Leicht, Spitz, Guter Sitz - Schneeeule für alle Bedingungen!
VORTEILE
- Leicht
- Wechselbare Frontzacken
- Guter Halt
- Gute Verarbeitung
- Guter Halt am Eis und Fels
NACHTEILE
BEWERTUNG
Liebe Outdoorfreunde,
ich erzähle euch heute mit Freude etwas über Steigeisen. Konkret handelt es sich um die „Blue Ice“. Die Variante heißt „Harfang Tech“. Harfang heißt auf Französisch „Schnee-Eule“, was ich für sehr treffend halte, weil es ja Leichtsteigeisen sind – man fühlt sich mit ihnen, als würde man fliegen.
Nun aber genug der Einleitung. Die Harfang Tech – nicht zu verwechseln mit den Harfang (ohne Tech) haben Frontzacken für Steileis, welche man auch wechseln bzw. zu einer Monozacke umstecken kann. Dieser Vorgang ist super einfach, aber falls man selbst nicht überlegen möchte, natürlich auf dem Beipackzettel bebildert nachzulesen.
Da setz ich gleich an: Stabile Frontzacken sind für Steileis gedacht bzw. für Mixed-Gelände. Wer solche Touren nicht vorhat, ist sicherlich gut genug beraten mit der „nicht Tech“-Variante der Steigeisen. Ein Argument für die Tech-Eisen würde mir einfallen: Auch bei leichten Touren sind die Zacken irgendwann abgenutzt – so kann man sie wenigstens tauschen. Allerdings glaube ich, wenn man einmal so viel unterwegs ist, dass die Frontzacken unbrauchbar werden, ist der Rest der Eisen auch schon hinüber.
Vorteil ohne Tech: minimal leichter und ebenfalls günstiger. Das wollte ich an dieser Stelle loswerden für Eis‑/Schneeneulinge. Da ihr hier aber einen Bericht über technische Steigeisen lest, widmen wir uns jetzt diesen. Auch wenn es Leichtsteigeisen sind, sind sie für steiles Eis und Fels durchaus geeignet.
Natürlich muss man abwägen: Stabilität versus Gewicht. Die Eisen sind sehr stabil: Durch das breite Band statt Schnüren als Verbindung zwischen vorne und hinten, kann sich das Konstrukt nicht so leicht am Schuh verwinden. Auch die Schnalle hinten ist fest und stabil ausgeführt. Somit kann ich schon beim Auspacken sagen, dass sie gut halten werden (Spoiler: jap!). Die Befestigung vorne weicht vom traditionellen Korb ein wenig ab und ist meiner Meinung nach ein Hybrid zwischen Korb und Steg. Gelungen, denn der Halt war in Ordnung und das Gewicht ist vermutlich weniger als bei einem Korb.
Beim Hersteller findet man eine Unmenge an Zubehör/Tauschteilen: Man kann das Steigeisen also modifizieren, ganz nach seinem eigenen Wunsch! Ein Steg für vorne ist inkludiert bei der Lieferung, aber man kann Aluteile wählen, andere Stollplatten, weitere Stege für Skischuhe, und noch ein paar Sachen mehr. Top für Bastler.
Wie konnte ich nun diese Geräte testen? Wichtig für den Test und den daraus folgenden Bericht ist es zu erwähnen, welche Schuhe ich benutzt habe. Es waren die SALEWA Ortles Ascent Mid Gore‑Tex. Also sollten die Eisen sich bei euch anders verhalten am Schuh – unbedingt diese Information im Hinterkopf behalten.
Ich war einmal am Großglockner – unserem schönen höchsten hier in Österreich. Mein Tourenpartner und ich hatten beide Blue Ice Harfang – ich die Tech und er die Standardvariante. Unsere Route war die Mayerlrampe, eine bis max. 70° Eiswand auf der Nordseite des Großglockners.
Die Bedingungen waren alles andere als gut: Blankeis, aber davon dafür wenig, ausgeapert und Steinschlaggefahr. Die Steigeisen taten aber ihr Ding: Mein Tech in Kombination mit den Salewa-Schuhen hielten sowohl am Schuh als auch im Eis und Fels. Mein Tourenpartner berichtet bei seinen, dass sie im Eis super gehalten haben, aber im Felsen seitlich ein wenig nachgegeben hätten – macht Sinn, wenn man sich die Form und damit die Auflage am Felsen ansieht. Alles in allem war aber auch er sehr zufrieden. Mein Fazit zu der Tour: Die Eisen super! Die Verhältnisse katastrophal.
Des Weiteren habe ich die Eisen noch in einer Gletscherspalte beim Eisklettern probiert – da ich sie leider im Sommer bekommen habe und damit keine Eisfälle in meiner Reichweite stehen. Aber der Ersatz in einer Gletscherspalte, solange sie noch existieren, ist für den Sommer absolut genial. Die Steigeisen hielten sehr gut. Obwohl die Wände weich, fast schon schneeartig waren, hielten die langen Frontzacken stabil an der Wand. Beim Zustieg und Abstieg zu der Spalte war der Schnee sehr weich – die Angst ums „Anstollen“ machte sich breit. Aber es war tatsächlich kein Thema – vor allem nicht einmal auf dem Verbindungsstoff, welcher mir am anfälligsten erschien.
Allgemein: Die Verarbeitung ist top. Das Metall ist hochwertig, ebenso die verwendeten Riemen und Kunststoffteile. Das Metall ist Chromvanadiumstahl, also rostfrei. Das Band ist aus Dyneema – eine meiner Meinung nach sehr gute Wahl, da es sehr robust sein müsste gegen Durchtritt.
Ich muss ehrlich zugeben, ich habe mir bei dieser Bewertung schwergetan: Irgendwie kam ich nicht in den Flow des Schreibens. Wieso, weiß ich nicht, aber die Steigeisen haben mich bei meinen (leider) wenigen Touren sehr begeistert, daher konnte ich mich dennoch dazu aufraffen, den Bericht für euch zu schreiben! Wenn mich die Eisen (und hoffentlich auch euch alle) im Winter auch zu Touren so motivieren – dann sind sie wirklich Gold wert! Ich bin sehr zufrieden – bei einem Gewicht von ca. 650 Gramm (das Paar!) und einem Preis von ab 200 € sind sie eine sehr gute Wahl für Anfänger und Profis! Vor allem kann man sich sehr lange weiterentwickeln, bevor man umsteigen müsste.

