Hält kühl, aber dafür weniger Inhalt in der Flasche
VORTEILE
- besser isoliert als eine normale Fahrradflasche
- Verschluss gut abgedichtet
- Verschluss kann "gelocked" werden
- große Trinköffnung
- Verschluss kann für die Rinigung in Einzelteile zerlegt werden
NACHTEILE
- Aufgrund der Isolationsschicht kann der Inhalt von außen nicht gesehen werden
- Verschluss nur mit den Händen (beidhändig) in Trinkstellung zu bringen, nicht mit dem Mund zu öffnen
- Flaschengöße höher als gewöhnliche 0,75l-Fahrradflaschen bei geringerem Volumen
BEWERTUNG
"Fahrradflasche ist Fahrradflasche, da gibt's nicht wirklich Unterschiede." Das war bisher meine Einstellung zu diesem Thema. Aber dennoch habe ich Lieblings-Flaschen. Warum eigentlich? Da wären z.B. die Flaschen aus Alu, die ich beim Radfahren nicht ausstehen kann, da diese die ganze Zeit in meinem (Alu-)Flaschenhalter klappern. Und auch unter den Kunststoff-Flaschen habe ich so meine Favoriten, ich kann aber gar nicht genau sagen, woran das liegt. Zeit diesem Thema mal auf die Spur zu gehen. Im Rahmen des Tests der "Camelbak Podium Ice".
Um was für eine Fahrradflasche handelt es sich?
Camelbak sollte jedem Radfahrer oder Wanderer ein Begriff sein, hauptsächlich für die Trinkbehälter, die man sich Kamel-Artig auf den Rücken schnallen kann. Aber Camelbak bietet auch "übliche" Fahrradflaschen an, wie eben zum Beispiel das Modell "Podium Ice". Die Besonderheit bei dieser Flasche ist, dass diese isoliert ist. Es handelt sich allerdings nicht um eine doppelwandige Alu- oder Edelstahl-Flasche, wie man es z.B. bei üblichen Thermoflaschen findet, sondern um eine doppelwandige Kunststoff-Flasche. Die Isolations-Schicht ist in Form einer "Matte" zwischen den beiden Wandungen eingebracht. Von außen und auch im Gebrauch unterscheidet sich die Flasche also nur unwesentlich von seinen Artgenossen.
Diese Ähnlichkeit zu anderen Fahrradflaschen ist evtl. auch der Grund, warum man auf der Homepage von Camelbak abgesehen vom Volumen der Flasche keinerlei Angaben zu den Abmessungen findet.
Aus diesem Grund hier meine abgemessenen Daten:
- Volumen: 620 ml (also ziemlich mittig zwischen den üblichen kleinen Fahrradflaschen (500 ml) und den üblichen großen Fahrradflaschen (750 ml))
- Umfang (9 cm oberhalb des Flaschenbodens gemessen): 23,2 cm - dieser Wert ist identisch zu meiner Referenz-Flasche mit 0,75 l Volumen
- Höhe: 26 cm bis zum oberen Ende des Mundstücks
- Durchmesser Einfüllöffnung: ca. 5,2 cm
Man sieht also: Die Abmessungen sind sehr ähnlich zu vergleichbaren Fahrradflaschen, weshalb die Unterbringung in den meisten Flaschenhaltern kein Problem sein sollte. Auffällig ist allerdings das Volumen und die Höhe der Flasche: Trotz geringerem Volumen 620 ml vs 750 ml ist die Camelbak-Flasche satte 2 cm höher als das Referenzmodell.
In vielen Fällen wird das nicht entscheidend sein, könnte allerdings bei einer knappen Rahmengeometrie ausschlaggebend sein, ob die Flasche nun in den Rahmen passt oder vielleicht doch aneckt. Insbesondere wenn der Flaschenhalter am Sitzrohr befestigt ist, könnte die Flasche mit dem Oberrohr kollidieren.
Bei Befestigung des Flaschenhalters am Unterrohr sehe ich da mehr Spielraum. Das geringere Volumen ist natürlich auch nachvollziehbar: Sollen die Außenabmessungen identisch zu anderen Fahrradflaschen sein, aber gleichzeitig die Isolierung noch mit rein, gibt es nur zwei Stellschrauben: Flaschenhöhe vergrößern oder Volumen reduzieren. Bei Camelbak hat man sich hier für einen Kompromiss entschieden, also die Flasche "nur" 2 cm größer zu machen und das Volumen um 130 ml zu reduzieren. Als Nutzer muss man sich dieser reduzierten Menge bei der Touren-/Getränkeplanung bewusst sein.
Isoliereigenschaften
Die Camelbak Podium Ice trägt den Hinweis ja schon in der Produktbezeichnung: "Ice". Eis ist üblicherweise kalt. Und genau dafür soll die Flasche geeignet sein. Es geht also weniger darum, heißen Tee einzufüllen, der dann nach Stunden in kalter Umgebung noch immer heiß ist, sondern vielmehr für die Radfahrten im Sommer, wenn man bei 30°C und mehr Umgebungstemperatur noch einen kühlen Schluck aus der Flasche erhaschen möchte.
Als reinen Isolationstest habe ich die Flasche ohne Flüssigkeit mit Eiswürfeln gefüllt, um zu schauen, wie schnell diese Eiswürfel den Aggregatzustand von "fest" in "flüssig" ändern. Die Flasche stand bei diesem Test einfach nur im Raum mit einer Umgebungstemperatur von 22°C.
