Vom kleinen Taschenmesser zum Rundumset für die Outdoorküche
VORTEILE
- alles zum Schälen, Schnippeln und Sägen in einem
- scharfe und rostfreie Klingen (Skandi, inox)
- schneidreudige und gut nachschärbare Anschliffe
- lackierte Holzgriffe (evtl nur von Außen)
- robustes und saugstarkes Handtuch
- stabiles und klingenschohnendes Brett
NACHTEILE
- groß und schwer (464 g, 20 x 12 x 4.5 cm)
- Handtuch als Packhülle (muss erst trocknen)
- Korkenzieherfutter aus Kunststoff
- überdimensioniertes Brotmesser
- N°10 und N°12 mit kleinen Händen sicher unhandlich
- ohne Wachsen evtl feuchtigkeitsempfindliche Griffe
BEWERTUNG
Opinel-Messer begleiten mich seit etwa 15 Jahren durchs Outdoorleben, erschwinglich, handlich und effektiv. Weiterentwicklungen von Material, Form und Farbe habe ich einige miterlebt. Jetzt bietet Opinel mit diesem Set ein kleines Sortiment für den Rundumbedarf der Outdoorküche an. Das musste ich mir einfach näher anschauen.
Einsatzbereich
Jeder hat draußen gern ein Messer dabei. Warum nicht eines, das auch was taugt. Damit meine ich kein teures mit allen Extras. Je teurer das Messer desto größer die Hemmung es auch anständig zu nutzen. Es könnte ja zerkratzen, abstumpfen usw. Nein, ein anständiges Messer muss günstig, handlich und vor allem Schneidfreudig sein. Die Messer von Opinel verfügen ab Werk über einen verdammt scharfen Skandischliff, der sie zum Allrounder macht und leicht nachgeschärft werden kann.
Dieses Set ist definitiv für Touren gedacht, auf denen Packmaß und Gewicht nicht gerade den Ton angeben. Vielmehr liegt hier der Fokus auf einer voll umfänglichen Outdoor-Küche. Gemüse schälen und schnippeln, Wein öffnen und Brot schneiden. Das ganze auf einer brauchbaren Unterlage und mit einem Geschirrhandtuch für den Abwasch.
Ich bin zwar niemand, der auf Touren nur Nudeln kocht, doch verstehe ich mich sehr gut darin mit Riegeln, gefriergetrockneten Eintöpfen und Shakes das Kochen wenn nötig zu vermeiden. Auf besonders langen Touren oder auf welchen mit festem Lager geht jedoch nichts über normales Essen. Mit diesem Set steht der Zubereitung frischer Gerichte absolut nichts mehr im Wege. Zudem kann das N°10 aus dem Set zum Schnitzen von Feather Sticks und anderen Camparbeiten genutzt werden.
Die nicht entgratete Klingenrücken sind normalerweise ein Zeichen von Low-Budget-Messern. In der Bushcraft Scene sind sie jedoch beliebt, da sie sich für das Feuermachen mit einem Ferorod eignen. Für das Funkenschlagen an so einem Stab sollte ohnehin nie die Klinge selbst benutzt werden, da die Hitze der Funken die Härtung und damit die Schnitthaltigkeit und Stabilität der Klinge ruiniert.


Handhabung
Das das Handtuch zugleich die Verpackung ist finde ich an sich genial. Jedoch sollte das ganze Set gereinigt und vor allem das Handtuch trocken sein, bevor alles zusammen gepackt wird. Ein Brett direkt dabei zu haben ist Luxus. Nicht nur, dass man sich das zusätzliche Packmaß und Gewicht leisten können muss. Eine gerade Arbeitsunterlage, die zugleich die Klingen schont, ist draußen gar nicht so leicht zu finden, wie man manchmal denkt. Der Sparschäler ist genial, dazu später mehr. Das Hauptmesser groß und robust auch der Korkenzieher mehr als brauchbar. Nur das Brotmesser ist nicht so einfach. Der zu große Griff macht es klobig. Aber schneiden tun sie alle wie ne Eins. Das ich in der Küche aber richtige Küchenmesser von Opinel, anstatt der kleinen Klappmesser nutze, liegt daran, dass Klappmesser nicht so leicht zu reinigen sind. Es gilt also abzuwägen, wobei das Opinel Nomad Kit einen guten Kompromiss zwischen Gewicht + Packmaß und Handhabbarkeit + Komfort schafft.



