Wachs mit fraglicher Zusammensetzung aber guter Pflegewirkung.
VORTEILE
- verhältnismäßig günstig
- dringt gut ins Leder ein
NACHTEILE
- ökologisch fragwürdig
- keine Warnhinweise auf Verpackung
BEWERTUNG
Als Outside-Stories Produktscout bekam ich eine Tube Atsko Sno-Seal zum Testen zur Verfügung gestellt. Für verschiedene Lederschuhe, die ich in Benutzung habe, sollte dies das richtige Pflegemittel sein.

Vorab sei zu erwähnen, dass sich auf meiner Verpackung ebenfalls keine Warnhinweise und Inhaltsstoffangaben befanden. Aufgrund der vorherigen Testberichte habe ich mich etwas im Netz umgesehen und unter anderem auch ein deutsches Sicherheitsdatenblatt gefunden. (https://www.frankonia-b2b.com/images/cms/de/service/pdf/291713_1333-Atsko_Sno_Seal_DE-040622.pdf)
Daraus geht hervor, dass es sich wie auch teilweise beschrieben nicht um reines Bienenwachs handelt, sondern um eine Mixtur in der mit Wasserstoff behandelte Erdöldestillate enthalten sind. Somit erklärt sich auch der etwas chemische Geruch. Der ökologische Charakter, der auf der Verpackung suggeriert wird, relativiert sich damit extrem. Eine Abgabe des aufgetragenen Wachses in die Umwelt wird bei Schuhen nicht vermeidbar sein, irgendwo bleibt immer mal etwas vom Wachs hängen oder reibt sich ab.
Testprobanden:
Zum Test ging es drei meiner Schuhe so richtig ans Leder. Alle drei haben keine Membran, sondern sind innen, wie außen mit Glattleder versehen. Laut Atsko ist aber auch die Verwendung in Verbindung mit GoreTex-Membran Schuhen möglich.
Im Vergleich habe ich drei Probanten, die sich stark unterscheiden und so interessante Testresultate liefern. Im folgenden einmal die Modelle mit Bildern vor dem Reinigen und nach dem Wachsen:
Der neueste Schuh im Test ist mein neuer Lowa Wanderschuh. Mit diesem Schuh habe ich erst wenige Wanderungen absolviert und er hat nun die erste Reinigung und Pflege gesehen.


Das zweite Lowa Paar sind meine alten Wanderschuhe, die nun mehr dem materialfressenden Erkunden von Höhlen und Lost Places gewidmet wurden. Da die Schuhe oft mit scharfkantigen Steinen und Dornen in Kontakt kommen, ist die Oberfläche mittlerweile ziemlich zerkratzt und teilweise eingerissen. Die letzte Lederpflege ist schon mehrere Jahre her, weswegen das Leder nicht mehr richtig weich ist.


Zu guter letzt kommt mein Haix Arbeitsstiefel. Diese schweren Schnittschutzschuhe sind sehr robust und haben ein festes Leder. Auch mit diesen Schuhen wird nicht zimperlich umgegangen. Neben Dornen ist der Schuh auch stellenweise schon mit der Kettensäge in Berührung gekommen, wodurch das starke Leder „leichte“ Kratzer hat. Bisher beschränkte sich die Pflege auf einfaches Ausbürsten.


Pflegevorgang:
Zur Reinigung und zum Wachsen der Schuhe werden allen Schuhen die Schnürriemen entnommen. So kommt man besser an die Zunge und auch unter den Schürösen kann man den Schuh säubern und wachsen.

Gereinigt werden die Schuhe mit warmem Wasser, einem Schuss Neutralseife und einer weichen Wurzelbürste.
Vor dem Wachsen müssen die Schuhe vollkommen sauber sein. In die direkte Sonne oder auf die heiße Heizung sollte man die Schuhe nicht stellen, da das Leder zu schnell trocknen kann und brüchig wird. Besser ist ein langsameres schonendes Trocknen.
Sind die Schuhe trocken, müssen sie etwas angewärmt werden, um das Wachs besser einwirken lassen zu können. Im Sommer kann hierbei ein kurzes Sonnenbad helfen oder aber der normale Haarfön. Sobald die Oberfläche etwas warm ist, trägt man SnoSeal flächig auf das zu behandelnde Leder auf und verteilt es. Überschüssiges Wachs wird anschließend mit einem Tuch abgewischt. Das Verteilen des Wachses habe ich ebenfalls mit einem Tuch gemacht, da ich meine Finger ungern mitwachsen wollte.
An Nähten oder auf nichtsaugenden Materialien bleibt gerne etwas überschüssiges Wachs hängen. Geht es an den Nähten noch leicht mit einem Tuch weg, ist das in den Schnürösen schon schwieriger. Beim späteren einschnüren kommt das dann mit raus und die Schnürriemen werden ziemlich schmierig. Ansonsten ist die Verarbeitung unproblematisch.

Der Unterschied ist nach der Pflege klar zu erkennen. Gerade helles Leder dunkelt deutlich nach. In rissige Stellen oder Einschnitte dringt das Wachs sehr gut ein.
Für die drei Paar Schuhe habe ich ca. ein drittel des Wachses aufgebraucht. Das finde ich in Ordnung. Wenn ich neun mal mit einer Tube ein Paar Wanderschuhe pflegen kann, hält es bei mir locker ein Jahr lang. Für ca. ein Jahr Schuhpflege sind weniger als 10€ gut investiert.
Wasserdichtigkeit:
SnoSeal macht aus einem Lederwanderschuh keinen Gummistiefel, soweit vorab. Auch ist die Wachsbehandlung keine einmalige Nummer. Auf einer Wanderung, bei der es nahezu den ganzen Tag durchregnete waren meine Füße am Abend nass. Die GoreTex Schuhe eines Kumpels konnten länger durchhalten. Leider habe ich in GoreTex Schuhen generell ein extremes Fußschweißproblem. Dieses habe ich in Volllederschuhen nicht. Mittlerweile bin ich daher dazu übergegangen wasserdichte Socken in solchen Situationen zu tragen. Seitdem habe ich keine nassen Füße mehr, auch wenn der Schuh die Nässe nicht komplett draußen hält. Für mich erfüllt das Wachsen also mehr den Effekt der Lederpflege, als den des Abdichtens.
Ich denke auch, es wird rein technisch nicht möglich sein, einen Lederschuh ohne Membran mit einem solchen Mittel dicht zu bekommen, da man einfach nicht an alle möglichen Stellen kommt, in denen Wasser eindringen kann. Gerade der Bereich der Zunge wird hierbei zum Problem.
Fazit:
SnoSeal ist für mich eher ein Mittel zur Lederpflege, was diesen Job auch gut erfüllt. Zwar ist das Aufbringen mühsamer, als mit einem Spray, vermittelt aber irgendwie ein ursprünglicheres Gefühl und man beschäftigt sich etwas mit seinem Schuh. ;)
Aufgrund der ökologischen „Unsicherheit“ ziehe ich ein Zelt ab.