Stärken im Überhang, Mängel im Schnitt!
VORTEILE
- eigener Damenschnitt
- robuste Zehenbox
- schöne Farbkombination
- schmale und flexible Ferse
- leichte Vorspannung und Downturn
- guter ToeHook Gummi
NACHTEILE
- sehr lange Klettverschlüsse
- viel Luft zwischen Fuß und Obermaterial
- wenig Gefühl auf herabfallende Tritte
BEWERTUNG
Anfang Oktober kam der „Scarpa Quantix sf woman“ bei mir an. Geschrieben wird über den neuen Kletterschuh von Scarpa, dass es sich um ein echter Allrounder handelt. Ein starker, universeller und präziser Schuh, der besonders für technisches Klettern und viele Tritte geeignet ist.
Mich hat der Schuh die letzten 6 Wochen auf etwa 20 Klettertage begleitet. Der Schuh wurde dabei von mir nicht nur in den Kletter- und Boulderhallen, sondern auch an 4 Sportklettereinheiten am Fels und zwei Plaisirrouten (Mehrseillängen mit sportkletterähnlicher Absicherung) auf Herz und Nieren getestet. Was ich über den Schuh denke und meine Erfahrungen, lest ihr unter dem folgenden Absatz. Hier erstmal die technischen Daten des Produktes vom Hersteller.



Disziplinen: Sportklettern Indoor und Outdoor, Bouldern und Mehrseillängen
Damenmodell
Farbe: Aqua blau
Sohle: 3,5 mm Vibram XS Grip 2 Sohle: reibungsstark, abriebfest und gute Kantenstabilität.
Fußform: Square Medium
Gewicht: 440 g pro Paar (38)
unverbindlicher Verkaufspreis: 149,95 Euro
Obermaterial: Textil und Synthetik → mehrteiliges Obermaterial aus zweilagigem Lorenzi Mikrofaser. Alcantara Einsatz im Bereich des großen Zehs.
Leichte Vorspannung
leichter Downturn
Größen: in den Größen 34 – 42,5 erhältlich.
Meine Erfahrungen mit den „Quantix sf woman“ von „Scarpa“.
Größe:
Ich habe in meinen normalen Straßenschuhe Größe 41 und weil Scarpa normal eh schon eher klein schneidet, die getestete Kletterschuhe in Größe 40 genommen. Im Nachhinein hätte ich die Kletterpatschen durchaus in noch einer halben Nummer kleiner nehmen können. Also meine Empfehlung etwa 1-1,5 Größen kleiner als die Straßenschuhe nehmen. Durch engere Schuhe werden die Zehen in der Zehenbox aufgestellt, dies führt zu einer höheren Präzision beim Steigen und eine bessere Kraftübertragung. Als Anfänger ist dies sehr gewöhnungsbedürftigt.
Kletterschuhe sollten eben eher klein getragen werden, jedoch auch nicht, wie weit verbreitet, wirklich weh tun, damit sie passen. Sondern gut passende Kletterschuhe sollte wie eine zweite Haut auf den Füßen sitzen. Die beiden Anziehschlaufen helfen dabei, in die Schuhe zu schlüpfen. Der „Quantix sf woman“ kam mir beim Auspacken aus dem Schuhkarton schon eher breit geschnitten vor. Dies bestätigte sich, dann auch beim Klettern. Auch wenn ich keine schmalen Füße habe, befindet sich vor allem auf der Oberseite sehr viel Luft und Leerraum im Schuh. Das Netz auf der Oberseite ist zwar elastisch, aber viel zu groß, mit meinen Füßen fülle ich dieses nicht aus. Das heißt, wenn man die Klettverschlüsse enger zu macht, entstehen Falten auf dem Fußrücken. Die Klettverschlüsse sind zudem extrem lang. Wenn ich sie ganz zumache, stehen knapp 6 cm raus.





Der Schuh ist also nichts für schmale Damenfüße. Sehr gut aber ist, dass der Schuh hinter eine sehr flexible schmale Ferse hat, so passt der Schuh so gut wie jeder Ferse.


Die Zehenbox ist sehr robust, breit und gemütlich. Der vordere Teil des Schuhs ist zudem leicht vor gekrümmt, um präzises Klettern zu ermöglichen. Trotzdem ist der Schuh noch angenehm zu tragen und man muss nicht nach jedem Boulder die Schuhe ausziehen.



