Der feine Schlafsack fürs Grobe.
VORTEILE
- großes Einsatzspektrum
- Sehr leicht
- Hervorragende Ventilation
- Tolle Verarbeitung
- Einsatz von Recycling Materialien
- wasserdichter Packsack dabei
NACHTEILE
- Keine Kompressionsriemen
- Kordelzug bei der Halskrause stört
- Innentasche recht klein
BEWERTUNG
Der Oscar Curve -2 von Nordisk ist der neueste Spross in der Curve Reihe. Die geschwungene Form soll den Schlafsack enger am Körper anliegen lassen, was sich in besserer Wärmespeicherung und Komfort widerspiegeln sollte. Ob hier die Kurven der Schlüssel zum Erfolg sind, gibt es jetzt zu lesen.
Werte:
- [Länge x Breite x Gewicht x Preis] Medium: 190cm x 54cm x 750g x UVP
- [Länge x Breite x Gewicht] Large: 205cm x 55cm x 880g x UVP + 10€
- [Länge x Breite x Gewicht] Xtra Large: 220cm x 56cm x 950g x UVP + 20€
- Komforttemperatur: 4°C
- Limittemperatur: -2°C
- Extremtemperatur: -20°C
- Füllung: Kunstfaser aus 100% recyclten PET Material
- Innen- und Außenmaterial: Nylon in 7D RipStop Qualität
Der Schlafsack kommt in einem dünnen Nylonpacksack mit Kordelzug aber ohne Kompressionsriemen. Das Material ist luftdurchlässig und lässt dem Schlafsack genug Platz zum „Atmen“ stellt sich aber beim Packen enger Rucksäcke als etwas nachteilig heraus, da man es nicht von vornherein komprimieren kann. Wer es zusätzlich wasserdicht möchte, der wird hier positiv überrascht, denn mit enthalten ist noch ein wasserdichter Packsack.
Aufbau:
Der Oscar Curve besitzt am Fußende einen Reißverschluss um so entweder mehr Freiraum für die Füße zu schaffen oder eine zusätzliche Ventilationsöffnung zu erzeugen. Ein kleines und einfaches Feature, was den Schlafkomfort bei mir aber deutlich gesteigert hatte.
Im Bereich der Knie und Schultern ist der Schlafsack etwas breiter gestaltet um mehr Freiraum beim Schlafen zu gewährleisten. Während er sich um Taille und Brust wieder etwas enger an den Körper schmiegt um die Wärme im Schlafsack zu halten.
Im Brust-/ Halsbereich gibt es eine Netztasche für Handy und weitere kleine Utensilien, diese ist allerdings recht klein – mein Samsung S20 FE passte gerade so hinein. Wer also ein größeres Handy sein Eigen nennt, könnte hier ans Limit geraten. mit zusätzlicher Stirnlampe oder Schlüssel kommt man hier gar nicht weiter. Schade - eine zweite versetzte Tasche wäre gerade hier ein großer Pluspunkt um Gegenstände sinnvoller zu verstauen und ein "Durchhängen" der Tasche zu vermeiden.
Direkt darüber angeordnet ist eine dünn gefüllte Halskrause um eine zusätzliche Isolation bei niedrigen Temperaturen zu ermöglichen. Diese geht um 360° herum und kann mittels Klettverschluss verbunden werden. Zusätzlich ist hier noch eine Kordel eingesetzt, wodurch sich die Halskrause enger um den Hals ziehen lässt.
Während der Hauptreißverschluss links ist, ist auf der rechten Seite auf Armhöhe noch ein weiterer Reißverschluss angebracht, durch welchen man dann noch seinen Arm stecken kann oder eine weitere Ventilationsöffnung generiert. Beim Hauptreißverschluss links ist zusätzlich noch ein Druckknopf, wodurch man ebenfalls den Arm durchstecken kann, während der Schlafsack weiterhin oben geschlossen bleibt.
Insgesamt ergeben sich somit zahlreiche Einstellmöglichkeiten um den Schlafsack an die entsprechenden Temperaturen und Witterungsbedingungen anzupassen und somit das Anwendungsspektrum in den 3 Jahreszeiten zu optimieren.
