Wahnsinns Schuh für starke Trails - Und stylisch!
VORTEILE
- Extrem stylisch
- Sehr gute verarbeitung
- Hohe qualität der materialien
- Super Grip
- Warm
NACHTEILE
BEWERTUNG
Liebe Outdoorfreunde,
als ich den „Arc’teryx Sylan 2“ zum ersten Mal aus der Schachtel zog, hatte ich das Gefühl, ein Stück Ausrüstung in der Hand zu halten, das eher aus einem futuristischen Labor stammt als aus einem normalen Schuhkarton. Alleine der Schuhkarton ist schon sehr edel finde ich

Die technischen Daten im Überblick
Bevor wir auf den Trail abbiegen, werfen wir einen kurzen Blick in den Maschinenraum des Schuhs:
| Feature | Spezifikation |
| Gewicht | ca. 270 g (Herren, US-Größe 9 pro Schuh!) |
| Material (Oben) | Technisches Jacquard-Strick-Gewebe mit TPU-Overlays |
| Zwischensohle | Superkritischer Schaum (Pebax-Kern mit TPEE-Rahmen) |
| Antrieb | Dreiviertellange Carbonfaser-Platte (Wishbone-Design) |
| Außensohle | Vibram Megagrip mit Litebase-Technologie |
| Stollenhöhe | Abgestuft: 4,5 mm am Rand, 3,5 mm im Zentrum |
| Preis | 220,00 € |
Schon auf den ersten flachen Metern spürt man: Dieser Schuh will nicht spazieren gehen. Er hasst gemütliches dahintrotten. Wenn du versuchst, im Sylan 2 im lockeren Wohlfühltempo zu schlurfen, fühlt er sich steif, fordernd und fast ein bisschen beleidigt an.
Sobald du aber Druck auf den Vorfuß gibst und das Tempo anziehst, zündet das System. Der superkritische Schaum (ein mit Stickstoff aufgeschäumtes High-Performance-Material) verhält sich im Zusammenspiel mit dem Vorfuß-Rocker wie ein Katapult. Man rollt extrem aggressiv nach vorne ab. Es fühlt sich an, als hätte jemand den Trail um 5 Grad nach unten geneigt. Die Energie-Rückgabe ist brutal effizient – man läuft automatisch schneller, ob man will oder nicht. Und das kann sogar ich behaupten – als eigentlicher nicht Trailrunner. Ich bin zwar flott am Berg unterwegs, aber im vergleich mit wahren Trailrunnern natürlich bin ich auf der ganz rechten Spur mit Motorschaden zu finden.
Ich habe vor diesem Schuh noch nie davon gehört, dass Carbonplatten verbaut werden. Angeblich ist es so, wer schon mal mit einem steifen Straßen-Carbonschuh auf einer nassen Baumwurzel gelandet ist, weiß, dass das meistens mit einem unkontrollierten Freiflug endet. Kann ich selbst nicht bestätigen – aber es klingt einleuchtend, wenn der Schuh zu hart ist und nicht nachgibt wo er sollte.
Arc’teryx hat hier jedoch offenbar mitgedacht und eine dreiviertellange Carbonfaser-Platte im Wishbone-Design verbaut. Sie ist wohl ungefähr wie eine Stimmgabel geformt. Das bedeutet: Sie sorgt in Längsrichtung für einen straken Schub, erlaubt dem Schuh aber ausreichend Flexibilität. Wenn man also auf einem schrägen Stein landet, kippt nicht der ganze Schuh um, sondern die Sohle flext in sich mit – hätte ich mir mit eine „Platte“ im Schuh nicht vorstellen können.
Kommen wir zum Star des Unterbaus: der Vibram Megagrip Litebase Außensohle. Ja Vibram kennt man – aber ich habe auch noch nie so eine wilde Bezeichnung gehört
Gegenüber dem Vorgänger wurden die Stollen weiter auseinandergezogen – ich hatte der Vorgänger zwar nicht, konnte das aber Online nachforschen und war wieder überrascht, dass Arcteryx wohl schon länger im Schuhgeschäft tätig ist. Der Schlamm wird sehr gut ausgeworfen und bleibt damit auch nicht nach der Tour so leicht im Schuh kleben. Mit 3,5 bis 4,5 Millimeter Stollenhöhe ist der Sylan 2 allerdings nicht für Tiefschlamm oder Schnee geeignet – hält aber mit einem kontrolliertem Schritt trotzdem noch gut stand. Auf harten, schnellen und technischen Wegen ist das Profil der perfekte Kompromiss aus Grip und Rollwiderstand.
Das Jacquard-Obermaterial (Nylon mit TPU abgedichtet) steckt auch einiges weg. Man wird kaum nass – auch wenn man mal kurzen Wasserkontakt hat. Und auch bei intensivem gebrauch konnte ich keine Gebrauchsspuren auf dem Material finden – obwohl es sehr leicht und filigran wirkt. Polsterung hat der Schuh oben keine – wer hier also empfindlich ist, wäre damit falsch beraten.
Die sehr eng anliegende Fußöffnung – fast schon Manschette – ist für mich der Horror beim Anziehen. So genial sie auch ist für die Abwehr von Schmutz, Steinchen und Wasser in den Schuh – so nervig ist sie für mich beim Anziehen. Beim Flug nach Madeira als ich mir die Schuhe wieder anziehen wollte, habe ich so lange dabei gebraucht und wirkte offenbar so erbärmlich, dass eine nette Dame mir einen Schuhlöffen geliehen hat. Selbst mit diesem Kämpfte ich noch Peinlich lange herum


Wo habe ich den Schuh getestet? Wie schon oben erwähnt, war ich damit in Madeira. Von feuchten Gatschwegen über Trockenes, Scharfes Vulkangestein war alles dabei – die Schuhe haben bei jedem Tempo ihren Teil geleistet. Man merkt aber tatsächlich wie sich ihr Bewegungsstil ändert, wenn man die Geschwindigkeit erhöht – ich bin extra einen der Wanderwege gelaufen. Es war ein absoluter Spaß und ich werde den Schuh wohl öfter für tatsächliche Trails ausführen.


Weiters habe ich die Schuhe mit meinen Möglichkeiten getestet. Auf einem Klettersteig und ebenso leichten Kletterei bis 4+ tut er sich super leicht – Grip, Flexibilität und Sicherheit, alles was man sich wünschen kann. Beim anschließenden Fliegen (Gleitschirm als Abstieg.)


Fazit: Für wen ist der Sylan 2?
Der Arc’teryx Sylan 2 ist kein gemütlicher Daily Trainer für die abendliche Parkrunde. Er ist ein hochpräzises, kompromissloses Sportgerät für Läufer, die am Berg die Jagd auf neue Bestzeiten eröffnen wollen – also eigentlich absolut nicht für mich, wie schon erwähnt bin ich nämlich kein echter Trailrunner.
Dennoch fühle ich mich in dem Schuh wohl, war mir sagt, dass ich davon profitieren kann und auch meine Aufstiege verbessern und ausbauen kann. Also auch Trailanfänger müssten meiner Meinung nach an dem Schuh freude finden. Für Profis bin ich mir sicher, dass sie ihn voll auskosten können und locker an seine grenzen bringen – nicht jedoch ohne selbst auch an diese zu stoßen.
Preislich liegt er, mit ca 210 € trotz der teuren Marke „Arcteryx“ in einem normalen Mittelfeld für Trailschuhe. Ich bin sehr froh ihn testen zu dürfen und würde ihn ohne Vorbehalt auch weiter empfehlen.