Kompromissloses Leichtgewicht für technische Trails
VORTEILE
- Sehr leicht
- Exzellenter Grip
- Atmungsaktiv
- Gamasche angenehm
- Fester Sitz am Fuß
- Pflegeleicht
NACHTEILE
- Schnürsenkel lösen sich, wenn nicht in Tasche
- Wenig Dämpfung
- Breite Füße bekommen leicht Blasen
- Sohle nutzt schnell ab
BEWERTUNG
Kurzfassung
Der Arcteryx Vertex Speed ist ein ultraleichter Trailrunningschuh, der augenscheinlich für sehr technisches Gelände und eher trainierte Läufer entwickelt wurde. Ist man sich dessen bewusst, dann kann er genau das sehr gut.
Einen ersten Proberun zum Einlaufen der Schuhe habe ich auf leichter Strecke mit Schotter und Asphalt gemacht und genau das ist nicht seine Stärke. Die Enttäuschung war im Anmarsch. Also fortan in die Vollen gegangen. Technische, schnelle Strecken auf fiesem Untergrund gewählt und schnell zum positiven Bekehrt worden. Am Ende ist klar, dass das Teil kann, was es verspricht.

Wer einen leichten und technischen Schuh sucht, der auf Leistung statt auf Komfort getrimmt ist, der wird mit diesen Pfotenüberziehern sicher nichts falsch machen. Für regelmäßiges Training, lange Läufe oder nur leichtes Terrain, gibt es sicher Produkte, die mehr Komfort bieten.
Einsatzzweck und Testterrain
Wie bereits erwähnt, ist der Schuh optimal für technisches Gelände gemacht. Ich habe ihn in den letzten Wochen überwiegend über die zackigen und steilen Trails der Schwäbischen Alb gequält. Vor allem die glitschige Kombination aus lehmigem Waldboden, losem Schotter und glatt geschliffenen Kalkplatten sind hier die Herausforderung. Durch die sehr offene Sohlenstruktur und die trotzdem markanten Stollen mit viel Auflagefläche hat das super gepasst. Weder hat sich der Schuh mit Dreck zugesetzt, noch war das Profil zu wenig ausgeprägt, um ordentlich Grip auf Stein zu erzeugen.

Wie sich der Schuh in scharfkantigem Gestein wie Granit verhält, kann ich daher nur vermuten. Ich bin aus Erfahrung mit ähnlichen Sohlenlayouts aber recht zuversichtlich, dass es auch dort sehr gut passen könnte.
Der Schuh ist wirklich auf das Nötigste reduziert und dadurch sehr leicht. Vor allem in quälend steilen Anstiegen macht sich das reduzierte Gewicht fix bemerkbar. Die flache Sohle erhöht das direkte Gefühl vom Untergrund. Die breite Ferse mit wenig Sprengung reduziert die Gefahr, dass man umknickt. Der umlaufende Geröllschutz ergänzt dieses direkte Gefühl zusätzlich.
Kommt es in Steilstücken auch mal zu keinen Kletterpassagen oder Stufen aus steinigen Tritten, dann bemerkt man die großen Unterschiede zu anderen Schuhen. Sehr präzise und feinfühlig spürt man, ob Kontakt da ist oder nicht. Man kann regelrecht durchrennen und muss sich keine Gedanken machen, dass dabei was schiefgeht. Die Zehenbox aus umlaufendem Gummi, die stabile Sohle mit lange auslaufender Fersenrundung und der Knöchelschutz durch die Gamasche perfektionieren das Erlebnis.

