Bereit für alpine Abenteuer.
VORTEILE
- Alpiner Einsatzbereich
- Geröllschutz
- Steigeisenkompatibel
- Wasserdicht
- Hochwertige Materialien und wieder besohlbar
NACHTEILE
- Zu Beginn ziemlich steif
- Hoher Preis
BEWERTUNG
Test: Asolo FRENEY EVO MID LTH GV
Vorab gesagt: Der Asolo ist kein Leichtgewicht, er ist kein Trailrunning oder ein Zustiegsschuh. Ebenso ist er kein Wanderschuh für einen gemütlichen Wandernachmittag im Mittelgebirge. Nein, der Asolo ist vielmehr. Er ist ein Bergstiefel, der insbesondere im alpinen Bereich oder bei langen Mehrtageswanderungen und anspruchsvollen Trekkingtouren mit schwerem Gepäck seine Vorzüge ausspielt. Ebenso kann er auf Klettersteigen, wo man präzise Schritte machen muss, glänzen.


Es handelt sich somit um einen Wanderschuh, der in der Kategorie C einzuordnen ist und in zwei verschiedenen Farben verfügbar und in den Größen 7 bis 12,5 zu erwerben ist.

Bevor ich nun zu meinen gemachten Erfahrungen komme, möchte ich euch den Schuh einmal kurz vorstellen:
Material:
- OBERMATERIAL: wasserabweisendes Perwangerleder 2,2 - 2,4 mm
- FUTTER: Gore-Tex Performance Comfort Footwear
- BRANDSOHLE: Asoflex Rock Mid aus Polypropylene
- ANATOMISCHES FUSSBETT: Lite 4
- SOHLE: Vibram 1229 Mulaz + Zwischensohle aus PU + EVA Dämpfung in der Ferse + TPU Steigeisenbefestigung

Was heißt das nun im Detail? Zunächst einmal ist festzuhalten, dass der Schuh aufgrund seiner Gore-Tex-Membran wasserdicht ist. Dies bedeutet aber auch, dass er sicherlich weniger atmungsaktiv ist als ein vergleichbarer reiner Lederschuh. Das Obermaterial Perwanderleder ist aber ein richtiger Burner.
Es ist ein hochwertiges, wasserabweisendes Nubukleder aus Südtirol. Es stammt von der italienischen Gerberei Perwanger, die sich seit Jahrzehnten auf Leder für Berg-, Wander- und Kletterschuhe spezialisiert hat. Perwanger verwendet überwiegend 2,6–3,0 Millimeter dickes Rindsleder, das in einem speziellen Gerb- und Imprägnierungsverfahren behandelt wird.
Die wasserabweisenden Eigenschaften sind dabei dauerhaft in das Leder eingearbeitet und nicht nur oberflächlich aufgesprüht. Es ist dabei wasserabweisender und atmungsaktiver als anderes Leder und überzeugt durch eine hohe Reiß- und Abriebfestigkeit. Somit wird also, meinem Bedenken nach, zu wenig Atmungsaktivität schon einmal Einhalt geboten.

Sohle: Diese ist neben dem Tragekomfort sicherlich das mit Entscheidende bei einem Wanderschuh, denn sie entscheidet über guten Halt oder Rutschpartien. Beim Freney ist die Vibram 1229 Mulaz verarbeitet.

Sie bietet ein relativ grobes, kantiges Profil und gibt dadurch guten Halt auf Geröll, Erde und unebenem Gelände . Dabei ist die spezielle Anordnung der Stollen auch auf Fels ausgelegt.

Die relativ große Auflagefläche im Vorfuß ermöglicht präzises Antreten auf Felskanten. Asolo nennt dies als eine Climbingzone im Vorfußbereich. Echt Gedanken gemacht. Großartig, dass daran gedacht wurde. Auch hat sie eine “selbstreinigende Funktion”, d.h. Steine, Kiesel etc. sollten nicht in der Sohle versacken, sondern sich wieder hinfort machen. Bei einem alpinen Wanderschuh ist es schon ein weiteres Highlight, dass eine
Steigeisenbefestigung möglich ist.
Dies bedeutet, dass der Schuh für die Aufnahme von Steigeisen konstruiert ist. Beim Asolo handelt es sich um eine halbautomatische Steigeisenbefestigung. Das heißt: ein Fersenbügel hinten und Korb/Riemen vorne. Sie werden hinten über einen Kipphebel an einer dafür vorgesehenen Steigeisenaufnahme befestigt und vorne mit einem Korb/Riemen über die Schuhspitze fixiert.

TPU, also thermoplastisches Polyurethan (ein biegsamer Kunststoff) verstärkt diesen Bereich und sorgt für zusätzliche Stabilität und Schutz.