Technologie
Die Härte der Sohle ist grundsätzlich abhängig von der Sohlendicke und die Gummimischung. Der "Quantix" empfand ich als eher auf der härteren Seite. Eine härtere Sohle ist vorteilhaft was die Stabilisation angeht und zeigt ihre Stärken vor allem auf kleine Tritte und Leisten, da weniger Kraftaufwand im Zehenbereich notwendig ist, um den Tritt zu halten. Harte Sohle führen aber zu weniger Gefühl und Präzision beim Steigen und sind somit eher weniger für Platten und abfallende Tritte, wie etwa Aufleger, geeignet.


Der Schuh ist mit einem doppeltem Gummi ausgestattet, das sogenannte CTS-Combinded Tension System. Ein weiches Gummi verteilt die Kraft im Zehenbereich und verfügt über eine hohe Reibung. Ein härteres Spanngummi unterstützt den Großzehenbereich und die Innenkantenzone und ist direkt mit der Ferse verbunden. Dies in Kombination mit dem leichten Downturn, führt zu ein präzises und kraftsparendes Treten auf kleine Trittflächen und eine hohe Kantenstabilität.


Vorteile im Überhang und der Vertikale auf kleinen Tritte!
Sehr gut ausgestattet ist man deshalb im Überhang mit dem neuen Schuh von Scarpa. Der Toe-Hook Gummi ist sehr gut positioniert und hält jeden Hook. Der Schuh ist somit für die Vertikale und vor allem Überhänge sehr gut geeignet. Wer also die Platten eher meidet, ist mit diesem Schuh sehr gut bedient. Meine größte Stärke, ist hingegen die Platte und jeder weiß ja, dass was man gut kann, macht man auch am liebsten. Aber vielleicht sieht man mich ja jetzt mit diesem Schuh öfters in den Überhänge und Dächer der Kletterhallen und Klettergärten von Tirol.

Erlebnisse am Fels:
Wie bereits erwähnt, hab ich die Schuhe auch mehrmals am Fels ausprobiert. Dabei ist mir sofort die dicke und eher härtere Sohle mit leichter Krümmung im Vorderfußbereich aufgefallen. Dadurch war es beim Sportklettern auch möglich einen guten Halt auf kleine Tritte zu finden. Bei den beiden Mehrseillängen hingegen, musste ich die Schuhe ziemlich schnell wieder wechseln, da ich mich auf den Platten ziemlich unsicher mit dem Schuh fühlte und mich so den Vorstieg im 7ten Grad nur ungern stellte. Insgesamt sind die Schuhe für Leistentouren sehr gut geeignet, vor allem auch weil sie sehr abriebfest scheinen. Jedoch fehlt auf Platten das nötige Feingefühl.

Aufbau

Vom Aufbau her würde ich den Schuh vor allem für ambitionierte Anfänger und fundierte Hobbysportler empfehlen. Er ist immer noch ziemlich flach, durch die leichte Krümmung aber präzise.
Weitere interessante Infos gibt's auch im folgendem Video. (Herrenmodell)
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Zusammenfassung
Die Füße stellen den wichtigsten Kontaktpunkt zur Wand dar und sollten deshalb immer zielsicher platziert werden, um eine direkte und kraftsparende Kraftübertragung zu gewährleisten. Die richtige Wahl des Kletterschuhs ist somit ausschlaggebend. Schwierig ist es dennoch ein einzelner perfekter Schuh für alle Spielarten des Kletterns zu finden. Die eierlegende Wollmilchsau gibt es nicht. Schon gar nicht für jeden Kletterer. Jeder Schuh hat seine Vor- und Nachteile.
Der „Scarpa quantix sf women“ empfand ich als ein eher härterer Schuh, mit guter Kantenstabilität und gutem Toepad. Er eignet sich sehr gut für Überhänge, ist aber durch seine Härte/Dicke für die Platten am Felsen eher ungeeignet. Zudem ist das Obermaterial des Schuhs meiner Meinung nach viel zu breit geraten, das wird vor allem bei der Länge der Klettverschlüsse sehr deutlich.
Wie immer bleibt es generell bei Schuhen immer ein sehr individuelles Thema und somit lautet die Devise wieder einmal anprobieren und ausprobieren, denn man spürt normal sofort, ob der Schuh sitzt oder nicht.
