Ein echter Allrounder für kurze bis mittellange Strecken
VORTEILE
- Guter Grip auf unterschiedlichen Untergründen
- Schnellschnürsystem mit Lace-Keeper
- Ersatz-Schnürsenkel dabei
- GTX: wasserdicht und atmungsaktiv
- Zunge vernäht - kein Verrutschen möglich
- Sohle herausnehmbar
NACHTEILE
- Schnürung anfangs gewöhnungsbedürftig
- Fühlt sich schwer am Fuß an
- Nicht wirklich wasserdicht in Pfützen
BEWERTUNG
In den letzten Wochen durfte ich für OUTSIDEstories den RIBELLE RUN GTX von Scarpa testen. Der Schuh wurde speziell für Trailrunning und Skyrunning auf kurzen und mittellangen Strecken entwickelt. Getestet habe ich ihn auf meinen heimischen Strecken - auf Teer, Schotter, Wald- und Wiesenboden, Pflaster und Kopfsteinpflaster. Dabei hatte ich die Schuhe nicht nur zum Laufen, sondern auch zum Wandern, zum Spazierengehen und zum Einkaufen an.
Passform
Von Scarpa durfte ich letztes Jahr bereits Laufschuhe testen und habe daher schon gewusst: die Italiener fallen etwas kleiner aus... Normalerweise bin ich bei Größe 39 fündig, Ausschläge nach unten (38) oder oben (40) sind immer mal wieder drin, das Gros findet sich allerdings in der Mitte.
Den RIBELLE RUN GTX habe ich in Größe 40 und er passt gut, kleiner dürfte er inzwischen aber nicht sein. Beim ersten Reinschlüpfen fühlt er sich sehr angenehm an. Getestet habe ich den Schuh mit unterschiedlichsten Socken: normale CEP-Running Kompressionssocken, Kompressions-Sneakersocken, normale Damensocken, normale Sneakersocken.
In keiner Konstellation habe ich mir Blasen gelaufen und erst am Ende des Testzeitraumes - keine Ahnung warum erst jetzt - habe ich vorn an den Zehen Berührung mit dem Schuh aufgenommen. Das war Anfangs nicht so, hinterlässt aber keine Druckstellen, es ist nur ein leichter Kontakt. Wobei dieser nicht zwingend nur beim Bergabgehen entsteht, sondern auch in der Waagrechten.
Features
Die RIBELLE RUN GTX kommen mit Schnellschnürsystem - und für alle, die jetzt aufstöhnen: normale Schnürsenkel sind dabei und man kann sie "umbauen". Das finde ich persönlich sehr nett, sind doch diese Schnellschnürsysteme irgendwie gewöhnungsbedürftig, zumindest für mich. Ich habe auch einige Wochen gebraucht, bis ich die richtige Einstellung gefunden habe, bei der mir der Schuh nicht zu locker am Fuß und die Schnürung nicht zu fest am Gelenk saß... Normalerweise bin ich eher der schnürfaule-Typ und binde meine Schuhe - egal ob Lauf- oder Freizeitschuh - genau einmal und schlupfe dann im gebundenen Zustand rein und raus.
Bei dem Schnellschnürsystem funktioniert das leider nicht, denn dann sind die Schuhe entweder zu locker fürs Laufen, oder zu fest zum Schlupfen. Also muss ich sie immer auf- und zumachen und dabei ziehe ich eben nicht jedes Mal gleich fest an. Mittlerweile habe ich die Einstellung gefunden, die ich brauche und komme mit dem System gut zurecht. In den ersten 2 Wochen habe ich wirklich über den Umbau auf normale Schnürsenkel nachgedacht ;)
Ein weiteres sichtbares Feature ist die festgenähte Zunge. So kann nichts verrutschen, bleibt an Ort und Stelle und Druckstellen können gar nicht erst entstehen. Dabei ist diese Verbindung so geschickt in den Schuh integriert, dass es mir zu Beginn gar nicht aufgefallen ist. Erst als ich über den Umbau auf normale Schnürsenkel nachgedacht habe, habe ich mir den Zungenbereich genauer angesehen. Für einen leichten und unkomplizierten Einstieg in den Schuh ist locker genug Platz, die Zunge ist auch nicht bis in die letzte Ecke vernäht.
Nicht ganz so sichtbar ist die im Namen bereits angekündigte Wasserdichtigkeit. Der RIBELLE RUN GTX hat eine Gore-Tex-Membran und ist somit wasserdicht, dabei aber atmungsaktiv - soweit die Theorie...
