Bienenwachstücher sind nicht meine erste Wahl
VORTEILE
- Nachhaltig
- Biologisch abbaubar
- Lange verwendbar
- Gibt es in verschiedenen Größen
NACHTEILE
- Nicht hygienisch
- Nicht geruchsneutral
BEWERTUNG
Als Produktscout bekommt man die verschiedensten Sachen zum Ausprobieren und Testen. So kam vor einiger Zeit ein großer Karton mit Dingen, die darauf warteten getestet und bewertet zu werden. In diesem großen Karton mit Testobjekten war auch ein brauner 13 x 22 cm Umschlag dabei. Was ist denn das?, fragte mich meine Frau als ich das Päckchen öffnete. Bienenwachstücher antwortete ich. Und was macht man mit denen? Damit soll man Plastik- und aluminiumfrei Lebensmittel verpacken und abdecken können. Ok, dann lass uns das mal die nächsten Wochen testen. Und so kam es nun zu dieser Bewertung.


Das Thema Plastikmüll und Aluminiummüll ist leider nicht erst seit gestern. Der Plastikatlas 2019 kommt zu dem Ergebnis, dass rund 38 Kilogramm Plastikmüll jeder deutsche Bundesbürger pro Jahr produziert. Wenn man nun bedenkt, das in Deutschland 83,2 Millionen Menschen leben, kommt man auf 3.161.600.00 Kilogramm alleine an Plastikmüll. (Sorry, aber mir wird gerade schlecht und finde es sehr erschreckend. Ich weiß, Plastikmüll ist schon lange ein Problem).
Ich sitze da und lasse meine Gedanken schweifen. Plastik, Plastik. Ganz egal, woran ich denke. Plastik kommt überall vor. Lebensmittel eingepackt mit Plastikfolie, meine Ersatzteile, die ich beruflich brauche, sind in Plastik eingeschweißt. Allein die Industrie verwendet so viel Plastik, dass ich mich jedes mal darüber aufrege. Aber auch bei uns zu Hause fällt zu viel Abfall mit Plastik und Aluminiumfolie an. Und da könnten die Bienenwachstücher helfen, diesen Müll zu verringern. So könnten wir und jeder einzelne dazu beitragen, den Plastikberg etwas zu verringern. Vorausgesetzt die Bienenwachstücher überzeugen mich und meine Frau. Den schließlich wird hauptsächlich sie es sein, die die Tücher einsetzen soll.
Der Inhalt im Umschlag besteht aus 2 verschieden großen Bienenwachtüchern. 1x 25 x 26 cm und der andere ist etwas größer mit 33x 35,5 cm. Ich hole die gefalteten Tücher aus der Pappkartonverpackung raus. Die Tücher sind steif und sie riechen etwas nach Bienenwachs. Ich kenne diesen Duft, da ich meinem Vater in meiner Jugend immer geholfen habe, bei seinen Bienen Honig zu ernten. Ich finde diesen Duft nicht unangenehm. Aber so ganz kommt das nicht hin. Da ist noch etwas anderes. Ich schaue auf die Verpackung und lese die Bestandteile 100% Baumwolle, Bienenwachs und Baumharz. Baumharz ist also der Bestandteil, der den Duft etwas verfälscht. Trotzdem finde ich es nicht unangenehm. Leider sind meine Frau und meine Tochter da anderer Meinung. So gehen die Meinungen eben auseinander
Ich fand bei meiner Recherche heraus, dass es wohl auch viele Bienenwachstücher gibt, bei deren Herstellung Jojobaöl als Imprägnierung verwendet wird. Wahrscheinlich um einen angenehmen Duft zu bekommen. Und Jojobaöl hat nun wirklich nichts in Lebensmitteln zu suchen. Auch Kokosöl wird bei einigen Herstellern verwendet. Dies ist zwar nicht schädlich, dennoch ist das Problem mit den Palmölplantagen bekannt, wegen denen auch Regenwald abgeholzt wird. Und das möchte ich oder ihr bestimmt auch nicht. Auch bei dem Bienenwachs sollte man genau hinschauen. Hier kommt es auf die Herkunft und Qualitätsstandards des Imkers an. Es sollte wirklich sehr rein sein und keine Verunreinigungen haben. Ich schaue mir die Verpackung noch einmal an und finde folgenden Hinweis: nicht geeignet zum Aufbewahren von rohem Fleisch und rohem Fisch. Dies gilt für alle Bienenwachstücher
Nun stellt sich mir die Frage warum? Der Grund könnte der Baumharz sein. Baumharz enthält Terpentin. Im Kontakt mit Fetten löst sich das Öl und geht in die Nahrung über. Und das möchte niemand in der Nahrung haben. Der zweite Grund könnte die Hygiene sein. Zum Reinigen von diesen Tüchern kommen wir später.
