Hält warm, hält kalt, hakelt ein bisschen
VORTEILE
- einhändig bedienbar
- gute Isoliereigenschaften
- BPA-frei
- spülmaschinenfest
- keine Verschüttgefahr beim Autofahren
NACHTEILE
- Deckel-Kappe wird bei heißen Getränken auch sehr warm
- "Hydration Tracker": unnötige Spielerei
- hakelige Details am Verschluss
BEWERTUNG
Viel Trinken, Leute! Insbesondere im Sommer, wenn die Temperaturen die 25°C deutlich überschreiten, sehnt man sich nach einem erfrischenden Getränk. Kommt das Wasser aus den weit verbreiteten Kunststoff-Flaschen, kann es gut sein, dass das Wasser seine erfrischende Wirkung verloren hat und eher lau im Geschmack ist. An dieser Stelle ist eine Thermos-Flasche die richtige Wahl. Ich verwende im Büro schon seit Jahren Isolierflaschen, im Winter mit warmem Tee befüllt, im Sommer mit kaltem Wasser. So kam nun auch die Flasche "Guardian Bottle" von Thermos zum Einsatz.
Zuerst mal ein paar Infos zum empfohlenen Einsatzbereich:
Die Guardian Bottle ist für den Einsatz im Alltag konzipiert. Mit einem Fassungsvermögen von 0,70 l reicht der Inhalt ca. für einen halben Tag, oder laut der beigelegten Beschreibung nimmt die Flasche den Inhalt von ca. 6 Tassen auf. Besonders wird auf der Homepage von Thermos noch auf die Isolierwirkung hingewiesen, welche kalte Getränke 18h kalt halten soll und warme Getränke ca. 6h. Zu den Isolier-Eigenschaften später mehr im Praxistest. Außerdem ist auf der Homepage noch die einhändige Bedienung hervorgehoben, was insbesondere beim Autofahren eine ganz gute Option darstellen könnte. Einhandbedienung klingt aber auch wieder nach einem komplexen Deckel, dies könnte sich wieder nachteilig auf die Dichtheit des Deckels auswirken. Doch auch dazu später mehr im Praxistest. Zu guter Letzt wird noch der "smarte Hydration Tracker" in der Beschreibung der Flasche erwähnt. Hierunter konnte ich mir erstmal nichts vorstellen...unter dem Begriff "smart" denke ich immer gleich an irgendwelche Sensoren.
Beginnen möchte ich mit der wichtigsten Eigenschaft einer Isolier-Trinkflasche: Die Fähigkeit, kalten Inhalt kalt zu halten beziehungsweise warme Getränke warm zu halten. Laut Herstellerangabe hält die Guardian Bottle 18h kalt und 6h warm. Also gut, der Test beginnt. Da es gerade Sommer ist, nehme ich zuerst mal die "Kalt-halte-Eigenschaften" unter die Lupe. Zu diesem Zweck habe ich die Flasche mit Eiswürfeln gefüllt, ohne zusätzliches Wasser.
Folgende Beobachtungen konnte ich im weiteren Verlauf machen:
- nach 4h: Kein Schmelzwasser in der Flasche, Eiswürfel noch komplett erhalten
- nach 8h: Eiswürfel oberflächlich angetaut, kaum Schmelzwasser in der Flasche
- nach 14h: Eiswürfel weiterhin vorhanden, geringe Menge Schmelzwasser in der Flasche
- nach 23h: ca. 50% Eiswürfel, 50% Schmelzwasser
- nach 34h: ca. 30% Eiswürfel, 70% Schmelzwasser
- nach 38h: ca. 10% Eiswürfel, 90% Schmelzwasser
In Sachen Isolierfähigkeit bin ich schon mal sehr begeistert, hat es doch die im Vorfeld erwarteten Werte deutlich übertroffen! Zugegeben: Der Test entspricht nicht direkt einer alltäglichen Verwendung, denn da hat man ja sicherlich schon zu Beginn eine Mischung aus Flüssigkeit und Eiswürfeln in der Flasche. Dennoch war ich überrascht, dass selbst nach 38h noch immer Eiswürfel-Reste zu erkennen waren.
Nun zum Test der Isoliereigenschaften bei heißen Getränken: Wir erinnern uns an die Herstellerangaben: Bis zu 6h werden heiße Getränke warmgehalten. Also die Flasche mit kochendem Wasser befüllt und regelmäßig den Inhalt bewertet:
- nach 2h: Getränk noch so heiß, dass direktes Trinken aus der Flasche nicht möglich ist
- nach 4h: Getränk noch heiß, aber direkt aus der Flasche trinkbar
- nach 6h: Getränk dampft bei öffnen der Flasche, direkt trinkbar
- nach 8h: Getränk noch warm
Auch hier bin ich von den Isoliereigenschaften überzeugt. Zu erwähnen wäre allerdings noch, dass die meiste Wärme über den Deckel verloren geht. Die Verschlusskappe ist im wahrsten Sinne der Flaschenhals in Sachen Isolierwirkung.
Weiter gehts zur Bedienung der Flasche. Da erinnere ich mich an die Einhand-Bedienung.
