Diese speziellen, leichten und stabilen Materialkarabiner habe ich bereits fest in meinen Ausrüstung integriert.
VORTEILE
- geringes Gewichts-Bruchlast-Verhältnis
- geschmeidiges Handling
- besonders starke Gate-Feder
- gute Verarbeitung
- spannender Materialmix
- hervorragender Kundenservice
NACHTEILE
- teurer als vergleichbare Alu-Karabiner
- etwas schwächer als vergleichbare Alu-Karabiner
BEWERTUNG
So viel wie nötig und so wenig wie möglich. Nach diesem Grundsatz stelle ich meine Kletterausrüstung vor jeder Tour individuell zusammen. Große Bauchschmerzen bereiten mir dabei Materialkarabiner. Sie helfen zwar beim organisieren der Ausrüstung, halten alles übersichtlich und griffbereit. Doch sind sie kein Teil der sicherheitsrelevanten Ausrüstung und damit irgendwie unnötiges Zusatzgewicht. Mit Materialkarabinern die nichts oder fast nichts wiegen sähe das schon ganz anders aus.
Im Bergsport mag eine leichtere Ausrüstung die Geschwindigkeit erhöhen oder die Ermüdung verzögern und damit essenziel für die Sicherheit und den Erfolg der Tour sein. Doch lohnt es sich auch bei weniger spektakulären Sportarten auf das Gewicht zu achten? Ja, denn leichteres Gepäck bedeutet immer mehr Luxus. Selbst Wanderungen oder Radtouren lassen sich so deutlich mehr genießen.
Im Sommer bin ich gerne mit einem Hängematten-Setup unterwegs, wobei die Aufhängung aus 5 mm Reepschnüren und zwei Alu-Schnappern besteht. Da die Shred Rack Karabiner mit einer Bruchlast von 130/160 kg den dabei auftretenden Kräften trotzen können sollten, habe ich das mal ausprobiert. Klappt bestens.

130 kg / 160 kg oder doch nur 80 kg ? – Hält der Karabiner auch was er verspricht?
Wer die Karabiner derzeit im Zweierset bei Amazon bestellt, wird feststellen, dass sich in den beiliegenden Flyern, wie auch in Produktbeschreibungen im Internet Angaben zur Bruchlast von 130 kg und 160 kg finden lassen.
Tobi Deckert von Shred Rack erklärte mir gegenüber, dass einer der Flyer schon etwas veraltet sei, er sie aber auch nicht wegwerfen mag. Außerdem seien ja beiden Angaben irgendwo richtig. Die 160 kg ist die ältere Angabe vom Lieferanten (deutscher Zulieferer für den Automobilbau) und die andere resultiere aus eigenen Zugversuchen von Shred Rack (Bild 2 und 3). Zudem gibt es Schwankungen, die scheinbar durch die unterschiedliche Einfärbung der Materialien zu Stande kommen. Da Shred Rack hier auf Nummer sicher gehen möchte haben sie die Angabe selbst heruntergesetzt und sprechen daher jetzt von 130 kg.
Mich interessiert jetzt natürlich, welcher Wert der richtige ist. Oder vielmehr, was ich den Karabinern zutrauen kann oder sollte. Dazu hab ich mir das Promovideo zum Karabiner angeschaut, indem der von Shred Rack am 28.11.2017 selbst durchgeführte Zugversuch zu sehen ist. Hier findet sich bei zwei Proben eine Zugfestigkeit von 160 kg und eine Bruchlast von 120 kg. Der dritte gerade eingespannte Karabiner bricht bei 150 kg. Die Zugfestigkeit beschreibt dabei, wie lange der Karabiner die Belastung ohne Deformation aushält. Wird sie überschritten, bildet sich eine Einschnürung, die das Material schwächt. Daher liegt die tatsächliche Bruchlast dann weiter unten.
Möchte ich einen Karabiner jedoch sicher handhaben, so berechne ich einen Sicherheitsfaktor ein. Dieser ist das Verhältnis von Versagensbelastung zu erlaubter Belastung. Veranschlagen ich den bei 2, so heißt das, dass ich dem Karabiner nur die Hälfte von dem zutrauen will, was er theoretisch aushalten müsste. Damit lande ich dann bei einer Arbeitslast von 80 kg, was genau mein Körpergewicht ist. So lässt es sich auch in einen Hängematte an diesen Haken beruhigt schlafen.
Da alle angegebenen Werte aus Tests unter statischer Längsbelastung her rühren, sollte - um Querbelastungen auszuschließen - immer darauf geachtet werden, dass sich der Karabiner nicht verdreht und verkantet und, dass er nicht verwendet wird, wenn es zu dynamischen Belastungen kommen kann. Daher auch hier der Hinweis: Nicht für den Klettersport geeignet!