Ok, aber für was eignen sich dann diese Tücher? Die Antwort lautet: zum Abdecken und kurzzeitigen Einpacken von Lebensmitteln wie Obst, Gemüse, Brot. Oder gekochtes und abgekühlte Lebensmittel.
Ich habe in der Testzeit meine mariniertes Beef Jerkey, das ich immer selbst herstelle, damit abgedeckt. Eine Scheibe Brot ca. 6 Tage eingewickelt, um zu sehen wie weich und essbar es nach dieser Zeit ist. Und ganz ehrlich mehr habe ich nicht damit gemacht. Warum dazu kommen wir gleich.
Bienenwachstücher sollen ja bis zu einem Jahr verwendet werden können. Dann ist die Wachsschicht in der Regel abgenutzt und verbraucht. (Natürlich kommt es auch hier darauf an, dass sie im Einsatzgebiet entsprechend behandelt werden. Da kommt die nächste Frage: Wie lassen sie sich reinigen und wie sieht es mit der Hygiene aus. Die Reinigung der Tücher kann maximal mit lauwarmen Wasser erfolgen. Bei heißem Wasser löst sich die Wachsschicht von den Tüchern und würde sie für ihren Verwendungszweck unbrauchbar machen. Auf der Verpackung steht leicht zu reinigen. Das stimmt auch, einfach abspülen oder mit einer weichen Bürste abreiben (Auch eine Bürste mit harten Borsten zerstört die Wachsschicht).
Dann sind die Tücher vielleicht sauber, aber wie sieht es mit Bakterien oder Keimen aus? Die Tücher werden ja für Lebensmittel verwendet. Die Reinigung mit kaltem Wasser ist aus Hygiene-Sicht nicht ideal. Die Tücher müssten desinfiziert werden. Dies könnte man mit Essig machen. Aber allein der Gedanke an den anschließenden Geruch lässt mich nein sagen. Ich sitze gerade hier und suche nach etwas, das positiv für dieses Produkt spricht und da gibt es nur, dass diese Tücher wiederverwendbar sind, aus biologischen Bestandteilen besteht und kompostierbar sind.
Nach Ablauf der Einsatzzeit können die Tücher noch als Grillanzünder verwendet werden. Mehr Pluspunkte finde ich leider nicht. Wie oben geschrieben habe ich die Bienenwachstücher eher wenig verwendet. Mein abgedecktes Beef Jerkey war 12 Stunden im Kühlschrank. Ich konnte zwar nicht feststellen, dass das Fleisch den Geruch der Tücher angenommen hatte, aber überzeugt hat es mich auch nicht. Die Scheibe Brot war nach 6 Tagen immer noch im Kern weich, der Rand fing an, richtig hart zu werden. Ok, 6 Tage war vielleicht etwas lange. Aber hier konnte ich deutlich den Duft von Tuch riechen. Dieser wurde deutlich vom Brot aufgenommen. Es hatte ja auch direkten Kontakt mit dem Bienenwachstuch. Geschmacklich war es auch bedingt durch den Duft nicht mehr so genüsslich. Also das hat mich dann auch nicht überzeugt.
Mein Fazit:
Ich muss sagen, zuerst war ich ganz euphorisch, als ich die Tücher gesehen habe, super Sache, dachte ich. Toller Ersatz zu Plastik und Aluminiumfolie. Doch leider wurde ich enttäuscht. Hauptkriterium ist die Hygiene und die Bestandteile wie Jojobaöl, Kokosöl oder Baumharz. Meiner Meinung nach sollten keines dieser Mittel mit Lebensmitteln in Berührung kommen. Einzig und allein der biologische Aspekt kann hier punkten. Ich finde, das Produkt hat sein Ziel verfehlt.