Konnte mich bei niedriger Durchflussrate nicht überzeugen
VORTEILE
- Filtert >99.99% der Bakterienbelastung heraus
- Filtert >99.99% der Microplastik-Partikel heraus
- Filtert >99.99% der Protozoen heraus
- Verbessert durch Kohlefilter: Geschmack, Geruch und Schwermetallbelastung
- Vielseitig einsetzbar und relativ leicht (89,3 g)
NACHTEILE
- Sehr großer Widerstand beim Trinken
- Aktivkohlefilter muss nach je 100 l gewechselt werden.
- Filtert keine Viren heraus
- Niedrige Durchflussrate
BEWERTUNG
Meine Erfahrungsgrundlage: Kurzzeit-Test
Der "LIFESTRAW FLEX" von Vestergaard wird mir seit Ende Oktober 2021 von Outside-Stories zum Testen zur Verfügung gestellt. An die Bereitstellung des Wasserfilters sind keine Verpflichtungen, abgesehen von der Veröffentlichung einer Bewertung an dieser Stelle geknüpft! Nach dem Ende des Testzeitraums darf ich den Wasserfilter behalten. Die folgende Bewertung basiert ausschließlich auf meiner persönlichen Erfahrung und spiegelt meine Meinung wieder!
Während des Testzeitraums hat sich der Herbst regenreich und sogar schneereich gezeigt! Der LifeStraw flex ist nicht der erste Wasserfilter, den ich besitze. Ehrlicherweise habe ich den LifeStraw zwar gewissenhaft bei Spaziergängen und Wanderungen getestet, war aber nie von ihm abhängig, da stets ausreichend Zugang zu frischem Wasser gegeben war. Die Wirksamkeit des Filters im Hinblick auf die Reduzierung der Bakterien- und Parasitenlast zu überprüfen ist für mich nicht möglich, wurde aber, so der Hersteller durch ein unabhängiges Labor verifiziert! So beschränkt sich meine Bewertung auf die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten und die Benutzerfreundlichkeit.
Der ausführlichen Bewertung möchte ich schon mal vorwegnehmen, dass mich der LifeStraw nicht vollständig überzeugen konnte.


Mein LifeStraw® Flex: Packungsinhalt, Fakten und Aufbau:
- Packungsinhalt: LifeStraw Flex filter, 650 ml flexible Trinkflasche, Spritze.
- Produktgewicht (Filter + Flasche): 89,3 g [Herstellerangabe]
- LifeStraw Flex Filter:
- Größe: 16 cm x 3.8
- Stufe 1: Membran-Microfilter
- entfernt >99,99% of Bakterien, Protozoen, Microplastik
- Filterleistung: 2.000 Liter
- Porengröße 0.2 micron
- Stufe 2: Aktivkohle + Ionentauscher
- Reduziert Chlorkonzentration
- Verbessert Geruch und Geschmack
- Reduziert Blei und Schwermetalle
- Filterleistung: 100 Liter
- LifeStraw Flex Flasche:
- Volumen: 650 ml
- Größe: 27 cm x 10 cm
- Gewicht: 48 g [selbst gewogen]
- Spritze: Gewicht: 30 g [selbst gewogen]
Der Packungsinhalt besteht neben einer flexiblen 650 ml Flasche aus dem Wasserfilter selbst und einer Spritze. Der Filter selbst ist mehrteilig aufgebaut und lässt sich zur Wartung und zum Trocknen einfach auseinanderschrauben. Der Aktivkohlefilter ist so schnell und einfach zu wechseln. Der Membran-Microfilter ist fest verbaut, kann ca. 2.000 Liter Wasser filtern und gibt die Lebenserwartung des Filters vor. Die Flasche ist größtenteils elastisch, der Hals aber starr aus Hartplastik gefertigt. Die Spritze ist zum zurückspülen des Filters gedacht.
