Sehr bequemer Schuh, spürbarer Rocker mit Antrieb nach vorn
VORTEILE
- Leicht
- Stark gedämpft
- Luftig
- Guter Fersenhalt
- Bequem
- Rocker
NACHTEILE
- Keine Pronationsstütze
- Sehr dünnes Obermaterial (luftig, aber auch empfindlich)
- Wenig Farben zur Auswahl
- Sohle rutscht auf nassem Asphalt
BEWERTUNG
Wenn du auf der Suche nach einem Laufschuh bist, der dich bei schnelleren Einheiten schützt, aber trotzdem eine maximal komfortable Dämpfung bietet, dann ist der Brooks Hyperion Max 3 genau so ein Kandidat, der neugierig macht. Ich habe den Schuh in den letzten Wochen auf unterschiedlichen Strecken getestet – von lockeren Dauerläufen bis hin zu zügigen Tempoabschnitten – und hier kommt mein Eindruck.
Allgemeines
Der Hyperion Max 3 ist ein sogenannter „Super-Trainer“ bzw. Performance-Trainer: Er ist nicht ganz ein Wettkampfschuh, aber doch aggressiver, als klassische Trainingsschuhe. Laut Hersteller und Fachhändlern ist er für hohes Tempo konzipiert und eignet sich hervorragend für Tempotraining und Intervalle, aber durch die starke Dämpfung auch für längere Einheiten zur Erholung. Der Hyperion Max 3 für Damen kostet 190 € UVP.
Er ist verfügbar in Größen von EU 35,5 bis 43 laut Händlerangaben.
Was die Farbvarianten angeht, so gibt es nur Coconut / Fiery Coral / Atomizer (hier im Test) und Coconut / Green Gecko / Pink Clay.
Schuhaufbau
Der Schuh setzt auf eine Kombination aus zwei Schaumstoffen in der Zwischensohle: DNA FLASH v2 und PEBA DNA GOLD, zusätzlich verstärkt durch eine SpeedVault-Propulsion-Plate aus Nylon – das garantiert dir nicht nur Schutz (Dämpfung), sondern auch Vortrieb in Kombination der Sohlenform (Rocker).
Die Geometrie der Sohle ist geschwungen („Rocker“): Der sogenannte RapidRoll Rocker unterstützt das Abrollen aktiv von der Ferse zu den Zehen.
Die Außensohle ist recht rund, heißt, sie geht vorne und hinten nach oben. Gerade bei schnellerem Tempo gibt sie dir einen spürbaren Impuls nach vorne.
Die Sprengung (Heel-to-Toe-Drop) des Schuhs beträgt 6 Millimeter laut Herstellerangaben. Damit liegt der Schuh ziemlich in der Mitte von starker und geringer Sprengung.
– Eine Sprengung von ca. 6 Millimeter ist ideal, wenn du vorwiegend mit dem Mittelfuß aufsetzt, weil sie einen guten Kompromiss zwischen Bodenkontakt und Komfort bietet.
– Läufst du hingegen überwiegend mit der Ferse, würden Schuhe mit höherer Sprengung (z. B. 9-12 Millimeter) besser zu deinem Laufstil passen.
– Wenn du ein Ballengänger bist, sind flachere Schuhe (z. B. 4 Millimeter oder weniger) oft geeigneter.
Darauf gehe ich gleich nochmal genauer ein.
Tragekomfort und erste Schritte
Beim ersten Anziehen spürst du sofort: Der Schuh hat eine hohe Sohle, die Dämpfung dick und weich, aber nicht wabbelig. Um das Anziehen zu erleichtern, hat er hinten eine Öse zum Festhalten und Anziehen. Diese ist aber in meinen Augen überflüssig. Sie ist aber mit einem kleinen Reflektor ausgestattet.
Direkt bei den ersten Schritten in der Wohnung habe ich gespürt, wie der Rocker mir den Impuls nach vorne gibt. Beim ersten Lauf (locker, eher gemütlich) fühlte sich das Tragegefühl sehr angenehm, aber neu an – die Schaumstoffe federn gut, bieten aber genug Struktur, damit du nicht das Gefühl hast, in Watte zu laufen.
Für Läuferinnen wie mich, die noch nie so einen „extremen“ Max-Cushion-Trainer hatten, kann das etwas gewöhnungsbedürftig sein: Der Schuh wirkt voluminös, das Abrollen ist anders als bei flacheren, minimalistischen Schuhen. Aber nach den ersten Kilometern – insbesondere wenn du das Tempo leicht erhöhst – stellt sich ein sehr harmonisches Laufgefühl ein. Ich musste aber feststellen, dass er Schuh keine Pronationsstütze hat, also keine Unterstützung gegen ein Einknicken nach Innen bietet.
Dadurch, dass der Schuh so hoch ist, war das für mich (trage normalerweise auch Einlagen) etwas unangenehm und ich musste mich extrem konzentrieren, nicht einzuknicken.
Passform
Die Passform ist relativ schlank, aber nicht übermäßig eng.
Dank der Sockenferse („sock-like heel“) sitzt die Ferse sehr stabil, und es gibt kaum ein Rutschen und somit bei mir auch keine Blasen.
Ich musste den Schuh eigentlich quasi nicht zubinden. Außerdem ist der Fersenbereich innen vorgeformt und angenehm gepolstert.
