Funktionsshirt mit Upcyclingansatz
VORTEILE
- Passform
- Schnitt
- Nahtverarbeitung
- Innovatives Material
- Geruchsbildung für Mikrofaser sehr gut
- Schnelltrocknend
NACHTEILE
- Geruchsbildung schlechter als Merinowolle
- Preis
BEWERTUNG
Schöffel hat sich für uns ein Shirt ausgedacht, welches zu Teilen aus Kaffeesatz hergestellt wird. Ob ein Kunstfaserfunktionsshirt damit dem Merinoshirt ein Schnippchen schlägt oder das Ganze hier nur kalter Kaffee ist? Das gibt’s jetzt zu lesen.

Basisdaten:
Gewicht: (Größe M) 116g
Stoffzusammensetzung: Ice Café® Material aus 59% Nylon, 27% Polyester, 14% Elasthan
Auf den ersten Blick erschließt sich hier der Kaffee nicht ganz als Material, laut der offiziellen Homepage von Schöffel stellt dieses jedoch die Grundlage dafür dar. Inwieweit dieser jetzt recycelt eingearbeitet wurde, konnte ich aus der Homepage leider nicht ganz herauslesen. Hier würde ich mich freuen, wenn solche Innovationen auch verständlicher für den Käufer nachzuvollziehen wären.
Aber vorerst genug vom Material als solches, was nämlich sehr positiv auffällt ist der Schnitt des Shirts. Für mich als mesomorphen Typ vom Körperbau her liegt das Shirt wirklich optimal an, weder zu kurz noch zu lang oder zu eng oder zu weit – etwas das ich von Funktionsshirts so eher weniger kenne.
Hervorzuheben sind neben dem Schnitt aber die Nähte, denn diese sind sehr durchdacht angebracht. Die Schulternähte liegen nicht oben auf der Schulter, sondern eher weiter vorn auf Höhe des Schlüsselbeins, was sich positiv beim Tragen schwerer Rucksäcke auswirkt, da diese nicht mehr genau auf die Naht drücken.

Des Weiteren besteht die seitliche Naht aus zwei Teilen, was zwei Vorteile mit sich bringt:
- Nach dem fürstlichen Mittagessen auf der Alm rutscht das Shirt nicht über den Bauch.
- Beim Beugen mit Rucksack rutscht das Shirt am Rücken weniger hoch, als andere Funktionsshirts.


Insgesamt passt sich das Shirt also aufgrund des Schnittes und der Nahtverarbeitung sehr angenehm seinem Träger an.
Es gibt aber auch ein Feature am Austin1, welches ich überhaupt nicht verstehe: Die 15 gelaserten Löcher im Nackenbereich. Meine Vermutung ist, dass diese die Belüftung noch ein wenig verbessern sollen – ich konnte in meinem Test jedoch weder einen großen Vorteil noch Nachteil spüren. Wer jedoch Angst hat, dass das Shirt durch diese Löcher schneller kaputt geht, den kann ich zumindest trösten – in 10 Waschvorgängen und den 5 Wanderungen damit mit schwerem Rucksack hat keines der Löcher einen Weiterriss verursacht.

Aber kommen wir nochmal zum Kaffee zurück – Schöffel wollte mit dieser Technologie nicht nur etwas für das Recycling tun, sondern auch die Kühlung, Geruchsentwicklung und damit auch das Tragegefühl verbessern. Hier muss ich zugeben ist das Austin1 gut aufgestellt. Das Shirt nimmt die Feuchtigkeit gut auf und kühlt durch die Transpiration auch sehr gut. Auch das Trocknungsverhalten ist wie für Kunstfaserfunktionsshirts üblich sehr gut – nach einer halbstündigen Gipfelrast in der Sonne ist das Shirt wieder trocken und einsatzbereit.
Bei dem Trocknungsvorgang ist mir wiederum aufgefallen, dass dieser einen direkten Einfluss auf die Geruchsbildung hat. Während die Kunstfasershirts üblicherweise sehr übel nach dem Aufstieg und Trocknen riechen kommt das Schöffel Austin hier schon sehr nah an ein Merinoshirt heran. Wenn man das Shirt hierbei auch so positionieren kann, dass ein leichter Wind das Material beim Trocknen durchbläst, konnte man es sogar ein zweites Mal ohne Waschen verwenden, das schreibt Schöffel auch seiner Ice Café Materialkombination zu. Trocknet es jedoch klamm aufeinander liegend und ohne Luftzirkulation entwickelt sich auch hier der typische wenig wohlriechende Schweißgeruch, den man Funktionsshirts kennt.
Fazit:
Das Schöffel Austin1 ist ein interessanter Ansatz alternative Recyclingmaterialien mit in den Fertigungsprozess zu implementieren. Hierbei fiel mir das Thema der Geruchsentwicklung bei Kunstfasershirts wirklich positiv auf. Des Weiteren kommen der Schnitt und der hohe Elasthananteil jedem Träger zu Gute. Ob einem das jedoch als Base Layer knapp 60€ wert ist, ist eine durchaus respektable Frage.
Ist also jemand auf der Suche nach einem guten Funktionsshirt, welches auf Tagestouren und auch dem Alltag eine gute Figur abgeben soll, kann ich das Austin1 wirklich empfehlen. Wer jedoch Mehrtagestouren plant und somit ein Shirt mehrfach benötigt, dem würde ich trotz der verbesserten Geruchsentwicklung ein Merinoshirt ans Herz legen.