Tatsächlich war es im kompletten Testzeitraum sehr trocken, so dass ich die Wasserdichtigkeit mit dem Schlauch daheim testen musste ;) Die Kälte des Leitungswassers kam durch den Schuh, und zwar recht prompt, aber die Nässe blieb draußen!
Dieser Punkt funktioniert also sehr gut! Dachte ich… denn während ich die Bewertung hier noch schreibe, hat es ordentlich geduscht und wir sind mit dem Sohnemann auf Pfützensuche gegangen. Diesen Test haben die Schuhe leider nicht bestanden - die Socken waren leider an beiden Füßen von den Zehen her nass und das habe ich bereits unterwegs gespürt.
Das Thema mit der Atmungsaktivität... hmm... gleich in den ersten beiden Runs hatte ich das Gefühl, ich hätte Betonschuhe an und komme überhaupt nicht vom Fleck. Die Pace war eigentlich gar nicht so schlecht, aber ich hatte trotzdem das Gefühl, mich bremst etwas. Daheim angekommen habe ich dann regelrechte Schwitzflecken auf den Socken gehabt - das habe ich in meinen sonstigen Laufschuhen (zugegeben ohne GTX) normalerweise nicht, schon gar nicht bei um die 20°C.
Nach ungefähr 3 Wochen hat sich dieses Bremsklotz-Gefühl gegeben und ich bin gern mit den Schuhen unterwegs. Gerade bergauf bieten sie sehr guten Grip und schieben richtig gut an. Das ist sicher auch der guten "PRESA TRN-01 Sohle aus Hochleistungs-Gummi" geschuldet. Die Noppen bieten wirklich guten Grip auf den unterschiedlichsten Untergründen, auch auf losem Schotter. Da das Wetter bei uns während des Testzeitraums sehr trocken und gegen Ende sehr warm (um die 30°C) war, konnte ich bisher den Grip nur auf trockenem Grund und nicht auf Nässe testen. (Nach dem Gewitterregen bin ich nicht gelaufen, am nächsten Tag war alles wieder trocken.)
Die Sohle ist durch einen TPU-Rand mit dem Obermaterial verbunden. Dieser soll vor Stößen an Wurzeln, Steinen etc. sorgen. Bisher habe ich wenig ungewollten Kontakt an dieser Stelle gehabt, allerdings sieht dieser Rand am linken Schuh innen schon etwas ramponiert aus. Ausnahmsweise habe ich mal die Kilometer, die ich mit den Schuhen zurückgelegt habe, getrackt - Einkaufsrunden und kurze Wege zum Glascontainer nicht mitgerechnet, sind inzwischen schon mehr als 300km zusammengekommen. Die sollten die Schuhe aber eigentlich wegstecken, ohne sich aufzulösen.
Preis/Leistung
Direkt bei Scarpa kostet der RIBELLE RUN GTX knapp 170 €, im Netz gibt es ihn auch günstiger. Die Verarbeitung ist eigentlich gut, die Größe eine Nummer größer als üblich passt eigentlich auch und die Dämpfung und seitlicher Halt sind auch sehr angenehm zum Laufen. Zumindest bei meinem Exemplar hat das mit der Wasserdichtigkeit und der Atmungsaktivität nicht ganz so funktioniert, wie erhofft. Bei Regen (simuliert mit dem Schlauch) bleibt der Fuß zumindest von außen trocken, bei Pfützen leider nicht mehr. Pluspunkte sammelt der Schuh beim Design, bei den mitgelieferten Schnürsenkeln und dem guten Grip.
Fazit
Direkt nach einem Wettkampf hat es vermutlich jeder Schuh erst einmal schwer bei mir, daher blende ich die ersten Wochen der Testphase zur Eingewöhnung mal aus. Ich war wirklich viel mit dem Schuh unterwegs und meine Füße haben sich immer wohl gefühlt, auch wenn sie geschwitzt haben. Innen ist der RIBELLE RUN GTX schön angenehm verarbeitet und weich um den Fuß rum. Eine Schlaufe an der Ferse und eine an der Zunge erleichtern den Einstieg.
Preislich finde ich ihn im Rahmen, allerdings würde ich dann auch bei Pfützen Wasserdichtigkeit erwarten. Einen Punkt Abzug gibt es, weil das GTX im Namen leider nicht hält, was es verspricht und weil ich nach 6 Wochen schon Abnutzungserscheinungen sehen kann, an einer Stelle, die hauptsächlich mit Staub Kontakt hatte.