Bequemer Schuh, aber für mich fürs Trailrunning ungeeignet!
VORTEILE
- Große Spannweite an verfügbaren Größen
- Leicht, Weich und bequem
- Viel Platz im Vorderfußbereich
- Reflektierende Details
- Guter Fersenhalt - besonders für schmale Fersen
- Gute Dämpfung
NACHTEILE
- Sehr schnelle Abnutzung
- Zu weich
- Instabil im Vorderfußbereich
BEWERTUNG
Dieses Mal habe ich einen Trailrunningschuh für euch getestet. Es handelt sich um das Damenmodell des Experience Wild von Altra.
Wie sich der Schuh geschlagen hat und was meine persönliche Meinung ist, könnt ihr im folgenden Test ausführlich oder direkt kurz und knapp im Fazit nachlesen.
Allgemeines
Der Schuh ist im Damenmodell in vier Farben verfügbar: Navy-Black/ Lime/ White / Maroon (hier im Test auf den Bildern zu sehen). Die Größen reichen von 36 bis 44,5. So große Größen bei Damenmodellen sind etwas Besonderes, daher möchte ich dies hier lobend erwähnen.
Bei Altra findet ihr eine Größentabelle. Es wird empfohlen, 0,5 Zentimeter zu addieren. Das habe ich gemacht und ich habe viel Platz - nicht zu viel, aber wirklich viel - vorne und würde den Schuh beim nächsten Mal eine Nummer kleiner wählen.
Bei Altra auf der Homepage kostet der Schuh aktuell 150 € und ist damit in meinen Augen für Amateurläuferinnen eher im mittleren bis gehobenen Preissegment angesiedelt.
Material
Das Obermaterial des Schuhs ist ein Mesh-Material, welches leicht ist und Atmungsaktivität verspricht.
Im Zehen- und Fersenbereich wird der Schuh durch ein TPU-Overlay geschützt. Dabei handelt es sich um einen technischen und weichen Kunststoff, welcher sehr robust ist und als flexible Alternative zu Hartkunststoff eingesetzt wird.
Die Zwischensohle besteht aus dem ebenfalls leichten EVA-Schaum. Altra hat hier nicht gespart und eine Dämpfung von 32 Millimeter eingebaut. Trotz großzügiger Dämpfung bleibt der Schuh dank des verwendeten Schaumstoffs und des Mesh-Obermaterials sehr leicht. Ein Paar bringt weniger als 600 Gramm auf die Waage.
Die Sohle ist eine Eigenerstellung von Altra namens MaxTrac. Laut Altra soll sie sehr robust sein und festen Grip auf allen Terrains bieten.
Mehr zu den Funktionsweisen der Materialien lest ihr im weiteren Verlauf des Testberichts.
Funktionalität und Aufbau des Schuhs
Wie im letzten Abschnitt bereits erwähnt, ist der Schuh mit einer 32 Millimeter dicken EVA-Zwischensohle ausgestattet. Von Altra wird der Schuh mit einer mittleren Dämpfung beschrieben. Ich finde diese Menge an Dämpfung aber bereits großzügig. Es entwickelt sich ein weiches Laufgefühl und die Gelenke werden geschont.
Die Sprengung des Schuhs, also der Höhenunterschied zwischen dem Fersen- und dem Vorfußbereich beträgt 4 Millimeter. Von 0 bis 4 Millimeterzählen Schuhe als Barfuß- oder Neutrallaufschuhe. Die meisten Laufschuhe haben eine Sprengung von 4-9 Millimeter. Die hier verwendeten 4 Millimeter sind also eher wenig. Eine geringe Sprengung führt in der Regel zu einem bodennahen Laufgefühl mit einer sicheren und stabilen Grundlage - das kann ich bei dem Schuh leider trotzdem nicht unterschreiben. Mehr dazu lest ihr unter "Praxistest".
Eine geringe Sprengung führt immer auch zu einem natürlichen Laufgefühl beziehungsweise ermöglicht diese einen Laufstil, der dem Barfußlaufen relativ nah kommt. Dies wird bei dem Experience Wild 2 durch die für Altra typische Zehenbox verstärkt. Diese ist sehr groß und bietet viel Platz, dass sich die Zehen frei entfalten können. Dadurch wird eine natürliche Bewegung beim Laufen ermöglicht.
Die Schuhe sind wirklich sehr weich und flexibel, sodass das Anziehen keinerlei Probleme bereitet. Dennoch sind die Schuhe mit Anziehschlaufen an der Ferse ausgestattet. Diese sind für mich zwar unnötig, aber besser haben als brauchen...
Außerdem lassen sie sich gut zur Befestigung der Schuhe am Rucksack oder ähnlichem zweckentfremden.
Wie die meisten (Trail-)Laufschuhe sind die Schuhe mit zusätzlichen Ösen für die Schnürung ausgestattet. Mehr dazu lest ihr unter Praxistest.
Über den Schuh verteilt sind verschiedene reflektierende Elemente angebracht. So zum Beispiel an der Ferse die GaiterTrap-Ösen. Neben der sinnvollen Reflexion an der Schuhrückseite können hier Altra Gaiter (Gamaschen) befestigt werden.
