Angenehmer Schuh mit breitem Einsatzgebiet und super Grip
VORTEILE
- Nullsprengung
- Breite Zehenbox
- Angenehme Dämpfung
- Nahtloses Mesh-Obermaterial
- Sehr guter Grip
- Relativ leicht
NACHTEILE
- Schnürsenkel brauchen Doppelknoten, sonst gehen sie auf
- Preis
BEWERTUNG
In den letzten 6 Wochen durfte ich das Damenmodell des Olympus 275 von ALTRA für OUTSIDEstories testen. Von der Marke hatte ich bisher noch keine Schuhe, dementsprechend gespannt war ich. Wetterbedingt habe ich den Trailrunning-Schuh auf nahezu ausschließlich trockenem Untergrund - Teer, grober und feiner Schotter, Wiesen- und Waldweg - auf meinen Hometrails getestet. Einmal war tatsächlich morgens der Boden noch nass bzw. feucht. Doch der Reihe nach.
Passform
Meine Füße sind nicht gleich groß. Der eine misst 25 Zentimeter und der andere 25,5 Zentimeter . Laut Größentabelle kommt das dann bei der Schuhgröße 40,5 raus - zum Testen habe ich Größe 40 bekommen - und was soll ich sagen: die Schuhe passen mir sehr gut! Normalerweise bewege ich mich bei Schuhen zwischen den beiden Größen 39 und 40, je nach Hersteller. Es hat mich tatsächlich etwas verwundert, dass ich in der Tabelle von ALTRA eine halbe Größe größer bekommen hätte.
Was sofort ins Auge sticht, wenn man von oben auf die eigenen Füße in den Schuhen guckt: die breite Zehenbox. Verglichen mit meinen bisherigen Laufschuhen über die verschiedensten Marken hinweg, sind das definitiv optisch die breitesten Schuhe im Vorderfußbereich. Das sieht aber nicht nur so aus, das ist tatsächlich auch so gewollt und damit eigentlich ein Feature.
Da es aber thematisch sehr gut zur Passform passt, hab ich es in diesen Teil der Bewertung gepackt. Denn: auch wenn es von oben recht breit aussieht, fühlt es sich überhaupt nicht zu breit an. Innen haben die Zehen wirklich angenehme Freiheit, gleichzeitig aber auch nicht zu viel Platz, um sich zu locker im Schuh zu bewegen.
Bei kleineren Anstiegen rutscht man nicht nach hinten, beim bergab-Laufen ist auch kein Verrutschen möglich und seitlich hat der Fuß überall gut Halt. Auch beim kurzen Fun-Wettkampf hatte ich nie das Gefühl, dass der Schuh zu viel Platz bietet oder einengt.
Features
Während der Testwochen hatte es recht sommerliche Temperaturen. Gestartet bei 35 Grad bin ich am Ende der 6 Wochen dann bei um die 20 Grad rausgekommen. Sobald die Sonne rauskam, war es natürlich wieder deutlich heißer. Dementsprechend und abhängig vom geplanten Lauf habe ich unterschiedliche Socken im Schuh mit getestet: beim Fun-Wettkampf kamen die Kompressionskniestrümpfe zum Einsatz und haben für ordentlich warmes Gefühl gesorgt, vor allem auf den letzten 2 Kilometern.
Beim alltäglichen Laufen bzw. Training habe ich mal halbhohe Kompressionssocken, mal Kompressions-Sneakersocken und mal normale Sneakersocken durchgewechselt. Zum einen, um den Wohlfühlfaktor mit der breiten Zehenbox zu testen - denn manche der Socken haben in anderen Schuhen schon einmal mit ihren Nähten unangenehme Stellen hinterlassen (noch keine Blasen, aber kurz davor). Zum Anderen, weil der Stoff rund um den Einstieg recht eng geschlossen ist unterm Knöchel.
