Lawinenrucksäcke

Von Philip
Foto: ABS | Andreas Vigl

Die klassische und unverzichtbare(!) Sicherheitsausrüstung für das Freeriden und Skitourengehen besteht aus LVS-Gerät, Sonde und Schaufel. Immer häufiger wird dieses Trio ergänzt durch Lawinenrucksäcke, die das Risiko verschüttet zu werden bzw. helfen die Verschüttungstiefe signifikant minimieren – die Wahrscheinlichkeit einer kritischen Verschüttung sinkt von 22 auf 11 Prozent (vgl. Haegeli et al. 2014, wiedergegeben nach Powderguide.com).

Lass dich von unserem Ratgeber inspirieren und vielleicht hast du ja auch schon einen bestimmten Lawinenrucksack im Sinn, die du demnächst ganz bequem online kaufen möchtest. Wir liefern dir alle wichtigen Argumente rund um die perfekte Lawinenausrüstung. Und wenn du noch mehr darüber wissen möchtest: auf OUTSIDEstories findest du eine Menge authentischer Erfahrungen aus unserer Community – zu verschiedenen Modellen, von allen gängigen Herstellern und inklusive Preisvergleich.
 

Je größer der Köper, desto größer der Auftrieb!

Der Vater der Idee

Das zu Grunde liegende Prinzip eines Lawinenrucksacks ist recht einfach: Durch Vergrößerung des Volumens erhöht sich der Auftrieb und man bleibt in einer abgehenden Lawine an bzw. nahe der Oberfläche. Gemeinhin kennt man das auch als den Paranusseffekt, der nichts anderes besagt als die Tatsache, dass im Müsli oder Studentenfutter die dicksten Stücke meist oben ganz liegen. Übertragen auf den Schnee ist dieses Prinzip dem Berchtesgadener Oberförster Josef Hohenester bereits in den 1970er Jahren aufgefallen, als er mit einer erlegten Gämse auf den Schultern von einer Lawine erfasst, aber nicht völlig verschüttet wurde. Fortan begab er sich nur noch mit dem Prototyp eines Lawinenrucksacks ins Gelände, den er anhand von Tests mit großvolumigen Kanistern und Ballons selbst entwickelte. 1980 schließlich kaufte ihm Peter Aschauer das Patent ab und begann mit der Entwicklung. Die ersten Serien-Airbagrucksäcke folgten 1985.

Heute, 30 Jahre später, gibt es weltweit 8 verschiedene Lawinenairbagsysteme (ABS, Snowpulse, Mammut, Backcountry Access (BCA), Wary, Mystery Ranch, Alpride und JetForce), die in einer Vielzahl unterschiedlicher Rucksäcke verschiedener Kooperationspartner verbaut werden.

Freerider wie Tourengeher setzen trotz aller Vorsichtsmaßnahmen zusehends auf die lebensrettenden Rucksäcke.

Geschwindigkeit ist Trumpf

Wenn man in eine abgehende Lawine gerät, muss es schnell gehen. Der Lawinenairbag muss sich reflexartig auslösen lassen und sich binnen weniger Augenblicke aufblasen. Im Schnitt dauert das drei Sekunden. Der klassische Lawinenrucksack bedient sich dabei einer Druckluft- bzw. Gaskartusche (z.B. Stickstoff oder Argon). Zieht man am Griff der Auslöseeinheit am Schulterriemen strömt das komprimierte Gas in die Ballons. Bei allen Airbagsystemen kann dieser Griff sowohl am linken als auch am rechten Schultergurt angebracht und so individuell für Rechts- und Linkshänder angepasst werden. Nach dem Auslösen des Airbags ist die Kartusche leer und muss vor der nächsten Tour gewechselt bzw. neu befüllt werden. Beim System von ABS muss auch der Griff gewechselt werden, der beim Auslösen seine Treibladung verbraucht. Ein weiterer, deutlich jüngerer Ansatz zum Aufblasen der Airbags setzt auf eine kleine elektrische Hochleistungsturbine, die den Airbag quasi wie ein starker Ventilator ebenfalls im Nu füllt. Der Vorteil dieses Systems ist, dass es mehrfach verwendet werden kann, bevor der Akku – über Nacht an der normalen Steckdose – wieder aufgeladen werden muss.

Seitlich, hinterm Kopf oder rund herum

Wann man den Auslöser zieht ist fast egal, es sollte nur nicht zu spät sein!

Auch die Position der aufgeblasenen Ballons variiert von Hersteller zu Hersteller. Bei den meisten Airbagsystemen sitzt der zusammengefaltete Airbag im Top-Fach des Rucksacks und entfaltet sich durch einen Klett- oder Reissverschluss nach oben. Es gibt aber auch Ballons, die bis in die Schulterriemen reichen, was den Vorteil hat, dass sie sich auch seitlich vom Kopf ausdehnen und so Schutz vor physischen Verletzungen von Kopf und Oberkörper bieten. Die sogenannten TwinBags blasen sich rechts und links des Rucksacks auf. Der Größe der Ballons schwankt zwischen 150 und 200 Litern.

Sicherheit hat ihr Gewicht, oder nicht?

Wenn man beim Freeriden oder auf der Skitour ist – sei es für einen oder gleich mehrere Tage – möchte man so wenig Gewicht wie möglich mit sich schleppen. Deshalb geht auch der Trend bei dem Lawinenrucksack hin zum Grammzählen. Das leichteste Airbag-System bringt gerade mal 800 Gramm auf die Waage. Die leichteste Kombi aus Airbagsystem, Rucksack und Kartusche wiegt knapp 1,7 Kilo. Noch mehr Gewicht einsparen lässt sich mit dem Einsatz von Carbon- anstelle von Alu- oder Stahlkartuschen, die dafür allerdings auch teurer sind.

Mittlerweile gibt es eine Vielzahl an Herstellern, die zudem Lawinenrucksäcke anbieten.

Unterschiedliche Rucksäcke – unterschiedliche Größen, unterschiedliche Systeme

Die generelle Entwicklung der Systeme bleibt nicht stehen und durch die unzähligen Kooperationen mit verschiedenen Partnern haben sich eine ganze Reihe von Anpassungen und Modifikationen ergeben, um die Systeme ideal auf die jeweiligen Rucksäcke und Einsatzzwecke abzustimmen. Von großen Rucksäcken für Mehrtagestouren bis hin zu kleinen Airbagrucksäcken für die Tagestour im Powder. Dabei geht die Entwicklung immer öfter in Richtung von herausnehmbaren und ab-zip-baren Airbagsystemen, so dass man den Rucksack auch als gewöhnlichen Wanderrucksack einsetzen kann oder das gleiche Airbag-System variabel für unterschiedliche Touren in unterschiedlichen Rucksäcke einsetzen kann.

Von der Community getestete Modelle (inkl. Preisvergleich) findet ihr wie bei OUTSIDEstories. Die beste Auswahl für Lawinenrucksäcke bekommst du natürlich auch gleich von uns geliefert:

Oder hol dir unseren Ratgeber Skitouren-Ausrüstung: 34 Seite geballte Information    

 

Bilder:  ABS | Hansi Heckmair, ABS | Andreas Vigl,  

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