Toller Trailrunning Schuh für steiles und felsiges Gelände
VORTEILE
- gute Passform
- guter Grip
- angenehme Dämpfung
- gute und schnelle Schnürung
- verhältnismäßig leicht
- nicht sehr anfällig für Dreck
NACHTEILE
- weniger gute Verarbeitung im Inneren
- man schwitzt sehr schnell im Schuh
- enge Toebox
- Gore-Tex-Membran nicht vollständig (Produktionsfehler?)
- hoher Preis
BEWERTUNG

Zum Hersteller
Scarpa wurde als kleine Schuhmanufaktur 1938 in Norditalien gegründet. Über all die Jahre hat sich Scarpa zu einer international bekannten und geschätzten Outdoor Marke entwickelt und bietet neben Berg- und Kletterschuhen auch Ski-, Trekking-, Hiking-, Running- sowie Lifestyle-Schuhe an.

Erster Eindruck


Der Scarpa Ribelle Run GTX macht auf den ersten Blick einen sehr hochwertigen Eindruck. Als erstes fiel mir das sehr glatte Obermaterial auf. Hier findet man kaum Nähte oder Kanten an denen Dreck hängen bleibt, zudem macht das Material auch seinen sehr robusten Eindruck.
Gerade im Trailbereich achte ich auch immer auf das Profil der Sohle. Hier war ich beim ersten Blick etwas überrascht, da ich mir hier doch etwas aggressiveres vorgestellt hatte. Der Einstieg ähnelt eher dem einer Socke, allerdings umschließt der Saum nicht das komplette Fußgelenk wie bei der Scarpa eigenen “Sock-Fit LW” Technologie, wie sie z.B. die Nicht-Gore-Tex-Version des Ribelle Run besitzt, was mir persönlich gut gefällt, da ich mich mit dem sockenartigen Einstieg bei einem anderen Scarpa Schuh nicht so recht anfreunden konnte.


Zusätzlich fällt einem auch ins Auge, dass es kaum eine optische Abgrenzung/ Kante zwischen dem Ende der Sohle und dem Anfang des Obermaterials gibt. Dadurch erinnert einen der Schuh an die Bergschuhe aus der Ribelle Reihe.
Aufbau/ Features





Wie der Name des Schuhs es schon verrät, besitzt der Ribelle Run GTX eine Gore-Tex-Membran, die die Füße trocken halten soll. Um genauer zu sein handelt es sich hier um eine Gore-Tex Invisible Fit Membran, welche für eine sehr gute Passform sorgen soll.
Außerdem wurde hier das von Scarpa entwickelte EXO Obermatrial-Konstruktionssystem verwendet, welches den Fuß besser schützen und unterstützen soll. Seitliche Schutzvorrichtungen (hier ein TPU-Rand, der das Obermaterial mit der Sohle verbindet) werden mit dem Obermaterial kombiniert und sollen so eine Art Exoskelett bilden.

Die Sohle ist ebenfalls eine eigene Entwicklung seitens Scarpa. Sie nennt sich Presa und besteht aus einem Hochleistungs-Gummi, welcher hervorragenden Grip auf trockenen und nassen Oberflächen bieten soll.

Ansonsten hat der Schuh einen Drop von 4mm (Zehen 20.5mm - Ferse 24.5mm)
Zu der offiziellen Länge der Stollen konnte ich leider keine Informationen finden, beim Nachmessen lagen diese bei mir zwischen 3mm und 4mm.
Laut Scarpa wiegt der Schuh in der Größe 42 310 Gramm. Ich liege mit der Größe 41 knapp unter 300 Gramm.
Neben der Möglichkeit auch normale Schnürsenkel zu verwenden (liegen im Karton bei), bietet der Schuh ein sehr einfach zu bedienendes Schnellschnürsystem.

Außerdem bietet Scarpa auf alle Produkte 2 Jahre Garantie.
Beim Laufen


Beim ersten Anprobieren fiel mir noch vor dem Zuschnüren die doch recht schmale Toebox auf. Hierzu muss ich allerdings auch sagen, dass mein favorisierter Laufschuh mit dem ich bereits über 1000 km hinter mir habe, eine sehr breite Toebox besitzt und ich diese lieben und schätzen gelernt habe. Daran musste ich mich erst einmal gewöhnen und dementsprechend achtete ich darauf, wie ich den Schuh schnürte, damit es vorne nicht zu eng wird.
Dies war auch daher interessant, da hier ja ein Schnellschnürsystem verwendet wird. Aber genau wie bei normalen Schnürsenkeln konnte ich die einzelne Bereiche fester ziehen oder lockerer lassen und ich konnte dadurch keinen Nachteil feststellen. Ich sah es sogar als großen Vorteil, da ich bei aufsteigenden Passagen die Schnürung einfach lockern konnte und bei Abstiegen den Schuh schnell fester ziehen konnte. Der “Lace Keeper”, also die Gummilasche unter die man den Schnürsenkel schieben kann, funktioniert genauso gut wie simpel. Wenn ich den Schuh fester gezogen hatte und somit mehr Schnürsenkel verstauen musste, habe ich diesen einfach zwei mal darunter durchgezogen und hatte meine Ruhe.

