhelm Turm auf Rock am Ring, was an diesem Wochenende stattfand entschädigte dabei etwas. :)
Weitere Einstellmöglichkeiten, als das Ändern der Vorspannung gibt es nicht, womit ich abschließend feststellen muss, dass 10 kg wohl etwas zu viel für diesen Rucksack sind. Jedoch das Volumen mit weniger Gewicht auszufüllen war mir einfach nicht möglich. Auf einer einfachen, eintägigen Wanderung hatte ich bisher nicht den Bedarf an einem 30 Liter Rucksack. Das was ich für einen Tag brauche passt in einen 20 Liter Rucksack. Natürlich lässt sich der Rucksack dafür auch super verkleinern dank der Zurrbänder. Sinn des Erfinders sollte aber eigentlich sein, dass das Volumen zur Traglast passt.
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Fazit:
Was nehme ich also aus diesem Test mit? Der Tatonka Skill 30 RECCO ist ein Rucksack für leichtes Gepäck und eintägige Wanderungen. Dabei benötige ich jedoch nicht das Volumen dieses Rucksacks. Die Verarbeitung, trotz Leichtbau macht einen guten Eindruck und auch den integrierten RECCO-Reflektor halte ich für äußerst sinnvoll. Alles in allem also kein schlechter Rucksack, jedoch hätte er meiner Meinung nach sogar noch etwas kleinvolumiger ausfallen dürfen. Mit einem Gewicht von um die 5-6 kg liegt er wohl noch in einem angenehmen Bereich, darüber sollte man ihn nicht einsetzen.