Guter Grip, wenn's rutschig wird
VORTEILE
- Gut anzuziehen
- Hält sehr gut am Schuh
- Phänomenaler Grip auf Schnee oder Matsch
- Kann auch in kombiniertem Gelände getragen werden
- Kein Verheddern der Ketten
NACHTEILE
- Neigt bei weichem Schnee zur Stollenbildung
BEWERTUNG
Gerade bei Frühjahrstouren kommt es immer mal wieder vor: Vereiste Schneefelder, die gequert werden müssen. Im Gegensatz zum Hochwinter sind die Frühjahrsschneefelder besonders tückisch, da man durch die Sonneneinstrahlung tagsüber in Kombination mit kalten Nächten häufig eine hart gefrorene Oberfläche vorfindet.
Viele Bergunfälle passieren in diesen Zeiten durch Abrutschen auf diesen Schneefeldern und auch ich musste schon bei der ein oder anderen Tour umdrehen, weil das Schneefeld für eine Querung nicht sicher genug erschien. Und wer hat denn im Mai schon Steigeisen und die zugehörigen steigeiesenfesten Stiefel dabei, wenn man doch einfach nur den Hausberg mit einer Gipfelhöhe von 1900m besteigen wollte
Für diese Fälle eigenen sich Spikes hervorragend. Zum Beispiel die "Microspikes" von Kahtoola. Diese Spikes durfte ich in den vergangenen Wochen ausgiebig testen, und es gab sogar die passenden Bedinungen für dieses Produkt.

Was sind denn die kahtoola Microspikes?
Im Prinzip handelt es sich um "Schneeketten" mit kleinen Haifischzähnen für die Schuhe. Die Zähne sind an dünnen Ketten befestigt und werden über ein Elastomerband über den Schuhrand gezogen, sodass die Ketten und Spikes sich im Sohlenbereich befinden. Die Schuhe, auf die man die Microspikes aufziehen möchte, müssen keine besonderen Voraussetzungen erfüllen, lediglich ein gewisses Maß an Sohlenrand ist notwendig und der Schuh muss einen geschlossenen Fersenbereich aufweisen.
Die typische Anwendung wären also Wanderschuhe, aber auch Laufschuhe sind im Prinzip möglich. Durch die weichere Sohle des Laufschuhs könnte es allerdings sein, dass die Passform des Schuh aufgrund des starken Elsatomerbands geringfügig verändert wird. Zum Spaß habe ich auch mal versucht, ob ich die Spikes auch über Crocs ziehen kann...theoretisch wäre das halbwegs möglich, aber an der Ferse sehr unangenehm. Wir wollen allerdings auch nicht wirklich mit Crocs in die Berge gehen, oder?