Die Form des Schuhs ist ein Rocker (siehe Bild). Wie sich das auf das Laufverhalten auswirkt, lest ihr ebenfalls im Praxistest.
Passform und Komfort
Wie in den letzten beiden Abschnitten bereits angesprochen, sind die Schuhe sehr weich, gut gepolstert und somit bequem. Neben der gut gedämpften Sohle ist auch das Innenmaterial des Schuhs weich und sehr gut gepolstert.
Im Fersenbereich sind extra Polsterkissen angebracht, die zu einem tollen Fersenhalt führen. Ich habe eine sehr schmale Ferse, aber mein Fuß sitzt super in den Schuhen! Ein großes Lob an dieser Stelle.
Im Gegensatz zur eng anliegenden Ferse ist der Vorderfußbereich sehr großzügig gestaltet (siehe letztes Kapitel). Das trägt ebenfalls zu einem komfortablen Tragegefühl bei.
Leider ist Komfort für mich nicht das Hauptaugenmerk bei Trailschuhen. Natürlich sollen diese auch nicht super unangenehm sein, aber in diesem Fall kommt mir die Stabilität deutlich zu kurz und der Komfort ist dafür zu präsent. Ausführlicheres dazu erkläre ich im nächsten Kapitel.
Praxistest
Der Schuh glänzt mit vielen tollen Funktionen, die ihr in den letzten beiden Kapiteln nachlesen könnt. Das Zusammenspiel aus niedriger Sprengung und der breiten Zehenbox bieten viel Potenzial, um ein natürliches Laufgefühl zu vermitteln. Abgeschwächt wird dieses Gefühl jedoch durch die starke Dämpfung und damit sehr hohe Standhöhe. Das ist per se nicht schlecht, sondern einfach eine Frage dessen, was man möchte. Ich habe den Schuh als sehr komfortabel empfunden und habe die Dämpfung auf längeren Läufen sehr genossen.
Im Fersenbereich habe ich einen tollen Halt im Schuh. Dieser kommt durch die Polstereinlagen und die zusätzliche Öse zum schnüren zustande. Leider ist mir der Halt im Mittelfußbereich deutlich zu gering. Dass man bei der breiten Zehenbox im Vorderfußbereich Spiel hat, ist normal. Den Mittelfußbereich wünsche ich mir aber gerade bei einem Trailaufschuh stabiler. Gepaart mit der breiten vom am Übergang zwischen Mittelfuß und Vorderfuß war mir das Laufgefühl besonders auf technischen Untergründen zu schwammig!
Auch die zusätzliche Öse in der Schuhmitte hat mir wenig zusätzlichen Halt gegeben.
Die Sohle verspricht Grip auf allen Untergründen. Sowohl auf weichem als auch hartem Boden hatte ich guten Halt, solange es trocken war. Bei Feuchtigkeit wurde es leider etwas rutschiger als mir lieb ist. Irgendwann rutscht natürlich jede Sohle, aber ich habe schon Sohlen mit mehr Halt bei Feuchtigkeit erlebt. Es ist aber auf jeden Fall noch im Rahmen. Was für mich nicht tolerierbar ist, ist die unglaublich schnelle Abnutzung. Folgende Bilder sind nach dem ersten Lauf auf steinigem Untergrund entstanden...
Neben den Abnutzungen an der Sohle löst sich auch schon an der ersten Stelle die Seitenwand vom Obermaterial.
Das Obermaterial an sich ist aber dank der guten Verarbeitung und den TPU-Verstärkungen nach wie vor wie neu (nur etwas staubig ;)).
An dieser Stelle möchte ich betonen, dass ich auf einem steinigen Wanderweg gelaufen bin und keine wilden Abenteuer abseits der Wege bestritten habe!
Tatsächlich gibt einem der Schuh beim Laufen einen schönen Impuls beim Zehenabdruck, was vermutlich am vorhin erwähnten Rocker liegt.
Fazit
Altra hat hier einen sehr komfortablen Schuh produziert, der durch seinen Komfort und seine starke Dämpfung glänzt. Die niedrige Sprengung und die breite Zehenbox lassen ein natürliches Laufgefühl zu, soweit dies bei 32 Millimeter Dämpfung möglich ist. Auf jeden Fall ermöglicht der Schuh mit der Kombination aus natürlichem Laufstilpotential (Sprengung und Zehenbox) gepaart mit der Dämpfung ein sehr gelenkschonendes Laufen.
Mir persönlich mangelt es jedoch an Stabilität im Mittelfußbereich, weshalb der Schuh für mich persönlich als Trailschuh ungeeignet ist, sondern eher für lange oder gemütliche Läufe zum Einsatz kommen wird. Gerne auch im Gelände, aber nichts Steiles oder stark technisches.
Da die Sohle und der Schuh bereits nach den ersten Wochen bzw. nach dem ersten Lauf starke Abnutzungen zeigt, bin ich gespannt, wie lange der Schuh halten wird.