Winterwanderführer von Rother: Besser geht's nicht
VORTEILE
- Sehr übersichtliche Darstellung der Touren
- Zusatzinformationen wie z.B. Rodelverleih,...
- Handliches, taschenfreundliches Format
- GPS-Daten für alle Touren zum Download
- Mit Liebe zum Detail erstellt
NACHTEILE
BEWERTUNG
Das Allgäu...fast jeder wird es kennen als idyllische Wander-/Bergsport-Region am südlichsten Zipfel Deutschlands. Die Berge ragen hier bis ca. 2500m in die Höhe und lockt Sommers wie Winters zahlreiche Touristen an. Im Winter hauptsächlich zum Skifahren oder Skilanglaufen, aber in diesen Regionen sind auch etliche Winterwanderungen möglich, für die man keine spezielle Ausrüstung wie Tourenskier oder Schneeschuhe benötigt. Der simple Fuß-Bus ist angesagt. Vom Bergverlag Rother habe ich den "Winterwanderführer Allgäu" (ISBN: 978-3-7633-3313-4, 1. Auflage 2023) zum Testen zur Verfügung gestellt bekommen. Ideal, da ich im Winter 2022/23 die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr so oder so in Oberstdorf verbringen wollte.
Allgemeines zum Wanderführer:
Der Bergverlag Rother scheint es sich zum Ziel gesetzt zu haben, dem Leser alle Infos perfekt sortiert aufzubereiten. Das beginnt bereits bei der Farbe des Wanderführers: Die Bücher, welche Sommertouren enthalten, sind üblicherweise in rotem Einband gehalten, die Führer für Wintertouren (Ski-, Schneeschuh-, Winterwandertouren) haben den blauen Einband erhalten. Das deutet schon darauf hin, dass Rother großen Wert darauf legt, die Informationen schnell zugänglich zu machen. Bei dem von mir getesteten Führer handelt es sich also um ein "blaues Exemplar", welches den Bereich Allgäu abdeckt.
Im Detail deckt der Führer den Bereich zwischen Oberstaufen im Westen, Kempten im Norden, Füssen im Osten und das Kleinwalsertal im Süden ab. Strenggenommen könnte man sich darüber streiten, ob das Kleinwalsertal wirklich zum Allgäu gehört...aber wenn ich in dieser Region im Urlaub bin, bin ich dankbar dafür, wenn dieser Bereich ebenfalls in dem Führer "Allgäu" abgedeckt ist. Das Format ist mit 11,5 x 16,5 cm äußerst taschenfreundlich, durch die Polytex-Laminierung auch etwas robuster als einfaches Papier.
Aufbau des Wanderführers:
Der Führer umfasst 40 Touren, welche sich auf insgesamt 136 Seiten verteilen. Die ersten 24 Seiten enthalten allgemeine Informationen wie z.B. die Übersichtskarte, eine Auswahl an "Top-Touren", Hinweise zu der Schwierigkeitskategorisierung und weitere nützliche Hinweise und Adressen. Auch das Thema Sicherheit darf nicht fehlen, auf vier Seiten wird alles rund um Sicherheit erläutert, angefangen von der Lawinengefahr über Notrufnummern bis hin zur Ausrüstung.