Bereits nach 1 h waren bereits 30 ml (Schmelz-)Wasser in der Flasche. So setzte sich die Umwandlung fort, nach 4 h waren die Eiswürfel komplett geschmolzen. Bei einer reinen Thermo-Flasche aus Edelstahl wäre das ein grausiges Ergebnis, bei einer Fahrradflasche kann ich damit leben. Denn solche Radfahrten dauern ja in der Regel nicht ganz so lange und dauert es doch länger, sollte die Flasche ja bereits nach ca. 3 h aufgebraucht sein, um den Flüssigkeitsbedarf decken zu können.
Die Erfahrung daraus ist also: Die Isoliereigenschaften halten nicht besonders lange Stand, verzögern jedoch das Aufwärmen des Inhalts. Auch beim Praxistest auf dem Fahrrad habe ich die Flasche mit Kühlschrank-Kaltem Wasser befüllt, bei einer Umgebungstemperatur von 28°C auf dem Fahrrad war der Inhalt der Flasche in den gefahrenen 2 h immer noch angenehm erfrischen zu trinken. Wobei man hierbei allerdings auch aufpassen muss: Wenn man z.B. bei einem Marathon-Rennen oder ähnliches fährt, muss man im Training erstmal ausprobieren, wie der Körper unter Belastung mit kalten Getränken klarkommt!
Für die Isolation wird eine Aerogel-Schicht verwendet, welche in Form einer Matte zwischen die beiden Wandungen gebracht ist.
Verschluss:
Den Verschluss habe ich zu Beginn etwas argwöhnisch betrachtet: Hat dieser doch nicht den üblichen Beiß-Verschluss, der sich mit den Zähnen öffnen lässt, sondern einen Drehmechanismus, den man definitiv nicht mit den Zähnen bedienen kann. Falls doch jemand den Verschluss mit den Zähnen bedienen kann hätte ich davon gerne ein Video ;-)
Aber: Es hat sich rausgestellt, dass man den Verschluss bei der Fahrt auf dem Rad gar nicht verriegeln muss. Auch bei holprigen Strecken und komplett gefüllter Flasche entweicht aus dem geöffneten Verschluss aufgrund des "Ventils" im Mundstück keine Flüssigkeit. Die Verriegelung ist also eher für den Transport in der Tasche oder im Auto gedacht...und da finde ich diesen dann schon wieder sehr gelungen. Wie oft bereite ich meine Fahrradflaschen zu Hause vor und transportiere diese dann allerdings noch in einem Rucksack oder im Auto...immer so positioniert, dass sie hoffentlich nicht umfällt und andere Gegenstände vollsifft. Dafür ist der Verriegelungsmechanismus gut geeignet und funktioniert zuverlässig. Wie gesagt, auf dem Rad sollte die Verriegelung dann bereits geöffnet sein, denn um diese zu öffnen braucht man beide Hände.
Die Wassermenge, die durch den Verschluss in den Mund findet, wird einfach durch Zusammenpressen der Flasche reguliert. Wie bei einer gewöhnlichen Fahrradflasche. Funktioniert wunderbar. Der Innendurchmesser des Mundstücks misst ca. 1,2 cm, im Vergleich zu anderen Radflaschen außergewöhnlich groß.
Reinigung:
Beim Thema Reinigung ist auch das Mundstück immer der Knackpunkt bei den Fahrradflaschen. In diese verwinkelten Konstruktionen eines Beißverschluss kommt man nie so richtig ran (das ist der Grund, warum ich regelmäßig Gebissreiniger kaufe). Bei der Camelbak Podium Ice war ich aber auch hiervon überrascht: Der Verschluss kann auseinandergenommen werden, sodass es so gut wie keine versteckten Ansammlungen von Schmutz geben kann. In Sachen Reinigung ist das vorbildlich. Die Flasche selbst kann durch die große Öffnung auch gut mit einer Flaschenbürste gereinigt werden.
Design:
Zum Design habe ich ja schon das ein oder andere geschrieben. Eine Sache möchte ich aber noch erwähnen, die mir im Praxistest aufgefallen ist: Auf meinen Touren habe ich üblicherweise 2 identische Radflaschen dabei: Eine ist mit Wasser gefüllt, eine ist mit Iso-Getränk gefüllt. Da meine Flaschen meist nahezu transparent sind, sehe ich auf den ersten Blick, welche Flasche das Iso-Getränk enthält und welche Flasche das Wasser enthält. Außerdem sehe ich auf einen Blick, wie viel Flüssigkeitsmenge noch in der Flasche übrig ist. Die Camelbak Podium Ice ist aufgrund der Isolations-Schicht nicht von außen einsehbar. Weder Menge, noch Farbe des Inhalts ist erkennbar. Außerdem wirft die Isolationsschicht an Kanten und Überlapp-Stellen unschöne Falten, die aufgrund der Transparenten Außenhülle der Flasche sichtbar werden.
Sonstiges:
Hergestellt ist die Flasche aus "TruTaste" (TM) Polypropylen, welches sich Geschmacksneutral verhalten soll. Klar, Wasser aus Kunststoff-Flaschen schmeckt nie so frisch wie z.B. aus einer Glasflasche, aber auch beim reinriechen in die Flasche fallen keine unangenehmen Gerüche auf. Das ist bei vielen anderen Radflaschen ganz anders. Die Camelbak Podium Ice ist BPA-/BPS-/BPF-frei (Info von der Homepage, konnte ich natürlich nicht überprüfen).
Fazit:
Die Podium Ice Flasche hat einige Eigenschaften, die mir sehr gut gefallen. Hier ist z.B. der geniale Verschluss und die damit verbundene Reinigungsmöglichkeit zu nennen. Nachteilig sehe ich das reduzierte Volumen, gerade wenn es besonders heiß ist benötige ich eher mehr Flüssigkeit anstelle von kühlerer Flüssigkeit.