Das Schnürsystem zieht gleichmäßig und das Obermaterial umschließt den Fuß gut, ohne einzuengen.
Zudem ist die Lasche dort, wo die Schleife hinkommt, gepolstert (s. letztes Bild), sodass Druckstellen vorgebeugt wird.
Material
Das Obermaterial besteht aus einem sehr dünnen, leichten Mesh, das extrem luftig ist – ideal für warme Tage oder intensive Trainingseinheiten, wenn deine Füße schnell warm werden.
Laut Brooks sind 76 % des Obermaterials recycelt. Das sorgt für eine gute Nachhaltigkeitsbilanz, da weniger Neumaterial verwendet wird. Trotzdem ist das Mesh nicht super robust (eben weil es so dünn ist) – vielleicht also kein Schuh, um ihn über viele Jahre unter harten Bedingungen zu tragen, aber es ist ja auch kein Trailschuh...
Ein Nachteil: Jetzt im Spätherbst oder frühen Winter kann es schon etwas kühl sein, weil das Mesh nicht dich und Mesh generell nicht isolierend ist – bei niedrigeren Temperaturen spürt man die Kälte sicherlich noch viel stärker und muss dies durch dicke Socken ausgleichen.
Laufgefühl
Das Laufgefühl ist stark gepolstert: Die Kombination von DNA FLASH v2 und PEBA DNA GOLD liefert eine hohe, komfortable Dämpfung. Gleichzeitig sorgt die Propulsionsplatte für Effizienz und einen spürbaren Vortrieb, besonders wenn du das Tempo erhöhst.
Die runde Sohle (Rocker-Form) (s. Bild oben) unterstützt das Abrollen – wenn du zügig läufst, bekommst du einen guten Push nach vorn, fast wie einen kleinen Impuls, der dich antreibt. Bei sehr langsamen, entspannten Läufen ist dieser Effekt weniger ausgeprägt, aber sobald du in ein schnelleres Tempo kommst, macht sich der Rocker bemerkbar.
Das Beste läuft sich der Schuh, wenn du mit dem Mittelfuß aufsetzt. Hier ein kurzer Überblick über die Laufstile:
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Fersenläufer: Setzt zuerst die Ferse auf und empfindet hohe Sprengungen (z. B. 9-12 Millimeter) oft als angenehmer, da sie den Aufprall dämpft.
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Mittelfußläufer: Der Fuß setzt flach oder leicht nach vorne versetzt auf, der Übergang ins Abrollen ist flüssig, und ein Drop von etwa 5-8 mm ist häufig sehr gut geeignet.
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Ballengänger: Setzt auf dem Vorfuß oder Ballen auf, braucht oft weniger Sprengung, weil der Fuß auf einer flacheren Ebene landet.
Wenn du mit dem Mittelfuß läufst, harmonieren deine natürlichen Bewegungen mit der Dämpfung und dem Rocker dieses Schuhs am besten – das ergibt ein sehr ausgewogenes und effizientes Gefühl. Ich habe meinen Laufstil dadurch auch von der Fersenläuferin hin zum Mittelfuß umgestellt.
Nachhaltigkeit
Ein Pluspunkt des Hyperion Max 3 ist, wie weiter oben schonmal erwähnt, die Umweltfreundlichkeit des Obermaterials: rund 76 % recyceltes Material laut Hersteller.
Das ist natürlich sehr erfreulich, weil weniger neu produziertes Polyester verwendet wird. Zwar gibt Brooks nicht an, dass die Zwischensohle biologisch abbaubar ist (wie frühere „BioMoGo“-Technologien), aber die recycelten Komponenten zeigen, dass Nachhaltigkeit bei diesem Modell eine Rolle spielt.
Sohle
Die Sohle ist relativ unspektakulär. Mit ihrer glatten Oberfläche ist sie auf nassem Asphalt - gerade bei höheren Geschwindigkeiten oder bergab - leider etwas rutschig. Feuchte Waldwege hat sie für einen Nicht-Trailschuh dafür recht gut gemeistert.
Fazit
Der Brooks Hyperion Max 3 für Damen ist ein durchdachter, leistungsfähiger Laufschuh für Läuferinnen, die einen sehr gut gedämpften, aber trotzdem reaktiven Schuh für Tempoläufe, Intervalle oder auch längere, lockere Einheiten suchen. Die Dämpfung ist stark, der Vortrieb durch die Propulsionsplatte spürbar, aber ohne, dass ein Innenstütz-Element vorhanden wäre – er ist neutral konstruiert, also ohne Pronationsstütze.
Das dünne Mesh überzeugt mit Atmungsaktivität, kann im Spätherbst/Winter aber leicht kühl sein. Die Sockenferse sorgt für sicheren Halt, und die Rocker-Sohle liefert bei zügigerem Tempo einen Vorwärtsimpuls. Für Läufe*innen, die noch nie einen solchen maximal gedämpften, sehr reaktiven Schuh hatten, braucht es vielleicht ein paar Kilometer, um sich daran zu gewöhnen – danach aber kann das Laufgefühl wirklich begeistern.
Die Sohle hat in puncto Rutschfestigkeit bei Nässe noch etwas Potenzial nach oben.
Insgesamt: Ein ausgezeichneter Schuh, wenn du Wert auf Dämpfung bei gleichzeitiger Performance legst – besonders geeignet, wenn du dich als Mittelfußläuferin beschreibst.