In der Praxis:
Tragekomfort:
Der Freney gehört eingelaufen. So hatte ich nach einer ersten 3-stündigen Probewanderung direkt immense Probleme mit einer Druckstelle am Knöchel. Dementsprechend konnte ich den Schuh gute zwei Wochen nicht mehr an meinen Fuß ranlassen. Jeder Fuß ist natürlich absolut individuell anders.
Und so war es bei mir auch der rechte Knöchel, der Beschwerden bereitete. Diese Stelle musste von mir in der Folge mit besonderer Vorsicht betrachtet werden. Ich habe daher zu Hause das Leder immer mal wieder etwas geformt, um es ein wenig geschmeidiger zu machen. Und tatsächlich nahm die Reizung an dieser Stelle ab.


Im Fersenbereich ist zusätzlich ein EVA Shock Absorber eingespritzt. Dies ist ein leichter und elastischer Schaumstoff, der beim Auftreten einen Teil der Stoßenergie aufnimmt. Dadurch soll die Ferse beim Gehen und insbesondere beim Abstieg entlastet werden.

Des Weiteren sollte man schauen, dass man den Schuh nicht auf Asphalt einläuft. Sein Abrollverhalten auf Asphalt ist nämich weniger flüssig als bei einem normalen Wander- oder Alltagsschuh. Die steife Sohle unterstützt zwar die Stabilität im Gelände, verhindert aber ein natürliches Durchbiegen des Fußes beim Gehen, so dass die Fußsohle hier schon recht schnell ermüden kann.
Die Einlegsohle ist minimal dick und kann natürlich auch ausgetauscht werden.

Ich habe den Freney in den Bergen des Virgentals und im Pinzgau getragen. Schweres Gewicht hatte ich hier auch zum Teil dabei, da ich eine Kraxe mit ca. 15 Kilo Tragegewicht tragen durfte. Auch die Witterungsbedingungen verlangten dem Schuh einiges ab, da eine Schlechtwetterfront durch die Alpen zog.
Auch wenn ich im Sommer eigentlich ungerne Gore-Tex-Schuhe trage, war ich in diesem Fall darüber erfreut, so dass meine Schuhe sicher trocken blieben und ich mir einfach keine Gedanken darüber machen musste, ob ich den Fuß in anschwellende Bachläufe oder Matsch packte.
Auch bei diesen Bedingungen konnte die selbstreinigende Wirkung der Sohle überzeugen, sodass mich die Trittsicherheit wirklich überraschte. Großer Fan bin ich auch von dem Geröllschutz des Schuhs, welcher dem Schuh langfristig ein längeres Leben einräumt.
Ebenfalls konnte mich die Stabilität im Fußgelenk beeindrucken. Gerade bei höherem Gewicht auf dem Rücken neigt mein Fuß immer mal wieder dazu, auszubrechen. In dem Fall des Freney gab es diesbezüglich keine Probleme.
Nach mehreren Stunden des Tragens war ich in den ersten Tagen aber auch immer wieder froh, den Schuh auch mal wieder ausziehen und durchlüften zu können. Dies hat aber vielleicht auch mit meiner speziellen individuellen Wärmeentwicklung in Schuhen zu tun. Bei Temperaturen um die 20 Grad hätte ich mir zum Teil einfach ein noch besseres Schuhinnenklima gewünscht. Wahrscheinlich ist dies aber auch gar nicht möglich, dies weiter zu optimieren.
Vorteile der Schnürung:
Der Freney verfügt über ein Tiefzugelement, welches ich auf längeren Touren mit vielen Auf- und Abstiegen nicht mehr missen möchte. Denn die Fixierung durch das Tiefzugelement verhindert das unangenehme Vorrutschen des Fußes, was meine Zehen spürbar schonte (welche ich schon von einem anderen Paar Schuhe bereits leicht blau hatte). Beim Aufstieg habe ich die Schnürung dagegen im Knöchelbereich recht locker gebunden, um auch weiteren Druckstellen entgegenzuwirken. Dennoch hatte der Fuß noch genügend Halt und Stabilität.


Weitere Vorteile:
Es gibt eine Anziehschlaufe, auch praktisch zum Aufhängen in Trockenräumen.

Verarbeitung:
Der Schuh ist top verarbeitet. Es ist alles sauber genäht oder verklebt. Die Abnutzungserscheinungen sind selbst nach Wanderungen in herausforderndem Gelände minimal.

Preis:
Der Preis ist sicherlich in der Oberklasse einzusortieren. Aber du bekommst dafür auch einen, wie bereits geschrieben, top verarbeiteten Bergstiefel, der steigeisenkompatibel und wasserdicht ist, und bei dem nur das beste Material (Perwanger) verarbeitet worden ist. Ebenso ist der Schuh wieder besohlbar, sodass man mit den Freney sicherlich viele, viele Jahre Spaß haben kann.
Mein Fazit:
Absolut gewinnbringender Schuh, wenn man auch mal höhere, alpine Touren machen möchte. Letztlich ist er für jedes Abenteuer vorbereitet und man wird aufgrund seiner hohen qualitativen Verarbeitung viel und lange Freude an ihm haben.


