Das Chuck Norris Handy.
VORTEILE
- Stoßfest
- Wasserdicht
- Temperaturstabil
- Zusatzakku und GPS-Verstärker
- Schutzhülle mit Karabiner
- View Ranger Code
NACHTEILE
- viele "einzigartige" Funktionen von Internetempfang abhängig
- Gewicht
- Größe (mit Adventure Pack und Hülle)
BEWERTUNG
Ein Handy zu beschreiben und bewerten ist aufgrund der vielen unterschiedlichen Funktionen keine einfache Sache, aber ich versuche einmal mein Bestes.
Ich bekam das Landrover Explore Outdoor Phone für 5 Wochen von Outside Stories zum Testen zur Verfügung gestellt. Dabei verwendete ich es drei Wochen als Spaßhandy (bzw. Zweithandy) und zwei Wochen als Haupthandy, damit ich auch alle anderen Funktionen, wo Internet nicht ausreichte, testen konnte.
Weiters nutzte ich das Handy beim:
- Wandern/Bergsteigen
- Campen
- Radfahren/Mountainbiken
Zum Einstieg:
Was war der Gedanke hinter dem Landrover Handy? Wenn man sich ein robustes Handy kaufen wollte, gab es eigentlich nur CAT-Handys (und ein paar Ausnahmen) am Markt. CAT Handys waren ursprünglich aber nicht für den Outdoor Bereich gedacht – ihr natürlicher Lebensraum ist eigentlich die Baustelle bzw. die Werkzeugkiste. Sprich, sie wurden eigentlich für Mechaniker entwickelt. Trotzdem fanden die Hersteller heraus, dass auch viele Sportler sich das Handy kauften und fingen deshalb zum Überlegen an, warum sie das taten. Es war zwar robust, aber es ist bei Regen schnell kaputt gegangen oder der Akku reichte für eine längere Wanderung nicht aus, bzw. sah es nicht sehr attraktiv aus, wenn man (im normalen Leben) in einem Büro arbeitet. Mit diesen Problemen im Hinterkopf wurde das Landrover Handy entwickelt – es hat ein edles Design, das sich auch im Job gut macht, hält allen Witterungen stand und hat eine lange Akkulaufzeit und verstärktes GPS-Signal dank dem Adventure Pack – um nur einige Eigenschaften zu nennen.
Nun der nächste Gedanke: Warum sollte man sich ein Handy beim Sport mitnehmen? Viele denken sich, wenn man auf einen Berg geht, möchte man Abstand zur Arbeit und daher auch vom Handy. Aber das stimmt so eigentlich nicht. Denn eigentlich will man nur keine Benachrichtigungen bekommen – denn wenn man fünf Stunden am Berg unterwegs war, möchte man trotzdem gerne ein Foto vom Gipfel machen und mit seinen Freunden teilen. Oder sich zwischendurch auf einer Karte orientieren, oder sich einen Track von der Route aufzeichnen, oder seiner Familie Bescheid geben, wo man sich momentan befindet, falls etwas Unerwartetes passiert. Mit dem Landrover Outdoor Phone hat man die Funktionen von Kamera und Garmin in einem und kann die Aufzeichnungen/Fotos so auch direkt auf sozialen Netzwerken teilen (oder auch nicht – je nachdem ;) ).
Aber nun zur Bewertung - ich fange mal mit den Äußerlichen des Outdoor Handys an:
Das Handy an sich:
Das Handy besteht aus drei Teilen: Das Handy an sich, ein Adventure Pack (Zusatzakku mit GPS Verstärker) und eine Schutzhülle mit Karabiner. Es ist 15,2 cm lang, 7,5 cm breit und mit Hülle satte 3 cm hoch. Das Erste, was einem auffällt, wenn man das Handy in der Hand hält ist, dass es sehr schwer ist (229 g, mit Extender und Schutzhülle mit Karabiner 422 g). Das ist aufgrund des Materials des Handys, denn es besteht aus Metall (glaube ich zumindest - ich konnte dazu keine genaueren Infos finden). Dadurch ist es zwar schwer, dafür aber stoßfest und so gut wie unkaputtbar. Weiters ist das Handy wasserdicht (für 40 min), hält extremen Temperaturen stand und trotzt sogar Salzwasser. Handy und Adventure Pack sind mittels Magneten verbunden. Dank dem Karabiner an der Schutzhülle kann man das Handy (wenn man will auch ohne Adventure Pack) am Rucksack anmachen. Zuerst befestigte ich es am Schulterriemen, das Herumpendeln hat mich aber nach einer Zeit gestört – dann habe ich herausgefunden, dass das Handy (mit Hülle und Adv. Pack) haargenau in die Hüfttasche meines Deuter-Rucksackes passt. Somit hatte ich es auch immer griffbereit. Auf der Rückseite der Schutzhülle befindet ebenfalls eine Vorrichtung für eine Fahrradhalterung.



