Der steigeisenfeste Alpinstiefel trägt mich bisher auf über 100 Bergtouren in den Alpen sicher in jedem Gelände (Fels, Eis, Schnee, Schlamm, Wiese usw.) bei Klettereien bis zum 3. Schwierigkeitsgrad, auf einfachen Gletschertouren oder in steilem klassischen Eis mit Steigeisen dran und auf moderaten Alpinwanderungen zu jeder Jahreszeit und bleibt dabei stabil und dennoch beweglich und warm genug, ob man langsam aufsteigt oder schnell hinab rennt.
VORTEILE
- Sehr beweglicher Schaft
- Bester Seitenhalt auf Kanten
- Mit den richtigen Socken keine Blasen
- Geringes Gewicht für Hochtourenstiefel
- verhältnismäßig günstig für Kategorie D - Schuhe
- sehr gute Polsterung innen
NACHTEILE
- Schnürsenkel an scharfer Kante der Seitenzuglasche gerissen
- Wechsel der Innensohle nach zwei Jahren nötig
- minimal zu schwach ausgeprägte Hinterkante für Kipphebelsteigeisen
- Schwachstelle im oberen Fersenbereich bei häufigen Gebrauch von Kipphebelsteigeisen
BEWERTUNG
Der Sirius von Hanwag ist ein steigeisenfestes Modell der Kategorie D. Seine Passform, die Beweglichkeit, der gute Preis (2012 für 310€) und das Design haben meine Kaufentscheidung im Laden am meisten beeinflusst.
Die Sohle ist nahezu steif, was im steileren Schnee und Firn, sowie beim Eisklettern notwendig ist. Der hohe Absatz und die Beschaffenheit des Profils am Sohlenrand erleichtert beispielsweise den Sichelschlag ("Tritte werden mit Hilfe der Sohlenkante in den Hang "gesägt") beim Führen in unverspurten steileren Schneerinnen. Das Profil ist genau so angeordnet, dass man selbst sowohl auf flachem Blankeis (dennoch werden auf Blankeis immer Steigeisen empfohlen!) und hartem Firn vorsichtig sowie auf steilen, nassen Wiesen und schmierigem Untergrund gut gehen kann. Die Climbing Zone eignet sich nur bedingt für einfache Reibungsklettereien und sind viel besser für schmale Kanten und auch kleinere Tritte im Fels zu gebrauchen. Nach einigen Jahren wird die Zone etwas abgerundet, wodurch die Eignung für kleine Tritte mit der Sohlenspitze deutlich eingeschränkt wird.
Die Schnürung hat im Mittelfußbereich ein Stopper-System, durch das sich der vordere Fußbereich bei den Zehen beim Kreuzen der Schnüre nicht wieder lockert. Das ist mit dicken Winterhandschuhen teilweise etwas anstrengend zu benutzen, wenn man die Schnürung lösen muss. Bei allzu kräftigem Anziehen der Schnürung, kann sich der Schnürsenkel ungünstig über die scharfe Metalllaschenkante legen und reißen. Leicht verletzen kann man sich an ihr auch. Sie wird durch viel Kontakt mit Fels quasi geschliffen.
Das beeindruckenste an dem Schuh ist bei dieser Kategorie seine hohe Beweglichkeit im Schaft. Bei sehr labilen Sprungelenken bringt das einen gewissen Nachteil bei der Stabilität mit sich. Diese hohe Beweglichkeit bringt einen großen Komfort auch auf sehr ausgedehnten Wanderungen in einfachem Gelände mit sich, wodurch natürlicherweise die Sohle sehr viel schneller abgenutzt wird.
Die meisten Steigeisen passen sehr gut an den Schuh. Nur für ein vollautomatisches Modell von AustriAlpin war der Schnitt vorn etwas zu schmal, so dass der Schuh immer minimal Bewegungsspielraum hatte und damit im steilen vergletscherten Gelände ein Sicherheitsrisiko wurde. Am besten eignen sich Kombisteigeisen mit Kipphebel hinten und Körbchen vorn. Dabei stellte sich nach einigen Jahren eine Schwachstelle im oberen Fersenbereich heraus. Der Kipphebel schnellte bei jedem Anlegen dort dran und begann nach Aufweichung des Materials sogar zu drücken und die Nähte zu beschädigen.
Die Wasserdichtigkeit bleibt bei kalten Temperaturen bei 100%. Stellt man sich einige Zeit in ein schneller fließenden Bach, spürt man bald das Eindringen des Wassers. Bei normalen Regengüssen und kurzem Durchwaten von Pfützen und Fließgewässern bleibt alles im Inneren sicher trocken.
Die Innensohle passt sich bei den ersten Nutzungen perfekt an die persönliche Fußform an und bildet gemeinsam mit der guten Fersendämpfung optimalen Komfort. Nach einer gewissen Anzahl von Touren spürt man die Abnahme der Dämpfungseigenschaften, so dass der Austausch der Innensohle empfehlenswert ist. Die Atmungsaktivität ist schwer messbar, doch spürt man sie z.B., wenn bei höheren Temperaturen und Tempo die Füße keinen Hitzestau bekommen. Glühende Füße habe ich nur bei Eilabstiegen mit schwerem Gepäck nach längerer Zeit bekommen.
Der Geröllschutz erfüllt in vollem Maße seine Funktion und bleibt bis zum Ende der Nutzung nach über 4 Jahren ohne größeren Defekt.