Materialien und ihre Eigenschaften
Aus den Herstellerangaben leite ich ab, dass es sich bei den verwendeten Materialien um einen Kunststoffmantel aus einem PA 6.6 – POM – Blendund einen Karbonkern aus in Epoxidharz gegossenen Kohlenstofffaserbündeln handelt.
Der im Spritzgussverfahren hergestellte Kunststoffmantel, bestehend aus Polyamid 6.6 oder auch Nylon genannt und Polyoxymethylen und damit aus einem Gemisch zweier technischer Thermoplasten. Obwohl dieses Gemisch bei hohen Temperaturen flüssig wird, was die Verarbeitungsart erst ermöglicht, ist es im alltäglichen Temperaturbereich(unter 130 °C) stabil.
Zu den verwendeten Kunststoffen ist zu sagen, dass PA eine hohe Festigkeit, Steifigkeit und Schlagzähigkeit, ein gutes Dämpfungs- und ein gutes Gleitvermögen aufweist. Zudem ist es durch seine chemische Beständigkeit gegenüber Witterungseinflüssen stabil.POM weist eine hohe Festigkeit, Steifigkeit und Härte, eine gute Schlagzähigkeit auch bei niedrigen Temperaturen, eine gute Verschleißfestigkeit und eine sehr gute Rückstellelastizität auf.
Durch das Mischen von PA 6.6 mit POM verändern sich zwar die Eigenschaften, doch würde hier keine Mischung eingesetzt werden, wenn die daraus resultierenden Materialeigenschaften wenig gut für die Art der Anwendung als Karabiner wären.Für uns bedeutet das also, dass der Karabiner auch bei ruppiger Handhabung und extremer Witterung lange seinen Zweck erfüllen dürfte.
Doch rührt die Zugfestigkeit des Karabiners, die eine Bruchlast von 130-160 kg bei nur 9-10 g Gewicht möglich macht, vom Kern aus Karbon her.
Karbon bezeichnet dabei Kohlefaserbündel, die von Epoxidharz durchsetzt und umschlossen sind. Diese Fasern verfügen über eine Zugfestigkeit und Steifigkeit, die bis zu fünf Mal höher sein kann als jene von Stahl. Meist liegt die gewichtsspezifische Steifigkeit in Faserrichtung zwischen 0.1- bis 2-Fach über der von Stahl. Entscheidend ist hierbei das „in Faserrichtung“. Die Karabiner dürften gröbere Kräfte also nur entlang der normalen Zugbelastungsrichtung aushalten. Zudem sind sie so geformt, dass bei einer Längsbelastung die Kraft weg vom Verschluss auf den stabileren geschlossenen Schenkel geleitet wird. Querbelastungen oder gar Verdrehen oder das Biegen über eine Kante dürfte der Karabiner nicht so leicht verkraften.

Daten
Maße: außen 8.5 x 4.2 x 0.8, innen 6.5 x 2.6 x 0.8
Gewicht: 9 g (Herstellerangabe) / 9.51 und 9.87 g (nachgewogen)
Zugfestigkeit: 160 kg
Bruchlast: 130 kg
Arbeitslast: 80 kg (Sicherheitsfaktor = 2)
Farben: Schwarz, Rot, Blau, Grün, Weiß, Transparent

Vergleich
Die Karabiner, die ich aus dem Klettersport kenne sind fast alle aus Aluminium, wenige aus Stahl. Alu reicht in der Regel, um den Auftretenden Belastungen stand zu halten und ist deutlich leichter als Stahl. Die leichtesten Alu-Karabiner mit vergleichbarer Größe sind jedoch ebenso wie der Shred Rack Karabiner nur als Materialkarabiner zugelassen. Jedoch bestehen sie aus zwei Teilen, was bedeutet, dass sich das Gate schonmal verabschieden kann.
Der Edelrid Micro 3 für 3.50 € wiegt 10 g (8.4 g nachgewogen) und weist eine Bruchlast von 400 kg auf. Er ist mit Außenmaßen von 6 cm x 3 cm jedoch kleiner als der von Shred Rack, was ihn in Sachen Handhabung und Gatebreite etwas einschränkt.
Der EdelridAranya für 4.50 € wiegt mit 13 g schon etwas mehr, verspricht dafür aber eine Bruchlast von 650 kg. Mit 7 cm x 4.5 cm hat er aber etwa dieselbe Größe, wie der Shred Rack Karabiner.
Der Edelrid Wave für 4 € mit 21 g ist als reiner Materialkarabiner gedacht und leider ohne Bruchlastangabe. Genauso wie der Black Diamond Micro für 4 € mit 27 g.
Der Camp Nano 22 kostet etwa 7 € und wiegt 22 g. Dafür ist er mit einer Bruchlast längs von 2100 kg, quer von 800 kg und offen von 900 kg schon ein richtiger,doch sehr kleiner und leichter Sportkletterkarabiner. Als Materialkarabiner beim Klettern eignet er sich auch und kann dann sogar in der Sicherungskette eingesetzt werden.

Resümee
Astrein. Die Karabiner sind mit unter 10 g unglaublich leicht, gut in der Handhabung und halten was sie versprechen. Wer Ultraleichtfetischist ist und das Geld über hat, der könnte hiermit einen sehr guten Matrialkarabiner gefunden haben. Für alle anderen. Ein Stück Schnur kostet weniger, wiegt fast nichts und Anleitungen für Knoten gibt´s kostenlos im Internet. Aber stimmt schon. Karabiner haben einfach diesen Coolnessfaktor und sind so bequem. Ich zumindest möchte sie nicht mehr missen.