Kamera:
16 MP Rückkamera, 8 MP Frontkamera
Die Qualität der Kamera und auch der Front Kamera war für mich ausreichend. Funktionen wie Panorama und Ameisenperspektive sind vorhanden. Aufgrund des Adv. Packs und der Schutzhülle gewinnt das Handy an Höhe, wodurch bei Regen nicht so schnell Tropfen auf der Linse landen. Bei schwachem Licht wurde die Fotoqualität schlechter, jedoch ist das bei Kameras nichts Neues. Aber da in diesem Fall Bilder mehr sagen als Worte, sind hier ein paar Beispielbilder, welche ich bzw. Freunde bei Wanderungen mit dem Handy gemacht haben:






Was mir am Handy sehr gefällt, ist der Nachtmodus. Hier gibt es einen mit rotem Licht und einen mit gelblichen Licht. Mit dem roten Nachtmodus ist das Handy für Rehe nicht sichtbar, was es insbesondere für Jäger sehr interessant macht. Hier ein Screenshot vom Schnellzugriff:

Die für mich genialste Funktion des Handys ist das Dashboard. In diesem kann man sich unterschiedliche Profile erstellen wie z.B. für Camping, Bergsteigen, Mountainbiken etc. und sich für die jeweilige Outdoor-Beschäftigungen die passenden Infos zusammenstellen. Hier ein Beispiel:

Die Funktionen sind von Internet, GPS oder Netzempfang abhängig. Besonders gefällt mir die Funktion Standort freigeben bzw. SOS – Standort freigeben. Mit dieser kann man einen Text verfassen und an einen ausgewählten Kontakt versenden, wobei die genauen Standortdaten via Google-Maps gesendet werden.
Eine weitere nette Funktion ist das Explore Hub: Dieses ist in verschiedene Kategorien unterteilt, wie z.B. Klettern, Wandern, Geocaching, Laufen etc. Klickt man auf eine der Kategorien, werden einem verschiedene passende Apps zum Thema vorgeschlagen. Dadurch habe ich wirklich tolle Apps gefunden wie z.B. das Survival Manual für Camping.


Das Handy hat ein Android 7.1.1 Betriebssystem. Die gängigsten Google Funktionen, sowie Apps wie Facebook, Instagram, WhatsApp und Twitter sind bereits vorinstalliert. Weitere coole vorinstallierte Apps sind Sky Map (hier kann man sich Sternbilder anzeigen lassen), Geocaching und Strava (Trainigsapp).

View Ranger:
Diese App ermöglicht es, dass man ein Handy zu einem Garmin macht. Man kann Tracks aufzeichnen, Routen vom Computer aufs Handy laden, Routen von View Ranger direkt laden, Punkte setzen oder sich einfach nur an der Karte orientieren. Wenn man ein Landrover Handy erwirbt, bekommt man einen gratis Code, mit welchem man zwischen einer Karte seiner Wahl oder 1000 Credits wählen kann. Die Karten generell sind kostenpflichtig, man kann sich aber eine Open Street Map herunterladen. Diese ist jedoch offline nicht verfügbar.
Ich tat mir etwas schwer mit der App. Ich hatte mir eine Österreich Karte und eine Route für meine längere Tour heruntergeladen, jedoch änderten wir dann spontan aufgrund der Wetterlage die Route. Dementsprechend hätte ich mich an der Karte orientiert. Als ich dann näher zoomte, stellte sich heraus, das die Karte unscharf war. Um eine detaillierte Karte zu erhalten, musste ich mir die Zone mit genauerem Maßstab kaufen/laden. Da wir jedoch die geplante Route geändert hatten und ich keinen Internetempfang am Berg hatte, war das nicht möglich. Somit war die App für mich, bis auf die Aufzeichnung vom Track, nicht sehr bedienungsfreundlich.




Akkulaufzeit: Bei sehr intensiver Nutzung (Google Maps, View Ranger, Taschenlampe) hält der Akku einen Tag (ohne Adventure Pack). Mit Zusatzakku und ebenfalls intensiver Nutzung hält der Akku noch weitere 1,5 Tage (diese Angaben sind jedoch relativ – abhängig vom Nutzungsgrad).
Bei sparsamer Nutzung hält das Handy mit Adventure Pack eine Woche (ohne Ausschalten).

Outdoor-Erfahrungen:
Natürlich musste ich die Robustheit und die Wasserdichtheit des Handys testen. Dazu sind hier zwei Videos:
Weiters dazu hat mich bei einer Wanderung ein Unwetter erwischt. Für mich nicht so freudig, dem Handy war es aber egal – es funktionierte (bis auf die Netzfunktionen) einwandfrei.
Ich nahm das Handy auf eine zweitätigen Wanderung mit. Während dieser hatte ich kein Netz und keinen Internetempfang. Ich dachte mir erst nichts dabei, da ich ja in den Bergen war. Am zweiten Tag kam es mir jedoch komisch vor, da meine Freundin schon Empfang hatte, obwohl sie das gleiche Netz hatte wie ich. Ein und Aus-schalten wollte ich aber nicht, da ich so den Track unterbrochen hätte. Ich schickte dann von ihrem Handy Nachrichten mit unserer Position. Am Ende der Tour startete ich das Handy neu, da funktionierte dann wieder alles. Es war trotzdem aber sehr ärgerlich.
Nach einem Gespräch mit John und Melanie (Support vom Landrover Phone) hat sich jedoch herausgestellt, dass ich eine veraltete Software installiert hatte. Mit dem neuen Update hatte ich keine Probleme mehr mit Empfang.
Das bringt mich zum nächsten Punkt: Die meisten Funktionen wie Sonnenaufgang/Sonnenuntergang, Wetter, Windgeschwindigkeit etc. sind von Internetempfang abhängig. In den Bergen hat man diesen jedoch nur selten. Dementsprechend kann man diese Funktionen, welche besonders beim Campieren in den Bergen sehr nützlich wären, leider nicht nutzen. In meinem Fall hatte ich auch kein Netz, wodurch ich meinen Standort nicht freigeben konnte bzw. keine Not-SMS versenden konnte.