{"preview_thumbnail":"/sites/default/files/styles/video_embed_wysiwyg_preview/public/video_thumbnails/e5rsomfKZjg.jpg?itok=Tk2r6xaR","video_url":"https://www.youtube.com/watch?v=e5rsomfKZjg","settings":{"responsive":1,"width":"854","height":"480","autoplay":1},"settings_summary":["Eingebettetes Video (Responsiv, automatisch abspielen)."]}
Erster Eindruck und Verarbeitung:
Die Verarbeitung des Sets ist überzeugend gut. Die flexible Flasche ist nicht glatt und bietet deshalb auch bei Nässe einen guten und griffigen Halt. Durch die große Flaschenöffnung lässt sie sich schnell und einfach befüllen, auch wenn der Wasserstand im Bächlein mal relativ niedrig ist. Der Filter lässt sich mittels Gewinde leicht in die Flasche schrauben, um so direkt aus ihr trinken zu können. So dient die Flasche in erster Linie als Dreckwasserbehälter. Einen separaten Deckel / Verschluss gibt es nicht.
Um kleine, im Filter verbliebene Luftbläschen auszuspülen und um nach der Benutzung den Filter rückzuspülen, ist eine höherwertige Spritze beigelegt. Ich nutzte diese auch an kalten Tagen, um nach der Benutzung den Filter möglichst trocken zu bekommen und Restwasser aus den Poren zu drücken, um ein Einfrieren und eine Beschädigung zu vermeiden. Der Filter selbst ist in zwei Filter-Kammern aufgeteilt. Die Erste, die Wichtigere, bildet das Herzstück des Filters. Sie filtert Partikel, welche größer als 0,2 Micron sind, heraus und soll somit gegen Bakterien und Protozoen schützen. Viren werden hierbei nicht herausgefiltert!!! Leider ist dieser Teil nicht austauschbar, aber mit 2.000 Litern Lebensleistung ausreichend für die meisten Anwendungen. Die zweite Stufe ist unterm Strich für die Ästhetik des Wassers verantwortlich und nicht für das Filtern von krankheitserregenden Keimen. So entfärbt die Aktivkohle das Wasser etwas und entfernt Gerüche und Geschmäcker. Dieser Filterteil ist einfach austauschbar und hat eine maximale Filterleistung von circa 100 Litern. Ein Ersatz kostet ca. 15 €.
Sowohl die Flasche als auch der Filter können unabhängig voneinander im Rucksack verstaut werden, sind robust und haben ein kleines Packmaß. Besonders der Filter lässt sich schnell irgendwo dazwischen schieben. Bei der Flasche würde ich mir wünschen, dass sie durchgehend bis zur Öffnung flexibel wäre, um sie noch kleiner verstauen zu können. Ob der Übergang zwischen dem flexiblen und dem starren Teil der Flasche auch auf Dauer dicht bleibt, wird nur die Zeit sagen können. Skeptisch bin ich aber.
Der Filter kann auf verschiedene Weisen eingesetzt werden, wobei das Zusammenspiel mit der Flasche nur eine Möglichkeit ist.
Anwendungsmöglichkeiten:
Der Filter kann auf verschiedene Möglichkeiten eingesetzt werden. Ich würde sagen, dass dies auch die große (und einzige) Stärke des Filters ist. So kann man den Filter spontan so nutzen, wie es die Natur und die eigenen Präferenzen grade verlangen.
- Als Strohhalm: Direkt aus dem einen Ende trinken, während das andere im Gewässer steckt.
- Im Zusammenspiel mit der Flex-Flasche. Um on-the-go aus einem kleinen Reservoir trinken zu können.
- Aufgeschraubt auf eine normale PET-Trinkflasche.
- Angeschlossen an eine Trinkblase.
- Als Gravity Filter (Gravity bag ist separat erhältlich)
Dass der Hersteller beim LifeStraw Flex so viele Anschlussmöglichkeiten ermöglicht, finde ich super, da die Idee dahinter nachhaltig ist. Im besten Fall braucht man so nur noch einen Wasserfilter für alle Eventualitäten. Ist dem aber auch so?