Mein erster Lauf ging durch urbanes Gelände. Die 4 mm Sprengung empfand ich als angenehm, obwohl ich sonst immer mit Schuhen ohne Sprengung unterwegs bin. Ich konnte angenehm in den Vorderfußlauf übergehen und die Dämpfung erwies sich auf Asphalt ebenfalls als sehr angenehm.
Bald ging es dann aber schon in die Berge. Hier hieß es steile Anstiege meistern und zeigen, was die Sohle kann.
Auf weichem Untergrund, Waldböden, Forst- sowie Kieswegen, bereitete mir der Schuh viel Spaß. Die Sohle bietet ein sehr ausgewogenes Verhältnis zwischen Bodengefühl und Dämpfung. Der Grip ist sehr gut, solange es nicht zu nass wird. Für Schlamm auf einer Steigung sind die 3-4 mm der Stollen einfach zu kurz und bieten nicht genügend “Biss” (dies ist allerdings ein Problem, das ich auch mit anderen Schuhen mit 4 mm Stollen habe und meiner Meinung nach total normal).
Außerdem sollte man bei nassen Wurzeln und glatten, mit Moos bewachsenen Steinen aufpassen, hier bin ich dann doch das ein und andere Mal ins Rutschen gekommen. Ansonsten vermittelte mir der Schuh durchgehend eine gute Griffkraft sowie Sicherheit im nassen, sowie felsigem Gelände.


Mein längster Lauf war ein Trail über 22 km und 1600 (positiven) Höhenmetern. Hierbei hatte ich durchgehend ein sehr gutes Laufgefühl, keine unangenehmen Druckstellen oder irgendetwas vergleichbares. Ich denke hier half aber auch das stetige Anpassen der Schnürung dank des Schnürsystems. Mit normaler Schnürung hätte ich dies vermutlich nicht so konsequent angepasst.

Neben dem Laufen und Trailrunning, nutzte ich den Schuh auch zum normalen Wandern. Und auch hier hat der Schuh richtig viel Spaß gemacht. Gerade im leichten Gelände wo keine knöchelhohen Schuhe und steife Sohlen von Nöten sind, war der Ribelle Run eine Wohltat. Der leichte Schuh, das angenehme Abrollverhalten und die sehr gut abgestimmte Dämpfung ließen einen angenehm voranschreiten. Auch mit Kind und Wasser, also ca. 16-20 kg auf dem Rücken, fühlte ich mich durchgehend Wohl.
Nur in Bereichen wo man dann doch mal etwas kraxeln muss, sollte man nicht zu viel Vertrauen in den Grip und die weiche Sohle setzen, hier und da bin ich auch bei trockenen Verhältnissen ins Rutschen gekommen, aber dafür ist der Schuh nun auch nicht konzipiert.
Gore-Tex-Membran, Verarbeitung, Support seitens Scarpa
Kommen wir zum Gore-Tex und hier muss ich sagen, die Membran ist in so einem Schuh Fluch und Segen.
Beim Wandern gefällt mir die Gore-Tex-Membran sehr gut. Der Fuß bleibt trocken und die Schweißentwicklung ist eh nach Wetter recht gering.
Beim Laufen allerdings habe ich schon nach kürzester Zeit nass geschwitzte Füße. Hierzu muss ich sagen, dass ich nicht besonders schnell an den Füßen schwitze und auch nicht dolle. Dies ist allerdings ein Problem, welches ich bisher bei jedem Laufschuh mit Membran feststellen musste, ob Gore-Tex oder vergleichbare Membranen.


Bei meinem längsten Trailrun zog ich nach 45 Minuten die Schuhe aus, da ich schon seit einiger Zeit merkte, dass die Füße nass waren. Nun war ich mir nicht sicher ob es Schweiß war oder ob die Membran undicht war, da es auch immer wieder mal leicht regnete und ich auch hier und da durch einen nassen Wiesenabschnitt gelaufen bin. Aber es handelte sich hier nur um Schweiß. Auf dem Foto (leider etwas unscharf, Entschuldigung dafür) kann man auch gut erkennen, dass der Fuß nur unten nass ist, also kein Wasser von oben hereingelaufen ist.

Allerdings dauerte es dann nur noch ca. 15 Minuten und ein wenig mehr nasse Wiese und die Schuhe waren komplett durchnässt. Da durch die Membran die Feuchtigkeit nicht sehr gut aus dem Schuh entweichen kann, bleibt diese dann auch sehr lange dort erhalten. In meinem Fall war ich vier Stunden unterwegs, 3 Stunden und 15 Minuten davon hatte ich demnach nasse Füße, wenn auch anfangs nur durch Schweiß. Wie man auf den Fotos sehen kann stelle ich mich natürlich auch mal für ca. eine Minute in eine tiefere Pfütze und einmal auch in einen See. Bei diesen Tests, blieben meine Füße immer trocken.
Hinzu kommt an dieser Stelle noch die Verarbeitung der Membran. Die Membran wird meines Erachtens in einzelnen Stücken auf das Material gebracht und die Nähte dann verklebt oder verschweißt. Diese Nähte werden dann nochmals mit schmalen Streifen verklebt, wobei es sich vermutlich auch um Membran handelt. Bereits nach 10 km hatte sich einer dieser geklebten Streifen bei mir gelöst. Ich hatte nicht das Gefühl, dass dadurch die Funktion direkt beeinflusst war, denn ich konnte in einer tiefen Pfütze stehen ohne nasse Füße zu bekommen. Allerdings wäre hier die Frage, wie lange das gut geht, da ja nun im Inneren mein Fuß direkt an der “Naht” der Membran reibt. Ich machte davon ein Foto und Scarpa sendete mir sofort ein neues Paar zu, ohne dabei meine Rücksendung abzuwarten. Das lief alles ohne Probleme und sehr sehr schnell - Hut ab!