ALTRA nennt das die Gamasche. Diese soll so verhindern, dass Dreck in den Schuh fällt - und das funktioniert tatsächlich sehr gut. Nach dem Fun-Wettkampf habe ich mich für eine kurze Trainingseinheit getraut, barfuß in den Schuhen zu laufen. Es scheuert nichts, es drückt nichts und auch an der Stelle unterhalb des Knöchels, wo sonst hin und wieder mein Überbein zickt und sich über Druck oder Reibung am oberen Schuhende beschwert, hatte ich keinerlei Probleme!
Einzig nach dem Lauf wieder aus dem geschnürten Schuh zu schlüpfen, war doch etwas schwierig - ich war kurz davor, die Knoten zu lösen, aber dann ging es doch. Dreck ist während des Laufs auf Teer, feinem und grobem Schotter und Wiesenweg auch ohne Socken nicht in die Schuhe gekommen. Bei den Sneakersocken ist die Gamasche grade noch so niedriger als das Sockenende und somit geht deren Einsatz auch gut mit dem Olympus 275.
Was mich persönlich etwas stört, hat mit den Schnürsenkeln zu tun. Eigentlich ist die Schnürung sehr gut. Mit ihrer Hilfe kann man sich individuell den Schuh sehr eng an den Fuß binden, oder etwas lockerer, je nach Gusto. Nun bin ich in der Regel ein schnürfauler Mensch und binde meine Schuhe meist nur 1x - gleich beim ersten Anziehen wird der Schuh gebunden und dann meist mit Doppelknoten. Anschließend schlüpfe ich nur noch rein und raus und bin damit schnell einsatzbereit.
Das funktioniert leider beim Olympus 275 nicht. Die Gamasche verhindert im geschnürten Schuh, dass ich einfach so reinschlüpfen kann. Ziehen hilft da auch nicht viel, dementsprechend muss ich den Schuh jedes Mal vorm Anziehen aufknüpfen und dann nach dem Reinschlüpfen wieder binden. Rausschlüpfen geht (mit Socken deutlich leichter als ohne).
Damit ich wenigstens etwas Zeit spare, habe ich dann eben keinen Doppelknoten gemacht. Das hat bei den ersten beiden Läufen auch noch gut geklappt, aber dann nicht mehr - die Schleifen haben sich an beiden Schuhen gelöst und nach der dritten Schnür-Zwangspause während derselben Trainingseinheit hatte ich keine Lust mehr und bin doch wieder zum Doppelknoten übergegangen.
Wenn wir schon bei den Äußerlichkeiten sind, trägt der nahtlose Mesh-Oberstoff aus MATRYX-Gewebe ebenso dazu bei, sich wohlzufühlen. Zum einen sind durch die fehlenden Nähte schon mal keine Druckstellen möglich, zum anderen ist durch das Mesh-Gewebe etwas Belüftung gegeben. Je nach Dicke der Socken/Strümpfe ist das mehr oder weniger spürbar. Vermutlich wird hier dann auch die Nässe an den Socken weitergegeben, da es aber während der Testwochen nur 1 Mal geregnet hat - und das nachts, sodass ich erst am nächsten Morgen in der Nässe bzw. der Feuchte laufen konnte - habe ich hier keinen direkten Test gemacht.
Dreht man den Schuh herum und sieht sich die Sohle an, so fällt einem natürlich direkt das gelbe Vibram-Etikett auf. Eigentlich sieht das Profil gar nicht so riesig aus, der Grip ist aber wirklich sehr gut!
Grade nach der Regennacht bin ich extra auf einen umgefallenen und entrindeten Holzstamm gestiegen, um den Grip auch bei Feuchtigkeit zu testen. Und der war auf jeden Fall gegeben!