Benutzerfreundlichkeit:
Vorweg ist zu sagen, dass der Filter eigentlich supereinfach und selbsterklärend zu benutzen ist. So kann man ihn in den Anwendungsbereichen 1-4 nutzen, um direkt beim Wandern/Radfahren/Touren gehen aus einem Dreckwasserreservoir zu trinken. Oder beim Anwendungsbereich 5, um im Camp größere Frischwasser Vorräte aufzubereiten. Als Strohhalm genutzt müht man sich aber wirklich sehr ab. Zwar bekommt man direkt aufbereitetes Wasser aus der Natur in den Mund, aber die Durchflussrate ist wirklich sehr gering und es ist einfach langsam. Man saugt und saugt und bekommt einen Muskelkater in den Wangen, wenn man wirklich mal seinen Durst löschen und nicht nur den Mund mit wenigen Millilitern befeuchten möchte. Mit der Flex Flasche kombiniert kann man dem Saugen ein bisschen unter die Arme greifen, indem man die Flasche zusammenpresst. Leider ist es selbst dann immer noch sehr schwer und obendrein hält die Flasche am Übergang zum Filter nicht immer ganz dicht. Dass der Filter auch auf handelsübliche Plastik-Flaschen geschraubt werden kann, ist besonders hervorzuheben, da diese überall erhältlich sind und somit auch bei längere Touren verlässlich zur Verfügung stehen. Leider ist es auch hieraus relativ schwer zu trinken. Abhängig von der Flexibilität der Trinkflasche ist es ähnlich schwer, wie aus der Flex-Flasche zu trinken, bis hin zur Unmöglichkeit bei steiferen Hartplastik-Flaschen, welche sich nicht zusammendrücken lassen.
Der Anschluss an eine Trinkblase ist, wie auch die zuvor genannten Möglichkeiten denkbar einfach. Am "Dreckwasserende" des Filters lässt sich ein üblicher Trinkblasenschlauch einfach aufstecken. Dann lässt sich am Mundstück entweder ein weiterer Schlauch mit Mundstück aufstecken oder man trinkt direkt aus dem Filter. Leider ist auch hier, wie schon erwartet, der Trinkwiderstand enorm. Als Schwerkraft Filter genutzt, lässt der Filter zwar zunächst tröpfchenweise und später etwas mehr Wasser hindurch, aber die Ausbeute ist auch längerfristig doch eher ernüchternd.
Wichtig!!! Nach einer Weile ist mir aufgefallen, dass man den Filterprozess bei allen Anwendungen deutlich beschleunigen und vereinfachen kann, wenn man vor der Benutzung immer mithilfe der Spritze sauberes Wasser durch das Mundstück rückspült und so den Filter vollständig entlüftet. Das klingt jetzt zwar erst mal nicht weiter wild, ist aber tatsächlich nicht so einfach umsetzbar, da man eben erst einmal sauberes Wasser zum Rückspülen benötigt. Laut der beigelegten Anleitung ist dies so auch nicht gedacht und es wäre wünschenswert, wenn sich der Filter bei Benutzung selbst entlüftet.
Zusammenfassung und Fazit:
Der LifeStraw® Flex ist ein kompakter Filter, der mit seinen fünf verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten ein breites Spektrum bedient. Er filtert viele krankheitserregende Partikel aus dem Wasser heraus und lässt sich gut im Gepäck verstauen. Der Kohlefilter muss zwar nach je 100 l gefiltertem Wasser gewechselt werden, eine Benutzung des Filters ohne diesem ist aber auch denkbar. Der große Nachteil des Systems und welcher meiner Meinung nach alle Vorteile und den breiten Anwendungsbereich überwiegt, ist die körperliche Anstrengung, die zum Trinken nötig ist. Selbst mit der mitgelieferten Flasche lässt sich nur sehr langsam bei maximalem Saugaufwand daraus trinken. Es ist einfach weder der leichteste noch kompakteste Filter seiner Klasse. Für jeden einzelnen Anwendungsbereich gibt es leistungsstärkere Wasserfilter. Im Vergleich zu Konkurrenzprodukten stört mich besonders die suboptimale Durchflussrate. Bedacht werden sollte außerdem, dass der Filter keine Viren herausfiltern kann. Aus meiner Sicht eignet sich der Filter nur für Unternehmungen, bei denen nicht zu erwarten ist, dass ständig ein Wasserfilter benötigt wird, aber zur Sicherheit dennoch einer mitgenommen werden soll. Falls bei der Tourenplanung schon abzusehen ist, dass über einen längeren Zeitraum hinweg viel Wasser gefiltert werden muss, würde ich auf ein Modell mit einer höheren Durchflussrate zurückgreifen. Wasser benötigt man eben nicht nur tröpfchenweise.