Die Messer an sich
Die Nummer eines Opinel Messers bezeichnet seine Größe anhand der Klingenlänge in Zentimetern. Klinge und Griff sind von den Proportionen her immer gleich geformt. Am Übergang von Klinge zu Griff befindet sich eine Metallmanschette, die durch einen Nietstift fixiert ist. Die Klinge wird durch diesen Stift gehalten, Gleitscheiben wie jene aus Teflon moderner Messern sucht man hier vergebens.
Neben moderneren Stählen für die Klinge ist wohl der Sicherungsring der Teil am Messer, der über die Jahre am deutlichsten weiterentwickelt wurde. Verfügt mein uraltes Opinel N°07 noch über eine beidseitige Sicherung zum Feststellen der geöffneten Klinge, so weisen die neuen Messer diese nur an einer Seite jedoch auch mit der Möglichkeit die eingeklappte Klinge zu sichern auf. Während zudem früher die Enden der Niete als Führung für den Ring ausreichen mussten, befindet sich jetzt auf der Rückseite unten ein kleiner nach Innen gestempelter Bereich, der in einer Aussparung der darunterliegenden Manschette läuft.

N°06 Sparschäler mit Doppelklinge und beidseitig scharfer Spitze
Der Sparschäler ist genial, mein Lieblingsmesser in diesem Set. Er ist klein und leicht, liegt gut in der Hand und funktioniert einfach richtig gut. Die anderen Messer können leicht durch ein Opinel N°7 ersetzt werden. Das kann ebenso Brot und Gemüse schneiden und Wein trinke ich nicht. Aber dieser Sparschäler ermöglicht es mit seinen nur 26 g frische Zutaten für die Outdoorküche zugänglich zu machen.

N°10 Messer mit Korkenzieher im Griff
Das Hauptmesser des Sets hat eine stattliche Größe. Kartoffeln und Wurzelgemüse macht es ohne Mühen klein. Und der Korkenzieher kann ein weiterer Trumpf an gemütlichen Lagerfeuerabenden sein. Spitz und ohne Seele einfach klasse, nur die Einfassung seitlich im Griff ist leider aus Kunststoff. Mit dieser Größe reicht das Messer sogar als einziges Campmesser und taugt auch was zum Feathersticks schnitzen und Hechte zerlegen.

N°12 Brotmesser mit Wellenschliff
Das Brotmesser ist gewaltig. Eine ausreichend lange Klinge bringt eben einen überproportional großen Griff mit sich. Es schneidet wirklich vorzüglich, ist aber meiner Meinung nach die Art Messer, die am ehesten zu entbehren sein dürfte. Falls jedoch arg große Arbeiten im Camp anfallen, wüsste ich wen ich nutzen statt schonen würde.

Handtuch und Brett
Das Mikrofasertuch dient zum Einen als Transporthülle und macht diesen Job sehr gut. Zum Anderen können damit Besteck und Geschirr nach dem Kochen gereinigt und getrocknet werden. Es nimmt Wasser sehr gut auf und fühlt sich an wie ein robustes Fensterleder. In der Waschmaschine kann es bei 30 °C gewaschen werden. Das Verschlussgummi ist praktisch, wenn das Handtuch zum Trocknen aufgehängt werden muss und die eingeprägten Markierungen vereinfachen das Zusammenpacken.
Das Brett aus Buchenholz ist mit 20 x 12 cm ausreichen groß, mit 1.2 cm Dicke sehr robust und nach dem Ölen durch die tolle Maserung auch sehr hübsch. Zum Ölen habe ich hier Kokosöl verwendet. Empfehlenswert wäre sicher das schnell trocknende Leinenöl gewesen, war aber gerade nicht zur Hand. Das Logo als Lasergravur rundet die Sache ab.