Was zusätzlich noch etwas ungünstig ist: Für normal senden Handys die SMS, welche momentan nicht gesendet werden können, diese automatisch später wenn wieder Netz vorhanden ist. Das macht dieses Handy nicht. Ich schickte mehrere Standort-SMS in der Hoffnung, dass sie gesendet werden sobald ich zwischendurch mal Netz habe. Nur sind leider keine angekommen, auch später nicht. Man muss diese händisch erneut senden, was im Notfall etwas ungünstig ist.
Was für mich noch ein Nachteil ist: Ich habe sehr kleine Hände, deshalb ist das Landrover-Handy mit 5 Zoll zu groß für mich, um es mit einer Hand problemlos zu bedienen. Bei meinem bisherigen Handy habe ich mit einem Pop-Socket ausgeholfen. Diesen kann ich am Landrover-Handy aber leider nicht befestigen, da man sonst das Adventure Pack nicht anschließen kann. Grundsätzlich ist es ja egal wenn das Handy runter fällt, da es das ja aushält. Trotzdem wäre es insbesondere beim SMS schreiben angenehmer, wenn man das Handy besser in der (kleinen) Hand halten kann.
Ein weiterer Mangelpunkt: Eine der vier Kontaktstelle am Adventure Pack korrodiert bereits.

Meine Anfangs-Überlegung zum Handy war: Was ist klüger – Handy und Garmin in einem, oder doch lieber zwei getrennte Geräte? Nach dem Testen finde ich es weiterhin klüger, Handy und Garmin getrennt auf zwei Geräten zu nutzen. Man kann sich zwar Routen aufs Handy laden, nur bin ich ehrlicherweise nicht technik-affin genug, um mich mit den online/offline Funktionen der Karten von View Ranger auszukennen. Weiters weiß ich nach den fünf Wochen nicht, wie sich das Handy nach zwei Jahren verhält, bzw. wie lange da dann noch der Akku hält. Fürs Bergsteigen konnte ich leider nur die offline-Funktionen des Handys nutzen (also leider meist nicht die zusätzlichen Funktionen, die das Handy einzigartig machen). Jedoch ist es trotzdem wasserdicht, stoßfest und temperaturstabil - und mit dem Adventure Pack und den weiteren kleinen Extras wie z.B. den Karabiner, hat Landrover dennoch ein tolles Outdoor Handy entwickelt. Ein großer Vorteil zu anderen Outdoorhandys am Markt ist auch der interne Speicherplatz – dieser beträgt nämlich 64 GB. Somit muss man, nicht wie bei anderen Handys, auf Apps wie Facebook oder Instagram verzichten. Immerhin ist es schön, seine Outdoorerlebnisse mit Freunden zu teilen, ohne andauernd an einen limitierten Speicherplatz erinnert zu werden. Neben der SIM-Karte (Nano-SIM) ist auch Platz für eine Speicherkarte vorhanden.
Da ich auch gerne mit dem Tourenrad unterwegs bin, habe ich mich zwecks einer Fahrradhalterung für das Handy erkundigt. Diese kann man zusätzlich zum Handy um ca. 35 € erwerben. Hier ein Link zum Nachlesen: https://landroverexplore.de/explore-outdoor-phone/packs-zubehor
Zuletzt möchte ich noch ein großes Lob an den Kundenservice von Landrover aussprechen. Dieser war während meines Testzeitraums sehr bemüht, alle Probleme, die ich mit dem Handy hatte, zu lösen. Dabei war meine Kontaktperson immer nett und schrieb in der Regel schnell zurück.
Fazit:
Fürs Bergsteigen konnte ich einige Funktionen leider nicht nutzen - wenn man jedoch Outdoor-Sportarten macht, bei denen man Internet- und Netzempfang hat, ist es das ideale Handy. In diesem Fall kann ich es ohne schlechtem Gewissen jedem weiterempfehlen, der nach einem stabilen Outdoor-Handy mit zusätzlichen Features sucht. Ich hatte eine Prototypen des Handys zum Testen – sobald das Handy jedoch am Markt ist und die kleinen Schwachstellen behoben sind, werde ich es sehr wahrscheinlich erwerben (derzeitiger Preis 649 €), da es mit dem edlen Design und den tollen Outdoor-Funktionen sowohl mit meinem Leben am Schreibtisch als auch mit meinen Aktivitäten in der Natur kompatibel ist.