Test:
Ich hatte den Schlafsack auf einer Hüttentour als auch beim Freiübernachten im Wald dabei und somit einen guten Überblick über die Qualitäten des Schlafsacks erhalten. Temperatur technisch waren die Nächte von +6°C bis +20°C in diesem spannenden Frühsommer recht weit gespreizt. Was bei jedem Packen jedoch auffällt – ich kann den Schlafsack nicht vorkomprimieren im Packsack, was es teilweise unmöglich machte, den Schlafsack in einen vorgesehenen Platz im Rucksack zu quetschen.
Für die Hüttentour war der offene Fußbereich eine Wohltat, weil man hier entsprechend der Temperaturen im Schlafsaal wunderbar regulieren konnte und gleichzeitig ein schönes Freiheitsgefühl bei brennenden Füßen verspürte. Da auf der Tour auch die kältesten Nächte waren, hatte ich den Schlafsack hier von komplett geschlossen bis teil-geöffnet zur besseren Ventilation im Einsatz. Das einzige, was ich allerdings als störend empfunden hatte war der Kordelzug in der Halskrause. Nichts ist nerviger, als wenn man sich nachts umdreht und plötzlich auf der Kordel liegt, was mir mehr als nur einmal passiert ist. Neben der reinen Strangulationsgefahr liegt diese einfach ungünstig in Hals- und Kopfnähe – mein Vorschlag wäre es, diese entweder zu entfernen oder auf die Seite mit dem Klettverschluss zu legen, sodass man die Kordel dort versteckt unterbringen kann.
Das 7D RipStop Material ist angenehm leise, sodass es zu keinem lauten Rascheln kommt, wenn man mal wieder Salsa im Schlafsack tanzt, bis man seine optimale Schlafposition gefunden hat, was sich sowohl im Zelt als auch im Matratzenlager bei den Mitschlafenden sehr bezahlt macht. Auch dass der Schlafsack sehr leicht und dünn für seinen Einsatzbereich ist, kam mir auf der Hüttentour sehr entgegen.
Beim Schlafen draußen, wollte ich auf meinen Biwaksack nicht verzichten, da ich mit 7D dünnem Material für spitze Stöcke, Steine oder andere pieksige Elemente schon unangenehme Erfahrungen hatte. Das RipStop Gewebe hält den potenziellen Riss zwar auf, wird aber unansehnlich und hat dann eine dauerhafte Schwachstelle. Da das in der sächsischen Schweiz mit dem sandigen Steinboden anders ist als im moosigen Heidekraut war für mich also etwas Vorsicht geboten um auch noch lange Freude am Oscar zu haben. Mit Biwaksack ist das Thema der Ventilation natürlich etwas hinfällig, da der Sack dann zum begrenzenden Element wird.
Nordisk hat auf ihrer Website ein schönes Bild wo man im Schlafsack direkt so auf der Wiese sitzt/liegt – das würde ich so aber jedem der den Schlafsack auch noch lange weiter nutzen möchte so nicht empfehlen. Ausreichend große Isomatte und/oder Biwaksack sollten also für die Nacht unter freiem Sternenhimmel nicht fehlen.
Ansonsten konnte der Schlafsack jederzeit durch das Curve Design überzeugen. Egal ob auf dem Rücken liegend oder als Bauch oder Seitenschläfer – alles ließ sich im Schlafsack gut bewerkstelligen. Wer jedoch auch noch die Beine im Schlafsack unabhängig anwinkeln will, kommt hier an seine Grenzen – so viel Ausformung ist dann doch nicht da, sodass der Schlafsack hier mitkommt.
Fazit:
Ich konnte den Oscar Curve -2 auf meinen Reisen bei niedrigeren als auch hohen Temperaturen als einen sehr guten Freund gewinnen. Der Fokus des Schlafsacks auch um den Gefrierpunkt herum gut zu isolieren wird vortrefflich ermöglicht. In den warmen Sommernächten von +20°C kommt der Schlafsack fast ins Schwitzen – hier kann man aber mit der Venilation viel machen, um sich sich fast komplett aufzudecken.
Einziger Wermutstropfen sind der Kordelzug an der Halskrause und der Packsack ohne Kompressionsriemen, die aber an der reinen Schlaf- und Isolationsleistung nur wenig nagen. Wen das also stört, kann sich mit einem alternativen Packsack und einer Schere Abhilfe schaffen und so den Oscar Curve hervorragend beim Schlafen genießen. Alles in allem wirklich ein toller Schlafsack mit einem breiten Einsatzspektrum.