Bei sehr langen Abstiegen auf harten Böden kommt die Kehrseite dieser direkten und reduzierten Bauform ins Spiel. Die Dämpfung ist sehr spärlich ausgeprägt, was bei müden Beinen auch gerne mal Knieschmerzen oder höhere Belastung für die Knöchel bedeuten kann. Auch wenn von unterschiedlichen Materialien zwischen Ballen und Ferse gesprochen wird, darf man sich nicht zu viel erwarten.
Kontraindikation
Wer nur einen leichten Schuh sucht, dabei aber überwiegend auf technisch gemäßigtem Untergrund unterwegs ist, sollte sich Gedanken zu Alternativen machen. Der Schuh ist kompromisslos auf Leichtigkeit, Geschwindigkeit und ein direktes Bodengefühl ausgelegt. Das kann er perfekt! Komfort ist daher nicht auf der Anforderungsliste aufgetaucht. Das ist für mich aber absolut in Ordnung.
Ebenso ist es ratsam, den Sitz des Schuhs vor Verwendung genau zu prüfen. Vor allem bei breiten Füßen kann es zwischen Fußgewölbe und Ballen zu Reibung kommen. Die Innensohle ist an dieser Stelle sehr schmal gehalten. Ich selbst habe sehr schmale Füße und trotzdem habe ich mir einmal eine Blase gelaufen, weil ich sie Schnürung im Vorfuß nicht super eng hatte und mir dadurch etwas Spiel im Schuh gönnen wollte.
Pflege und Haltbarkeit
Die Pflege des Schuhs ist denkbar einfach. Bürste, Wasser, fertig. Im glatten Material und in der offenen Sohle bleibt wenig Chance für den Schmutz sich länger festzusetzen. Die Gamasche bekommt zwar gerne einen weißen Schweißrand. Dieser lässt sich mit etwas Seifenwasser super schnell entfernen.
Das Innenleben des Schuhs ist fest verklebt, was das Trocknen der Innensohle etwas schwerer macht. Insgesamt ist er aber nach gut einem Tag auch schon wieder trocken und einsatzbereit. Bei der Gamasche hatte ich Bedenken, dass dies deutlich länger dauert oder diese lange feucht bleibt. Bedenken unbegründet!
Weitere Pflege habe ich den Schuhen nicht zukommen lassen. Weder macht eine Imprägnierung Sinn, da sie ohnehin nicht wasserdicht sind, noch braucht das synthetische Material weitere Pflegemittel.
Betrachtet man nach dem kurzen Testzeitraum die hintere Stollenstruktur, dann hat diese bereits große Abnutzung. Hier ist wohl weicher Gummi für viel Reibung aber wenig Haltbarkeit vorhanden.

Passform und Komfort
Der Schuh fällt von der Größe her normal aus und stimmt bei mir mit anderen Herstellern überein. Die Leiste wirkt auf mich eher schmal. Wer einen breiten oder hohen Fuß hat, sollte also besser prüfen, ob die Sohlenform so passt. Vom Schnitt her findet der Fuß aber in jeden Fall Platz. Für meine schmalen Füße bedeutet das, dass ich immer gut schnüren muss, um den Vorfuß exakt in Position zu halten.

Bei guter Schnürung sitzt das Material dafür wie angegossen und schmiegt sich regelrecht an die Haut an. Dies gilt nicht nur für die Gamasche, sondern für das gesamte Obermaterial.
Im Bereich Komfort habe ich weiter oben schon erwähnt, dass man keine riesigen Dämpfungseigenschaften erwarten sollte. Dafür ist der Sitz des Schuhs mit seinem direkten Auftritt und der gut geformten Fersenbox richtig angenehm zu tragen. Als reiner Wettkampfschuh oder für sehr technische Trails also Komfort im Sinne seiner Produkteigenschaft.

Betrachtet man an heißen Tagen die Luftzirkulation, dann ist das eine wahre Freude. Man spürt regelrecht, wie bei der Vorwärtsbewegung die Luft einströmt. Ist das Wetter kühler oder das ein oder andere Schneefeld auf dem Trail, dann kann dieser Komfort allerdings in kalte Füße umschlagen. Gute Planung, korrekte Sockenwahl oder eventuell etwas Unempfindlichkeit ist dann gefragt.
Spezielle Features
- Vibram Megagrip-Sohle unterschiedlicher Profilierung im Ballen und Fersenbereich
- Dual-Density-Midsole die vorne etwas härter sein soll als im Fersenbereich (nicht spürbar)
- Matryx-Obermaterial mit Kevlar-Fasern: spart Gewicht und ist trotzdem robust gegen Kontakt mit Steinen
- Integrierte Gamasche gegen Schmutz und Geröll.
- Schnürsenkel-Garage zur Sicherung der Schnürsenkel.

Fazit
Der Arc'teryx Vertex Speed Herren ist ein hoch spezialisierter Trailrunningschuh für ambitionierte Läufer, die sich in technischem Gelände zu Hause fühlen. Er überzeugt durch Leichtigkeit, Grip und Präzision – ideal für schnelle Bergläufe und harte Wettkämpfe. Die genannten Nachteile oder Schwächen sind mit Blick auf die Ausrichtung des Schuhs absolut verkraftbar.

Ich persönlich bevorzuge diese klare Ausrichtung, um an diesen Stellen keine Kompromisse eingehen zu müssen. Abschließend also meine klare Empfehlung für erfahrene Trailrunner mit Fokus auf Geschwindigkeit und technischem Terrain – weniger für Einsteiger oder Komfortläufer.
Im Gesamtergebnis reicht es für mich nicht ganz zur vollen Punktzahl.