Daten
Gewicht gesamt:464 g
Gewicht einzeln: N°06 26 g, N°10 72 g, N°12 108 g, Tuch 48 g, Brett 212 g
Maße: 20 x 12 x 4.5 cm
Material: Messer: Edelstahl, lackiertes Buchenholz; Brett: unbehandeltes Buchenholz; Tuch: 80 % Polyester, 20 % Polyamid
Lebensmittelecht: Ja
Spülmaschinenfest: Nein
Tuch maschinenwaschbar: 30 °C
Made in France
Pflege
Dass Messer stets sauber, trocken und scharf gehalten werden sollten ist wohl nichts Neues. Aus meiner Sicht beginnt die Messerpflege aber schon vor dem ersten Einsatz:
Die Klingen dieser Messer sind aus rostfreiem Stahl gefertigt, müssen also nicht geölt oder gewachst werden. Die Holz-Griffe jedoch sind besonders anfällig gegenüber Feuchtigkeit. Eine konkrete Gefahr besteht im Aufquellen des Griffes. Dies kann beim nassen Messer sogar dazu führen, dass die Klinge fest klemmt und sich das Messer nicht mehr öffnen lässt. Langfristige Schäden sind zudem auch bei günstigen Messern nicht besonders schön.
Um die Wasseraufnahme zu verhindern und auch Schmutz fern zu halten wachse ich die Griffe. Ein anständiger Schutz und ein weiches, geschmeidiges und griffiges Gefühl in der Hand ergibt sich jedoch nicht durch bloßes Einreiben. Ich schmelze dazu Wachs in einem Topf, lege die Messer darin ein - entweichende Luft und Feuchtigkeit wird anhand aufsteigender Bläschen sichtbar - wische anschließend überschüssiges Wachs ab und lasse die Messer abkühlen, fertig!
Im Gegensatz zum Ölen muss dieser Arbeitsgang nicht wiederholt werden, der Schutz ist sehr robust und das Holz fühlt sich danach einfach toll an. Die Messergriffe in diesem Set sind jedoch lackiert. Wachsen als Feuchtigkeitsschutz der schwer zugänglichen Stellen bleibt sinnvoll, jedoch das schön geschmeidige Gefühl an der Oberfläche bleibt dabei aus.
Nach der Tour nutze ich einfache Wassersteine um die Messer scharf zu halten. Der flache Skandischliff erlaubt es ohne Probleme, die Messer freihand zu schleifen. Und selbst das Brotmesser kann nachgeschliffen werden, da der Wellenschliff nur einseitig über eine sekundäre Schneidphase verfügt und rückseitig mit dem Schleifstein bearbeitet werden kann.


Einordnung
Unter den Opinel Messern gefiel mir N°07 als kleines handliches Taschenmesser immer am besten. Mit N°08 hätte ich mich mit einem Plus an Griffigkeit und Schlagkraft für etwas gröbere Arbeiten auch anfreunden können. N°10 wie in diesem Set wirkt jedoch schon sehr groß und klobig. Wer jedoch ein ganzes Set mit auf Tour nimmt stört sich sicherlich nicht an dem Mehr von Gewicht und Packmaß und für Arbeiten wie Gemüse schnippeln und putzen ist es auch nicht verkehrt. Gerade wenn für mehr als eine Person zu kochen ist. N°12 ist fast schon eine halbe Machete. Eine effektive Klingenlänge zum Brotschneiden bringt hier einen Griff von 16 cm Länge mit sich. N°06 finde ich absolut großartig. Für einen Sparschäler die optimale Größe und mit 26 g irre leicht.

als Geschenk
Da Messer von Opinel so günstig und zugleich so großartig sind, eignen sie sich besonders als Geschenk. Ich habe schon öfter Freunden zum Geburtstag ein Packet geschnürt, aus Sachen von denen ich wusste, dass sie sie auf unserer nächsten gemeinsamen Tour werden brauchen können. Dazu gehörten bei Outdoor-Neulingen oft ein Edelstahlteller, der auch als Schüssel oder Pfanne verwendet werden kann, eine Falttasse, ein Spork und ein Opinel N°07 oder N°08. Zwischen teuren Sachen wir Klamotten, Stiefeln, Rucksack, Übernachtungsequipment und Kocher ist das Essbesteck und Geschirr oft das erschwinglichste und auch das, was von Neulingen oft vernachlässigt wird.

Resümee
Ein rundum gelungenes Set finde ich. Eher etwas für längere Touren in einer größeren Gruppe und eher etwas für Genusswanderer oder Bushcrafter, die gern am Lagerfeuer kochen.. aber wenn auf einer Tour das Lagerleben im Vordergrund steht, werde ich zukünftig gern zu diesem Set greifen. Auf sportlicheren Touren reicht mir aber das kleine und leichte Opinel N°07.