Robustes Multitalent für fast jeden Einsatz
VORTEILE
- Groß
- viele, sinnvolle Taschen
- fester Sitz
- robust und stabil
- Raincover inklusive
- gute Verzurrmöglichkeiten
NACHTEILE
- hartes Tragesystem
- scheuert etwas
- Eigengewicht relativ hoch
BEWERTUNG
Bereits letzten September durften meine Frau und ich stellvertretend für OutsideStories an einer Produktpräsentation der neuen Altus Rucksack Linie von Lowe Alpine auf der Erfurter Hütte im Rofan teilnehmen.
Dort hatten wir die Gelegenheit die Rucksäcke auf Herz und Nieren zu testen und unter die Lupe zu nehmen. Besonders cool war es natürlich, dass die Spezialisten von Lowe mit vor Ort waren und wir uns auch direkt mit deren Marketing und Entwickungsangestellten über die neue Altus Range unterhalten konnten.
Wir hatten zum Testen finale Vorserienmodelle, die endgültige Version erscheint im März 2019 im Fachhandel und online für den Endverbraucher.
Kommen wir zum Rucksack, ich durfte die Größe 42 l mit 1,71 kg Eigengewicht in der Farbe grün testen. Über die Deckeltaschen kann das Volumen nochmals um 5 l erweitert werden.
Der erste Eindruck war, dass der Rucksack nicht besonders leicht ist und recht massiv wirkt. Unser erster Einsatz war eine kurze Wanderung mit Übungsklettersteig im Rofangebirge. Für meine Frau und mich Premiere, wir sind bis dahin noch nie auf einer Via Ferrata unterwegs gewesen.
Für die kurze Tour haben wir nur das Klettersteigset inkl. Helm und eine Flasche Wasser dabeigehabt, hier war der Rucksack also relativ leer, trotzdem konnte ich den Rucksack mit den zahlreichen Zurrgurten stabil und wackelfrei am Rücken positionieren. Die aufgesetzte Rückentasche wirkt hier etwas wie ein Deckel, das den Inhalt flach komprimiert. Dieses System hat sehr gut funktioniert! Den Klettersteig haben wir dank den Bergführern die das Lowe Team engagiert hatte auch gut gemeistert! Die Aufgesetzte Tasche eignet sich perfekt um z.B. Helm oder Regenjacke schnell und einfach zu verstauen, ohne dem Kompletten Rucksack öffnen zu müssen. Überhaupt finden sich mehr als ausreichend Pockets am Rucksack, so dass es wirklich leicht fällt Ordnung zu halten.
Am zweiten Tag wurde nun mehr Inhalt gebraucht, es ging auf eine Dreiviertel-Tagestour inkl. Klettersteig. Diesmal war neben dem Klettersteigset auch eine 1l und eine 0,5l Flasche dabei, ein ausgiebiges Lunchpaket, Regenjacke, Isolierschicht, Leatherman, Handy, Kamera, etc…
Alles kein Problem für den Altus, der mit seinen 42l noch mehr als genug Reserven hat. Auch mit mehr Zuladung funktioniert der Altus dank seines eher harten und straffen Tragesystems zuverlässig. Nichts hängt durch oder verformt sich. Dafür ist das Tragesystem aber auch gefühlt weniger komfortabel als bei anderen Herstellern. Die Produktentwicklung kommentiert das auf Nachfragen so, dass viele weichere Gurtsysteme zwar angenehmer sind, bei harten und zahlreichen Einsätzen aber irgendwann auch gerne mal nachgeben oder zu weiche Schäume sich einfach platt drücken. Der Altus dagegen ist hier auf Robustheit und Haltbarkeit ausgelegt, dafür trägt sich der Rucksack etwas härter.
Auch im richtigen Klettersteig überzeugt der Rucksack mit seinem richtig gutem Sitz, nichts wackelt, nichts stört seitlich durch die schlanke Form kann der Rucksack bei Klettereinsätzen also glänzen. Auch wenn der Helm und die Klettersteigausrüstung nun angelegt und nicht mehr im Rucksack sind, kann alles mit den Riemen wieder gut festgezurrt werden.
Nach dem Klettersteig dann einfach wieder die Gurte etwas lösen und das ganze Zubehör wieder im Rucksack verstauen, kurz neu festziehen und weiter geht’s Richtung Mittagspause auf dem Gipfel.
Der Rucksack ist als klassischer Toploader konzipiert, kann aber auch über einen Reißverschluss, der die aufgesetzte Tasche umgibt großflächig von vorne geöffnet werden. Mit den Kompressionsriemen können seitlich Skier befestigt werden und auch für eine Eisaxt und Stöcke gibt es extra Halterungen. Für den Regeneinsatz ist natürlich ein Raincover integriert, das sich auch gut über den Rucksack ziehen lässt.
Die Stock-Halterung ist an sich sehr gut, da die spitzen in kleine Kunststoffösen eingefädelt werden und der Stock dann weiter oben nochmal fixiert wird. Super für Teleskopstöcke, aber nicht gut für unsere klappbaren LEKI Micro Carbon Stöcke, die sind dann nämlich zu kurz und funktionieren nicht mit dem System. Wir konnten sie aber einfach im Rucksack oder in einer der Stretch Taschen links und rechts befestigen, Trotzdem schade, dass das Haltesystem für (zumindest unsere) Klappstöcke nicht funktioniert.
Das Tragesystem AirContour+ sitzt wie schon gesagt sehr stabil und gut am Rücken, in Sachen Belüftung würde ich sagen, dass es OK funktioniert, aber nicht das Beste, das ich bisher hatte.
Des Weiteren ist der Rucksack natürlich Trinkblasenkompatibel und beinhaltet auch noch ein Alpines Notfallschema, damit man nichts vergisst, falls doch einmal etwas passiert und man leicht panisch wird. Die praktischen Taschen auf den Hüftgurten dürfen natürlich auch nicht fehlen. Sie sind hier auch nicht so groß ausgelegt, dass die Arme dran hängen bleiben und man sich wund scheuert, wie man es von manch anderen Rucksäcken kennt.
Der Rucksack erhält von mir abschließend 4 von 5 Sternen.
Er sitzt stabil bei jeder Füllmenge und Aktivität und das Zurrgurtsystem funktioniert tadellos. Ein Punkt Abzug bekommt der Altus für das harte Tragegurtsystem, das bei mir (ich bin ja recht schlank und knochig) doch merklich gedrückt und gescheuert hat, trotz relativ leichter Zuladung und für das relativ hohe Eigengewicht.
Ich würde den Rucksack Leuten empfehlen, die nur einen robusten Rucksack für alles vom Trekking, über Wander(mehr)tagestouren, Klettersteige, Skitour oder Camping suchen und denen das Eigengewicht des Rucksacks nicht so wichtig ist, wie dessen Haltbarkeit.
Vielen Dank an das Lowe-Team für das nette und informative Wochenende im Rofan und and Bernd und Julian für die Bilder aus dem Klettersteig!
Die Bewertung des Damenmodells Lowe Alpine Altus ND 32 könnt ihr hier lesen.