Die Testumgebung
Für meinen Test der Microspikes ist ein Faktor unverzichtbar: Schnee. Und der November diesen Jahres hat dafür schon ein bisschen bereitgestellt: ca. 20-30 Zentimeter Altschnee, der bereits ein paar mal angetaut und wieder gefroren war. Insbesondere in Schattenbereichen etwas mehr, an sonnigen Südhängen deutlich weniger bis gar nichts.
Als Test-Tour habe ich mir das Rubihorn bei Oberstdorf ausgesucht. Anstieg südseitig, oben etwas über den Grat zum Gipfel. Vom Tal aus konnte ich nur wenige Schneefelder in den Rinnen ausmachen und hatte schon die Befürchtung, man benötigt die Spikes gar nicht.
Aber genau das ist ja das Fiese: Vom Tal aus sieht man das eine Schneefeld nicht, dann steht man davor und kommt nicht drüber, wenn man keine Spikes dabei hat. Schon im Anstieg in den tieferen Lagen ist mir aufgefallen, dass unter der Schneeschicht teilweise eine gefrorene Eisschicht war. Im flacheren Gelände ist das ja kein Problem, wenn es aber etwas ausgesetzter wird, ist die Bodenhaftung elementar.
Im oberen Bereich meiner Test-Tour musste ich ein paar felsdurchsetzte und ausgesetzte Passagen queren, das war dann der Zeitpunkt, an dem ich die Mikrospikes angelegt habe. Durch den Wechsel zwischen schattigen und sonnigen Bereichen waren zwischendurch auch mal komplette Abschnitte ohne Schnee enthalten, dabei auch leichte Klettereien im trockenen Fels. Ich diesen Bereichen habe ich die Spikes dennoch am Schuh gelassen. Im Abstieg habe ich die Spikes sogar noch länger am Schuh gelassen, im Prinzip bis zum letzten kleinen Schneerest.
Erfahrungswerte
Das Anlegen der Microspikes habe ich im Aufstieg relativ lange hinausgezögert, mit dem Resultat, dass ich diese an einer sehr ungünstigen Stelle ohne Sitzmöglichkeit anlegen musste. Vor diesem Anlegen hatte ich schon ein wenig Respekt, es hat sich dann allerdings als einfacher dargestellt, als ich vermutet hätte: Elastomer über den Zehenbereich /Vorfuß anlegen, dann das Elastomer auf einen Schlag hinten über die Ferse ziehen.
Das ging eigentlicht erstaundlich einfach, ich habe dann noch geprüft, ob die Spikes und Ketten auch wirklich korrekt sitzen oder gar verdreht sind. Zu meiner Überraschung saßen die Spikes auf anhieb korrekt. Auch der zweite Schuh ging ähnlich problemlos. Auf den ersten Schritten mit Spikes war sofort das zusätzliche Sicherheitsgefühl aufgrund der sehr guten Haftung zu spüren.
Der Bewegungsablauf mit den Spikes beim normalen gehen ist absolut nicht beeinträchtigt. Die 12 kurzen Zacken (1 Zentimeter) sorgen für den notwendigen Grip und die Gefahr des "Hängenbleibens" an Unebenheiten ist nicht gegeben. Das Elastomer hält die Spikes sehr gut am Schuh und musste während der gesamten Tragezeit (ca. 3 Stunden) nicht nachjustiert werden.
Die Mikrospikes sind ja eigentlich für Schnee oder Eis gemacht. Aber auch im kombinierten Gelände, wo man ab und zu Felskontakt hat oder auf Steigbleche tritt, kann man die Spikes gut am Schuh belassen. Ich habe an den Zacken nach der Tour mit ca. 70% Schnee und 30% Fels und Schotter keinerlei Abnutzungs oder Biege-Einflüsse erkennen. Dadurch dass die Spikes sich auch eher in der Mitte der Sohle befinden (in Querrichtung des Fußes gesehen), ist der Schuhrand frei für kleines Klettereinlagen. Man muss die Tritte allerdings schon gezielt setzen. In solchem Gelände befindet man sich allerdings bereits außerhalb des vorgesehenen Anwendungsbereichs.
Ein kleiner Nachteil, den ich bei meiner Tour ausmachen konnte, war die häufige Stollenbildung an den Spikes. Sicherlich ist dieses Verhalten abhängig von der Schnee-Art und die Stollen können einfach abgeklopft werden, dennoch muss man diesbezüglich aufmerksam sein.
Das Ablegen der Microspikes gestaltet sich ebenso einfach wie das Anlegen und kann gut einbeinig (evtl. auf einen Stock gestützt) durchgeführt werden.
Damit die Microspikes während des Transports im Rucksack keine anderen Ausrüstungsgegenstände beschädigen, werden diese in einem passenden Nylonsäckchen geliefert.

Anwendungsbereich
Auf der Verpackung der Microspikes ist vermerkt dass die ideale Aktivität für das Produkt "Hiking" und "Backpacking" ist. Ich würde diese beiden Aktivitäten als Wandern und Bergsteigen übersetzen. Im Beipackzettel ist allerdings explizit der Satz vermerkt: "Dieses Produkt ist für Fußgänger entwickelt und nicht zum Bergsteigen geeignet." Aus meiner Sicht kann man mit den Microspikes schon mehr machen, als nur Spaziergänge.

Größen-Auswahl
Die Microspikes sind in 4 verschiedenen Größen verfügbar: S, M, L, XL. Je nach Schuhart muss man die entsprechende Größe wählen, die auf der Verpackung gut dargestellt sind. In meinem Fall hatte ich die Microspikes in Größe M auf einem Bergschuh mit Schuhgröße 42,5, das hat sehr gut gepasst.
Fazit
Die Microspikes müssen auf jeden Fall im Herbst und Frühjahr in jeden Rucksack. Leicht, schnell angelegt, guter Grip...alles, was man für die Querung von Schneefeldern benötigt.