Das hat sich beim Laufen auf Teer bereits angekündigt: Es klingt ein bisschen so, als würden sich ein paar Saugnäpfe ähnlich wie an einem Tintenfisch-Arm auf den Boden saugen und wieder lösen - zumindest finde ich das. Das hatte ich schon einmal bei Trailrunning-Schuhen einer anderen Marke, deren Grip der bis dato beste war, den ich jemals erlebt habe, egal auf welchem Untergrund. Die Sohle des Olympus 275 ist diesem Grip absolut ebenbürtig. Einziger Nachteil dieser Sohle: bei mittlerem Schotter bleiben immer wieder Steinchen stecken. Das nervt mich und ich muss die dann schnellstmöglich loswerden - geht aber meist auch problemlos, hält nur im Sprint-Training auf.
Nicht sichtbar, aber spürbar ist die Dämpfung, zu der sowohl die formgepresste EVA-Zwischensohle beiträgt, als auch die TPEE-Einlegesohle. Vor einigen Jahren hatte ich orthopädische Einlegesohlen und habe mich gefreut, wenn ich die Sohlen herausnehmen konnte in den Laufschuhen. Inzwischen brauche ich diese Einlegesohlen nicht mehr und kann daher die volle Dämpfung auskosten. Es läuft sich sehr angenehm in dem Schuh und mittlere Distanzen sind kein Problem, unabhängig vom Untergrund.
Zu erwähnen ist hier bei den Features noch die Nullsprengung, die sich laut Hersteller in fast allen ihren Schuhmodellen findet, so auch im Olympus 275. Da ich daheim im Haus sowieso größtenteils ohne Schuhe und im Sommer draußen meistens in Barfußschuhen unterwegs bin, habe ich damit kein Problem gehabt. Mein Knie hat sich in den ersten paar Läufen nach wenigen Kilometern kurz gemeldet, das hat sich dann aber schnell wieder verlaufen und ist nicht zwingend dem Schuh, sondern eher dem wieder begonnenen Training geschuldet.
Ich war so gespannt auf den Schuh, dass ich vor dem ersten Einsatz vergessen habe, das Gewicht des Olympus 275 nachzumessen. Das habe ich dann mit weitestgehend sauberer Sohle nachgeholt - die wenigen Staubkörner werden das Kraut nicht fett gemacht haben ;)
In der Größe 40 wiegt 1 Schuh 275 Gramm (vielleicht kommt daher der Zahlenzusatz?) und beide Schuhe zusammen 553 Gramm.
Preis/Leistung
Direkt bei ALTRA gibt es den Olympus 275 Damenschuh für 195 € - im Netz etwas günstiger. Damit liegt er definitiv im oberen Preissegment. Andererseits bekommt man einen wirklich durchdachten Schuh mit guten Features und sehr gutem Grip.
Fazit
Ich war sehr gespannt auf den Schuh und wurde überzeugt :) Einzig als Wettkampfschuh würde ich einen anderen nehmen, da habe ich das Gefühl gehabt, dass mich der Schuh nicht so gut vorwärtsbringt, wie ich es gebraucht hätte oder von anderen Schuhen gewöhnt bin.
Da das aber ein sehr subjektives Gefühl ist, reicht das nicht für einen Punktabzug und auch die Thematik mit den Schnürsenkeln ist vermutlich nur rein persönlich. Von daher gibt es volle Punktzahl für den Olympus 275 Damen-Trailrunning-Schuh von ALTRA, da die Features wirklich sinnvoll sind und auch noch halten, was versprochen wird.
Für den Preis könnte man einen halben Punkt abziehen, allerdings erwarte ich eine entsprechende Haltbarkeit... meinen letzten Laufschuh fand ich so bequem, dass ich ihn tagtäglich nahezu bei allem anhatte (Spaziergang, einkaufen, Kind-vom-Kindergarten-Abholen, etc.) egal ob Laufen, Gehen oder kurze Strecken mit dem Rad im Ort - und dieser ist nun nach knapp 2 Jahren an der Sohle abgelaufen und der Oberstoff löst sich schon an einigen Stellen auf... wenn der Olympus ähnlich lang hält, ist das Geld durchaus gut investiert.