Nun schaute ich mir natürlich auch gleich den neuen Schuh an und musste feststellen, dass diese verklebten Streifen auch beim neuen Schuh an den Rändern nicht richtig fest sind und sich anheben lassen (siehe Foto). Bisher haben sie gehalten, aber ich kann mir vorstellen, dass dies nicht immer so bleiben wird bzw. durch das An- und Ausziehen versehentlich mit abgezogen werden können.

Zudem ist mir aufgefallen, dass die Membran bei beiden Schuhen nicht gleichmäßig verarbeitet ist. Sowohl bei den neuen wie auch bei den alten Schuhen war mal am linken und mal am rechten Schuh die Membran nicht bis oben hin gezogen, sodass durch das Obermaterial Wasser eindringen konnte. Ich habe dies versucht auf dem folgenden Foto festzuhalten, hier habe ich mit einer Lampe von außen gegen den Schuh geleuchtet und man sieht, dass dort wo das Licht einfällt bereit die Membran endet. Am anderen Schuh wurde die Membran bis über diesen Punkt hinweg angebracht.

Fazit
Der Ribelle Run GTX macht irre viel Spaß auf Trails, Hauptsache unwegsames Gelände, Steine, Felsen, Wurzeln, Höhenmeter, Dreck - da möchte man gar nicht stehen bleiben. Der Schuh bietet hier eine sehr gute Balance aus Gewicht, Dämpfung und Bodengefühl.
Ein wenig mehr Grip von der Gummimischung hätte ich mir gewünscht, aber das ist Meckern auf hohem Niveau. Für flaches Gelände halte ich ihn allerdings übertrieben, das wäre wie mit der berühmten Kanone auf Spatzen zu schießen. Das Schnürsystem gefällt mir gut und bietet gegenüber normalen Schnürsenkeln meines Erachtens nach keine Nachteile, ganz im Gegenteil.
Das Obermaterial ist klasse. Es bleibt so gut wie kein Dreck hängen, es ist robust und sorgt für genügend Schutz, auch die Verarbeitung hier ist klasse. Ebenso beim Wandern fühlte ich mich durchgehend pudelwohl in dem Schuh und vor allem beim Wandern sorgt das Gore-Tex im Gegensatz zum Laufen nicht für eine zu dolle Schweißentwicklung.
Das erste paar Ribelle Run GTX habe ich mit 50 km Laufleistung zurückgesendet, aber vorher noch den Zustand der Sohlen Dokumentiert:


Da habe ich schon schlimmeres bei anderen Schuhen gesehen, man erkennt aber auch schon deutlich Verschleiß an den Stollen, was ich nach so kurzer Distanz bei anderen Schuhe auch schon besser gesehen habe. Aber nach einer so kurzen Distanz will und kann man daraus erst mal kein Urteil fällen.

Das größte Manko ist ganz klar die Verarbeitung im Inneren des Schuhs. Bei einem Schuh, der 170 € kostet (169,95 € direkt bei Scarpa), erwarte ich eine top Verarbeitung. Selbstverständlich kann es mal vorkommen, dass man ein “Montagsmodell” erwischt. Davon ging ich bei mir zumindest aus. Dass nun der Austausch-Schuh die gleichen Mängel an unterschiedlichen Stellen aufweist, gibt mir dann aber doch zu denken. Als normaler Kunde hätte ich auch das neue Austausch-Paar wieder zurückgesendet. Dennoch geht hier mein Dank an Scarpa für den extrem schnellen Austausch und Support!
Ich bin bei dem Ribelle Run GTX nun extrem hin- und hergerissen wie ich über ihn urteilen soll. Einerseits macht mir der Schuh so verdammt viel Spaß und bietet mir vieles, was ich mir bei so einem Schuh wünsche, andererseits weiß ich, dass die Verarbeitung teilweise echt nicht gut ist.
Ich würde diesen Schuh eigentlich nur im Laden kaufen, damit ich überprüfen kann, ob alles meinen Vorstellungen entspricht. Eventuell habe ich auch zwei mal Pech gehabt und Montagsmodelle erwischt. Ich kenne Scarpa eigentlich als sehr guten Hersteller mit sehr guter Qualität.
Ich vergebe hier trotz der Mängel 4 Sterne in der Hoffnung dass ich tatsächlich zwei Montagsmodelle erwischt habe und die Verarbeitung sonst besser ist.


