Die Reihenfolge lautet dabei:
- Verriegelungshebel auf "unlock" stellen
- Push Button Lid drücken --> gefederter Deckel ploppt auf
- aus der ca. fingerdicken Öffnung trinken
- Deckel bis zum einrasten schließen
- Verriegelungshebel auf "lock" stellen
Im Prinzip war es das. Und es ist wirklich so einfach und funktional, wie es klingt. Einen großen Vorteil sehe ich darin, dass man auch in schaukelnder Bewegung sicher aus der Flasche trinken kann, so z.B. beim Autofahren. Zum einen muss man die Flasche nicht mit zwei Händen öffnen, zum anderen besteht keine Gefahr des Verschüttens, wie es z.B. bei Wide Mouth Flaschen zu oft der Fall ist. Einzig beim Aufploppen der Flasche muss man aufpassen, da bei heißen Getränken evtl. ein Überdruck in der Flasche entstehen kann und man beim Öffnen ein paar Tropfen heißen Inhalt abbekommen könnte. Ebenfalls etwas vorsichtig muss man sein, da man bei dieser Flasche üblicherweise keine Tasse nutzt und somit der eventuell noch zu heiße Inhalt direkt den Weg in den Mund findet und damit auch wieder die Gefahr von Verbrühung bestehen könnte. Hier ist also ein bisschen gesunder Menschenverstand nötig.
Nach dem Trinken ist vor dem Trinken, dazwischen sollte die Flasche auch ab und zu mal gereinigt werden. Laut Herstellerangabe sowohl die Flasche als auch den Verschluss mit warmem Wasser und Spülmittel ausspülen, trocknen lassen und offen lagern. Des Weiteren kann die Flasche sogar in die Spülmaschine, allerdings nur in den oberen Korb. Beim Verschluss sehe ich da kein Problem, der Flaschenkörper passt mit seiner Höhe von 22,5cm allerdings nicht in die mir zur Verfügung stehenden Spülmaschine. Die beiden Silikon-Dichtungen im Deckel können entnommen werden.
Nun noch ein paar Worte zu den verwendeten Materialien der Flasche. Der Flaschenkörper besteht aus doppelwandigem (vakuumisoliertem) 18/8 Edelstahl, der Verschluss ist aus Polypropylen (daher der Isolierverlust über den Deckel) sowie Dichtungen aus Silikon. Die Flasche und ihre Komponenten sind frei von BPA.
Bei den genannten Vorteilen der Einhand-Bedienung gibt es an dieser Stelle auch die entsprechenden Nachteile. Viele der im Deckel verbauten Komponenten sind etwas hakelig verbaut. Angefangen von dem Verriegelungs-Schieber, der etwas lustlos in seiner Position bleibt. Zwar kam es in meinem 6-wöchigen Testzeitraum nicht vor, dass sich die Verriegelung selbstständig gelöst hätte, aber ich hatte auch immer ein Auge darauf, ob die Flasche noch im ge-lockten Zustand ist. Vermutlich hängt der lockere Sitz des Verriegelungsschieber auch mit den thermischen Eigenschaften des Polypropylen-Deckels zusammen, denn bei befüllen mit heißen Flüssigkeiten ist der Schieber angenehm fest in der Position. Eventuell würde der Schieber klemmen, wenn dieser bereits bei Zimmertemperatur einen festeren Sitz hätte. Bei kalten Getränken empfinde ich den lockeren Sitz des Schiebers allerdings als störend.
Noch gar nicht erwähnt habe ich den "Smart Hydration Tracker". Ich habe lange gesucht, wo hierin die versteckte Funktionalität liegt. Ich dachte an so etwas, dass man durch Einstellen des Rings die Durchflussmenge regulieren kann. Dem ist aber nicht so. Es soll einfach nur eine 6-stufige Anzeige-Hilfe sein, sodass der Benutzer nach jedem Trinkvorgang einstellen kann, dass eine Portion entnommen wurde, sodass man den Überblick behält, wie viel noch in der Flasche ist. Das ist komplett unnötig. Zum einen ist auch dieser Tracker-Ring sehr hakelig, zum anderen bekommt man es auch sehr gut hin, den verbleibenden Inhalt in der Flasche durch anheben und schwenken abzuschätzen. An dem "smarten Hydration Tracker" ist also nichts smart und sollte weggelassen werden.
In Sachen Langlebigkeit habe ich beim Verschluss die meisten Bedenken. Je komplexer der Verschluss ist, umso größer auch die Wahrscheinlichkeit, dass etwas irreparabel kaputt geht. Für diesen Fall gibt es immerhin eine 2-Jahres-Garantie (bzw. 5 Jahre auf die Isolierwirkung), allerdings nur gegen Vorlage des Kaufbelegs...ich persönlich habe noch keinen Kaufbeleg gesehen, der nach 5 Jahren noch lesbar wäre. An dieser Stelle muss man vermutlich auf die Kulanz des Herstellers hoffen.
Abschließend macht die Isolier-Trinkflasche "Guardian Bottle" von Thermos einen brauchbaren Eindruck. Der mit einer Hand zu bedienende Trinkverschluss funktioniert, auch wenn dieser etwas hakelig ist. Im Alltagsgebrauch kann die Flasche gut verwendet werden, auch wenn man die Verriegelung immer gut im Blick halten muss. In Sachen Isoliereigenschaften gibt es keinen Grund zu klagen, den Hydration-Tracker kann man sich sparen.