Auf Seite 26 beginnt die Tourenbeschreibung der ersten der insgesamt 40 Touren. Die Tourenbeschreibungen sind sehr leserfreundlich aufbereitet: In der linken oberen Ecke ist die Tournummer aufgeführt, hinterlegt mit der Farbe des Schwierigkeitsgrades (blau, rot, schwarz). In dieser Titelzeile findet man dann auch direkt noch Infos zur Zeitabschätzung, Höhenmeter (Auf- und Abstieg), Streckenlänge, Einkehrmöglichkeit, Rodelmöglichkeit und Anreisemöglichkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
Ziemlich viel Information, die man rein aus der Titelzeile entnehmen kann, oder? Dieses Beispiel zeigt ein weiteres Mal, dass Rother großen Wert darauf legt, alle Infos gebündelt zur Verfügung zu stellen. Unterhalb der Titelzeile folgt eine kurze allgemeine Beschreibung der Tour, womit sich der Leser einen groben Überblick der Tour holen kann. Im Anschluss daran geht es an die Details. Diese sind:
- Ausgangspunkt
- Endpunkt
- ÖPNV
- Anforderungen
- Hangrichtung
- Lawinengefahr
- Orientierung
- Karte
- Einkehr (einer der wichtigsten Punkte in meinem Test ;-))
- Rodelmöglichkeiten
- Variante
Im Anschluss an diese Informationen folgt die detaillierte Routenbeschreibung, welche auch regelmäßig auf Referenzpunkte in der Karte und im Höhenprofil verweist, was ich sehr hilfreich empfinde, um anhand des Textes recht schnell die aktuelle Position in der Karte oder dem Höhenprofil zu finden...oder umgekehrt. Bei jeder Tour ist ein Kartenausschnitt im Führer im Maßstab 1:50.000 sowie ein kleines Höhenprofil mit den wichtigsten Beschriftungselementen eingefügt. Zusätzlich sind zu jeder Tour auch 2-3 Bilder mit Wiedererkennungswert eingefügt.
Wie habe ich den Wanderführer verwendet?
Im Inhaltsverzeichnis sind die Wandertouren in fünf Regionen eingeteilt:
- Alpenvorland
- Östliche Voralpen und Tannheimer Tal
- Allgäuer Hochalpen
- Kleinwalsertal
- Westliche Voralpen
Da meine Ausgangsposition Oberstdorf im Allgäu war, habe ich mich auf die Auswahl unter "Allgäuer Hochalpen" konzentriert. Bereits im Inhaltsverzeichnis ist zusätzlich die Kategorisierung (blau, rot) aufgeführt, sowie die zu erwartende Dauer. So kann man als Leser relativ schnell eine geeignete Tour ausfindig machen, ohne erstmal alle Touren durchlesen zu müssen. Will ich also eher etwas Längeres machen, kommt die Tour mit einer geschätzten Dauer von 4.45h in Frage, habe ich evtl. nur den Vormittag zur Verfügung, greife ich auf eine 2-stündige Tour zurück. Diese Aufbereitung bereits im Inhaltsverzeichnis ist absolut genial.
Nachdem ich mich dann für die Tour 23 von Oberstdorf nach Gerstruben entscheiden habe, habe ich mir vom Download-Server noch die zugehörige *.gpx-Datei gezogen, um Unterwegs einfach durch einen kurzen Blick aufs Smartphone den richtigen Abzweig zu nehmen.
Was will man mehr? Theoretisch sollten die im Führer aufgeführten Touren zu großen Teilen gewalzt / geräumt sein, was natürlich immer sehr tages-/witterungsabhängig sein kann. Wenn es untertags mal 50 cm Neuschnee gibt, sollte man nicht damit rechnen, dass die Wege sofort und dauerhaft geräumt sind. Hier ist dann auch ein bisschen gesunder Menschenverstand gefragt.
Zu den Weg-Verhältnissen meiner Touren kann ich keine genauere Auskunft geben, da im Test-Zeitraum einfach mal überhaupt kein Schnee in dieser Region lag. Ich bin die Touren also komplett auf Asphalt / Schotter gelaufen. Aus diesem Grund kann ich auch keine Aussage über die im Führer angegebenen Zeitangaben treffen. Aber auch hier gilt wieder: Je nach Bedingungen können sich die Zeit- / Schwierigkeitsangaben natürlich unterscheiden.
Fazit:
Ich bin geneigt zu behaupten, dass ich von der perfekten Aufbereitung der Touren im Winterwanderführer Allgäu überhaupt nicht überrascht bin, da ich schon mehrere Rother Wanderführer besitze und an diese Perfektion bereits gewohnt bin. Dennoch bin ich immer aufs Neue begeistert von der Detail-Liebe, die in diesen Wanderführern steckt. Sehr zu empfehlen!